...lassen…bei 16 Mio. (!!!) Einwohnern ging das recht schnell…
Mumbai ist mit einer der teuersten und am westlichsten angehauchten Städte Indiens, was sich natürlich auch an den Hotelpreisen bemerkbar macht…wir sparten daher lieber an der Unterkunft, also verzichteten auf die zentrale Lage und nahmen uns vor, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins City Center zu fahren...daher wurden wir mitten aufm Highway in einem Vorort (Andheri) aus dem Bus gelassen…los geht’s ins Getümmel!
Der Rikschafahrer ließ uns in einem stinkenden Hinterhof raus, auf der Hinterseite des Hotels stapelte sich der Müll, mega viele Menschen wuselten iwie überall rum, aber das Zimmer war für den Preis echt okay…da die Busfahrt zwar besser als die letzte war, wir jedoch nicht soooooo gut schlafen konnten, legten wir uns erst mal hin! Viel zu spät und mit knurrendem Magen machten wir uns dann auf den Weg…aber wohin? Erst mal mit der Rikscha zum nächsten Bahnhof…allein das dauerte schon fast ne halbe Stunde! Nicht, weil es weit weg war, sondern weil einfach die Hölle los war! Klar, die 16 Mio. Einwohner müssen ja iwo sein…unglaublich, echt! Naja, am Bahnhof angekommen sah es nicht anders aus…drei mega Schlangen am Ticketschalter…eine Fahrt zur Central Station (35 km / 40 min) kostete jeden von uns unschlagbare 7 INR (=10 cent)…ohne Worte!!! Also klar, das ist ne weite und eigentlich unnötige Strecke, aber ein Hotel in zentraler Lage wäre deutlich teurer gewesen! UND: ich bin ja nicht nach Indien gereist, um es mir einfach und bequem zu machen…da wäre wieder mal der Pauschalurlaub im All-Inclusive-Hotel besser gewesen! Nee nee…ich wollte Abenteuer und ich bekam Abenteuer :-D
Nach 93463746 Blicken von den in der Schlange stehenden Indern (weit und breit war kein weiterer Touri zu sehen), war endlich ich an der Reihe! Ähm…“2 Tickets zur Central Station bitte“…zum Glück konnte der Mitarbeiter mal englisch…viele Rikschafahrer verstehen nämlich echt kein Wort!!! Naja…ich bekam ein Bündel weißer Zettelchen mit unterschiedlichen Beträgen drauf durch das kleine Fenster gereicht… ich musste dann erst mal ausrechnen, wie viel mich die Strecke von A nach B kostet, den passenden Betrag abreißen und dann mit einem Stempelkissen ausm 18. Jahrhundert jedes einzelne Zettelchen 2x abstempeln (Datum und Ort)…“die spinnen doch die Inder“ :-D hehe…wir fragten uns schon, wie die das jemals kontrollieren wollen…doch am dritten Tag wurden wir beim Aussteigen tatsächlich nach unseren abgestempelten Tickets gefragt! Man sieht auch hier: deren System ist crazy, aber es funktioniert ;-)
Am Bahngleis angekommen, fuhr der Zug auch schon ein (da sollte sich die DB mal ein Beispiel dran nehmen^^)…doch hier ist nichts mit erst die Leute brav aussteigen lassen und dann erst einsteigen…von wegen! Der Zug steht noch nicht mal, da springen die ersten Inder vom Zug runter, die anderen drauf…ein großes Drücken von links, ein noch größeres von rechts…okay, was die können, kann ich auch: einfach ein bisschen gegen drücken…geschafft :-D Es gibt zwar extra Frauenabteile, aber entgegen meiner Erwartung, haben sich die Männer mehr als zuvorkommend verhalten! Keine grabschenden Hände an meinem Arsch…im Gegenteil: sie machten extra Platz, dass ich mich einigermaßen komfortabel in dem vollbepackten Abteil fühlte und standen auch von den Sitzplätzen auf…so konnte ich die sich doch in die Länge ziehende Fahrt recht gut genießen…auch wenn mich wieder mal 987827345 Augen anstarrten, als sei ich vom Mars…
An der Central Station angekommen, hieß es erst mal iwie eine Orientierung zu bekommen…wieder hatten wir einen Stadtplan, aber weit und breit sind keine Straßenschilder zu sehen! Das stresst einen echt mega…denn sobald man die Karte in der Hand hält und einen Blick drauf wagt, stehen gleich fünf Inder um einen rum und wollen einem – nein, nicht helfen!!! – sondern eine Rikscha andrehen! Dass wir aber einfach nur mal bissle laufen wollen, weil man so (wie auch mit der Zugfahrt) einfach ein viel besseres Bild von allem bekommt, das verstehen die nicht! Die Strecke sei doch viel zu weit…keine „walking distance“…wir setzten uns durch und haben keine 20 min später (zu Fuß!!!) unser Ziel erreicht!!! Tsss…die spinnen doch die… :-P hehe…
Was uns besonders auffiel: nirgends ist der Kontrast zwischen Arm und Reich so groß wie hier in Mumbai! Auf den Straßen spielen die Kinder im Müll, betteln und ziehen sich gegenseitig die Flöhe aus den Haaren und im Hintergrund sieht man einen verglasten Wolkenkratzer bzw. eine Baustelle nach der anderen…crazy! Auch wenn es zunächst etwas „makaber“ klingt, aber um ein noch besseres Bild von den Kontrasten zu bekommen, buchten wir eine geführte Tour in das größte Slum Asiens: Dharavi. Die Tour ging etwas mehr als 2 Stunden und ich kann es echt nur jedem empfehlen! Gerade, wenn man sonst nicht weiter viel von Indien zu sehen bekommt…wer hier war, weiß was in Indien abgeht und ich bin mal wieder mehr als an meine Grenzen gestoßen! Und das, obwohl ich im Norden ja schon echt viel Armut gesehen habe…Aus Respekt denen gegenüber, die dort „leben“ (mir fällt es schwer, es so zu nennen), war es uns untersagt Fotos zu machen! Ja, unfassbar für mich – ich weiß^^ aber ich versuche es euch einfach so gut wie möglich zu beschreiben…
Unser Guide war selbst erst 17 Jahre alt, sprach nicht gerade das beste Englisch, aber das, was er auswendig gelernt hatte, kam einigermaßen bei uns an…zunächst einmal ist zu erwähnen, dass von den 16 Mio. Einwohnern allein 1 Mio. dort – auf einer Fläche so groß wie 500 Fußballfelder – leben! Man muss es sich also vorstellen wie „eine Stadt in der Stadt“…natürlich müssen die Menschen dort auch arbeiten und was wir da gesehen haben, ist in Deutschland einfach undenkbar…angefangen hat die Tour in der sogenannten „Plastik-Recycling-Fabrik“…zunächst sahen wir Berge von „Müll“, der aber aus wertvollem Plastik bestand, den die Mitarbeiter dort erst in einer „Maschine“ zerhexelt (bei den nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen mit wahrscheinlich dem ein oder anderen Finger) und danach gebleicht, erhitzt sowie zu kleinen Fäden weiterverarbeitet haben! Wir liefen durch jede Station in normalem Geh Tempo und waren froh, schnell wieder an der frischen Luft zu sein! Und die Mitarbeiter dort stehen da stundenlang, Tag für Tag, Woche für Woche…ihr Leben lang…mitten in den Abgasen drin! Unglaublich…naja! Weiter ging es dann noch zur Alu- & Lederverarbeitung, Bäckerei und Töpferei! Die Arbeitsbedingungen wurden nicht wirklich schlechter, aber auch nicht wirklich besser…unser Guide meinte zwar, dass die Menschen eine recht hohe Lebenserwartung haben, aber woher soll er es auch anders kennen/ wissen!? Er denkt wahrscheinlich eher, dass es den Leute schlecht geht, wenn sie gar keinen Job hätten…hmm! Iwie glaube ich mittlerweile, dass es echt so ist! Also die meisten Menschen dort, die haben glaub absolut keinen blassen Schimmer davon, wie es außerhalb ihrer (so heilen) Welt aussieht…ihnen geht es gut mit dem, was sie machen und haben! Würde man beispielsweise die ein oder andere Maschine hinstellen, die denen die Arbeit mehr als erleichtern würde, würde man ihnen glaub mehr damit schaden, als dass man ihnen was Gutes tun würde! Aufgrund ihres Glaubens, ist es für sie einfach super wichtig, immer besser zu werden…“vom Plastik-Sortierer zum Hexler“…oder keine Ahnung! Ich glaube, mit dem „neumodernen“ Zeugs würde man ihre Welt iwie kaputt machen und daher sollte man sie einfach leben lassen…auch wenn es vl zehnmal so lange dauert, als wenn wir den Vorgang in unserer von Effizienz besessenen Welt durchführen würden! Hmm…
Dann führte uns der Guide durch die „Wohngegend“ in der Stadt, denn die meisten Mitarbeiter wohnen auch dort…wir sind durch selbst bei Tageslicht ziemlich dunkle Gassen gelaufen, die keinen Meter breit waren, Stromkabel hingen überall hinunter, die Türen waren (wenn vorhanden) sperrangelweit offen, die Ratten liefen herum…hmm! Wir durften dann einen Blick in eine Wohnung werfen: ganze 2x2 m teilt sich hier eine 4-5-köpfige Familie (zuzüglich der vielen Tiere)! Wasser wird gnädiger Weise von der Stadt übernommen, allerdings steht jedem Haushalt nur ein Kanister zur Verfügung, der an nur 4h am Tag gefüllt werden kann…für den Strom müssen sie komplett selbst aufkommen! Als sich die Gasse dem Ende zuneigte und ich das Licht am Horizont wieder sah, konnte ich meinen Augen kaum trauen…ca. 30 Kinder sprangen mit fröhlichen Gesichtern auf einer riesen Müllhalde rum…riefen laut „HI“ als sie uns sahen, kamen uns entgegen gerannt und schienen einfach glücklich zu sein! Und ich hatte einfach keine Ahnung, woher sie diese Freude nur nahmen…für mich war das Bild schrecklich und ich sagte immer wieder zu mir selbst, dass sie es nicht anders kennen! Aber genau das, machte mich dann iwie noch trauriger! Wir liefen an einer Schule vorbei, da gab es zwar einen Spielplatz, allerdings war das Blech der Rutsche verbogen, die Schrauben standen gefährlich raus, die Schiffsschaukel war nur noch als solche zu erkennen, weil das Schiff am Boden lag…! Ich hätte am liebsten alle an die Hand genommen und ihnen einen richtigen Spielplatz gezeigt…
Fix und fertig haben Tom und ich uns dann wieder mal ein bisschen westliche Welt in einem Coffee gegönnt…das war einfach too much! Am nächsten Tag haben wir dann das typische Touri-Programm durchgezogen: Gateway of India, Hanging Garden: ein nicht wirklich schöner Park, aber immerhin mit schönem Ausblick auf den Strand und die Stadt…auf dem Rückweg sind wir dann an der Strandpromenade entlang gelaufen, an der es erstaunlich viele indische Pärchen zu sehen gab! Sonst sind die ja mehr als zurückhaltend was das angeht…was wir aber auch nicht verstehen, denn schaut man sich indische Musikvideos an, könnte man meinen, es handelt sich um Softpornos :-P hehe...Was auch recht lustig ist: viele Inder kommen immer auf einen zu und wollen ein Foto mit Tom machen – meistens Männer :-) Ich kann euch aber beruhigen – man braucht sich diesbezüglich keine Sorgen machen :-D hehe…in Indien sieht man sehr viele Männer Händchen haltend rum laufen, aber die sind nicht schwul, sondern das ist deren Kultur und zeigt einfach nur, wie groß der Zusammenhalt und deren Freundschaft ist! Dann ging es weiter an den sogenannten „Washing Place“…hier kommen täglich mehrere tausend Inder hin um ihre Wäsche zu waschen…bei dem ganzen Dreck erstaunlich, wie weiß die Wäsche bleibt…
Das krasseste von allem war aber der Verkehr! Egal wo: so viele Risckas, Taxis, Motorräder, Fußgänger und Tiere auf einem Haufen…unglaublich! Wir waren einen Abend im Kino (Contraband – sehr zu empfehlen) und da es dann schon ziemlich spät wurde und ich mir net wieder das Gedränge im Zug geben wollte, haben wir uns mal für ein Taxi bis ins Hotel entschieden…400 INR für die 35 km bis ins Hotel, was keine 6 € sind! Unfassbar, oder??? Aber: wir haben 90 Minuten dafür gebraucht! Weil einfach absolut JEDE Kreuzung zu war…jeder fährt, wie es ihm passt…man kann sich das glaub nicht wirklich vorstellen! Jedenfalls sind wir echt immer total kaputt gewesen…auch wenn wir nur im Zug oder Auto saßen…der Körper ist mit der Hitze, dem Lärm und den vielen Eindrücken glaub einfach nur mehr als überfordert…aber wir haben es überlebt :-) Mumbai spiegelt einem wirklich wieder, was in Indien so alles machbar ist^^ …die Inder sagen immer „in India everything is possible“ :-D hehe…
Nach fast 4 Wochen Städte-Trips bin ich im wohlverdienten Strandurlaub in GOA angekommen! First Stop: Ambarol Beach, Atman Resort, Bambushütte, Hängematte, Meeresrauschen, direkt hinter der Düne, Sonne, 30 °C :-) liebe Grüße ins kalte Deutschland :-) hehe…
Dieser Eintrag wurde in der Kategorie Indien 2012 erstellt.
hallo ihr beiden,
bin super beeindruckt und hab jetzt nur noch das
Bedürfnis,...\"ich will noch mehr wissen\".
Man hat das Gefühl mit dabei zu sein, freu, freu.
Du hast den einen Bericht noch nicht fertig,....:-)
freu ich mich schon auf den nächsten und kann`s
kaum abwarten. :-)))))))))))) Vielen Dank.
Ganz liebe Grüße aus dem brrrrrr ja,......sooooo
kalten Germany. :-(((( -15°Grad unsere Außentemperaturmeßgerät zeigt es nicht einmal
mehr an. Bis bald.
Dani
Hallo ihr zwei,
was soll man darauf nur sagen diese eindrücke kann euch niemand mehr nehmen und es macht mir riesige Freude die Berichte zu lesen. Aber ich glaube ein Bild davon kann man sich nur machen wenn man selber vor Ort ist. Aber du läßt uns ja alle daran teilhaben. Jetzt seid ihr ja in Goa und auf diese Bilder freue ich mich schon jetzt.
Ihr habt euch die Erholung verdient, hier klirrende Kälte aber Sonne pur, also ganz liebe aber eisige Grüße Drück euch ganz doll
Mum
Hallo Nadine, wir freuen uns das es dir gut geht und finden deine Einträge absolut spannend, weil wir uns ja auch schon einmal einen Eindruck von Indien verschaffen konnten. Natürlich erlebst du tagtäglich viel mehr von der Lebensweise der Menschen, aber wir fanden es damals auch schon sehr crass. Ich glaube das muss mann wirklich mal selber erlebt haben. Wir wünschen dir alles Liebe und Gute für deine weitere Reise. Herzliche Grüße die Dortmunder
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