Nach wie vor geht’s jeden morgen, mal pünktlicher, mal weniger pünktlich in die Klinik. Bis jetzt waren wir in 3 unterschiedlichen Teams. Teams bestehen hier aus einem Consultant, etwa ein Oberarzt, einem Assistenzarzt, einem Intern, das sind die Ärzte im ersten Jahr nach dem Staatsexamen und dann mehreren Studenten. Die ersten beiden Wochen waren wir jeweils in einem General Surgery Team, die letzten zwei in der orthopädischen Chirurgie.
An unterschiedlichen Tagen haben die Teams unterschiedliche Aufgaben, so gibt es OP-Tage (ja, wir sind in der Chirurgie und es wird nicht jeden Tag operiert), Tage an denen nur Visite gemacht wird (die auch mal locker 4 Stunden für 10 Patienten dauern kann) und „Clinic“-Tage, an denen Patienten quasi in die Ambulanz kommen.
Unsere Aufgabe besteht zum größten Teil darin, dumm rumzustehen und gut auszusehen. Ok, ganz so schlimm nicht, aber die Ausbildung hier ist eher theoretischer als praktischer Natur. Alle Ärzte sind sehr sehr nett und es geht hier komplett die Mentalität rum, dass diejenigen, die weiter in der Ausbildung sind, den „Tieferen“ ihr Wissen mitteilen. Es ist der Wahnsinn, wir geduldig erklärt wird, wie nett alle miteinander umgehen und wie toll einem die Theorie übermittelt wird. Da kann sich Deutschland wirklich eine Scheibe von abschneiden.
Frustrierend sind Momente, in denen man stundenlang im eiskühlfachklimatisierten OP steht, das Blut einem in die Füße sickert und man immer mal wieder vergeblich versucht, über die Operateure hinüber zu schauen, um in den kleinen Schnitt im Sprunggelenk zu sehen, in dem gerade operiert wird. Aber alles fürs Team! Wenn einer da ist, sollten sich auch alle anderen um ihn herumscharen. Irgendwie ganz nett, dieser Unterstützungsgedanke, aber auch etwas überflüssig.
Wir sehen hier schon auch Sachen, die man in Deutschland nicht so sehen würde, zum Beispiel Entzündungen, die sehr weit fortgeschritten sind, und allen voran Gunshotwounds. Heute guckten wir uns Patienten im 15 qm großen Gipsraum an, der völlig vollgestopft mit 4 Patienten, 4 Gipsern (die natürlich nie alle gleichzeitig arbeiten, einer muss zwischendurch schonmal hören, was gerade im Radio läuft), unserem Oberarzt, vier Studenten und on and off 2-3 Assistenzärzte, die auch noch zwischendurch eine Frage haben, war. Erster Patient: 19 Jahre, OP-Wunde überprüft, Oberschenkelbruch durch Schuss. Zweiter Patient: junge Frau, Fuß im Gips, „wie ists passiert?“-“gunshot“. Klar, auch Frauen können mal am flaschen Fleck stehen. Nächster: „ich war zu Hause, wollte die Tür auf machen, in der einen Hand den Laptop, unter dem anderen Arm meine Pistole, da ist sie runtergefallen und ich hab mir in den Fuß geschossen, als ich sie auffangen wollte“. Hab ich mal gefragt, wieso er überhaupt ne Pistole unterm Arm hatte? „Business“. Da hab ich mal nicht noch weiter gefragt...
Also das war echt krass. Täglich kommen hier Leute mit Schussverletzungen ins Krankenhaus. Das liegt daran, dass es im Süden von Nassau, in den armen Vierteln (in denen wir uns nie aufhalten), 2 Gangs gibt, die sich wohl ständig bekriegen. Da sind dann irgendwie alle involviert, groß und klein. Worum es da eigentlich geht, weiß wahrscheinlich auch kein Mensch, ich hab das Gefühl es ist immer wieder Rache weil der eine einen aus der Familie des anderen umgebracht hat. Irgendwie eine Spirale. Drogen sind bestimmt auch im Spiel.
Auf jeden Fall ist es keine allgemeine Kriminalität, so dass wir hier eigentlich gar keine Angst haben. In Downtown (Stadtmitte), wo wir immer sind, auch wenn wir abends unterwegs sind, fühlt man sich gar nicht gefährdet und es wird auch immer wieder gesagt, dass Touristen hier mit normalen Sicherheitsvorkehrungen sicher sind.
Morgen sind wir aber mit einem zur Abwechslung sehr effektiv und schnell arbeitenden Orthopäden im OP, der uns schon angekündigt hat, er wird uns sehr viel beibringen. Also müssen wir heute noch unsere Hausaufgaben machen und einiges nachlesen, aber da freue ich mich schon drauf.
Wenn wir gerade nicht hardcore arbeiten, lassen wir es uns natürlich sehr gut gehen: Das letzte Wochenende auf den Exumas war der Hammer!
Freitags morgens um 4 gings - nachdem wir am Abend vorher noch in unserem neuen Stammlieblingsladen waren, in dem donnerstags immer eine Liveband spielt – zum Flughafen und ab auf die Exumas. Viel zu früh für „die Inseln“ kamen wir um 7 an und mussten erstmal 2 Stunden warten, dass die Insel aufwacht. Sind auf den „Family Islands“, wie die anderen Inseln der Bahamas genannt werden, eben noch gemütlicher (um nicht zu sagen schneckenlangsam) als schon in Nassau. Aber wir haben ja Urlaub, da lässt sich das aushalten.
Abends kamen noch Nora (deutsche Pjlerin) und 2 Freunde von ihr, die gerade zu Besuch sind, nach. Sie hätten eigentlich morgens mit uns fliegen sollen, haben aber ihren Flug verpasst, weil der Taxifahrer, der sie hätte holen sollen eine ¾ Stunde zu spät kam und dann total besoffen war und auf der Fahrt immer eingeschlafen ist. Ich find es immer wieder krass, dass hier betrunken Autofahren erlaubt ist. Da hat mir letztens ein Typ erzählt, dass er mal total besoffen nach Hause gefahren ist und nicht mehr so koordiniert war, deswegen nur 30 kmh gefahren ist. Da hat die Polizei ihn angehalten und gefragt warum er so langsam fährt. Sagt er, weil er total betrunken ist und die Polizei rät ihm einfach nur, dann weiter langsam zu fahren und wünscht ihm einen schönen Abend. Echt unglaublich!
Die Tage auf den Exumas haben wir total genossen: wir sind mit unserem gemieteten Auto von Norden nach Süden über die eine Straße der Insel gefahren und haben die traumhaften Strände besucht. Dort ist es echt nochmal ein ganz anderes Kaliber: das Wasser hat tausende tolle blau bis Grüntöne und ist unheimlich klar. Die Strände kilometerlang, weicher weißer Strand und menschenleer. Leider hat der Hurricane auch vor dieser Insel keinen Halt gemacht und so findet man am Strand doch relativ viel Seegras, wie es hier in Nassau auch der Fall ist, sonst wäre es noch paradiesischer gewesen.
Abends feierten wir mit den Locals am einzigen Ort der ganzen Insel, wo was los war.
Das absolute Highlight war der Sonntag: Über den Cousin eines Arztes, der auf den Exumas lebt und uns auch die Unterkunft vermittelt hat, kamen wir in den Kontak mit einem Amerikaner, der gerade auf der Insel baut und ein Boot hat. Er war so lieb und hat uns den Tag dann ein bisschen rumgefahren. Mit dem Boot düsten wir zur nächsten Insel, wo wir vor einem kleinen Blue Hole schnorchelten und danach zum schönsten Strand, den ich in meinem Leben gesehen habe. Hier war es wirklich wie im Reisekatalog: weißer Sand, durchsichtiges, türkises flaches Wasser und kein Mensch weit und breit. Wir wären alle am liebsten nie mehr weg gefahren.
Mit ein paar Bahama Mamas (Cocktails) am nächsten wunderschönen Strand im Wasser besiegelten wir das Wochenende.
Jetzt ist gleich schon wieder das nächste und wir haben noch gar nicht richtig Pläne geschmiedet. Wahrscheinlich stürzen wir uns wieder ins Nachtleben, heute abend natürlich unser donnerstagsabend-Date mit der Band im Bahamas Joe\\\'s und am Sonntag gehen wir dann mal ganz züchtig mit unserer Vermieterin in die Kirche, die hoffentlich lebendig und musikalisch gut werden wird.
@süße kinder am strand: wo die kleine denn bitte ihre hand?!
astrid, check mal deine mails. wäre es ok, wenn mo und katha bei dir für 3 nächte während des stex pennen? resi hat nix dagegen! alternativ würden die bei mir pennen, aber das wär was eng. sag ma bescheid! lg
Liebe Ise,hört sich alles ganz toll an-bleib munter und geniesse jeden Tag.Liebe Grüße Angelika
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