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Basties Blog

Das Kapitel Napier

14.12.2009 | Bilder8 | Kommentare1 | Neuseeland  - Napier
Es ist ein warmer Frühlingstag im November, ich sitzte mit 4 weiteren Backpackern in einem viel zu voll gepackten Auto auf dem Weg nach Napier. Als wir nach knapp 2...

...stündiger Fahrt unser Ziel, die Küstenstadt Napier erreichen, erstreckt sich vor uns der gewaltige Pazifik.

Einige Kreuzungen und Querstraßen später, erreichen wir dann unser Hostel mit dem Namen „Wallys Backpackers“.

Auf den ersten Blick scheint das Hostel fest in deutscher Hand zu sein. Bis auf eine kleine Gruppe von Engländern und den Besitzer des Hostels spricht hier jeder deutsch.

Gut eine Woche nichts tun, Karten spielen, sonnen und unzählige Versprechungen des Hostelbesitzers auf Arbeit später, beschlossen wir uns selbst auf die Suche nach Arbeit zu machen.

Nach gut 2 stündiger Fahrt durch die endlosen Apfelplantagen von Hawkes Bay wurden wir endlich fündig.

Auf einer Farm hieß es dann wir könnten in 3 Tagen anfangen. Für den Mindestlohn von 12,50§ heißt es dann Apple-Thinnen. Apple-Thinning bedeutet, man pflückt die kleinen und schlechten Äpfel heraus damit die Guten mehr Platz zum wachsen haben, also eine sehr wichtige und anspruchsvolle Aufgabe.

Die Zeit bis zu unserem Arbeitsbeginn vertrieben wir uns mit einer Fahrt in den Te Uewera Nationalpark, das größte zusammenhängende Waldgebiet Neuseelands.

Am letzten Tag vor unserem ersten Arbeitstag beschlossen wir sehr früh aufzustehen um uns den Sonnenaufgang über dem Meer anzusehen. Und das frühe Aufstehen um 4.45 Uhr hat sich wirklich gelohnt, die Natur boht uns ein wunderschönes Schauspiel.

Dann war es endlich soweit, unser erster Arbeitstag, pünktlich um 8 Uhr traten wir mehr oder weniger motiviert unseren Dienst an der Frucht an. Unser Boss Carl begutachtete mit Adleraugen jeden unserer Handgriffe, bloß nicht zu viel oder zu wenig abmachen, aber das perfekte Mittelmaß muss erst einmal gefunden werden. Dann nach gut 2 Std. war unser erster Arbeitstag schon zu Ende. Carl zog ein Fazit über unsere ersten Arbeitsversuche.

Er meinte: „Good work guys, see ya tomorrow.“ Morgen gehts also weiter, anscheind hatten wir uns doch nicht so blöd angestellt wie teils gedacht. Am Abend im Hostel stellten wir uns dann darauf ein früh ins Bett zugehen und früh aufzustehen und das für die nächsten Wochen.

So gingen die Tage ins Land wir verbrachten die Tage mit Apple-Thinnen und Apple-Thinnen.

Unser Supervisor, Afu, erleichterte uns die Arbeit sehr, da er eine doch recht lockere Arbeitsweise an den Tag legte. Seine Lieblingsworte waren „break“ – Pause und „hometime“ – Schluss. Nur wenn dann Carl mal auf dem Feld war hieß richtig anpacken, aber alles natürlich in neuseeländischen Verhältnissen, dass heißt bloß nicht zu viel machen sonst bleibt für morgen ja nichts mehr übrig. An sich war es eine sehr leichte, aber auch stinklangweilige Arbeit.

An den Wochenende relaxten wir und fuhren zum Strand oder zu „unseren“ Wasserfällen, das war ein kleiner See versteckt in einem Waldstück mit einem Wasserfall und glasklarem Wasser.

So verging die Zeit doch recht schnell und schon waren gut 3 Wochen vergangen.

Dann, es war ein Montag im Dezember, um genau zu sein es war einen Tag nach Nikolaus, welchen man irgendwie nicht wirklich war genommen hat, es war auch schwer bei 23° und strahlend blauem Himmel, da geschah es, als wir morgens auf dem „Orchard“ (Plantage) ankamen, meinte Carl zu uns, wir kommen heute zu einem anderen Orchard.

Erstmal kam leichte Verwirrung auf, warum, wieso, weshalb denn das jetzt. Carl begründete es damit, das wir auf einen Orchard kommen wo wir „per contract“ d.h. per Baum und nicht mehr per Stunde bezahlt werden. Er meinte wir wären in der letzten Zeit die Schnellsten gewesen und deshalb schickte er Yannick, Lucas, Manu (mit denen ich nach Napier gekommen bin) und mich sowie Jan und Jonas ( zwei die wir in Napier kennengelernt und ihnen den Job beschafft haben) auf den anderen Orchard.

Als wir dann auf dem bereits mehrfach genannten Orchard ankamen, war von Anfang irgendwie eine komische Schwingung in der Luft, alle wirkten irgendwie angespannt und gestresst. Dieser Zustand lockerte sich auch nicht nachdem wir unseren Reihen zugewiesen wurden und uns gesagt wurde was wir pro Baum verdienen, nämlich 2,50$.

Als Info am Rande die Bäume waren ungefähr 6m hoch.

D.h. um auf den Mindeslohn zu kommen müssten wir, da wir zu 2t an einem Baum arbeiten, 10 Bäume in der Stunde schaffen. D.h. weiter ca. 600 Äpfel pro Baum entfernen.

D.h. es war schon fast von vorner rein klar, das ist nicht zu schaffen.

Das nächste stellte sich nach ca. 20 min Arbeit ein, unsere Supervisoren, fing an und hatte augenscheinlich auch großen Spaß daran uns wegen jeder Kleinigkeit zurück zu rufen und von dort an die Reihe noch einmal durch zuarbeiten.

Als wir nach 4 Std. vor und zurückrennen einmal fragten wie viel wir denn jetzt schon geschafft hätten hieß es, wir wären bei 12 Bäumen. 12 Bäume d.h. 12 x 2,50$ = 30$ : 4 Std. = 7,25$ : 2 Arbeiter ergibt einen Stundenlohn von 3,125 $ Brutto.

3,12$ in der Stunde das sind ca. 1,60€, nicht gerade berauschend.

Als wir dann fragten, ob es möglich sei überhaupt auf den Mindestlohn zu kommen, meinte unsere Supervisorin nur, ja bestimmt...

Eine nicht gerad vielsagende Antwort. Darum baten wir darum mit dem Chef des Orchards zu sprechen, da es ja nicht sein kann, dass wir 4 Std. fast im Akkord Äpfel pflücken und wir dafür fast nichts bekommen.

Nach fast 2 stündigem Warten waren wir es leid noch länger herumzusitzen und für 1,60€ die Stunde waren wir auch nicht bereit noch weiter zu arbeiten.

Darum sagten wir unserer Supervisorin, dass wir kündigen würden da es ja nicht funktioniert.

Wir entschlossen uns danach dazu zu Carl zu fahren und mit ihn darüber zu reden.

Als wir bei Carl ankamen und ihn die Sachlage schilderten, entschuldigte er sich erst einmal ca. 5 min bei uns. Er meinte es sei das erste Mal gewesen das er Arbeiter abgegeben hat und das er es auch nicht mehr zu diesem Orchard machen wird.

Wir hatten zwar bei ihm einen Vertrag unterschrieben, dieser galt aber nur solange wie es Arbeit gab, Carl bot uns deshalb an wir könnten noch für 2 Tage bei ihm arbeiten dann hätte er aber auch keine Arbeit mehr für uns. Wir waren hin- und hergerissen da wir ja einerseits noch Geld verdienen wollten, aber andererseits auch keine Lust und keinen richtigen Willen hatten mehr bei praller Sonne und über 30° auf dem Orchard zu stehen.

Darum entschieden wir uns dafür komplett aufzuhören, wir dankten Carl noch für die Zeit und für die Erfahrungen die wir dadurch gewonnen haben (Ich erkenne einen Apfelbaum nun auf Kilometern Entfernung um nur eine zu nennen).

Als wir wieder im Hostel waren setzte bei einigen unter anderem auch bei mir das Fernweh ein, irgendwann muss es mal weiter gehen.

Zusammen mit Lucas, Yannick und Manu beschloss ich dann noch ein paar Tage in Napier zu bleiben, uns aber dann, weiter Richtung Süden zu machen.

Wir verbrachten die letzten Tage in Napier damit am Strand zu entspannen und Fotos zu machen oder einfach im Hostel die Zeit tot zuschlagen.

Dann war der Tag des Abschieds gekommen, für gut 5 Wochen war Napier unser zu Hause gewesen, wir haben viele neue Freunde gewonnen, viel erlebt und nicht so viel verdient, aber alles Gute hat einmal ein Ende. Napier mag nicht die schönste Stadt Neuseelands sein, aber es war unsere Stadt.

Und so verabschiedeten wir uns von allen und machten uns auf den Weg Richtung Süden, nach Wellington.

Somit endet an dieser Stelle nun das Kapitel Napier, aber wo ein Kapitel endet, beginnt auch ein Neues.

Bis dahin

Viele Grüße aus Neuseeland

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Kommentare (1)

  • (#1) Yannick sagte am 25.01.10 um 23:48 Uhr:

    Hey Basti!
    sehr lustig die ganzen gemeinsamen erlebnisse mal wieder in blogform revue passieren zu lassen. richtig gut geschrieben, respekt.
    hoffe man sieht sich mal nochmal
    bis dann


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