...ToDo-Liste und jetzt, wo mein Aufenthalt in Auckland in gut einer Woche zu Ende geht, müssen wir die Zeit noch mal ordentlich nutzen.
Wir verlassen den Hafen Aucklands mit der Fähre, die insgesamt 4,5Std. fahren wird. Nach einer halben Stunde erscheint links eine schöne Insel. Rudi, der Besucheraus Australien kommentiert dies folgendermaßen: „Ah schaut mal, ein Golfplatz!“ Darauf Dani verwundert und doch bestimmend: „Äh, nein, DAS ist Neuseeland!“ … und sie haben beide Recht, es sieht aus wie ein perfekt angelegter Golfplatz, aber die gesamte Bay of Plenty-Region sieht so aus! :D
Wir legen im Hafen von Great Barrier Island an und werden direkt mit einem Plakat von unserer Autovermieterin begrüßt. Sie weißt uns kurz in das Auto ein. Auf unsere Frage wie wir am Ende die Übergabe organisieren erklärt sie: „Einfach hier am Hafen abstellen, Schlüssel in den Aschenbecher und das Auto bitte nicht abschließen, das passt dann schon.“ Haha, wie geil, die Insel ist offensichtlich klein genug, dass ein gestohlenes Auto jedem auffallen würde… großartig!
Es gibt hier außerdem kein Internet, was okay ist… aber auch keinen Handyempfang, was schon kritischer ist, und keine durchgehende Stromversorgung. Strom wird hier noch a la minute selbst produziert :D
Die Straßen sind größtenteils einspurig und sehr geschwungen. Hier gebräuchte ich echt ein Go-Kart, Gott wäre das ein Spaß! Wir haben zwar eine Straßenkarte bekommen, brauchen diese aber nicht wirklich, weil verfahren ist hier schon ne Kunst. Die einzige Straße führt uns zu dem „Supermarkt“ der auch gleichzeitig die Tankstelle, Pub, Café und Imbiss ist. Hier warten schon die üblichen Verdächtigen mit kritischem Blick im Gesicht und Bier in der Hand. Nach dem „Großeinkauf“ im Minimarkt geht’s zum Hostel.
Jaja, das Hostel… Wer hätte gedacht, dass man noch mal in die Situation kommt, einem Ladenbesitzer zu erklären, wie sein eigenes Zahlsystem funktioniert? „Wie akzeptieren Kreditkarten“ –„wissen aber nicht wies funktioniert“. Wir werden auf die Hütten 300Meter weiter hingewiesen. Dort wartet schon ein sympathischer junger Mann (Zu mindest die Organe im Inneren, deren Geruch sich mit der Gammel-Nuance der Kleidung perfekt vereint, sind ca. gefühlte 120 Jahre alt, vollkommen besoffen, stark schwankend, trinkend, rauchend mit dreckigen Handschuhen und klebrig wirkenden Klamotten bekleidet) der uns erklärt wo wir was finden.
Bei der Küchenführung fasst er einfach alles an… Ich beobachte genau und notiere mir vor meinem inneren Auge was ich danach alles reinigen muss… Ok, notiert, Herd, Schrank, Handtuch meiden… Och ne, nicht die Besteck-Schublade auch noch anpacken, sag uns doch einfach was drin ist, wir werden’s noch früh genug sehen!!! Nein, er packt sie an… rauf auf die virtuelle Putzliste…
Und dann die schon fast ängstige Frage unserer Seite nach Bettwäsche… Und jaaa, die gibt er uns höchstpersönlich. Mir wird bei dem penetranten Geruch von Pisse und Verwesung langsam aber sicher schlecht, das Würgegeräusch wird unüberhörbar. Wir kommen in eine Abstellkammer, es stinkt!!! => Überraschung :D Und da liegt die Wäsche, in dem Gestank, nie gewaschen und fast selbstständig genug zum Laufen… Prost Mahlzeit!
Wir haben Bier, es wird gehen!!!
Während wir am Bierchen nuckeln erklärt uns der Mann, der noch die ganze Nacht dort sitzen wird, dass die Polizeistation ganz weit weg ist, und der Sherif eh gerade mit seiner Frau in Canada ist um Grizzlies zu jagen…
Wir treffen nachher ein Polizeiauto. Der junge (wirklich jung) Mann steigt aus und erzählt uns dass er jetzt erst mal zwei Stunden in den heißen Quellen sitzt… will er uns damit darauf hinweisen, dass wir jetzt den Pub überfallen können? :D Nur wohin mit der Beute, die Fähre kommt erst morgen wieder :D
Am nächsten Tag starten wir mit der Tour um die Insel, traumhaft schön hier, alles! Schneeweiße Strände mit verloren wirkenden Algen hier und da und das azurblaue Meer. Wir fahren in Richtung eines Campingplatzes, dort steht eine alte verlassene Bus-Ruine, da parken wir neben. Der Strand ist ein Traum, wir lassen uns eine Stunde lang die Sonne auf den Bauch scheinen…
Der Weg dahin ist jedoch etwas schwieriger gewesen mit Elektrozaunüberquerung… -äh, Moment, Elektrozaun? Die müssen Strom selbst produzieren und zäunen damit dennoch leere Wiesen ein??? –natürlich nicht, die Warnschilder sollen wahrscheinlich nur die Kühe erschrecken bevor sie versuchen durchzukommen :D - … und vorbei an den knochigen Überresten von einem Kuhkadaver.
Wir kommen nach unserem Ausflug zurück zum Bus, und werden mal wieder von einem sympathischen Mann begrüßt, dieser trägt allerdings einen langen weißen Bart statt Handschuhe und dieser scheint nicht sonderlich gesellig zu sein. Aus seinem Fluchen heraus erkennen wir mit viel Mühe, dass die Bus-Ruine die da steht offensichtlich nicht verlassen ist, sondern von ihm bewohnt :D
Mit den Worten „Fuck off Wankers!“ (was so viel heißt wie „Verpisst euch ihr Wichser!“ => nur zitiert, nicht meine Wortwahl!) zeigt er uns den Mittelfinger und kündigt an jetzt seine Schrotflinte zu holen… Wir entscheiden uns dagegen darauf zu warten, dass er seine Stimmung ändert und uns auf einen Tee einlädt und nehmen lieber die Beine unter die Arme und düsen los…
Die Insel bringt uns noch weitere wunderschöne Strände, kurze bis lange Wanderwege (-> 1-minute-Lookout) ;) heiße Quellen, Burger im Irish Pub und weitere unvergessliche Stunden im Traum-Luxus-Hostel…
Die Isolation auf der Insel, auf der jeder jeden kennt, ist zwar mal ganz nett für ein Weekend, und die Strände sind der Traum, aber hier wohnen??? NEVER!!! :D
Wer mal vor hat auf die Great Barrier Island zu fahren, NICHT in die Stray Possum Lodge!
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