...Südamerika und mit explodierten Preisen, wie ihr es euch gar nicht vorstellen könnt.
So, und hiermit zum chronologischen Ablauf, ein letztes Mal… (*schnief*) Angekommen nach dem Flug aus Manaus am viel zu frühen Morgen des 26.5. haben wir das erste schweineteure Taxi nach Ipanema genommen, einem sehr schönen Stadtviertel Rios und haben uns dort in das mit Abstand teuerste Hostel unserer ganzen Reise eingemietet. 44 Euro pro Nacht für uns beide im 9-Bett-Dorm mit dreistöckigen Betten, einfach increíble. Immerhin war das Hostel sauber, echt schön, hatte einen Pool und ein super Frühstück—aber trotzdem nichts, was diesen Wucher wettmacht.
Leider hörte der auch nicht beim Hostel auf… für einen Einkauf, der aus je einer Dose Bohnen, Mais und Tomaten, sowie 400g Hackfleisch und der billigsten Flasche Wein bestand, haben wir rund 25 Euro gezahlt. Das war das teuerste Chili unseres Lebens. Und das war noch eines der billigsten Essen in Rio, nur um euch einen Einblick zu geben.
Da wir unseren Abschied aber gebührend feiern wollten, sind wir gleich am Freitagabend mit Christoph aus Deutschland, Sam aus England und Jason aus Californien ab nach Lapa. Tja, wie soll man Lapa beschreiben? Lapa ist ein Stadtviertel Rios wie Copacabana oder Ipanema aber… es besteht einzig und allein aus Bars, Pubs und Nachtclubs. Das ganze Viertel verwandelt sich nachts in eine einzige, riesige, total abgefahrene Party. Und wir mittendrin. Einfach der Wahnsinn. Und ganz ehrlich: Die Brasilianer (oder um ehrlich zu sein, vor allem die Brasilianerinnen) haben definitiv eine ganz andere Auffassung von Party als die braven Deutschen… Da geht verdammt nochmal die Post ab! Nur teuer wurde das Ganze… vor allem da Ann zusätzlich noch ihre Eintrittskarte zum Club verloren hat uns Strafe zahlen musste… Mist… aber: das muss man gesehen haben! Und es wars wert.
Nur das Wetter hat es leider nicht so gut gemeint mit uns… und so haben wir den verregneten Samstag mit Organisation und Herumgurken im Zentrum zugebracht, um das TAM-Büro in dem 36-stöckigen Bürohaus zu finden… wir sind jetzt wirklich faul geworden was das Organisieren angeht, doch nach 4 Monaten „Wo schlafen wir morgen?“ „Wann fährt der Bus in die nächste Stadt und braucht er echt schon wieder 20 Stunden?“ „ Wo ist der nächste Supermarkt/die Wäscherei/ ein billiges Restaurant“ und „Wie zum Teufel finden wir die billigste und beste Tour und drücken den Preis so weit, dass das Geld auf unserem Konto noch reicht?“ haben wir einfach keine Lust mehr.
Das Championsleague-Finale haben wir aber natürlich mitgenommen und uns darüber gefreut mal unbeteiligt über die Aufregung der anderen lachen zu können (nur leg dich niemals mit Fans von ManU an, eieiei…) und haben weiter versucht unser Geld so gut wie möglich zusammen zu halten… um dann am Montag endlich Jesus zu besuchen. Einer der letzten Punkte unserer Reise, und einer von denen, die man in Südamerika gesehen haben muss: Die über 30m hohe Christus-Statue auf dem Berg inmitten der Stadt. Doch nicht nur die Statue an sich ist eine Attraktion, sondern vor allem der Blick über die Stadt ist einfach himmlisch (hihi..deswegen steht Jesus ja auch da :D) Rios Lage ist die Schönste, die eine Stadt nur haben kann: Direkt am türkiesblauen Atlantik, aus dem sich weiße Sandstrände und spitze Fels-Berge erheben, die wieder abfallen zu knallgrünen Wäldern und Parks und dann auslaufen in breiten, von Palmen und Hochhäusern gesäumten Alleen. Und wenn man dann von oben auf die Copacabana und den Zuckerhut von Rio blickt während Christus hinter einem über alles wachen zu scheint, dann bekommt man wieder das Gefühl, dass die Stadt vielleicht sogar doch ihr Geld wert sein könnte.
Der nächste Tag war es jedenfalls defintiv. Das war einer der billigsten und dennoch schönsten Tage in Rio: Der Wettergott war uns gnädig gestimmt und hat uns mit angenehmen 25° C, Sonnenschein und blauem Himmel gesegnet… Da gibt es nur eins: Ab an den Strand! Und dort am makellos weißen Sandstrand von Ipanema haben wir den ganzen Tag nichts anderes getan, als Kokosnüsse leer zu schlürfen, uns in der Sonne zu räkeln und im Wasser zu versuchen, den bis zu 4 m hohen Wellen standzuhalten. Noch ein würdiger Abschluss nach der Enttäuschung der Strände in Venezuela.
Am Mittwoch waren wir schließlich doch nochmal aktiv und unternahmen eine Tour in die Favelas, die „Slums“ von Rio. Doch wir müssen sagen, wir haben es uns tausendmal schlimmer vorgestellt. Die Favelas sind verdreckt, zugemüllt, schimmlig, stinkend und eklig aber: Es sind keine Wellblech- oder gar Papphütten-Slums. Die Favelas bestehen aus geballten Ansammlungen von kleinen, übereinander gebauten Betonhäusern, es gibt überall fließend Wasser, Strom, Internet und sogar alle Geschäfte die man braucht. Nach dem Elend, dass wir in manchen Gegenden Boliviens gesehen haben, waren wir lange nicht so bestürzt wie angenommen. Das Schlimme an den Favelas ist allerdings die Kriminalität. Diese Gebiete Rios werden von rivalisierenden Drogenbanden und Guerillagruppen kontrolliert und terrorisiert, und wenn die Polizei eingreift (so wie zur „Säuberung“ der Favelas für die WM 2014), leiden immer die Zivilpersonen darunter, die sowieso schon nichts haben. Das Erschreckendste ist jedoch: jemand, der in Deutschland von 400 € Hartz IV im Monat lebt, kann sich gerade mal eine „Wohnung“ in den Favelas leisten. Die Miete kostet pro Monat nämlich 200-300 Euro im Schnitt. Wieder mal: Unfassbar.
Den Rest unserer Zeit in Rio haben wir in Cafes, Bars, Restaurants und auf den Straßen und Märkten Ipanemas und Copacabanas bummelnd und faullenzend im Hostel verbracht. Nach all den Entbehrungen des Amazonas und Venezuelas haben wir den Comfort einer so westlichen Stadt nochmal genossen… und leider doch das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Gut, dass Rio das Ende unserer Reise war, denn so konnten wir uns das alles nochmal (verdient, wie wir finden) gönnen und es genießen.
Und am Morgen des Donnerstag, des 2. Juni fingen wir dann an unsere Sachen zu packen und machten uns nach einem letzten Besuch des Standes und einem letzten Bad im Atlantik um 13 Uhr auf -
Zum Flughafen. WIR KOMMEN NACH HAUSE!!!! Das TAM-Büro, das wir am Samstag besucht haben, ist das Büro unserer Fluggesellschaft. Wir sind dort im Zentrum zum nationalen Flughafen gegangen um unser Ticket umzubuchen und den Flug zwei Tage nach vorne zu verschieben. Wir haben so viel gesehen, so viel erlebt, wir sind voll und wir haben genug. Nach einem Zwischenstop in Sao Paulo traten wir dann unsere letzte lange Reise in dieser Reise an:
Unser Flug startete um 22.30 in Sao Paulo und beim Abheben sahen wir ein letztes Mal die Südamerikanischen Lichter unter uns schimmern. Erst als wir dann durch die Wolken flogen, und auch das letzte Stück dieses wunderbaren Kontinents unter uns verschwand, wurde uns klar: Es ist wirklich vorbei.
Wir landeten pünktlich um 14.30 Uhr in Frankfurt, zum ersten Mal seit 4 Monaten wieder deutschen Boden unter den Füßen und Papa stand auch schon am Ausgang und freute sich genauso wie wir, dass wir wieder zurück sind. Und das sind wir wirklich! Deutschland hat uns wieder!
Und damit: Vielen Dank an alle, die so fleißig, unerschütterlich neugierig und treu diesen ganzen Blog, all unsere Erfahrungen und Besichtigungen und damit fast unsere gesamte Reise mitverfolgt und miterlebt haben! Wir haben uns unheimlich über eure vielen Kommentare und euer Interesse an uns beiden unbedeutenden Weltenbummlern gefreut und wollen euch allen nochmal danken! Wer noch mehr Bilder sehen möchte oder noch mehr erfahren will: Schreibt uns einfach, wir erzählen gerne so viel wie nur möglich. Es ist so toll euch alle wiederzusehen und wieder hier zu sein! Es ist doch wahr: Wer die Welt gesehen hat, weiß doch erst, wie schön es zu Hause ist.
So, und nun ein Fazit? Au weia, das ist schwer, diese Reise in ein Fazit zu packen… wir versuchens:
Südamerika hat uns unheimlich viel gegeben. Wir sind um unzählige Erfahrungen reicher, die wir nie wieder missen wollen und ja, wir würden es immer wieder tun! Wir haben Fehler gemacht, waren am Boden zerstört, haben uns wieder aufgerafft und sind dann vor Glück auf Wolken geschwebt, bevor die 20 kg unseres treuen Backpacks auf dem Rücken uns wieder auf den Boden der Tatsachen geholt haben. Wir wissen nicht, inwieweit Südamerika uns verändert hat, aber eines ist sicher: Wir werden immer ein Stück dieses Kontinents im Herzen haben. Das alles wir für uns unvergesslich bleiben und: Das hier war unsere Rückkehr, aber nicht das Ende.
Wir werden zurückkommen.
Und bis dahin: Macht selber eine Reise! Und lest unseren Blog, wenn wir von unserer Nächsten erzählen! Wir werden uns drüber freuen.
Viele liebe Grüße und ein großes Dankeschön an euch allelieben Leser, in die Welt und an unsere neue Liebe: Danke, Südamerika!
Macht´s gut und bis bald!
Eure beiden Weltenbummler: David und Ann
Heyho,
so ein würdiger Abschluss eures Südamerika-Reise-Blogs; jetzt könnt ihr eigentlich ein schönes Tage-(bzw. Wochen-)Buch daraus machen ;) käm bestimmt nicht schlecht!
@Stemmler, ich glaub der Alltag hat dich schneller wieder als du dir vorstellen kannst ;)
Liebe Grüße
Dominik
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