Registrieren  |  Tour

Doerthes Blog

Geschichtsstunde

07.11.2010 | Bilder20 | Kommentare2 | Norwegen  - Haugesund, Rogaland
Dieses Wochenende stand eine kleine Geschichtsstunde (oder mehrere?) auf dem Programm. Eigentlich war es ursprünglich eine Wandertour mit Bjørn und seinem...

...Hund Skip durch die bewaldeten Berge im Hinterland Haugesunds, namentlich Vardafjellet und Haffjellet. Die Geschichte, auf die man dort an jeder Ecke stößt, ist aber keine besonders glorreiche, vor allem nicht für uns Deutsche. In der Tat handelt es sich um etliche alte Geschützbunker und Gräben aus den 40er Jahren, die man sogar betreten kann. Sie stehen einfach in der Natur und wuchern zu. Offenbar dienen sie auch vielen Jugendlichen als Unterschlupf für diverse Feiern oder Testwand für erste Graffitti-Versuche.

Nachdem ich mich zu Hause erstmal schlau gemacht habe (Wikipedia sei Dank), kann ich zumindest die grobe geschichtliche Einordnung zu diesem Phänomen geben:
Im April 1940 landeten deutsche Truppen überall an der Küste Norwegens. Dieser militärische Vorstoß lief unter dem Namen "Weserübung" und sollte zum Einen die Erzbelieferung aus Schweden sichern, zum Anderen eine weitere Front gegen England verhindern. Nach einer Unterwerfungsaufforderung an Dänemark (das als Landbrücke dienen sollte) und Norwegen, der Dänemark nachkam, Norwegen aber nicht, liefen deutsche Truppen aus, um das große, kalte Land im Norden zu besetzen. Sie stießen dabei nur in Narvik, ganz im Norden, auf größeren Widerstand. In den Hängen der Wälder rund um Haugesund kann man die Befestigungen der Geschützanlage noch immer sehen und wie ich gehört habe, scheint es diese Bunker überall entlang der norwegischen Küste noch immer zu geben.

Von den Bunkern aus hat man eine wunderschöne Aussicht über die gesamte Stadt, das Meer und die umliegenden Inseln. Kein Wunder also, dass an solch strategischen Punkten Ausblicke gebaut wurden. Zudem sind überall in den steinigen Waldboden tiefe Gräben gehauen, die eine möglichst unauffällige Fortbewegung zu den einzelnen (unter der Erdoberfläche angelegten) Bunkern ermöglichen sollten.

Im Wald fanden wir sogar ein Gebäude, das vermutlich als Wohneinheit gedient haben könnte. Es hatte Einkerbungen an Fenstern und Tür, um die Öffnungen mit Brettern zu verriegeln und mehrere Rauchabzüge. In einigen Bunkern konnte man sehr gut noch die Lagerräume und Geschützbefestigungen erkennen. Alles sieht aus, als wäre es vor nicht allzu langer Zeit verlassen worden. Sogar Metallkisten, die mal verschlossen werden konnten, sind noch in die Wand geschraubt. Wir fanden sogar einen alten Hammer, konnten aber nicht feststellen, ob er noch aus Kriegszeiten stammte oder jünger war. Verrostet und halb verrottet war er auf jeden Fall.

Ein weiteres dunkles Kapitel ist wohl, dass für den Bau der Anlagen offenbar Zwangsarbeiter aus den umliegenden Städten rekrutiert wurden. Diese Tatsache und die, dass Dänemark trotz Unterwerfung von deutschen Truppen überrannt wurde, hat die deutsch-skandinavischen Beziehungen noch lange nach dem Krieg extrem belastet. Verständlich.

Nachdem wir die eher dunkle Geschichte im wunderschönen, sonnendurchfluteten Herbstwald hinter uns gelassen hatten, gingen wir weiter zu einem See am Stadtrand, der in einem Park liegt. Dieser See dient im Sommer als Badestätte für die Einheimischen. Wassertemperatur 6,4°C und Lufttemperatur 4,6°C am Tag unseres Besuchs. Überall gibt es Essplätze und Grillstätten, die zum öffentlichen und kostenlosen Grillen einladen. Momentan ist es dafür ja leider zu kalt. Heute liegt mal wieder Schnee.

Da man mit Hund immer und überall in Gespräche von Hundebesitzern verwickelt wird, hatte ich viel Gelegenheit nichts zu verstehen und verständnislos zu lächeln. Das mit dem verstehenden Hören will einfach noch nicht funktionieren. Die Dialekte in Norwegen sind einfach nicht lernerfreundlich.
Ein älterer Herr, der sich mit mir auf Englisch unterhalten konnte, da er, wie er sagte, mehrere Jahre in Singapur gearbeitet hatte, meinte dann, es würde ja alles immer internationaler. Zum Abschluss rief er uns hinterher, Hitler würde schon bekommen, was er gewollt hätte: Irgendwann wären wir alle Europäer. Ohne Kommentar.

Bookmark and Share

Weitere Fotos



Kommentare (2)

  • (#1) Mumu sagte am 07.11.10 um 22:41 Uhr:

    Weißt du noch: in Dänemark waren auch am Strand entlang solche häßlichen Betonbunker. Die wurden auch von Kinder bespielt bzw. von der Jugend als Treffpunkt und für heimliche Saufereien genutzt. Ist irgendwie überall dasselbe.
    Übrigens: ich lese gerade "Flavia de Luce - Der Tote im Gurkenbeet". Der Tote kam auch aus Stavanger. Aber das ist bis jetzt die einzige Verbindung nach Norwegen. Ansonsten ist die Geschichte very british.

  • (#2) Doerthe sagte am 07.11.10 um 22:46 Uhr:

    oja das wollte ich auch noch lesen. von dänischen bunkern weiß ich komischerweise gar nix mehr, die hab ich aus meiner erinnerung gelöscht, kann mich nur noch an strände und niedliche häuser und kamin und rote pölser erinnern. und die leckeren süßigkeiten im alles-markt.


Kommentar hinzufügen

Falls du ein globalzoo-Mitglied bist, bitte zuerst einloggen!
Name
Emailadresse
(wird nicht angezeigt)
Dein Kommentar
Spam-Schutz Bitte trage das Ergebnis der Rechnung in das Feld ein.
acht - zwei + 6 = + 7 =
All links get rel="nofollow". Spam entries will be deleted automatically!
 

Blogeintrag gelesen von 119 Besuchern.

Alle Blogeinträge nach...


Doerthe