...konstant über schlaglochübersähte Landstraßen fährt und auch vor kreuzenden Känguruhs keinen Halt macht, ist es schwierig Schlaf zu finden.. Der eine mehr, der andere weniger zerknirscht steigen wir aus und finden uns in einer mittlerweile bereits befremdend vertrauten Situation wieder: Orientierungslos im Nirgendwo. Nur, dass unser Nirgendwo in dieser Episode die pulsierende Großstadt Melbourne ist, die sich einst mit Sydney um die Ernennung zur Landeshauptstadt stritt.
Wir verabschieden uns von den Ulmenerinnen und den Ösis und nach kurzer Grübelei entscheiden wir uns für den bequemeren Weg ins Hostel – Taxi.
Das X-Base Hostel in St. Kilda, einem südlichen Strandstadtteil von Melbourne, macht einen ordentlichen Eindruck. Vor allem die „Ensuite Bathrooms“ bereiten uns Freude. Hinzu kommt noch ein kostenloses BBQ an diesem Mittwoch im Hostel, was unsere Backpackerherzen entzückt – es gibt das erste mal etwas für lau.
Da die Zimmer noch nicht bereit sind, verschließen wir unsere Rucksäcke und pendeln in Shorts und T-Shirt bei 30° und strahlenden Sonnenschein an den Strand – das einzig vernünftige, was man an diesem Tag tun kann.
Die Sonne macht sich dermaßen stark bemerkbar, dass uns schon nach anderthalb Std. die Lust am Strand vergeht – wir treten den Rückweg an. Die Zimmer sind fertig, es wird geduscht, geruht, gerastet. Mit alter Frische geht es an die Bar – Es ist noch Zeit für ein paar „Skooner“ mit lokalem Gebräu bevor das BBQ anfängt.
Bereits um 8 Uhr rauscht dermaßen viel Alkohol durchs Blut, dass wir einen Ausnüchterungsspaziergang zum Pier unternehmen. Genau der richtige Zeitpunkt für einen dieser eindrucksvollen australischen Sonnenuntergänge. Wir schauen jemandem beim Angeln zu und fassen den Entschluss eine Gitarre und eine Angel zu kaufen, was wir einige Tage später auch in die Tat umsetzen.
Der rest des Abends findet ein berauschendes Ende zwischen Zimmerparty und „Red Eye“ - der Bar des X-Base St.Kilda.
Am nächsten Tag starten wir nach einer gesunden Portion Schlaf die Erkundungstour: Es geht mit der Tram 96 ins Herz der Stadt: Elizabeth Street Ecke Bourke Street. Es erstrecken sich riesige Einkaufspassagen in alle 4 Himmelsrichtungen. Die Straßen sind gespickt mit Ramschläden, Boutiquen und Restaurants aller Arten. Nach einem langen Marsch gibt es eine kurze Verschnaufpause am öffentlichen Trinkwasserspender.
Es gibt allerhand Kuriositäten zu beobachten: Singende, besoffene koreanische Weihnachtsmänner, untote Klavierspielerinnen, monströse grüne Reinigungsgeräte und vieles mehr..
Wir besuchen die Chapel Street im hippen Viertel Richmond, eine Einkaufsstrasse auf der ich später meine Suche nach Ked's und einer schwarzen Jeans erfolglos abschliesse.
Wegen gefühltem Vitaminmangel beschaffen wir uns Nahrungsergänzungen – Fischöl und Vitamintabletten – yummy!
Genervt von der Flut an Engländern in St.Kilda ziehen wir näher ans Stadtzentrum: Metro Melbourne YHA. Wir sind begeistert – nicht. Die Zimmer sehen aus wie Mehrbett-Gefängniszellen und sind mindestens genau so geräumig. Zumindest scheint der Roommate „Yeehaw“, ein halb Finne halb Schweizer, ein netter Kerl zu sein. Die Expidition Melbourne geht weiter. Wir entdecken die riesigen Malls „Melbourne Central“ und „Queen Victoria“, eine Mall die um einen alten Fabrikturm gebaut wurde und in einer Glaskuppe gipfelt. Dort gehen wir auch in den neuen James Bond.
Am nächsten Tag: Es tummeln sich allerhand komische Menschen in diesem Hostel. Siehe da: Wir treffen Malcolm Booth wieder, den 65 jährigen Abenteurer von der britischen Isle of White. Nach begrenzter Wiedersehensfreude und der Erkenntnis, dass Australien klein ist, trinken wir ein wenig „Goon“ (widerlicher, australischer Tütenwein) auf dem Rooftop des YHA. Die Skyline sieht Nachts noch beeindruckender aus. Zurückgelehnt in die Hollywoodschaukel sinnieren wir über Vergangenes, Kommendes, Erlebtes und zu Erlebendes.
2 Tage später: Wir ziehen erneut um ins „Nomads Industries Melbourne“. Wir haben einen Campingwagen für unsere anstehende „Great Ocean Road“-Tour entlang der Südküste in Richtung Adelaide gebucht. Wir halten uns oft in der Stadt auf. Ich finde Schuhe und Hose, Teo gewinnt viel Geld beim Pokern im Casino und Stollo lernt die Franzosen zu schätzen. Teo und ich besuchen den Eve Club. Grant Smillie legt auf – Ein Ohrenschmaus der Oberklasse.
Nun sitzen wir in der Lounge des Nomads und halten kurz inne, bevor wir noch einmal für 2 Tage zurück nach St.Kilda ziehen. Währenddessen schreibe ich diese Zeilen.
Das mit der Sushirolle bedarf noch der Übung
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