Unser erster Stopp war Taupo, auf einer Hochebene im Zentrum der Nordinsel, die vulkanischen Ursprungs ist. Der Lake Taupo selbst ist eigentlich ein riesiger Kratersee und bildet mit den Bergspitzen rundum ein nettes Panorama. Wir entschlossen uns nach einem kleinen Stadtrundgang, in eine aktuelle Sonderausstellung hineinzuschauen, in der genau dieses Thema aufgegriffen wurde. Verschiedene Installationen wollten den Besucher interaktiv mit dem lebendigen Land in Verbindung bringen. Da wurde mit Wärmebildkameras und Pulsmessgeräten gearbeitet, die dann Projektionen auslösten oder veränderten. Ein Spielplatz für Erwachsene.
Danach ging es wieder an die frische Luft, in den botanischen Garten. Der ist so angelegt, dass man ihn mit dem Auto durchfahren kann und da anhalten und aussteigen, wo es interessant erscheint. Das taten wir dann auch mehrmals, ich mit dem Hintergedanken, dass Mama sich Herbstfotos gewünscht hat. Die kommen hier also etwas verspätet ;)
Danach verließen wir die Stadt in Richtung Norden, um zu den Huka Falls zu gelangen. Der Waikato River (der längste Fluss Neuseelands), der als einziger aus dem Lake Taupo heraus fließt, muss hier erst durch eine enge Schucht, dann ein paar Meter abwärts, was den Wasserfall bildet. Der rauscht dementsprechend laut. Außerdem sieht er ganz blau aus, weil so viel Sauerstoff ins Wasser gelangt. Es ist erstaunlich, wie ruhig der Fluss danach wieder ist.
Praktisch auf der anderen Straßenseite befinden sich die „Craters oft he Moon“, eine geothermisch aktive Zone, in der vor allem Dampf aus dem Boden geströmt kommt. Da kann aber auch noch Schwefel reingemixt sein oder irgendwelche gelösten Mineralien, dann riecht es etwas unangenehm. Außerdem bildet sich am Boden der Krater manchmal Schlamm, den hört man dann blubbern. In dem kühlen Wetter waren die Dampfwolken, die über das ganze Tal verteilt hervorquollen, besonders gut zu sehen.
Da uns die Campingplätze in Taupo alle nicht so zusagten, fuhren wir gleich noch weiter nach Rotorua, wo wir uns in einem Hostel nahe dem Stadtzentrum einquartierten. Hier waren die Decken nicht im Preis inbegriffen (weshalb wir unsere Schlafsäcke nutzen), aber es war dank Erdwärme kuschlig warm und es gab eine Badewanne. Wie man solche kleinen Annehmlichkeiten zu schätzen lernt… Weil wir mit dem Check-in auch je einen Gutschein für ein Freigetränk in einer nahe gelegenen Bar ausgehändigt bekamen, in der zudem Livemusik sein sollte, nutzten wir die Chance noch am gleichen Abend. Wir waren etwas zu früh da, um von der Musik viel mitzubekommen, aber es war gemütlich. Wie immer lief natürlich Rugby im Hintergrund auf einem großen Bildschirm und einer Leinwand (zumindest, bis die Musik begann).
Am Samstag führte unser erster Gang zum i-Site, wo wir eine Broschüre fanden, die Wanderwege in und um Rotorua vorstellte. Wir guckten uns drei aus, die uns interessant erschienen, und machten uns auf den Weg zum nördlichen Ende des Lake Rotorua. Dort führte der erste Walk an einem Fluss entlang zu den Okere Falls. Auf etwa halbem Weg gab es einen Abstecher zu „Hinemoas Steps“, Stufen, die zu einem (nicht begehbaren) Höhlensystem führten. Hier sollen Maoris des lokalen Stammes in Kriegszeiten Unterschlupf gesucht haben. Schon vorher waren uns Paddler in ungewöhnlich kurzen Kajaks aufgefallen, die kleinere Stromschnellen und Wasserfälle herunter rauschten. Auch als wir die Okere Falls erreichten, tauchte ein großes Gummiboot auf, in dem vier Leute sich die Wasserfälle hinunterstürzten. Die sind ja zum Glück nicht sehr hoch, aber es muss doch ein schöner Nervenkitzel sein. River Rafting oder auch White Water Rafting wird das hier genannt, im Gegensatz zum Black Water Rafting in Höhlen.
Weiter nach Westen erreichten wir das Naturschutzgebiet um den Lake Okataina herum. Ein kurzer Walk brachte uns hier zu zwei hübschen Kraterseen mitten im Wald. Dann liefen wir noch ein Stück am westlichen Ufer des Sees entlang, bis in die nächste größere Bucht. Ich fand es schön, wie ruhig hier alles war. Am Strand hatte jemand aus Stöckern ein kleines Haus gebaut, ein paar Enten verursachten die einzigen Wellen auf dem See. Da sich aber immer mehr Regenwolken in den Spiegelungen zeigten, machten wir uns bald auf den Rückweg.
Für Sonntag hatten wir uns eins meiner persönlichen Highlights vorgenommen: das Filmset von Hobbingen bei Matamata. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Tirau, wo ein riesiges Schaf aus Wellblech uns zum Anhalten animierte. Es beherbergt einen Souvenirshop, der natürlich viele Wollprodukte verkauft, und ein kleines Cafe. Im Schäferhund gleich nebenan ist das örtliche i-Site untergebracht.
Weiter ging es nach Matamata, aber dort zur richtigen Farm zu finden, war gar nicht so einfach. Mit Hilfe einer Skizze auf der Rückseite des Flyers fanden wir den Weg dann aber doch noch gerade rechtzeitig, um die Tour kurz nach zwölf mitmachen zu können. Diese Touren sind zwar teuer, aber es gibt keinen anderen (legalen) Weg, das Set zu sehen und obwohl wir schon etwas knapp bei Kasse waren, würde es dafür gerade noch reichen. Diese Gelegenheit wollte ich mir einfach nicht entgehen lassen.
So setzten wir uns mit fünf anderen Leuten und einem Guide in einen Kleinbus und holperten über die Farmwege. Ab und an hüpfte ein Schaf aus dem weg, zumeist schauten sie nicht mal auf. Da wir eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben haben, kann ich im Folgenden nicht zu sehr ins Detail gehen und erst zuhause Fotos zeigen. Es gibt aber einige, was bereits öffentlich bekannt ist. Gedreht wurde auf der privaten Farm der Alexanders, die zum Zeitpunkt des Drehs nicht einmal von dem Buch gehört hatten und jetzt mit den Touren, die nur sie offiziell betreiben dürfen, gutes Geld verdienen. Ihnen ist es zu verdanken, das überhaupt etwas vom Set erhalten ist, denn sie schalteten sich gerade rechtzeitig ein, bevor wieder alles dem Erdboden gleich gemacht worden wäre, wie es an allen anderen Drehorten geschehen ist. So kann man heute dank weißer Platten mit runden Löchern noch ganz gut erkennen, wo die Hobbithöhlen einmal waren, aber sie sehen eben nicht mehr ganz so hübsch aus wie im Film.
Natürlich gibt es auch den Partybaum noch, vor dem Bilbo seine Rede hält und den kleinen See, an dem das Dorf liegt. Unser Guide betonte mehrmals, was es für ein glücklicher Zufall für die Filmcrew war, drei wichtige Merkmale an diesem Ort vereint vorzufinden: die hügelige Landschaft, den Baum und den See. Für mich war es beeindruckend, wie nah alles beieinander liegt. Im Film sieht es größer aus, aber in echt macht es einen gemütlicheren Eindruck. Wir erfuhren viel über die Mühen und kleinen und großen Tricks, die vor und während der Dreharbeiten nötig waren und es gab Schilder, die mit Fotos den direkten Vergleich vom heutigen Zustand zum Film erleichterten. Zehn Jahre ist das schon wieder her.
Wir hatten dann die einmalige Gelegenheit, einen Blick auf das zu werfen, was für den nächsten Dreh wieder hergerichtet wird. Es steht ja noch in den Sternen, wann es damit losgehen kann. Sicher ist aber, dass ich es nicht mehr schaffen werde, als Statist dabei zu sein.
Es gibt immer mal wieder Diskussionen darüber, ob es sich lohnt, zum Filmset zu fahren. Man muss eben darauf vorbereitet sein, dass nur noch die Hälfte steht. Ich würde es jedenfalls jedem Fan empfehlen. Für mich war es etwas Besonderes.
Durchaus möglich, dass ich von den vielen Schafen beeinflusst wurde. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Demonstration, bei der ein Schaf geschoren wurde. Mir wurde versichert, dass es trotzdem nichtfrieren muss. Danach wurden drei Lämmer auf die Wiese gelassen, die wir per Flasche füttern konnten. Ziemlich gierig, diese laufenden Wollknäuel. Die Fotos sind übrigens von der Toilette und ja, das ist ein Klopapierhalter.
Für uns war der Tag damit aber noch nicht ganz vorbei. Bis nach Thames sind wir noch gefahren, was den Beginn der Coromandel Halbinsel markiert. Dort haben wir dann wieder auf einem Campingplatz übernachtet. Am Montag ging es dann weiter bis nach Coromandel Town, wo wir für die nächsten sechs Wochen bleiben sollten, aber das war uns da noch nicht klar. Mehr dazu m nächsten Eintrag.
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