...aber Philippe wollte am Karfreitag nach Coober Pedy fahren (immerhin 800km und damit halbe Strecke bis Uluru) und da ich ja nicht sicher sein konnte ueberhaupt noch jemanden anderes zu finden, bin ich mit ihm gefahren - mit der Hoffnung im Hinterkopf in Coober Pedy den naechsten Lift zu finden. Hat nicht geklappt, aber es war trotzdem ein guter Ostertrip. Wir sind Freitag morgen etwas zu spaet losgefahren und bereits 2,5 Std. vor Coober Pedy wurde es dunkel, so dass wir an einem Rastplatz gecampt haben. Zum Glueck hatte ich mir noch eine Luftmatratze besorgt, denn Gras gibt es im Outback ja wirklich ueberhaupt nicht und der Boden der naechsten 3 Naechte bestand sogar nur aus kleinen Steinchen. Je weiter wir ins Outback reingefahren sind, desto heisser, trockener und fliegenverseuchter wurde es. South Australia ist immerhin der trockenste Bundesstaat des trockensten Kontinents der Erde. Zum Glueck habe ich das Fliegennetz dabei gehabt - Philippe hatte dagegen wirklich sehr mit den Fliegen zu kaempfen. Besonders beim Kochen/Essen war es nicht auszuhalten und essen im Auto war wegen der Hitze auch nicht angenehmer. Die Fahrt fuehrte uns vorbei an der Gebirgskette der Flinders Ranges (leider nicht zu ihnen), an Salzseen und flachen Ebenen, die so weit reichten, dass man dachte sie hoeren niemals auf. Die Strasse verlief meisstens einfach schnurrgerade - immer weiter hinein in den Staub. Da dies die einzigen Besonderheiten von 10 Stunden Autofahrt waren, kann man sich vorstellen das die Reise sehr monoton war; aber genauso so hatte ich mir das auch vorgestellt und bin deswegen nicht unzufrieden. Die "Langeweile" wurde nur durch die Roadtrains durchbrochen und durch den regelmaessig auftretenden Verwesungsgestank der am Wegesrand liegenden toten Kaenguruhs, Emus und Kuehe, die teilweise sogar gerade von Adlern zerrupft wurden. Alle paarhundert Kilometer gab es ein Roadhouse zum Benzin nachfuellen, ueberteuertes Eis kaufen oder Pinkelpause machen.
Nachdem wir am Freitag abend noch mit ein paar anderen Franzosen Karten gespielt hatten (in der Finsternis des Outbacks und daher fliegenfrei, dafuer unter dem phantastischen australischen Sternenhimmel ), sind wir am Samstagmorgen kurz vor Sonnenaufgang aufgestanden um ein ungestoertes Fruehstueck zu haben. Die ersten Attacken auf Ohren, Augen, Mund und Nase mussten wir aber trotzdem schoen ueber uns ergehen lassen. Bereits um kurz nach 10 sind wir in Coober Pedy angekommen und haben uns erstmal bei der Touri-Info nach Hostels und Campgrounds erkundet (woohoo dort gab es free Internet! - besser als in mancher Grossstadt). Es gibt ein unterirdisches Hostel und einen unterirdischen Campingplatz. Wir haben uns dann wieder fuers guenstigere Campen entschieden. Gegen 11 stand mein Zelt in einer der kleinen Kammern des Camp-Tunnels und wir haben uns nach einem Mittagessen die Osterparade in der "Stadt" angesehen. Die Parade war echt niedlich, ein paar Leute zu Fuss, einige Autos - manche bunt bemalt, der Rest bestand aus Polizei, Krankenwagen, etc. - und zum Abschluss die Feuerwehr die die Zuschauer mit Wasser bespritzte. Zwischendurch flogen Schokoladenostereier auf die Strasse. Das ganze Spektakel dauerte vielleicht 5-7 Min. Zurueck beim Auto entdeckte Philippe sandige Handabruecke auf allen Tuergriffen und Fenstern - wollte uns doch tatsaechlich jemand beklauen. Dabei Stand der Wagen vielleicht 15m von der Parade entfernt.
Den Rest des Tages haben wir mit den Besuchen einer kostenlosen Opal-Schuerf-Vorfuehrung, verschiedener Opalshops, unterirdischer Kunstgalerien und unterirdischer Kirchen verbracht. Und Gespraeche mit den verrueckten Bewohnern des Stadt gefuehrt. Manche dort haben echt einen an der Waffel...aber so muss man wohl sein um an Ort wie diesem sein Leben zu verbringen. Bevor am Abend eine Minenfuehrung unseres Campingplatzbesitzers Rick startete, sind wir noch ueber den Start des beruehmten Oodnadattatracks bis zum "dogfence" gefahren, einem tausende Kilometer langen Zaun, der die noerdlichen Rinderweidegebiete von den suedlichen Schafweidegebieten trennt um die im Norden lebenden Dingos von den Wolllieferanten fernzuhalten. Die Strasse war so holperig, dass sich das simpel befestigte Nummernschild am Auto loeste. Ein irre Vorstellung diesem Zaun in beide Richtungen ewig folgen zu koennen ohne eine Unterbrechung zu finden. Wegen der Minentour haben wir dann das abendliche Feuerwerk verpasst, aber wenigstens war sie sehr interessant und Rick hat einige Stories aus dem Leben eines Opalsuchers zum Besten gegeben.
Am Vormittag des Ostersonntags habe ich mein Zelt abgebaut (der Schlaf war uebrigens gut) und wir sind noch einmal Richtung dogfence gefahren um die Breakaways und die dahinter liegende Moonplain anzuschauen (kurz gesagt: Huegel mit dahinter liegender platter Flaeche). Mittags haben wir uns auf den Rueckweg gemacht, zwischendurch aber oefter angehalten um noch ein paar Fotos zu schiessen. Unser Lager haben wir diesmal sogar erst nach Einbruch der Dunkelheit aufgeschlagen und uns danach noch laenger mit einem deutschen Reisenden unterhalten. Das Fahren in der Daemmerung hatte ganz gut geklappt weil sich Philippe an einen Roadtrain gehaengt hat der einfach alles Getier fuer uns aus dem Weg schob. Naja, nicht ganz, aber so war der Plan. Denn kurz zuvor stand direkt hinter einem Gebuesch, also vorher fuer uns nicht erkennbar, eine Kuh nur einen Meter von der Strasse entfernt und schaute uns duemmlich an. Und wie bloed Kaenguruhs sind haben wir schon in den Grampions gemerkt, als sie uns immer mit Absicht davorhopsen wollten.
Weil wir am Ostermontag noch ins Barrossa Valley gefahren sind, dem beruehmtesten Weinanbaugebiet Australiens, haben wir Adelaide erst am spaeten Nachmittag erreicht. Also haben wir uns einen Campingplatz gesucht und sind nach Dusche und Abendessen zum Port Adelaide gefahren, dem alten Hefanbezirk. Der war aber nicht ganz so spektakuelaer wie erhofft. Weil sich ein Sturm ankuendigte habe ich mein Zelt unter dem Dach der offenen Camp-Kueche aufgebaut - die richtige Entscheidung, denn es regnete fast die ganze Nacht und mein 35$-Zelt haette mich bestimmt nicht trocken gehalten.
Weil dann am naechsten Tag die Sonne schien haben wir erstmal einen Strand angesteuert und 2 Stunden in warmem Sand und kaltem Wasser verbracht. Danach haben wir uns den naechsten Campingplatz gesucht, natuerlich direkt am Strand. Mittwoch hat mich Philippe bei einem Hostel in der Innenstadt abgesetzt und sich auf den "Heimweg" nach Sydney gemacht - er fliegt am 18. nach Asien und Ende April zurueck nach Paris.
Seitdem lungere ich in Adelaide rum und versuche mich bei ziemlich schlechtem Wetter zu beschaeftigen. An einem Abend habe ich mich zum Beispiel mit einem Franzosen ins Kino geschlichen und den Film Brothers angeschaut: die wollten doch tatsaechlich 17$ Eintritt haben. Gestern habe ich mir im Vorort Elizabeth ein Spiel der South Australian Football League, also Australian Football, angeschaut. Das Spiel erinnert eher an Rugby als an Fussball und die Aussies sind echt verrueckt danach. Das Heimteam Central District spielte gegen die Westies (West Adelaide) und gewann am Ende recht souveraen. Es waren ca. 3.000 Zuschauer da und die Regeln habe ich auch eingermassen verstanden. Leider regnete es zwischendurch, dafuer gab es aber einen netten kleinen Regenbogen direkt ueber dem Spielfeld. Gestern bin ich in der Art Gallery gewesen und hab mir ein wenig den Campus der University of Adelaide angeschaut. Gerade eben habe ich mein australisches Konto aufgeloest und meinen Flug bestaetigt. Danach die Tickets ausgedruckt. Und jetzt bleiben mir noch 22 Stunden bis zum Abflug. Dies ist also hoechstwahrscheinlich mein letzter Blogeintrag. Vielleicht gibt es nochmal einen Nachtrag zu Singapur, aber ansonsten werde ich den Blog erstmal einfrieren. Bis ich vielleicht eines Tages auf die naechste Reise gehe. Es gibt ja noch so viel zu sehen: Westaustralien, Tasmanien und Neuseeland zum Beispiel :)
Nachdem ich 9 Monate der Sonne hinterhergejagt bin, ist es jetzt Herbst in Australien und es wird Zeit in den deutschen Fruehling zu fliegen - ich hoffe es ist warm, denn ich kann mit Kaelte nicht mehr umgehen. Bleibt eine kleine Zusammenfassung meiner Reise: Welches Land war das schoenste? Nicht zu beantworten. Alle Stationen waren auf so unterschiedliche Weise grandios und einzigartig . Aber meine persoenlichen Highlights kann ich aufzaehlen: Mein Aufenthalt in Tadoussac, der fast nur aus Whale-Watching-Touren bestand. Natuerlich die Rockie Mountains (mit eigenem Auto doppelt so gut) und Tofino auf Vancouver Island mit Surfkurs, Fahrradstrandtour und meinem verlorenen Portemonaie. Die Northshore Oahus und die Tage mit Alex und Sarah auf Hawaii in denen wir aktive Vulkane, wunderschoene Straende und das Observatorium auf dem ueber 4.000m hohen Mauna Kea gesehen haben. In Australien der Tauchkurs am Great Barrier Reef, Airlie Beach und die Whitsundays, sowie der Frasertrip. Aber auch die Zeit in Childers, trotz wenig Arbeit und viel Regen. Mit den Saufspielen, Laenderspielen und der Olympiade. Dem taeglichen Lauf zur Buecherei, der Routinefrage im Office "Any Jobs available?" und dem abendlichen Blick auf den Arbeitsplan mit der Erkenntnis "Scheisse! Wieder ein day off - wer geht zum Bottle-Shop?". Weihnachten und Silvester in Stanthorpe, Ostern im Outback und ein 11-Stunden-Arbeitstag am Australia Day - alles einmalige Erlebnisse, die ich sicher nicht vergessen werde. Genausowenig die ganzen Leute die ich getroffen hab. Backpacker sind ja von sich aus schon ein nettes Voelkchen, aber auch die Einheimischen waren immer superfeundlich (an alle nochmal ein Danke fuer die schoene Zeit!). Mit wenigen Ausnahmen, etwa Dom auf der Snowmans Farm in Stanthorpe oder das zahnlose Arschloch bei Max Machines in Childers. Aber einige Idioten findet man ja ueberall.
Was mir fehlen wird? Meatpies, Kirks Limonade (!!!), Cadbury-Schokolade, die Frage "Wohin geht es weiter?" und natuerlich das Backpackergespraech: Welche Nationaltaet? Reist du rauf oder runter (Ostkueste)? Wo warst du vorher? Wo faehrst du als naechstes hin? - Ich hab gehoert die Westkueste ist sowieso viel schoener! und die wichtigste aller Fragen: Bist du bei facebook???
Was mir nicht fehlen wird? Hostelbetten, Campingtoiletten, die Frage "Wie geht es weiter?", Pasta, die schlechte Internetverbindung bei McDonalds (bin trotzdem froh das es sie ueberhaupt gab) und natuerlich Goon...oder werde ich ihn doch vermissen?...irgendwie liebt und hasst man ihn gleichzeitig.
Nach dem Zusammentreffen mit den verschiedensten Nationalitaeten kann ich zumindest sagen: Es ist zwar oberflaechlich von irgendwelchen Klischees zu reden, sie treffen aber doch oft zu. Australier gehen schon Vormittags auf ein Bier in die Kneipe, Briten holen sich gerne einen kraeftigen Sonnenbrand, viele Koreaner und Schweizer gehen zur Sprachschule um ihr Englisch zu verbessern - erst danach reisen sie, Japaner treten oft in wild fotografierenden Horden auf, Asiaten (im Allgemeinen) sind superhoeflich (koennen aber verdammt laut schnarchen), Hollaender sind die Stimmungsmacher, Schweden verfuegen ueber perfektes Englisch, Nepalesen arbeiten haerter als die meissten Anderen, Nordamerikaner sind oft nach der ersten Woche pleite, Franzosen essen bei jeder Mahlzeit Brot als Beilage (wahrscheinlich sogar Brot zum Brot) und Deutsche sind wie immer viel zu viel vorhanden. Aber bald gibt es ja einen weniger.
Danke fuers Lesen, mir hat's Spass gemacht :D
Schön geschriebenes Ende! ;)
Und keine Angst, frieren wirds hier wohl nicht, wenn du ankommst...
Bis bald dann!
Ich finde Du hast Deine Blogs wunderbar geschrieben. Wir haben viele Infos bekommen und viel dabei gelernt.
Viel Spaß und Erfolg wieder zu Hause.
danke für die gute zeit...
wir schauen gerade how i met your mother :D :D :D
Liebe Grüsse
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