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Frittys Blog

Stucked in Byron Bay

07.03.2010 | Bilder30 | Kommentare0 | Australien  - Byron Bay, New South Wales
Ein aufregendes Wochenende in Surfers Paradise lag hinter mir, als mich Sonntagnachmittag auf den Weg zum Cape Byron machte. Eigentlich, wollte ich hier nur drei Tage verbringen, doch es kam mal wieder alles anders.

Es ist schon fast egal zu welcher Tageszeit und in welchem Zustand ich einen Bus betrete, stets verschwinde ich nach maximal zehn Minuten ins Land der Träume. So kam es schließlich auch an diesem Tag, obwohl der Weg von Surfers nach Byron nun wirklich alles andere als lang ist. Aus genau diesem Grunde bin ich mittlerweile auch dazu übergangen, mir stets einen Wecker zu stellen, damit ich meinen Ausstieg nicht verpasse. Genützt hätte er mir an diesem Tag jedoch recht wenig, da wir zu meiner Verwunderung eine ganze Stunde früher als geplant unser Ziel erreichten. Doch wie kann das sein? Hat der Busfahrer heimlich die Lachgaseinspritzung benutzt und uns in Schallgeschwindigkeit von A nach B beförder? Nein, natürlich nicht!

In Byron Bay angekommen, wurde ich schließlich daran erinnert, dass es in New South Wales noch die Sommerzeit gibt und man somit eine Stunde Zeitverschiebung zum nahe gelegenen Queensland hat.

Kaum war die Uhr umgestellt, wurde sich, mittels einer Karte, auf die Suche nach dem bereits gebuchten Hostel gemacht. Byron Bay gehört trotz zahlreicher Touristen sicherlich nicht zu den größten Orten Australiens, weshalb ich auch schnell fündig wurde.

Etwas erschöpft von den Strapazen, erreichte ich schließlich die Rezeption des „Maibeach Backpackers“. Hier erfuhr ich, auf relativ unfreundliche Art und Weise, dass mich der ganze Spaß stolze 31$ pro Nacht kosten soll. Für den Preis, hätte man wenigstens freundliches Personal verdient. Die Frau hinterm Tresen versprühte jedoch so viel Charme, wie Rudi Assauer beim Zigarrenentzug.

Generell hätte man für so viel Geld ein etwas besseres Hostel erwartet. Mein Sechsbettzimmer war sauber und verfügte sogar über abschließbare Schränke, doch die Waschräume lagen einen halben Tagesmarsch weit entfernt und selbst die Betten mussten selbst bezogen werden. Das größte Chaos herrschte allerdings in der Küche, die diese Bezeichnung schon fast nicht verdient hat. Sicherlich war sie groß und geräumig, doch türmten sich ganze Berge von nicht abgewaschenem Geschirr in den Waschbecken. Die Gäste scheinen es mit dem Abwaschen hier nicht ganz so genau zu nehmen. Zugegeben, ist es aber auch etwas schwer, sein Geschirr zu waschen, abzutrocknen und wegzustellen, wenn in der gesamten Küche kein einziges Handtuch zu finden ist. Die einzige Tatsache, die den Preis des Hostels zumindest etwas rechtfertigt, ist das kostenlose und überraschend schnelle W-Lan, welches ich im Verlauf der Woche wirklich zu schätzen begann.

Es lag dennoch weniger am Hostel, sondern vielmehr am vorhandenen Zeitdruck, dass ich meinen Aufenthalt in Byron so kurz wie möglich gestalten wollte. An einem Tag sollte der nahe gelegene Nationalpark erkundet werden und an einem anderen das etwas andere Nimbin. Nach drei Nächten wollte ich mich eigentlich wieder vom Acker machen. In Form einer Surftour sollte es endlich weiter Richtung Süden und in die Weltmetropole Sydney gehen. Gebucht war allerdings noch nichts, weshalb ich mich noch am Ankunftstag auf dem Weg zur Surfschule machte.

Präzise, wie ein Deutscher nun mal so ist, hatte ich mir bereits im Internet ausgeguckt, dass die Busse stets mittwochs abfahren, was genau in meinen ausgeklügelten Plan passte. Die deutsche Gründlichkeit hat sich allerdings noch nicht so ganz in Australien durchgesetzt. Ich erfuhr, dass die Surfschule nur noch montags ihre Tour startet, was sie natürlich lieber für sich behalten, als es auf ihre Flyer oder gar die Homepage zu schreiben.

Ungewollt steckte ich nun über eine Woche in Byron Bay fest. Natürlich, hätte ich die Surftour gleich am nächsten Tag starten können, doch die ersten Nächte im Hostel waren bereits teuer bezahlt und ich wollte schließlich auch was vom legendären Cape Byron sehen.

Die ersten Tage ließ ich es erst mal ruhig angehen. Zeit hatte ich nun schließlich mehr als genug. So richtig ausgeschlafen habe ich seit über einer Woche nicht mehr. Obwohl ich an meinem ersten Abend wirklich spät im Bett verschwunden bin, wurde auch am ersten Morgen in Byron nichts daraus. Mit einem lauten Jubelschrei, wurde ich schon viel zu früh aus den Federn gerissen. Natürlich hat es auch mich gefreut, dass Kanada die arroganten Amis im olympischen Eishockeyfinale besiegt hatten, doch hätte ich lieber noch eine Runde an der Matratze gehorcht.

Aufgestanden und gefrühstückt, fläzte ich mich in den TV Raum, um mir die Wiederholung des Finales und schließlich die Abschlussfeier anzuschauen. Als ich mich anschließend zum Einkaufen begab, hatte ich meinen ersten Tag schon fast erfolgreich rumgebracht.

Die ersten Abende im Hostel verbrachte ich mit zwei netten Chemnitzern, die ich bereits kurz nach dem einchecken kennen lernte. In unser „Ossi-Community“ nahmen wir wenig später noch ein Mädel aus Dessau auf und drückten bei einem Hamburger mal beide Augen zu.

Wie schon der erste Tag, wurde auch der zweite, sagen wir „vergammelt“. Im Nachhinein bin ich wirklich froh, dass alles so gekommen ist, denn meine ersten drei Tage in Byron Bay hatten wir Regen ohne Ende. Egal zu welcher Tageszeit man aus dem Fenster schaute, es regnete und das teilweise wie aus Eimern. Wie gut, dass ich mein kleines Netbook und kostenloses Internet zur Verfügung hatte. Ansonsten hätte ich vielleicht noch mit so etwas komischem wie „lesen“ anfangen müssen. Uuuaaah…

Lediglich einen der ersten Tagesanbrüche nutzte ich dazu, mal einen genaueren Blick auf den Ort zu werfen, in dem ich nun eine ganze Woche zu verbringen hatte. Wahrlich groß ist der Byron nicht, weshalb man schnell das Gefühl hat, alles gesehen zu haben. Der Strand ist für australische Verhältnisse eher Durchschnitt, wie meiner Meinung nach auch der ganze Ort. Man findet hier unzählige Boutiquen, Restaurants und Hotels, doch echte Highlights sucht man vergebens. Nichtsdestotrotz schlängeln sich wahre Touristenströme durch die Stadt, die im Grunde genommen nicht mal eine ist. Warum Byron Bay neben Cairns so was wie die Backpacker-Hochburg ist, hat sich mir bis jetzt auch nicht ganz erschlossen. Die Preise sind hoch und nicht mal das Nachtleben kann so wirklich überzeugen.

Richtig aktiv, wurde ich hier erst an meinem vierten Tag. Langsam trat eine Wetterbesserung ein, was natürlich umgehend genutzt wurden musste. Früh aufgestanden, gefrühstückt, den Rucksack gepackt und auf ging es zum Nationalpark um das Cape Byron. Auch wenn es ein kleines bisschen umstritten ist, befindet sich hier schließlich der östlichste Punkt Australiens.

Mit ein paar Schweißperlen auf der Stirn, kämpfte ich mich schließlich über den hügeligen Wanderweg, vorbei an belebten Stränden und steilen Klippen. Gleich zu Anfang, wagte ich noch einen kurzen Abstecher ins „Palm Valley“, wo man sich bereits nach wenigen Metern wie im tiefsten Urwald fühlte. Hohes Dickicht und haushohe Palmen türmten sich neben einem Weg auf, der nach dem vielen Regen kaum noch als solcher zu erkennen war.

Zurück auf meinem ursprünglichen Weg, ging es strammen Schrittes weiter zu meinem Tagesziel. Am östlichsten Punkt Australiens angekommen, war die Ernüchterung jedoch groß. Kein Schild, kein spektakulärer Ausblick, nichts! Die Klippen, die sich etwas weiter südlich auftürmten, waren sicherlich imposant und auch die Delfine, die kurz aus den Wellen sprangen schön anzusehen, doch erwartet hatte ich schon ein bisschen mehr.

Ein paar Fotos geknipst, kämpfte ich mich steil bergauf dem Wahrzeichen Byron Bays entgegen. Der schneeweiße Leuchtturm gehört eher zu den kleineren Exemplaren, doch zu sehen ist er kilometerweit. Haben sich wohl damals was dabei gedacht, als sie ihn auf den höchsten Punkt des Cape Byrons errichteten.

Zu meiner Überraschung traf ich während meiner Wanderung auf ziemlich viele Gleichgesinnte und sogar mal wieder auf eine australische Schlange. Lediglich wenige Meter vor mir glitt sie in wirklich schneller Geschwindigkeit über den Weg, kletterte rasch einen Busch hoch und verschwand wieder im hohen Gras. Natürlich habe ich sofort versucht sie mit meiner Kamera abzulichten, doch wie ihr sehen könnt, ist mir das nur bedingt gelungen. Die, einen guten Meter lange, grüne Baumpython war einfach zu schnell für mich.

Im Gegensatz zum östlichsten Punkt Australiens, war der Blick vom Leuchtturm wenig später schon um Einiges eindrucksvoller. Von hier aus hatte man eine herrliche Aussicht auf Byron Bay und den dicht bewaldeten Nationalpark. Mit einigen schönen Eindrücken und tollen Bildern machte ich mich von hier aus wieder auf den Weg, zurück zum Hostel. Zur Abwechslung ging es nun wieder bergab, was mir bei der Hitze und den Strapazen auch wirklich sehr entgegen kam.

Laut Wetterbericht, sollte das Wochenende bereits wieder verregnet werden, weshalb ich auch den nächsten Tag nicht auf der faulen Haut lag. Mit laut aufgedrehter Musik und einem regenbogenfarbenen Bus, fuhr ich in das kleine Hippiedorf „Nimbin“. Eigentlich dachte ich, es handele sich hierbei um einen Nachbarort Byron Bays, doch mit dieser Einschätzung hatte ich weit gefehlt. Mehr als eine Stunde lang, zuckelten wir mit unserem Bus durch die hügelige Landschaft, vorbei an zahlreichen Farmen mit Kühen, Schafen und Pferden. Teilweise quälte sich unser Gefährt so langsam die Berge hinauf, dass uns selbst ein Reiner Callmund locker beim Joggen überholt hätte.

Kurz vor der Einfahrt in die sagenumwogende Ortschaft, legte unser Bus einen kleinen Stopp ein. In einer ca. zehnminütigen Ansprache unseres Busfahrers sollten wir nun lernen, auf was man in Nimbin zu achten hat.

Erstens sollten wir bloß kein Cannabis von den Teenagern kaufen, sondern von den Erwachsenen, da diese uns angeblich einen viel besseren Preis machen würden. Des Weiteren erfuhren wir, auf was wir bei den berauschenden Pilzen zu achten hätten und wie viele Hashkekse man maximal zu sich nehmen sollte.

Mit allem benötigten Wissen und einem etwas flauem Gefühl im Magen, fuhren wir schließlich langsam in den Ort hinein. Nimbin war nicht nur weiter weg als gedacht, sondern auch viel kleiner, als ich mir vorgestellt hätte. Im Grunde bestand das Dorf aus nicht mehr, als einer kleinen Straße an der sich ein paar Hippieläden und Cafés aufreihten. Entsprechend der Größe Nimbins, bekamen wir lediglich 1,5 Stunden, um den Ort zu erkunden, wofür ich auch sehr dankbar war.

Keine 15 Meter hatten wir uns vom Bus entfernt, wurden uns bereits die ersten Drogen, in Form von „hoch gewachsenem Marihuana“ angeboten. Ein paar Meter weiter, folgten dann auch Hashkekse und die legendären „Magic Mushrooms“.

Wirklich legal ist der Drogenhandel, Konsum oder gar Besitz auch in Nimbin nicht, doch die sieben Cops, in der kleinen Polizeistation des Ortes, scheint das nur wenig zu interessieren.

Ohne Probleme konnten einige unserer Gruppenmitglieder ihre Hashvorräte aufstocken oder sich ein paar Kekse für den bevorstehenden Abend erstehen. Trotz des großen Angebots, waren die Preise dennoch recht hoch. Für eine Unze (26,4 Gramm) Cannabis musste man stolze 240$ auf den Tisch legen und selbst drei Hashkekse machten den Käufer um 20$ ärmer.

Natürlich lag es aber nicht nur an den Preisen, dass ich in Nimbin lediglich einen Dollar für eine Postkarte ausgegeben habe. Kostenlos zum Lächeln brachte mich schließlich auch das Nimbin Museum, welches, genau wie der Ort und die, teilweise schon sehr skurrilen, Gestalten, schon irgendwie sehenswert war. Nicht einmal die zahlreichen Drogendealer machten die friedliche Hippieatmosphäre kaputt, da sie sich mit ihren Angeboten respektvoll zurückhielten.

Nach dem wir, im wahrsten Sinne des Wortes, ordentlich Hippieluft geschnuppert hatten, fuhren wir mit dem Bus etwas weiter in die Berge, um in einem abgelegenen Restaurant unser BBQ-Mittagessen einzunehmen. Genüsslich ließen wir uns die, frisch zubereiteten Würstchen, Hamburger und den leckeren Salat schmecken.

Gut gestärkt, zuckelten wir nun zu dem letzten Stopp des Tages. In mitten von einem kleinen tropischen Regenwald gelegen, wartete hier ein Wasserfall darauf, von uns besichtigt zu werden. Knappe zehn Meter tief, schossen die Regenmassen der letzten Tage die Felsen hinunter. Normalerweise ist es sogar möglich, von selbigen ein Sprung ins kühle Nass zu wagen, doch die Strömung war an diesem Tag einfach zu stark. Baden gegangen sind trotzdem so einige. In weiser Voraussicht hatte auch ich mein Badezeug dabei, doch die Lust, baden zu gehen, hatte ich tragischer Weise im Hostel liegen lassen..

Zurück in Byron, wurde im „Chicky Monkeys“ der Voucher für mein kostenloses Abendessen eingelöst, bevor ich mich erschöpft zurück zum Hostel begab.

Zwei Tage verblieben mir nun noch in Byron Bay, die ich zum Schreiben meines letzten Berichts und zur Vorbereitung auf das Pokerturnier am Sonntag nutze. Nach so langer Zeit war es wirklich ein Genuss, sich mal wieder online mit dem Rest der Pokerwelt zu messen. Das „Freeroll“ Turnier lief dann letztendlich aber nicht ganz so wie erhofft. Zwar konnte ich mich zwei Stunden im Wettkampf halten, doch das Glück blieb mir bei der entschiedenen Hand leider versagt. Nachdem drei Mitspieler und ich „all in“ gegangen sind, lag ich selbst nach dem Turn noch vorne, doch der River brachte genau die Karte, die schließlich meinen Sitznachbarn jubeln lassen sollte.

Genauso unglücklich lief es auch eine Nacht zuvor, als ich mich, für die Partie Hansa gegen Ahlen, um 3.45 Uhr aus dem Bett pellte. Schon bitter, wenn man selbst gegen einen, harmlos aufspielenden Tabellenletzten nicht einen einzigen Punkt holt.

Morgen startet nun endlich meine Surftour, die Freitag in Sydney enden wird. Wie gut ich mich auf dem Brett halten kann, erfahrt ihr dann im nächsten Bericht.

Liebe Grüße,

euer Tobias

Dieser Eintrag wurde in der Kategorie Die finale Tour Down Under erstellt.

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