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Hannas Blog

Kansas City :-( und Minneapolis :-)

09.09.2010 | Bilder16 | Kommentare0 | USA  - Minneapolis, Minnesota
Kansas City ist die Hölle auf Erden! Oder Montag, der 6.9.2010, war einfach nicht mein Tag. Eines von beiden. Einen großen Teil der Schuld trug auf der Fahrt...

...von Denver nach Kansas City mein großer, bäriger Sitznachbar Morris aus der Army, der zwar sehr nett war, aber dazu neigte, beim Schlafen in meine Richtung zu kippen. Es war bestimmt nicht seine Absicht und ihm war die Sache auch sehr unangenehm. Schließlich bot ich ihm meinen Fensterplatz an. Das löste zwar das Kipp-Problem, schlafen konnte ich aber immernoch nicht richtig. Nach weiterem unregelmäßigen Wegdösen (insgesamt keine 2 Stunden) kam ich übernächtigt in Kansas City an. Salut tristesse!

Nachdem ich mich auf der Greyhoundstation-Toilette ein wenig frischgemacht und meinen Rucksack im Schließfach verstaut hatte, machte ich mich auf, die Stadt zu erkunden. Ich hatte ja bereits mitbekommen, dass Labour Day war, aber ich hätte nicht damit gerechnet, etwas dermaßen ausgestorbenes vorzufinden. Die wenigen Leute, denen ich auf den Straßen begegnete, sahen mich neugierig oder misstrauisch an. Ich stieg in einen Bus (die Fahrerin war merkwürdigerweise total hektisch, obwohl nichts los war, aber davon gibt es ja einige Menschen) und fuhr solange bis ich einen Starbucks sah. So stillte ich erst einmal meine Internet- Sucht, tauschte mich mit meiner Familie aus und versuchte herauszubekommen, was man in der Stadt der Verdammten anfangen konnte - ohne Ergebnis.
Wieder an der Bushaltestelle sprach ich einen Mann an, in der Hoffnung, er könne mir den Weg zu irgendeinen Park weisen, in dem ich zumindest meinen Schlaf nachholen konnte. Obwohl es sehr windig, nein geradezu STÜRMISCH war, lagen die Temperaturen bei 24°C. Dieser Mann war allerdings Mexikaner und verstand so gut wie gar nix. Bot mir aber an, mich mit seinem Truck irgendwohin mitzunehmen. Komisch, dass er dann aber an einer Bushaltstelle stand...Ich lehnte höflich ab. Nach einer weiteren deprimierenden Busfahrt und einem orientierungslosen Fußmarsch, bei dem ich merkte, dass sich der wenige Schlaf und der ekelhaft süße Pulver-Warmgetränk-Mix aus weißer Schokolade und Caramel der vergangenen Nacht bemerkbar machten, beschloss ich, zurück zur Greyhoundstation zu fahren und meine Zeit lieber mit meinem Rucksack als mit all den komischen Menschen da draußen zu verbringen. Außerdem wollte ich mir ein Ticket für einen früheren Bus holen. Der "frühere Bus" fuhr allerdings immernoch erst um 19:45 Uhr und es war 12:00 Uhr.

Die nächsten Stunden waren nicht die schönsten meiner bisherigen Reise. Ich übergab mich auf der stinkenden Greyhoundstationstoilette, döste draußen in der Sonne - und im Sturm , begab mich nach drinnen, schlief auf der unbequemen Bank ein, so dass sich das Gitter an meinen Beinen abzeichnete, bekam ein wenig Fieber und zum ersten Mal seit einem Monat doch ein kleines Gefühl von Heimweh. (Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich ja noch, dass das einzig Doofe am alleine Reisen sei, dass niemand einem den Rücken eincremt.)
Voreilig und hypochondrisch wie ich bin, sagte ich meine Schlafgelegenheit für Minneapolis bei Michelles Cousine ab. Bei ihr hätte ich meine Sachen lassen und schlafen können, aber während des Tages außer Haus sein müssen. Ich schrieb ihr, dass das Angebot sehr nett sei, ich mir aber ein Zimmer suchen würde, bis es mir besser ginge.
Irgendwann war es Abend und ich konnte den Bus betreten - obwohl es mir vor dem Anblick und Geruch schwitzender Menschen, die Frittiertes und Süßes essen, graute. Doch nachdem ich einen Platz gefunden hatte - die meiste Zeit sogar einen Doppelplatz, schlief ich was das Zeug hielt. Und ich fror wieder, weil ich immernoch nicht gelernt habe, meinen Schlafsack mit in den Bus zu nehmen. So verging die Nacht und ich wurde zwischendurch nur wach, wenn der Bus hielt und der Fahrer seine Durchsagen machte. Eine halbe Stunde vor Minneapolis Downtown hielt der Bus am Flughafen und für eine Zehntelsekunde schoss mir durch den Kopf, dass ich ja eigentlich alles dabei hätte...und schon war der Gedanke wieder weg und ich schlief weiter.

In Minneapolis angekommen verhielt ich mich so, als würde ich einen Anschlussbus nehmen wollen, um mich mit in die Wartehalle setzen zu können. Fakt war aber, dass es regnete, es mit 15°C nicht mehr ganz so warm war wie im Zentrum der USA und ich mich zwar schon wieder besser fühlte, aber nun keinen Schlafplatz mehr hatte. Und es war erst 5:30 Uhr. Ich reservierte ein Bett im Hostel, dass ich allerdings erst am Nachmittag beziehen konnte und lungerte, als es spät genug war, bei Starbuck's rum, wo ich mir 2 magenfreundliche Becher Tee gönnte. Um besser vorbereitet zu sein, stellte ich von da aus auch schon Couchanfragen für meine nächsten Ziele Chicago, wo ich nur für die 1. von drei Nächten eine Zusage hatte, und New York.
Nach einer lustlosen Besichtigung der Innenstadt war es schließlich spät genug, in das Hostel einkehren zu können. Nichts gegen Minneapolis, aber das schönste, was ich in dieser Stadt gesehen habe und erfahren durfte, war diese wunderschöne 100 Jahre alte, renovierte aber schön auf alt gemachte Villa, mit all ihren Treppen, Fluren und verwinkelten Gängen.
Und es ging weiter bergauf, denn ich hatte bereits eine Couchzusage - aus New York! Und das bei dem ersten Mädchen, das ich angeschrieben hatte. Dabei hatte mir mein Gastgeber in Seattle prophezeit, dass es in New York am schwierigsten sein würde. Ha! Von wegen! Vom 13. bis 15.09. darf ich in einer Mädchen-WG in Brooklyn übernachten.
Deswegen machte ich mich abends fröhlich auf den Weg in die Stadt - dieses Mal mit mehr Interesse als am Mittag und mit der Motivation, ein paar Bilder zu machen.

In Kansas City sind übrigens so gut wie keine Bilder entstanden. Und da alle Läden geschlossen hatten, konnte ich noch nicht einmal meinem Brauch nachgehen und meiner Mutter eine Karte aus dieser Stadt schicken. Vielleicht aber auch ganz gut, wenn ich keine richtigen Erinnerungen an diesen Tag habe.

Zurück im Hostel lernte ich die 40jährige Kate kennen. Vor 15 Jahren machte die Taiwanesin beim Studium in den USA Bekanntschaft mit einem Amerikaner, sie heirateten, bekamen 2 Kinder und ließen sich scheiden. Kate lebte seit 5 Jahren fest in den USA bzw. Minneapolis und studierte in den letzten 3 Jahre Architektur. Da sie aber nirgendwo richtig Anschluss fand, zieht sie nun zurück nach Taiwan und kehrte übergangsweise für 2 Nächte in dem Hostel ein.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war sie leider schon unterwegs. Dabei wollte ich sie doch dazu bringen, mir die Stadt zu zeigen. Also nahm ich die Sache wieder selbst in die Hand, spazierte durch einen Park, in dem ich Eichhörnchen fütterte, weiter nach Downtown und über den Mississippi River in den Nord-Osten der Stadt. Da mietete ich mir eines von den Stadtfahrrädern, die man überall wieder abstellen kann und fuhr entlang eines kleinen Trails am Mississippi. Anschließend machte ich von dem ungeschriebenen Recht einer planlosen Touristin Gebrauch und fuhr u.a. entgegengesetzte Einbahnstraßen quer durch die Stadt zurück Richtung Hostel. Die Straßen waren voll. Minneapolis ist eine leidenschaftliche Baseball-Stadt und an diesem Tag gaben die Minnesota Twins ein Heimspiel auf dem Target-Field. Sicher lenkte ich mein Rad durch Menschenmengen in Trikots, Security-Leuten, Ticket-Dealern und ließ mich auch nicht von der Frau irritieren, die versuchte, mich zum Stadion-Fahrradparkplatz umzuleiten.

Ich hatte eine Piccolo-Flasche Freixenet gekauft, mit der ich Kate überraschen wollte, um ihren letzten Abend in den Vereinigten Staaten zu feiern. Wie schon bei Candice in Denver war mir aufgefallen, dass es doch ein trauriger Umstand war, in so einer Situation Zufllucht in einem Hostel suchen zu müssen. Ich würde mich ja bei irgendwelchen Freunden einnisten.
Doch als ich das 5-Bett-Zimmer betrat waren Kate und ihre Sachen verschwunden. Das plötzliche Ende einer jungen deutsch-taiwanesischen Freundschaft. Wenigstens hatte sie Wattestäbchen hinterlassen, von denen ich mich reichlich bediente und den Piccolo kann ich nun an meine nächsten Gastgeber verschenken.

Den Abend verbrachte ich dann mit Charlie, einem Hostel-Angestellten und -Bewohner. Er verriet mir auch, dass Kate ihr Zimmer gewechselt hatte. Nicht weil ich schnarche, wie er mir zunächst glaubhaft machen wollte, sondern es hatte irgendwas mit ihrem Gepäck zu tun. Später zeigte er mir noch eine lustige amerikanische Comicserie, bevor ich mich ins Bett verabschiedete, um am heutigen Tag früh nach Chicago aufbrechen zu können.

Nun sitze ich wieder im Greyhoundbus zu meinem nächsten Reiseziel. Dieses Mal ist es allerdings eine Tagfahrt. Und was mich am meisten freut: eine Fahrt in einem der neuen Busse, die mit Steckdosen und freiem W-Lan ausgestattet sind. Nach meinen letzten Erlebnissen fühle ich mich also wie im Paradies. Nein, wie in der 1. Klasse des Paradieses!

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