...wieder, wohlbemerkt! Natürlich könnte ich damit anfangen, die vielen Klamotten und Mitbringsel, die in meinem Zimmel verstreut liegen, wegzusortieren. Aber nun ist mir danach, bei einem schönen zur Stimmung und zum heimischen Wetter passenden Wintertee meinen letzten Bericht zu schreiben, damit alles seine Vollständigkeit hat.
Am Montag fuhr ich wieder einmal zu Fisherman's Wharf. Da besorgte ich die letzten Souvenire und verabschiedete mich von Alcatraz. Im Castro-Viertel aß ich dann ein spätes Mittagessen, bevor ich mich mit Verena und ihrer Clique zum allmontäglichen Würfelabend im "El Rio" traf.
Um die 23 kg des erlaubten Gepäcks und mein Budget noch einmal ordentlich auszuschöpfen, fuhren Verena und ich am Dienstag shoppen - wiedermal sehr erfolgreich. Danach setzte sie mich bei einem wichtigen "must see" ab, dass ich vor meinem Abschied noch mitnehmen sollte: der schöne Strand an der Ostküste der Stadt. Da ging ich dann spazieren, erst in den Norden, um noch einmal die Golden Gate Bridge zu sehen und dann vorbei an den Sutro Baths - den Ruinen einer ehemaligen Badeanstalt - hinunter am Strand entlang. Mein Tempo nahm dabei stetig ab, da ich meine neuen coolen Nike-Schuhe unbedingt zu diesem Spaziergang tragen musste, ohne sie bereits eingelaufen zu haben. Als ich später wieder in Bernal Heights ankam, lief ich die letzten Meter nur noch mit einer gefühlten Geschwindigkeit von 0,13 km/h.
Ein einfacher Schuhwechsel ermöglichte es mir dann, abends doch noch einmal ins "El Rio" zu gehen. Da fand eine Country-Jam-Session statt und ich traf wieder auf den spirituellen Inder, der bereits bei meinem ersten Besuch richtig erkannt hatte: "There's goodness in you!"
Und dann kam er: mein letzter Tag. Da alle meine touristischen Vorhaben abgearbeitet waren, bestand mein Hauptziel darin, einen großen, leichten und günstigen Koffer zu finden. Im Mission District ist das kein Problem und mit 9,99 $ war ich dabei.
Es folgten Stunden des Packens und sentimentale Blicke vom Balkon. Verena stellte ich eine Flasche von einem ihrer Lieblingsweine hin und etwas, worüber sich wirklich jeder freut: ein Bilderrahmen mit einem Foto von mir.
Während der Rush-Hour ging es dann später zum Flughafen, wo wir uns kurz, aber nicht ganz schmerzlos voneinander verabschiedeten. Ich checkte ein und musste beim Sicherheitscheck durch ein Gerät, bei dem meine nachträglichen Recherchen bestätigten: es war ein Nacktscanner. Bei meiner Figur ja kein Problem, aber ich kann mir vorstellen, dass sich einige Personen dabei echt unwohl fühlen könnten.
Anschließend investierte ich die Reste meines US-Bargelds in eine letzte aufregende Reiseerfahrung: einen Bloody Mary. Schließlich ist es doch normal, Fliegen mit Tomatensaft zu verbinden! Ob es meine inzwischen erprobte Sicherheit war oder eben dieser perverse Cocktail, der mich später ganz locker und angstfrei ins Flugzeug steigen ließ, sei mal dahingestellt.
3 Filme (darunter Pocahontas, weil ich Lust auf die Musik hatte), ein zweistündiges Wegnicken, Pasta mit Pilzen und Käse, dem Ärgern über einen Mitteplatz und meinen rechten Nachbarn, der unbedingt an seinem Laptop arbeiten musste und mir mit seinen nervigen Ellbogen andauernd in die Quere kam, dem Abregen und Aufrechthalten des Pegels durch 2 Gläser Rotwein und insgesamt 10 1/2 Stunden später landete ich wieder in London Heathrow. Der 2. Großbrittanien-Besuch meines Lebens - nach dem Hinflug.
Hier verzögerte sich der Weiterflug ein wenig, da es zu sehr stürmte. Also noch einmal ab in den Duty Free - Shop (in San Francisco hatten sie die meisten meiner erfragten Parfum-Marken nicht) und noch ein letztes Schnäppchen erworben.
Im Flugzeug standen wir noch einige Zeit auf der Rollbahn, bis man sich sicher war, dass wir problemlos starten konnten. Ich war zu diesem Zeitpunkt zu müde und gleichgültig, um mir Sorgen zu machen.
Und ZACK! waren wir dann plötzlich in Hamburg, wenn auch mit einer Stunde Verspätung. Schnell holte ich meinen Monster-Koffer und lief zum Ausgang, wo mich ein fröhliches Kommittee (bestehend aus Mama, Kerstin und meinen beiden reizenden Schwestern) mit Herzluftballons, amerikanischen Farben und Willkommensschildern in Empfang nahmen. Ich genoss es - besonders den Neid der anderen Ankömmlinge.
Eine stürmische und verregnete Autofahrt mit meiner Mutter am Steuer später, während der mir bewusst wurde, dass ich ja immernoch nicht sicher zu Hause angekommen war, traf ich in Trensahl ein, wo meine Reise genau 3 Monate zuvor per Auto begann. Hier warteten meine Großeltern und Omas Kartoffelsalat, der mir bewusst machte, wie lächerlich doch meine Versuche in den Gatgeber-Küchen waren.
Nun bin ich also wieder hier und bei den vielen Terminen, Wiedersehen und dem Auspacken konnte ich die Geschehnisse der vergangenen 92 Tage noch gar nicht richtig verarbeiten. Das wird bestimmt noch einige Zeit dauern, aber so viel lässt sich jetzt schon sagen:
Ich hatte eine wunderbare Reise. Ich habe tolle Leute - und Tiere! - kennengelernt und hoffe, dass ich mit vielen weiterhin in Kontakt bleibe. Das Wetter und der Dollar-Kurs haben es durchgehend gut mit mir gemeint. Ich bin im Pazifik geschwommen, habe in die Tiefen des Grand Canyons gesehen, saß an einem Lagerfeuer in der Wüste New Mexicos, bin im Atlantik geschwommen, durch die Sumpflandschaften von Louisiana gefahren, habe hinauf an den riesigen Granitfelsen des Yosemitparks gesehen und mich im Dschungel von Manhattan verloren. Ich bin Greyhoundbus gefahren, durch die Städte gewandert, Fahrrad gefahren, habe an Busstationen rumgelungert und immer wieder bei Starbucks. Ich habe Tonnen von Postkarten geschrieben, Fotos gemacht, Stadtpläne studiert und Couchanfragen versendet. Ich bin mit Fremden ins Gespräch gekommen, war freundlich in den meisten und abweisend in den nötigsten Fällen. Ich war in einem Land, das sehr viele Kulturen und Lebensgewohnheiten vereint und habe in einige einen Einblick erhalten. Dabei habe ich Differenzen, aber auch viele Gemeinsamkeiten kennengelernt. Denn letztendlich unterscheiden wir uns ja nur in der Länge unserer Schatten, nicht wahr?
Bei all den Ereignissen habe ich stets meinen Optimismus bewahrt und an Selbstsicherheit und Englischkenntnissen dazugewonnen.
Ich habe viel Zeit mit mir alleine verbracht und bemerkt, dass es sich ganz gut mit mir aushalten lässt.
Das Fernweh ist gestillt und nun kann und muss ich mich erst einmal wieder auf die Zukunft konzentrieren. Aber die nächste Reise kommt bestimmt und ich freue mich auf sie.
ENDE
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