Registrieren  |  Tour

Huseins Blog

Palmyra

10.10.2008 | Bilder11 | Kommentare0 | Syrien  - Tadmur, Ḩimş
Wie oft war ich schon in Syrien? ... In Palmyra (Tadmur) war ich bisher jedoch noch nie. Dieses Jahr wollte ich das ändern und endlich diese jahrhundertealte Ruinenstadt besuchen.

Über eine Reiseagentur haben wir einen Van samt Fahrer gemietet, welcher uns nach Palmyra und zurück fährt. Der Fahrer holt uns um 9:00 Uhr Morgens ab und steht uns bis spät in die Nacht zur Verfügung. Der Preis: eine Pauschale von 6.000 Pfund. Da in dem Van Platz für 11 Personen ist konnten neben der ganzen Familie auch noch einige Freunde eingeladen werden.

Als Treffpunkt vereinbaren wir mit dem Fahrer den nahegelegenen Platz vor der Mariamskirche. Die schwere Fahrt durch die engen Gassen wollten wir dem Fahrer ersparen. Mit deutscher Pünktlichkeit stehen wir schon um 8:45 Uhr vor der Mariamskirche. Von dem Van fehlt natürlich noch jede Spur. Als er um 9:00 Uhr immernoch nicht da ist rufen wir bei ihm an. Er entschuldigt sich für seine Verspätung und verspricht uns in spätestens einer viertel Stunde da zu sein. Wie versprochen ist er dann auch nach einer "syrischen viertel Stunde" (halbe Stunde) da.

In diversen Reiseberichten hatte ich gelesen, dass die Strecke von Damaskus nach Palmyra etwa 2 Stunden dauert. Erstaunlicherweise fährt der Fahrer ziemlich ruhig und langsamm. Mit seinen fast konstanten 80 km/h dauert die Fahrt daher (incl. kurzer Rast zum Frühstücken) etwa 4 Stunden. Mich stört das nicht besonders. Im Gegenteil freue ich mich über den sicheren Fahrstil. Ich hatte befürchtet, dass der Fahrer wie die meisten syrischen Autofahrer wie ein Besessener rasen würde. Während der kleinen Rast, die wir einlegen um zu Frühstücken unterhalte ich mich ein wenig mit dem Fahrer. Abu Jusuf, so heißt er, gefällt mir nicht nur von seinem Fahrstil, sondern auch von seiner überaus freundlichen Persönlichkeit.

Die Strecke bietet nicht viel Abwechslung. Eine ewig lange gerade, und teilweise hügelige, Strecke umgeben von trostloser Wüstenlandschaft.

Etwa gegen 1 Uhr Mittags sind wir da. "Palmyra... uralte Ruinen, die wie eine Fata Morgana aus dem Sand der Wüste auftauchen..." so in etwa habe ich das einmal in einem Reiseführer gelesen. Ich muss gestehen, dass diese Beschreibung sehr treffend ist!

In Palmyra angekommen schauten wir uns als erstes den Tempel des Baal an. Neben der nahegelegenen arabischen Burg "Qalaat ibn Maan" ist der Tempel des Baal der einzige Ort für den man Eintritt zahlen muss. Für Einheimische waren es 10 oder 15 Pfund, für Touristen wir immer das zehnfache. Dieser Tempel wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. erbaut. Die riesigen Ausmaße dieses sehr gut erhaltene Tempels sind beeindruckend. Besonders haben mich die meterhohen Säulen und ihre Bauweise erstaunt. Die einzelnen Säulenfragmente waren nicht etwa, so wie ich anfangs angenommen hatte, einfach übreinander gestapelt. Nein, die alten Bauingeneure verstärkten den Kern der einzelnen Säulenfragmente durch starke, lange Stahlstangen. Ähnlich wie bei unseren heutigen Stahlbetonbauten.

Nach dem Tempel des Baal ging es zur nagehelegenen Zitadelle "Qalaat ibn Maan" (Fachreddin Al-Ma'ni), welche sich auf einer Erhebung befindet. Von dort aus hat man einen sehr guten Überblick über das gesamte Gelände. Sie Zitadelle wurde in der Ayubid Ära (12. - 13. Jhd. n. Chr.) erbaut und später im 17. Jhd. n. Chr. durch Fakhr Ed-Din rekonstruiert. Die Zitadelle selber ist von einem tiefen Wassergraben umgeben und nur über einen schmalen Steg zu erreichen. Für nicht schwindelfreie Menschen ist das Überqueren des Steges als kleine Mutprobe anzusehen (siehe Foto).

Am äußeren Rand der Ruinenstadt befindet sich der Palast der Zenobia. Von hier auswandern wir in aller Ruhe durch die große Kolonadenstraße an dem Tetraphylon, dem Theater und der Agora vorbei, bis hin zum Triumpfbogen in der Nähe von dem Tempel des Baal. Auch wenn die Kolonade (2.-3. Jhd. n. Chr.) nur aus schlichten Steinsäulen besteht, so ist diese dennoch sehr beeindruckend. Beim näherem Betrachten bemerke ich die Abwasserkanäle, welche sich entlang der gesamten Kolonade erstrecken. Während wir diese etwa 1300m lange Strecke entlangwandern kommen uns immer wieder einige Kamelreiter entgegen und bieten uns einen Ritt auf dem Kamel an... gegen ein kleines Entgelt natürlich. Meine Schwester bekommt dabei große Augen und schafft es auch noch ihre Freundin dazu zu überreden mit ihr zusammen auf dem Kamel zu reiten. Während des Ritts erzählt uns der Besitzer voller Stolz wie sein Kamel beim gestrigen Kamelrennen den zweiten Platz belegt hat. Für eine kurze Strecke von etwa 200 Metern verlangt der Besitzer 250 Pfund, dieser gibt sich jedoch nach kurzem Verhandeln auch mit 200 Pfund zufireden. Am Ende der Kolonade können wir noch den prächtigen Triumpfbogen bestaunen. Dieser entstand im 2. Jhd. n. Chr. um die 30-Grad-Biegung der langen Kolonade zu markieren.

Zu gerne wollte ich noch das Theater besichtigen. Leider ist dies jedoch aufgrund des derzeit stattfindenden alljährlichen Seidenstraßen Festivals geschlossen. Das Theater wird nur Abends geöffnet, in welchem dann eine kitischigbunte Aufführung stattfindet. Leider fällt auch unser nächstes Vorhaben aus; Eigentlich wollten wir vor der Abreise noch ein entspannendes Bad in den warmen natürlichen Quellen nehmen. Abu Jusuf erzählte uns jedoch, dass die Quellen dieses Jahr ausgetrocknet seinen. Die Badekleidung haben wir also umsonst mit eingepackt. Die dritte Enttäuchung folgt dann kurze Zeit später bei der Abfahrt. Abu Jusuf wollte uns gerade zu den Grabtürmen fahren als dann die Mehrheit der Mitfahrer dagegen war und lieber jetzt schon zurück nach Damaskus fahren wollte. "Es wird bald dunkel" sagten sie "und dann wird die Faht gefährlich". Natürlich war ich verärgert, wobei sie damit nich gerade im Unrecht waren. Die Strecke zwischen Palmyra und Damaskus besteht zum großteil aus einer einspurigen Autobahn. Zum Überholen muss man also auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Und bei den hügeligen Straßen kann man oft nicht wissen was hinter dem nächsten Hügel auf einen zukommt. Hinzu kommt noch, dass viele Autofahrer in Syrien der Meinung sind ihre Scheinwerfer nicht reparieren zu müssen und daher auch bei tiefster Dunkelheit kaputter oder gar komplett ohne Beleuchtung fahren!

Während der Fahrt bringt Abu Jusuf den Vorschlag uns noch auf den Berg des Muhajereen hoch zu fahren. Mittlerweile ist es dunkel und bei Nacht hat man einen sehr schönen Ausblick auf ganz Damaskus. Tatsächlich ist der Ausblick sehr schön. Ich nutze die Gelegenheit um ein paar schöne Nachtfotos zu machen. Allerdings ist es auf dem Gipfel des Berges voller Menschen, so dass wir uns entscheiden nicht lange zu bleiben.

Nach einer kurzen Fahrt sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt: auf dem Parkplatz vor der Mariamskirche. Dankend verabschieden wir uns von Abu Jusuf und bezahlen die vorher vereinbarte Summe.

Dieser Eintrag wurde in der Kategorie Syrien erstellt.

Bookmark and Share

Weitere Fotos



Kommentar hinzufügen

Falls du ein globalzoo-Mitglied bist, bitte zuerst einloggen!
Name
Emailadresse
(wird nicht angezeigt)
Dein Kommentar
Spam-Schutz Bitte trage das Ergebnis der Rechnung in das Feld ein.
27 - se + 6 = + 7 chs =
All links get rel="nofollow". Spam entries will be deleted automatically!
 

Blogeintrag gelesen von 383 Besuchern.

Alle Blogeinträge nach...


Husein