...wenn man mit mehreren Leuten redet…) – spart Zeit ;-)]
Zwei Safaris, Big Sister Project, Partys jeglicher Art, Sex-Ed… es gibt wieder mal viel Neues!
MASAI MARA
Vor 2 Wochen waren wir in Masai Mara, dem Nationalpark der in Tansania in die Serengeti übergeht und wo die riesigen Gnuwanderungen stattfinden.
Erst fängt es gar nicht mal so gut an. Auf der Hinfahrt in unserem Safaribus regnet es in Strömen (Regen? Ostafrika? Jaa, in diesem Teil des Landes zumindest nicht so selten…). Matsch tropft rein, rausschauen ist fast unmöglich. Und ich werde mich nie wieder über holprige Straßen beschweren! Jetzt bin ich resistent ;-)
Als wir nachmittags ankommen wird es aber zum Glück besser und wir können unseren 1. Gamedrive starten! Und der lohnt sich. Wenn man aus 1m Entfernung einem Löwen beim Dinner zusieht spürt man schon etwas Adrenalin!
Wir schlafen in einem Zelt mit Betten und Bad. Bei genauer Betrachtung allerdings nicht ganz so cool wie es sich anhört. Die Dusche ist eiskalt und meine Zahnpastaspucke verschwindet leider nicht in der Wand unter dem Waschbecken sondern wird durch ein Abflussrohr zurück auf meinen Fuß geleitet. Yummi. Nach 10 gibt´s auch keinen Strom mehr – ohne Licht bleibt einem hier nicht viel anderes übrig als schlafen.
(Manchmal wird auch hier in Nairobi der Strom abgeschaltet. Allerdings dann tagsüber… War lustig als wir letzten Sonntag in einem stockdunklen Kino saßen und auf die schwarze Leinwand starrten.)
Den ganzen 2.Tag verbringen wir im Park. Unglaublich. Wir sehen Löwen (beim Schlafen, Flirten, Liebe machen, Jagen, auch ein Reifenwechsel ca. 100m entfernt von Löwen ist drin), Elefanten, Zebras, Giraffen, Hippos, 2 Geparden, Krokodile, Antilopen, Paviane, Büffel, Erdmännchen und bestimmt mindestens die Hälfte der insgesamt 1,7 Mio. Gnus, die gerade durch den Park wandern.
Und am letzten Tag entdecken wir dann auch noch eine Gruppe Löwinnen mit ihren Babys. J
HELL´S GATE
Diese Woche waren wir dann noch im Hell´s Gate National Park. Dem einzigen, in dem man zwischen Zebras, Giraffen und Antilopen mit dem Fahrrad fahren kann. Außerdem gibt es heiße Quellen (nach denen die Masai den Park benannt haben) und eine Schlucht in der man klettern kann. Ein schöner Tag – auch wenn wir uns alle mal wieder etwas über die Mentalität der Kenianer was Geld angeht geärgert haben: Es gibt Rabatt für Studenten…toll! Wenn man sich dafür nicht auf jeden Fall 2 Wochen vorher anmelden müsste… Sobald man weiß ist gehen viele hier automatisch davon aus, dass man zu viel Geld hat, das man unbedingt loswerden muss… Da wird oft getrickst wo´s nur geht.
Ich bin mittlerweile aber schon richtig gut was Feilschen auf dem Markt angeht. Ehrlich gesagt fängt es sogar an richtig Spaß zu machen ;-)
FEIERN
Kenianer feiern gern. Und wir feiern natürlich gern mit J Greek Evening, Tex Mex Partys, Welcome Partys, Goodbye Partys, Birthday Partys, irgendwas findet man immer. Unsere Gastmutter Mary findet offensichtlich immer mehr gefallen an Sangria, begleitet von dem unausweichlichen Nyama Choma – gegrilltes Fleisch. Naja, ich versuche eigentlich immer vergeblich das Fleisch zu finden. Letztes Mal hatten wir sozusagen den gesamten Brustkorb einer Ziege – sah für mich eher wie ein Skelett aus. Für Kenianer ein Schmaus ;-)
Es gibt aber auch andere Feiern. Vor Kurzem waren wir bei Tabitha, eine der Frauen der WEEP Class, eingeladen. Ihr Sohn Alex (11) wurde beschnitten. Mit einem Fest wurde er als Mann in die Welt entlassen. Seit Tabitha´s HIV-Infektion hat sie wie so viele keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie. Die Frauen aus Living Positive, Mary, wir, ein paar Nachbarn – das ist ihre neue Familie. Es ist schön zu sehen wie glücklich sie ist, dass wir da sind. Und Alex natürlich auch. Wir bringen Geschenke und Essen mit, singen, tanzen und beten.
DORCAS
…auch aus der WEEP Class, betet fast 10min für Alex. Sie hat Kehlkopfkrebs. Nach den letzten Worten bricht sie vor Schmerzen zusammen…
Vor 2 Wochen haben wir Dorcas zu Hause besucht. Sie freut sich sehr uns ihr Haus zu zeigen, dass sie ganz alleine im Slum aufgebaut und liebevoll eingerichtet hat. Mary erzählt, dass Dorcas die Fleißigste im Projekt ist. Sie arbeitet konzentriert und schnell, um so gut wie möglich selbst für sich und ihre 3 Kinder sorgen zu können.
Dorcas hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Wie sie das schafft kann ich nicht verstehen. Sie ist HIV-positiv. 2005 wurde außerdem Krebs diagnostiziert. In 7 OPs wurde ihr Stimmapparat größtenteils entfernt und Röhren in ihren Hals eingesetzt. Wenn man sich konzentriert kann man ein paar Wörter aus den Klick- und Schnalzlauten heraushören. Wenn nicht hat sie einen Stimmverstärker, mit dem sie sich anhört wie ein Roboter. Von Mary weiß ich, dass Dorcas Krebs gestreut hat. Dorcas selbst weiß das nicht, sie soll sich nicht noch mehr Sorgen machen. Auch wenn sie wohl selbst merkt, dass es ihr immer schlechter geht…
Krebspatienten bekommen in Kenia im Gegensatz zu HIV-Patienten keine finanzielle Unterstützung – was bei den riesigen Kosten dringend nötig wäre! Am meisten Angst hat Dorcas aber nicht um sich selbst als vielmehr um ihre Kinder – die furchtbare Angst ihre Kinder allein zu lassen. Ihr ältester Sohn wurde schon von Männern im Slum dazu genötigt Pornos zu verkaufen. Dorcas war oft und lange im Krankenhaus – einmal waren die Kinder 4 Wochen alleine.
Teresa, eine der Freiwilligen, wird Dorcas Tochter Irene sponsern. Als Dorcas das erfährt verschwindet ihr Lächeln zum ersten Mal und sie weint Tränen der Erleichterung. Irene kann nun ein Internat besuchen und sicher aufwachsen.
Spätestens jetzt muss nicht nur ich weinen. Dorcas sagt wir sollen nicht traurig sein wegen ihr… das macht mich noch trauriger. Und gleichzeitig fühle ich mich so schuldig vor ihr zu weinen. Als ob unsere Tränen sie umso mehr schwächen würden. Aber es geht nicht anders.
Seit diesem Besuch habe ich sie nicht mehr traurig gesehen. Ihr Lächeln ist zurück. Ein Lächeln, das die Verzweiflung einer starken Frau versteckt…
BIG SISTER PROJECT
Dorcas Fall zeigt einmal mehr wie wichtig es ist, den Kindern im Slum Schutz zu bieten. Unser Projekt dazu läuft immer besser. Mittlerweile haben wir für alle der 14 Mädchen in unserer Startgruppe „Große Schwestern“ gefunden, die ihnen helfen sollen einen Ausweg aus dem Slum in eine bessere Zukunft zu finden. Jetzt geht die Suche nach den Sponsern weiter…
Zusammen mit den Studentinnen aus Nairobi haben wir die Kleinen zu Hause im Slum besucht – für viele von ihnen eine ungewohntere Situation als für mich mittlerweile. Nachdem sie mal die andere Seite ihres Landes entdeckt haben waren dafür aber alle umso mehr überzeugt mitzumachen. Nächsten Montag machen wir ein Picknick J
SEX-ED and HIV-AWARENESS CLASSES
Zusammen mit den älteren Kids machen wir während der Ferien in der Daycare unter anderem ein bisschen Aufklärungsunterricht – Pubertät, Sex, HIV, Vergewaltigung. Bitter nötig man Sachen hört wie: “Sex with a virgin heals you from HIV” oder “You can´t get pregnant if you have sex standing up” oder “If a boy wants to have sex and the girl doesn´t want to have sex and the boy forces her to have sex, what is that?”
Wir erklären alles Mögliche, mit Bananen und allem drum und dran. Erst etwas ungewohnt, aber unsere Zurückhaltung löst sich deutlich schneller auf als die der Kids. Kaum jemand traut sich selbst irgendetwas zu sagen oder fragen. An der heiß begehrten Question Box merkt man dann aber doch, dass sie noch viel lernen müssen und zum Glück auch wollen.
Es wurde schon besser, aber Kenia ist immer noch ein sehr konservatives Land. 90% sind Christen und gläubig. Für uns ist es nicht leicht den Kindern eine Version zu vermitteln, die nicht gegen unsere eigene Überzeugung geht und gleichzeitig nicht dem kenianischen ABC widerspricht – Abstinance, Being Faithful, Condoms. Aufklärung besteht hier normalerweise vorwiegend und bevorzugt aus dem A des ABC…
Keine einfache Aufgabe. Aber lustig ist es trotzdem immer. Nikolas´ aufgeblasenes Kondom ist für alle der Hit ;-)
Noch 3 Wochen in Kenia, ein paar Geschichten gibt es also bestimmt noch!
Bis bald! J