...erzählt, wie super schön es hier ist und nach bestem Wissen und Gewissen kann ich nun bestätigen: es ist wirklich sehr, sehr schön!
Kurz zu meiner Wohnsituation: wie die meisten wissen, wohne ich bei einem Sendungsregisseur von arte. Die Wohnung liegt in l’Esplanade quasi direkt im Univiertel. Architektonisch betrachtet ist das Viertel kein wirkliches Schmankerl, aber zur einen Seite hat man einen grandiosen Blick über die Stadt (8. Stock) und zur anderen Seite befinden sich vis-a-vis zwei weitere Hochhäuser, was für mich eine vollkommen neue Erfahrung ist. Es ist wirklich lustig in die unterschiedlichen Fenster zu gucken und den Leuten bei ihren unterschiedlichen Tätigkeiten zuzuschauen: eine Nachbarin schaut immerzu Fernsehen, zwei Geschwister (?) stehen den ganzen Tag auf dem Balkon und rauchen und der Typ aus der 8. Etage gegenüber macht die ganze Zeit irgendwelche Kampfsportarten und hört witzige Musik.
Am letzten Montag hatte ich auch schon meinen ersten Tag, der mehr schlecht als recht verlief, weil ich mich etwas deplatziert fühlte. Meine „Vorgesetzte“ vom Praktikum war noch nicht da und die französischen Kolleginnen waren eher weniger daran interessiert mir eine Einführung zu geben...
Die Resonanz des ersten Tages ließ also etwas zu wünschen übrig, so dass ich weniger motiviert in den zweiten Tag startete.
Doch wieder Erwarten war am Dienstag meine Praktikumsbetreuerin wieder da. Ob es nun an der deutschen Mentalität liegt oder es reiner Zufall war: ich fühlte mich sofort gut aufgehoben und wurde gleich mit ins erste Meeting mit der Programmplanung genommen. Dies war sehr interessant und vor allem amüsant, da es eine große Mélange aus deutsch und französisch war und es augenscheinlich niemandem außer mir überhaupt auffiel, wenn meine Kollegin ihren Satz auf deutsch anfing, mitten drin zum französisch umschwenkte um letztlich ihren Monolog doch noch auf deutsch zu beenden. Die Sprache, auf der dann geantwortet wurde, war zumeist diejenige, die am Ende eines Satzes verwendet wurde. Nach einer kurzen Pause ging es dann auch schon weiter zum nächsten Meeting, wo ich direkt den Marketingchef und den Magazinchef kennenlernte. Auch dies erwies sich als äußerst interessantes „Treffen“. Auf meinem Weg hinaus traf ich dann noch meinen „Vermieter“ der mir spontan die Sendestudios vom Arte Journal und die Technik zeigte, was ebenfalls super spannend war.
Seit Anfang der Woche hing außerdem eine sehr merkwürdige Art von Kunst im Foyer: „fliegende Teppiche“ mit Atombomben und Coca-Cola-trinkenden Pelzträgern. Etwas „kritisches“ also, auserwählt von einer erlesenen Jury intellektueller Vorstandsmitglieder und Kunstliebhaber. Da ich gerne den Sinn hinter den Motiven verstehen wollte, ging ich Mittwoch zur Vernissage wo die Künstlerin etwas über ihre Werke erzählen wollte. Nachdem sich alle wichtigen Leute gegenseitig gedankt hatten (immer mit Simultanübersetzer an der Seite), verlor die Künstlerin ca. 2 ½ Sätze über die Teppiche und wollte den Rest dann lieber uns überlassen. Einige andere Praktikantinnen und ich gingen enttäuscht zum anschließenden Empfang, was sich in diesem Fall als der lohnendere Teil des Abends festhalten lässt: den GEZ-Gebühren und der französischen Esskultur sei dank, hatten wir grandiose Amusegeuls, erlesene Weine und Säfte, sowie großartige Dessertkreationen.
À propos gutes Essen: wie ich schon in vielen Praktikumsberichten gelesen sowie mündlich übermittelt bekommen hatte, sollte die Kantine so unfassbar gut sein. Um es kurz zu machen: es stimmt! Schon morgens sitzen die Leute auf der Terrasse am Fluss und lassen es sich gut gehen, die ausgedehnte Mittagspause beinhaltet (insbesondere bei der französischen Besatzung) Vor-, Hauptgericht und Nachspeise sowie frischgepressten Orangensaft und einen Kaffee als kleinen Absacker danach. Irgendwie muss ich dieses Modell noch am IJK einführen...
Wie ihr seht geht es mir also sehr gut. Zwar muss ich mich wieder daran gewöhnen, dass man total uncool und unnormal ist, wenn man nicht über rot geht...aber das wird noch. Ebenfalls verwirrend ist, dass hier immer noch alle in „Franc“ denken und das auch noch immer auf allen Etiketten angegeben ist. Ansonsten sind die kleinen Unterschiede aber nach wie vor sehr amüsant: heute bei einem Meeting wo es um den neuen Arte-Claim ging, waren die französischen Kollegen total begeistert von einem Vorschlag einer (französischen) Radiowerbung die sie zum Totlachen fanden, während der (deutsche) Marketingchef die Werbung ganz trocken als „unglaublich unlustig“ kommentierte... und ich sitze dann daneben und darf nicht lachen.
ps: hab ein paar Fotos geschossen, da ich allerdings inkognito unterwegs war und nicht als Tourist erkannt werden wollte, sind es nur ein paar wenige ;-)
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