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Micha2009s Blog

I survived Everest Trek...

23.11.2011 | Bilder14 | Kommentare0 | Deutschland 
Nach einer Woche in der Heimat habe ich genug Abstand, um ein Resumee meiner Trekkingtour in Nepal zu ziehen. Es war sicherlich die härteste Tour meines Lebens...

...– aber nicht unbedingt in konditioneller Hinsicht! Vielmehr waren es die Rahmenbedingungen: die mangelnde Hygiene, die sanitären Einrichtungen, das ständige Schlafdefizit, die dauernde Kälte, die schlechte Ernährung und die daraus resultierenden gesundheitlichen Probleme. Konditionell hatte ich mich sehr gut vorbereitet und manche Bergtour in den Alpen war und ist fordernder als ein Aufstieg von 2 Stunden von Gorak Shep auf den Kala Patar (auch wenn man schon den Aufstieg von Lombuche von ca. 2,5h in den knochen hat) oder der 2-stündige Weg zum Everest BC. Sicherlich ist die Höhe ein nicht zu unterschätzender Faktor und in den Alpen brauche ich keine 2 Stunden für lächerliche 400 Höhenmeter. Glücklicherweise hatte ich keine Probleme mit der Höhe und außer einer kurzen, nächtlichen Attacke in Namche noch nicht einmal die üblichen Kopfschmerzen. Dafür haben mir aber der aus Deutschland eingeschleppte grippale Infekt, der mich die ganze Tour begleitet hat, sowie die oben beschriebenen Rahmenbedingungen zugesetzt. Das war in Nepal aber nicht anders zu erwarten… und den \\\"Khumbu-Cough\\\" (Höhenhusten) habe ich immer noch!

Unsere Gruppe war – wie bei solchen Touren nicht verwunderlich – ein „bunter“ Haufen, das beziehe ich ausdrücklich nicht auf die farbenfrohe Outdoor-Bekleidung ;-) Wir hatten eine breite Spanne beim Alter, viele unterschiedliche Berufe, konditionell verschiedene Leistungsstufen, differenziertes Temperaturempfinden (nicht wahr, Lutz!), vielseitige Ausrüstung und Bekleidung (Boutiquen-Kacker-Parade!), ausgeprägte Charaktere – aber wir alle hatten dasselbe Ziel: das Dach der Welt zu erreichen (zumindest bis zur Dachrinne zu kommen ;-)), ein Stück der Schönheit des Himalaya in uns aufzusaugen und den Everest mit eigenen Augen zu sehen! Dieses Ziel hat uns vereint, hat uns zusammen geschmolzen! Wie habe ich unterwegs festgestellt: „Es würde das Süße nicht so süß schmecken wenn es das Saure nicht gäbe!“ In diesem Sinne hat der Himalaya aus einem bunt zusammen gewürfelten Haufen gepflegter deutscher Trekkingtouristen eine verdreckte, von Krankheiten gezeichnete und versprengte Truppe gemacht, die – wie Mic zutreffend auf dem Rückweg nach Lukla bemerkte – große Ähnlichkeit mit einer geschlagenen Eliteeinheit kurz vor der Evakuierung aus dem Feindesland hatte. Nicht nur unsere zeitweise angestimmten „Army-Songs“ lassen diesen Vergleich aufkommen… Wir alle haben aber den schleichenden Prozess der „nepalesischen Verwahrlosung“ als evolutionäre Anpassung an die äußerlichen Gegebenheiten aufgefasst, die noch vorhandenen Zähne zusammen gebissen und es gemeinsam durchgestanden. Die Schönheit des Himalaya, jeder Blick in den Himmel auf die schneebedeckten Eisriesen hat uns dafür belohnt – und war es wert!! Jeden mit schweren Atemzügen erkämpften Schritt bin ich meinem Traum näher gekommen – einmal am Khumbu-Eisbruch zu stehen, den Legenden des höchsten Berges der Welt näher zu kommen, die Spiritualität eines abgelegenen Tales zu spüren! Darüber hinaus habe ich in unserer Gruppe viele Menschen kennengelernt, deren Bekanntschaft alleine diese Reise wert war – einen Dank an alle!! Trotz der heterogenen Gruppe war die Stimmung niemals schlecht (o.k. – mit Ausnahme des Panoramaweges nach Pangboche!), wir haben trotz wenig Sauerstoff Sprüche geklopft und das Lungenvolumen reichte aus, um im steilsten Aufstieg noch Witze zu reißen, es gab keinen Streit, keinen Neid und keinen Stress untereinander – alles trotz der erheblichen körperlichen und psychischen Belastung! Lucky Group!! Wir werden in dieser Konstellation zwar nie wieder zusammenkommen, aber ich freue mich schon auf ein Wiedersehen bei unserem geplanten Nepaltreffen und auf zukünftige Bergtouren und Aktivitäten mit einigen aus unserer Gruppe. Und vielen Dank, dass ihr einen alten Mann wie mich begleitet habt - wenn auch nicht bis ganz zum Schluß ;-)

Leider konnte ich aufgrund gruppendynamischer Prozesse vieles nicht mit der nötigen Zeit genießen – an vielen Orten hätte ich gerne länger verweilt, den Ausblick genossen oder wäre eigene Wege gegangen. Diese Freiheit fehlte mir – und damit fehlte leider auch ein Stück von der sagenhaften Spiritualität des Landes, die sich einem nur in der Stille erschließt. Da hat individuelles Reisen, wie ich es sonst präferiere, doch einige Vorteile: mehr Zeit, wo man möchte, eigene Routenplanung, Essen a la carte und – vor allem – selbst gewählte Lodges. In einer kleinen, individuellen Gruppe lernt man viel besser die Einheimischen, ihre Kultur und Einstellungen kennen und kann intensiver mit anderen Trekkern Erfahrungen austauschen – das haben Martin und Mic auf ihrem „Solo-Abstieg“ erlebt… und finanziell günstiger wäre es auch noch geworden!! Aber da ich nicht wusste, wie ich auf die Höhe reagiere, habe ich zunächst die Sicherheit einer Gruppenreise gewählt.

Eine gute Überleitung: YES, I CAN!! Ich habe es geschafft – sowohl den Kala Pattar bestiegen als auch das Everest BC erreicht!! Und es war noch Luft drin – das nächste Mal lockt ein 6000er, mir fehlten doch „nur“ noch schlappe 500 Höhenmeter, die ich an dem Tag locker geschafft hätte ;-) Einen Dank an dieser Stelle noch einmal an Martin – ohne seine aufmunternden Worte hätte ich sicherlich in Pangboche aufgegeben und wäre nach Namche abgestiegen! Nun aber weht der mir von Andrea geschenkte, tibetische Gebetsschal mit einem Aufdruck für meinen Vater auf dem Kala Pattar in 5.548m Höhe!! JA, ich habe besonders in Gedenken an meinen 1999 verstorbenen Vater in seinem 100. Geburtsjahr diese Tour unternommen, um ihm ein Stück entgegen zu kommen! Papi, Du wärst bestimmt stolz auf mich und wer weiß – wenn ich so fit im Alter sein sollte wie Du, schaffe ich irgendwann mit 70 bestimmt noch die „lächerlichen“ 3000m mehr auf den Gipfel des Everest ;-) Wer weiß, vielleicht bin ich mit 90 der erste blinde, beinamputierte Asthmatiker, der statt mit der inzwischen errichteten Seilbahn den Aufstieg zum Everestgipfel mit dem Rollator schafft ;-) Spaß beiseite, zusätzlich habe ich meinem Vater einen Platz neben Scott Fischer am Everest Memorial verschafft – ein erhabener Moment, als die laminierte Trauerkarte von dem stürmischen Wind aus Tibet an den Gebetsfahnen in den blauen Himmel getragen wurde – leider mahnte Ang Nuri in diesem Moment schon wieder zum Aufbruch!

Wieder in der Heimat genieße ich den Luxus, den wir hier haben ohne ihn überhaupt als solchen wahrzunehmen: saubere Toiletten (meistens zumindest, aber selbst die dreckigsten „Dixiklos“ sind im nepalesischen Sinne sauber!), abwechslungsreiches Essen und eine Heizung ohne Yakdung! Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt – und das haben wir auf dieser Reise deutlich gesehen. Mein Respekt für diese Menschen und ihren Überlebenswillen, ihrer Kraft, dort zu leben wo die Natur die humane Lebensform nicht unbedingt vorgesehen hat.

Eines steht fest: Ich werde in den Himalaya zurückkehren, individuell und mit mehr Zeit und Ruhe für alle die Dinge, die in einer Gruppenreise untergehen. Ich vermisse jetzt schon das ständige „om mani padme hum“ im Ohr und das abendliche Mantra von unserem Sherpa Ang Nuri „…7 Uhr wecken, 7.30 Uhr Frühstück… und ewig grüßt das Murmeltier ;-) Same, same – but different! Ich habe hier noch einige Photos beigefügt, die zwar nicht die Schönheit und Erhabenheit des Himalaya wiedergeben können, aber doch einen Eindruck vermitteln. Ich freue mich über Kommentare von allen, die meine Begeisterung für die Berge teilen. In diesem Sinne: Namaste und bis bald in eisigen Höhen – irgendwo auf dieser Welt!! Om mani padme hum…

Dieser Eintrag wurde in der Kategorie In eisigen Höhen - Trekkingtour zum Mt.Everest Basecamp 2011 erstellt.

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