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Nadine-Janos' Blog

Sarawak people(s) and Kuching

15.06.2011 | Bilder21 | Kommentare7 | Malaysia  - Kuching, Sarawak
Liebe Alltagsbummler, sorry fuer die vielen Blogs, wir wollten euch nicht ueberfordern. Aber da ihr nun schon abhaengig seid, braucht ihr ja auch neuen Lesestoff. Deshalb die neusten Ereignisse aus der Region Sarawak.

Mittlerweilen haben wir uns hier in Kuching schon gut eingelebt und fuehlen uns bereits ein bisschen heimisch. Nicht zuletzt deshalb, weil wir uns etwas mehr mit den Urvoelkern und den Wurzeln des modernen Malaysias auseinandergesetzt haben. Kuching heisst uebrigens Katze und ist die Hauptstadt der Region Sarawak, welche sich stark als Einheit praesentiert. Die Stadt hat ca. 1 Million Einwohner und ist damit mit Zuerich vergleichbar. Das Zentrum ist jedoch sehr ueberschaubar und konzentriert sich auf eine Seite des riesigen Sarawak Rivers, welcher mitten durch die Stadt fliesst.

Mit den vielen kleinen Handwerksshops, chinesischen Food stalls und indischen Gewuerzlaeden versprueht sie ein gemuetliches Flair. Doch so richtig kuschelig wird sie erst am Abend. Um ca. 18:30 verabschiedet sich die Sonne und die Flusspromenade verwandelt sich in ein angenehm temperiertes outdoor Wohnzimmer. Zahlreiche Paerkchen mit Baenken, Cafes und Fruchtstaende halten zum Verweilen an. Immer wieder wird man von den Muezzinrufen verschiedener Moscheen begleitet, die sich gegenseitig konkurrieren.

Den Fluss kann man mit mega schnusigen Boetlis ueberqueren. Am anderen Ufer findet man noch mehr \\\\\\\\\\\\\\\"pure Malaysia\\\\\\\\\\\\\\\": Die Haeuser sind auf Stelzen in den sumpfigen Dschungel gebaut und die lokale Spezialitaet \\\\\\\\\\\\\\\"ayam penyet\\\\\\\\\\\\\\\" (in dschungelkraeutern eingelegtes und anschliessend gebratenes Huehnchen) verzaubern die (Janos\\\\\\\\\\\\\\\') Sinne. Ebenfalls auf dieser Flussseite befindet sich die Astana, ein zu Kolonialzeiten errichtetes Herrschaftshaus, welcher der damalige Raja Charles Brooke seiner Frau als Residenz errichten liess. Etwas entfernt davon liegt ein im aehnlichen englischen Stil gebauter Fort, welcher zur Ueberwachung der Flussregion diente. Zwischen den sehr ansehnlichen Gebaueden befindet sich der auffaelligste Bau Kuchings. Das State Assembly House ist eine architektonische Mischung zwischen einer Moschee und einem Apollo Moon lander. Irgendwie passt das so ueberhaupt nicht ins Bild und trotzdem gehoert es hierhin.

Auch ueber die Bevoelkerung Sarawaks haben wir nun einiges herausfinden und lernen koennen. Dies taten wir am Dienstag mit einem Besuch im Sarawak Cultural Village, welches mit dem Freilichtmuseum Ballenberg vergleichbar ist. Hier kann man Land und Leute sowie deren Gedankengut, Lebensweisen etc. kennen lernen. Wie wir bereits erwaehnt haben ist die Bevoelkerung auffaellig heterogen und schwer zu definieren. Dies hat seinen Ursprung in den zahlreichen Staemmen (rund 27 in Sarawak), welche auch heute noch weit verbreitet sind. Hier werden wir euch kurz die wichtigsten davon vorstellen und deren Baustile und Wohnarten umschreiben:

Mit einem Drittel der Bevoelkerung weist der Iban-Stamm die meisten Anhaenger auf. Das Volk lebte urspruenglich hauptsaechlich an den Ufern der zahlreichen Fluesse, wo sie sich typische Longhouses, in denen auch heute noch viele Menschen leben, bauten. Die auf Stelzen gebauten Holzhaeuser sind aussen ganz mit Baumrinde abgedeckt. Drinnen gibt es einen langen Hauptgang, der mit Strohmatten ausgelegt das Wohnzimmer darstellt. Von ihm gehen verschiedene Zimmer fuer die einzelnen Familien weg. Longhouses bilden in sich selbst kleine Doerfer. Auffaelliges Merkmal ist auch die riesige Veranda vor dem Haus.

Der Bidayuh-Stamm ist mit knapp 10 Prozent die drittgroesste Bevoelkerungsschicht. Er lebt in felsigem Kalksteingebirge. Der Stamm baut auch runde Haueser, in denen ueber Feuerstellen die Schaedelknochen der Feinde geraeuchert wurden und die Zeremonieinstrumente und Waffen aufbewahrt wurden.

Der Melanau-Stamm macht 6 Prozent der Bevoelkerung aus. Dieses Volk lebte urspruenglich in der Naehe des Meers und baut riesige Haeuser auf imposanten Stelzen. Diese sind meist mehrstoeckig und liegen bis zu 10m ueber dem Boden. Im Haus drinn findet man selbst geschnitzte und schwer zu erklimmende Treppenformen und hauseigene Altare.

Die Orang Ulus wohnten vorallem im Zentralen Borneo und machen 5.5 Prozent der Bevoelkerung aus. Hauptsaechlich lebten sie von Ackerbau und waren bekannt fuer ihre Schnitzereien sowie das Schmieden von Schwertern und Messern. Zudem sind sie geschickte Jaeger mit dem Blasrohr, genannt Blow pipe. Auch sie leben in unglaublich hoch gebauten Haeusern, die kunstvolle, mit weisser und brauner Farbe verzierte Saeulen aufweisen. Ebenfalls bekannt sind sie wegen ihren lang gezogenen Ohren: Schwere Metallohrringe sorgen fuer die noetige Laenge... Zu diesem Stamm noch eine kleine Geschichte, denn Nadine hat sich besonders damit angefreundet... um ehrlich zu sein faellt mir das jetzt gar nicht leicht zu schreiben... sie hat einen eigenen Ulu-Krieger kennen gelernt, in den sie sich verliebt hat... Aber von vorne: Im Theater des Cultural Village gibt es taeglich zwei Tanzvorfuehrungen, welche die jeweiligen Taenze der verschiedenen Staemme aufzeigen. Einer davon war der Jagdtanz eines Ulukriegers, der sich mehr als ein Taechtelmaechtel mit dem Publikum herausstellte. Der knapp bekleidete junge Krieger - nur ein Lendenschurz und ein Fell bedeckten seine Bloesse - beindruckte die Leute mit dem gefaehrlichen Schwung seines Schwertes und der Treffsicherheit mit dem Blasrohr. Schliesslich stolzierte er vor der ersten Reihe umher, die einige Reihen vor uns lag. Nadine fluesterte mir zu: \\\\\\\\\\\\\\\"Ich weiss scho, wieso ich niae idi erst Reihae sitzae\\\\\\\\\\\\\\\"... da biegt der Krieger auch schon ab und zeigt zielstrebig auf sie und bat sie auf die Buehne. Am Anfang etwas unsicher ging sie mit und er bot ihr sogleich vor hunderten von Leuten einen Deal an: Blasrohr gegen Sonnenbrille! Das grosse Runde Ding stand ihm ziemlich und passte zum Outfit. Schliesslich durfte Nadine das Blasrohr ausprobieren und ooohhh Wunder: Ein Ballon aus 10m mit dem ersten Versuch zu treffen ist fast schon unheimlich....! Unter tosendem Applaus und mit einem Pfeil beschenkt durfte sie die Buehne wieder verlassen. Doch seitdem schlaegt ihr Herz auch ein klein wenig fuer ihren persoenlichen Orang-Ulu-Krieger.

Der kleinste Stamm sind die scheuen Nomaden Penan, welche sich Huetten aus Palmstraeuchern bauen, die nur fuer wenige Wochen halten. Sie ernaehren sich von der Sagopalme statt von Reis und ziehen weiter, wenn der Vorrat um sie herum aufgebraucht ist.

Dann sind da natuerlich noch die Malays. Eine etwas besser gestellte Mittelschicht von Malays baute sich edle Stadthaeuschen. Ebenfalls aus Holz und mit kleinen Terrassen, gelben, wallenden Vorhaengen und romantischen Schnitzereien. Gebaut wurden diese vorallem von Chinesischen Architekten.

Damit waeren wir auch bei der zweitgroessten Bevoelkerungsschicht angelangt, den Chinesen. Auch sie machen knapp einen Drittel der Bevoelkerung aus, was wir nie erwartet haetten, unseren Eindruck hier aber bestaetigt. Die meisten kamen auf Geheiss der englischen Kolonialherren als Arbeitskraefte nach Sarawak und blieben dann einfach hier.

Doch egal aus welchem Stamm, viele Leute leben heute nicht mehr in den alten Bauten und mit den regelmaessigen haidnischen Brauechen, sondern sind Christen, Muslime, Buddhisten oder Atheisten geworden. Trotzdem gehen viele regelmaessig fuer Festivitaeten und Feiern zu ihren Staemmen zurueck, oder verkaufen die Handwerke ihrer Staemme in den Staedten.

So gibt es hier alles, was die Moderne Welt mit sich bringt - so auch ein Kino, das wir an einem Abend besuchten. Erst mussten wir lange suchen, bis wir merkten, dass sich das Kino im 9. Stockwerk eines Hochhauses befindet. Schliesslich sahen wir in einem gespenstischen, verdreckten und leeren Kinosaal gemeinsam mit einer chinesischen Familie den Film Kung Fu Panda 2 an - auf Englisch mit chinesischen Untertiteln selbstverstaendlich, genau wie alles hier. Kosten pro Film: 2.50 Fr.

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Kommentare (7)

  • (#1) Nadine-Janos sagte am 15.06.11 um 16:36 Uhr:

    Liebe Leute, es kommen noch mehr Bilder zu diesem Eintrag... nur war der Upload so langsam, dass wir irgendwann keine Geduld mehr hatten!
    Bis dann braucht ihr eure Vorstellungskraft! :)

  • (#2) Anina sagte am 15.06.11 um 16:41 Uhr:

    Schön, von euch zu lesen - freut mich, dass es euch gut geht! Hebäds guät, liebe Gruess Anina

  • (#3) Nati sagte am 15.06.11 um 17:20 Uhr:

    Haha, finds super sinder no z\'Malaysia is Kino! ;-) 2.50! frög mi grad, was d\'mitarbeiter wohl dehte so verdiened... und mier hend üs immer über üse lohn im kino beklagt... ;-)
    ich knutsche euch!! :-D

  • (#4) Nati sagte am 15.06.11 um 17:22 Uhr:

    Ah ja... Nadine: isch ja klar gsi, dass dä Krieger dich gwählt het... hesch dä flirty-blick wieder emal nid chönne unterla, hm? jajajaja! ;-)

  • (#5) Nadine-Janos sagte am 16.06.11 um 05:39 Uhr:

    @Nati: Wie soell dNadine hinder ihraerae Ameisaebruellae aen Flirtyblick anaebringae... :) Zzzzz, dae Chrieger cha nuet!

  • (#6) Noe sagte am 16.06.11 um 19:34 Uhr:

    Janos! Händ Ehrfurcht vorem Werch vom Bruno Manser... Er isch wahrschinlich im Jahr 2000 umbracht worde, will er sich für diä letschte frei läbende Penan iigsetzt hät... R.I.P. liebi Grüess nach Sarawak.

  • (#7) Nati sagte am 18.06.11 um 15:34 Uhr:

    @janos: d\'Nadine chan alles, glaubs mer! ;-) und dä chrieger chan sicher vieles, aber um dich z\'beruhige: wahrschiinli nid so viel wie du! :-)


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