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Oefchens Blog

Oppah

29.03.2008 | Bilder12 | Kommentare0 | Australien  - Cairns, Queensland
Nun waren wir also von unserem Tauchkurs retourniert und die naechsten zwei Tage schwankte der Boden unter unseren Fuessen. Wir waren auch ein bisschen gruen im Gesicht....

...Wie dem auch sei, wir waren ja harte Jungs und planten unsere Abfahrt fuer Sonntag, den 23. Februar. Oder war's der 24.? Wurst. Davor wollten noch jede Mege last Drinks getrunken werden mit saemtlichen unserer Freunde in Cairns. Ich ging am Donnerstag Abend mit Chris das letzte Mal ins Kino (ein Mistfilm namens Jumper, um Gottes Willen nicht ankucken, ich glaube, die haben mitten im Film einfach kein Geld mehr gehabt und beschlossen er muss JETZT SOFORT enden) und Samstag Abend war fuer mich eine Geburtstagsfeier geplant. Mel, meine Verdi's-Kollegin, hatte Geburtstag und wir trafen uns alle fuer ein grosses Dinner bei der griechischen Taverne Fetta's.

Maria und ich unternahmen am Wochenende einen letzten Ausflug. Wir schauten uns die nahen Barron Falls an, sehr beeindruckend. Bei der Weiterwanderung aufs Lookout fanden wir unseren perfekten Picknickplatz: Wunderschoene Aussicht aufs Flusstal, Blumen links und rechts, und ein schoener Baum spendete Schatten. Der Wahsninn. Wir wollten gar nicht mehr weg. Mittag assen wir bei Maria's Arbeitsstaette, German Tucker, in Kuranda. Currywurst! Ihre Kollegen waren sehr witzig. Marie, die rassistische Alte, schob auch gerade Dienst (siehe Foto). Und das Allerschlimmste war die Mucke. "Wenn Paddy da ist, ist die Musik ungefaehr doppelt so laut", grinste Maria. "Viva Colonia" konnte ich ja noch aushalten, aber als das Programm zu "Zehn nackte Frisoesen" und zu meinem grenzenlosen Entsetzen auch noch zu "Zwanzig Zentimeter" weiterschaltete, wollte ich nur noch die Flucht ergreifen.

Ausserdem kauften wir uns ein heruntergesetztes Toblerone, nicht nur irgendeins, nein, ein meterlanges! Mit dem haette man jemanden erschlagen koennen. Das trugen wir dann, jeder ein Ende, wie eine Schranke quer durch Cairns. Wir zogen die Blicke magisch auf uns und lachten ueber die Sprueche. Einer wollte sogar Limbo drunter tanzen.

Chris und Wills, waehrenddessen, hatten den Tag mit Shoppen verbracht (mal eben kurz $300 fuer ein Shirt und eine Hose ausgegeben) um am Abend auch mit ihrem Millionaersboss mithalten zu koennen, welcher sie on the piss eingeladen hatte. Die Jungs aufzutakeln war fuer alle Beteiligten sehr lustig, der dicke Speed-Druggie Steve (welcher noch in der Vorwoche das ganze Zimmer mit dem weissen Zeug versorgt hatte, als die vier Chaosbriten noch da waren, ich war angepisst und mochte Steve nun ueberhaupt nicht mehr) steckte expertengleich die viel zu langen Hosenbeine von Chris hoch und ich krempelte so lange an Wills herum, bis er in netten Klamotten nicht mehr komisch aussah. Anschliessend wurden Poserfotos geschossen und wir verliessen Shenannigan's zu unseren respektiven Dinnerorten.

Um Punkt halb acht stand ich in voller Takelage vor Fetta's. Wer nicht da war, war der Rest. Nach zehn Minuten kamen Mel, Carla und Mel's Bruder um die Ecke gewankt und wir nahmen unseren fuer 20 Personen reservierten Tisch ein. Die beiden waren mit mir die einzigen Anwesenden vom gemeinsamen Arbeitsplatz, aber viele locals, welche bei uns regulars waren, dinierten mit. Ich konnte eher mit wenigen reden, weil ich keine Sau kannte und die auch nicht so wirklich in meinem Alter waren (alle schon eher faltig) aber es machte trotzdem Spass. Der Stripper von vor einigen Wochen war auch da, mit Make-up im Wert mehrerer Millionen im Gesicht. Die Taverne war wunderschoen eingerichtet; helle, cremefarbene Waende, ein Springbrunnen, angenehme indirekte Beleuchtung, leise griechische Musik tinkelte im Hintergrund. Ich wurde mit Wein versorgt und sprach zu. Nach den exzellenten Vorspeisen war dann auch der komplette Rest da (um neun, sau unhoeflich zu einer Verabredung, besonders einer geburtstaeglichen Feier, so krass zu spaet zu kommen, ich wuerde ausflippen... egal) und auf einmal wurde die griechische Musik sehr laut und alle jubelten und drehten sich Richtung Klo. Nanu? Mel rief "Ooooh, the dancer!" und aus dem Klo trat eine Frau im mittleren Alter, sah aus, wie man sich eine gypsy so vorstellt, mit langen, unheimlich lockigen voluminoesen schwarzen Haaren und gekleidet in gueldenem seethrough bis seidig glaenzenden Klamotten, Bimmeln an den Fuessen und Schellen in den Haenden. Nicht die Duennste war sie, aber das haette auch alles kaputt gemacht. Sie passte perfekt. Die Dame tanzte also so durchs Restaurant, und ich war total fasziniert. Ich glotzte wie bloed, um genau zu sein, und wollte sofort nach Griechenland auswandern.

Irgendwann hatte die Lady dann fertig getanzt, und zu meinem Horror war es jetzt unser Turn. Mel packte mich und zog mich hoch, Carla sprang mit, und wir alle stellten uns in einer langen Linie auf. Mel stuetzte sich schwer auf meine Schulter, die Alde war hackeblau. Das Stueck wechselte. Die Kellnerinnen tanzten vor. Ich raffte nix. Kaum hatte ich es begriffen, fiel Mel fast auf die Fresse. Ich hatte es irgendwann doch drauf und wollte schon stolz kucken, da wurde die Mucke immer schneller. Wir rasten durchs Restaurant, um Tische herum, ich musste die irre lachende Mel halb tragen und meine Fuesse verhedderten sich in sich selbst. Die Musik wurde immer noch schneller, das restliche Lokal fing an, rythmisch zu klatschen, und auf einmal knallte es hinter mir fuerchterlich. Ein panischer Blick ueber die Schulter erhellte mich. Ein Teller war auf dem Boden zebrochen. Als wir uns umdrehten und in die andere Richtung tanzten, wurde mir der Grund klar. Dort stand der gemuetliche Chef und hob mit wildem Blick und den Armen voller Teller dazu an, das naechste Stueck Geschirr unter lautem "Oppah! Oppah!"-Geschreie auf unsere Fuesse zu schmeissen. Ich machte hektische kleine Bockspruenge, um etwaigen gebrochenen Zehen vorzubeugen, und ich war so auf den irren oppahschreienden Mann fokussiert dass mir der Pfosten, den irgendein Idiot mitten ins Restaurant gepflanzt hatte, entging. Bumm. Keine Zeit fuer laute Schmerzensbekundungen, erst recht nicht, als sich Mels silberne Pfennigabsaetze in meinen Fuss bohrten, denn schon wurde ich von der Kette gnadenlos weitergezogen. Unter einem letzten Ausbruch von Geschwindigkeit kam das Lied zu einem Ende. Ich wankte zum Tisch zurueck und fuehlte mich, als haette ich gerade eine Schlacht geschlagen.

Irgendwann kamen dann auch tatsaechlich meine bestellten prawns. Ich war schon fast am Geifern. Der Teller wurde vor mich gestellt und ich schaute etwas entsetzt. Oh shit, dies hier ist ein gutes Restaurant. Richtig. Auf meinem Teller lagen sechs gebratene Leichen und kuckten mich klagend aus verschrumpelten Augen an, waehrend sie ihre achtzig Fuehler und Beinchen in die Luft streckten. Waaaaah! Die waren ja noch fast lebendig.... Ich liess mir von meiner kulinarisch gebildeten Nachbarin eine Prawn beispielhaft auspacken, und dann musste ich selber ran. War gar nicht so schwer. Man durfte nur keine Fuesse mitessen. Hmm, was war den diese lecker orangefarbene Masse im Vorderteil? Ich probierte. Konsistenz wie Eigelb. Nicht besonders tasty. Meine Nachbarin kuckte mich entsetzt an. Was denn, erkundigte ich mich kauend. "That's their brain", sagte sie vorsichtig. Meine Kiefer stoppten und ich musste dringend Wuergereizunterdrueckung einschalten. Oh Gott. Das ist echt eklig. Ich weiss nicht, ob sie Recht hatte, aber um die orangefarbene Masse machte ich fortan einen Bogen. Als das Dinner beendet war, gingen wir noch in eine Tapas-Bar, betrieben von einem sehr netten schwulen Paerchen. Ueberall hing kaufbare Kunst an den Waenden, ich verstehe ja nicht viel davon aber ein Bild musste ich dauernd anstarren, da war ein duerrer, hockender Clown drauf, der eine Katze streichelte. "Flacco", hiess das Ding. Tja. Haette ich $1500 uebrig, wuerd' ich's mir ja kaufen. Eine sehr liebe Schmuckherstellerin, die ihren eigenen Laden hatte unterhielt sich die ganze Zeit mit mir, und gab mir sogar einen Drink aus (gesponsert vom Ehemann), ich zeigte ihr einen neuen Liebling von mir: Litschi-Likoer mit Cranberrysaft und zwei Scheiben frischer Limette on ice. Hmmm. Sie mochte den sehr gerne. Ich koennte mich da reinsetzen. Beim naechsten Locationwechsel entschuldigte ich mich und ging heim. Ich war todmuede und meine neuen Schuhe hatten schon Blut gezogen.

Am naechsten Tag gab's einen eher traenenreichen Abschied. Sebastian kam einmal zu mir ins Zimmer, als ich alleine da war und packte, und kuckte mich an. "Ui", sagte er. "Soll ich ein bisschen mit dir weinen?" Und weil der Sebastian das auf Kommando kann, sass er also neben mir und weinte ein bisschen mit. Das Shenannigan's nach zwei Monaten zu verlassen, war auch traurig. Chris vererbte mit zum Abschied seine gerippte weissumrandete Sonnenbrille, die ich schon bei unserem Tauchkurs dabeigehabt hatte, sowie eine Waescheklammer with a meaning. Dann, um vier Uhr, fuhren Maria und ich im Abendlicht zum letzten Mal aus Cairns raus, Richtung Sueden.

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