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Oefchens Blog

Waschweib Island Part I

29.06.2009 | Bilder16 | Kommentare0 | Australien  - Hervey Bay, Queensland
Am naechsten Morgen warfen wir uns um halb sechs aus den Betten. Um halb sieben wuerde der Bus uns abholen und mit der Faehre auf die Insel bringen. Eine unheimlich...

...nette Rezeptionistin hatte uns traumhafterweise angeboten, Stubbie einfach auf den Parkplatz im Hof des Hostels zu stellen, der war eingezaeunt und es waren immer Leute da, was bei dem geradezu ums Aufbrechen bettelnden Stubbie doch recht von Vorteil war. Das einzige Problem: Stubbie fror und sprang nicht an. Geschlagene zwanzig Minuten arbeiteten wir an ihm herum, Blut und Wasser aus allen Poren schwitzend, bis er sich endlich bequemte und Maria ihn quer ueber den Rasen auf den designierten Platz befoerderte. Alsdann atmeten wir auf und stellten uns vorm Hostel bereit. Der Bus war gigantisch und unglaublich unterkuehlt, wir froren wie die Schneiderlein, aber der Busfahrer war ein echtes Herzchen. Da wir zudem noch der erste Pickup waren hatte sich quasi eine duenne Eisschicht auf unserer Haut gebildet, als wir endlich am ausserhalb gelegenen Faehrendock anlangten. Das Ehepaar vor uns hatte zwei Toechter, beide unter zehn und beide so huebsch mit unglaublich erwachsenen Gesichtern, dass Maria und ich nicht anders konnten, als uns staendig umzudrehen und zu gaffen. Der Papa war ein ganz grosser hagerer mit krassem Gesicht - das schaute aus wie aus Holz rausgeschnitten, mit ganz scharfen Kanten. - Wie auch immer.

Auf jeden Fall bereute ich spaetestens am Dock meine Entscheidung, einen Rock zu tragen, der wehte naemlich derartig hoch dass meine Unterwaesche quasi auf Dauerdisplay stand. Wir standen ewig in der Ticketschlange, bevor uns der Busfahrer sah und hastig Bescheid sagte, dass wir als Angestellte kostenlos fahren duerften. Yay :) Wir schnappten unsere Rucksaecke und liefen ueber den Parkplatz zur Zunge der Faehre. Dort standen drei Maenner im Indiana-Jones-Outfit, mit kurzen Khakihosen und -hemden, Stiefeln und Cowboyhueten. Die hatten die Neuigkeiten schon vernommen und beguckten uns neugierig. Sie wiesen uns unsere Gepaeckecke zu. "New victims, eh?", rief einer. "Fresh meat! I'm not even gonna bother learning your names if you're only staying for a month." Maria und ich tauschten einen Blick. "Charming", giftete ich, und wir drehten den Herren den Ruecken, waehrend wir versuchten, unser Gepaeck in die designierte Ritze direkt neben der Ausfahrt zu quetschen, waehrend das Ekel hinter uns etwas lahm abdriftete. "Charming.... yeah, I wish that was my name..." Wir suchten uns einen Platz auf der proppenvollen Faehre, ich wollte um keinen Preis an Deck stehen weil ich dann definitiv unterkuehlt wuerde, aber drinnen einen Platz auf den orangefarbenen Plastiksitzen zu ergattern war mehr als schwierig. Ich quetschte mich schliesslich und endlich zwischen zwei Omis, deren abstrahlende Koerperwaerme ich aber bald zu wertschaetzen begann. Die linke Omi war das Gegenstueck zu dem Herrn wiederum links von ihr, und mit den beiden unterhielt ich mich eine interessante Stunde lang. Offenbar hatte der Mann ziemlich lange als Contractor fuer die amerikanische Navy in San Diego gearbeitet und wir verglichen jetzt Amis mit anderen Menschen. "Those young'ins going to church in jeans and singlets chewing their gum with their mouths wide open... my mother would've whacked us", lachte sie.

Als die Faehre endlich, endlich an der schlammig-mangrovigen Westkueste von Fraser Island anlegte, griffen wir uns unsere Rucksaecke (beim Treppe-runtersteigen haette ich aus Versehen fast einer Oma mit Krueckstock die Beine unterm Leib weggekickt) und standen dann ein Weilchen lang ein bisschen dumm rum, bis einer der Indiana-Jones-Verschnitte rueberkam und meinte, "We'd better put you on the daytour, then... That's Paddy's bus over there, he'll take care of ya." Wir taperten brav zu einem der bereitstehenden Ungetueme von 4WD-Bussen, und als der Fahrer um die Ecke kehrte, stoehnten wir auf. Paddy entpuppte sich als Prince Charming von vorhin. "Apparently we're with you", sagte ich etwas unterkuehlt. Der nickte und versicherte zu unserem Amusement, "I'm actually a very nice guy, really." - "I'm sure you are. Wohin mit den Rucksaecken?" Wir schmissen unsere Rucksaecke in den Popo des Busses und fanden einen Platz ziemlich weit hinten im Bus, welcher am Ende ungefaehr halb- bis zweidrittelvoll war. Ganz hinten sassen die zwei unheimlich huebschen Maedels. "I hope you like bumps, 'cause that's the launchpad seat", rief Paddy grinsend von vorne. Ab ging's, und wir lernten die Tracks auf Fraser intim kennen. Alter Vatter. Fraser Island ist (bekannterweise?) die groesste Sandinsel der Erde, welche wie alle Sandinseln an der Ostkueste Australiens ihre distinktive Form durch die East-Australian Current (siehe Finding Nemo, dude) erhaelt. Strassen gibt's nicht, nur Sandtracks mitten durch urwaldartigen Regenwald, und die Tracks haben's in sich. Nach einem meterhohen Sandbuckel kommt das metertiefe Loch, quasi.

Paddy haute den Bus durch den Wald und um Haaresbreite an den Baeumen vorbei, waehrend er dauerfaselte und einen unglaublich schlechten Witz nach dem anderen riss (dafuer ruehme er sich, meinte er) und wir schauten mit aufgerissenen Augen nach draussen. Hinten bei uns bumpte es in der Tat extrem, aber die Maedels hinter uns hatten erst Spass :) Kreischend vor Vergnuegen hielten sie sich aneinander fest, als sie ab und zu sogar ein bisschen Airtime abkriegten, wenn der Bus in ein besonders tiefes Loch fiel. Wir wuerden die Tour mitmachen bis zum Mittagessen, welches im Eurong Resort stattfand und somit praktisch in den Plan fiel. Der erste Stop war die sogenannte Central Station, die Location des ehemaligen Holzfaellercamps im Jahre Anno Tobak. Nachdem wir die Pflanzen, Schilder und den Holzschuppen gebuehrend bewundert und unser Guide seinen Senf dazu abgelassen hatte, gab's enen kurzen Rundgang durch den Regenwald. Auf halber Strecke machten wir auf einer Holzplattform an einem Bach halt und Paddy machte es sich balancierend auf dem Gelaender bequem: 37 Jahre alt, leicht uebergewichtig, schaute amuesanterweise aus wie eine Kreuzung zwischen David Hasselhoff und Patrick Swayze und roch immer nach Leder und Sattelseife. Jedenfalls mussten wir jetzt kindergartenmaessig das altbekannte Vorstellspiel spielen - "State your name, country of origin and an interesting fact about you." Ojeh. "My name is Eva, I'm from Germany and I hate scented toilet paper." Was eigentlich als lahmer Scherz gemeint war (obwohl ich's tatsaechlich hasse) verwandelte Paddy in einen fuenfminuetigen Diskurs ueber die unnoetigen Luxusartikel der privilegierten Welt. Wahnsinn. Es ging einmal herum, und die Deutsche am Ende sagte: "My name is Soundso, I'm from Germany, and I love ferns." Stille. "Especially this King Fern over here. I am absolutely fascinated by ferns!" Blicke wurden getauscht. Paddy fasste sich schnell und packte direkt seinen Fuss rein. "That's not a fern. Botanically, I mean." Die arme Deutsche war am Boden zerstoert. "Aber ich gerate da auch immer voellig aus dem Haeuschen", fuegte Paddy mit todernstem Gesicht hinzu. Ich prustete ganz leise in Marias Pulli und versuchte mich zu beherrschen. Wir brachen wieder auf, und was vor fuenf Minuten noch strahlender Sonnenschein gewesen war, verwandelte sich blitzartig in ein Nieseln und dann in ein giessendes Deluge, welches uns innerhalb von Sekunden bis auf die Knochen durchnaesste. Wir zitterten und bibberten und brachen den Marsch ab. "Oh, come on, you're not made of fairy floss!" muffelte Paddy uns an. "Where's that German spirit?" Ich warf ihm einen wie ich hoffte eisigen Killerblick zu, und schliesslich erreichten wir den Bus und schluepften einer nach dem anderen hinein. Paddy stand neben seinem Fahrersitz und wischte mit einem unglaublich dreckigen Handtuch an seinen Haaren rum, und in einer etwas hilflosen Geste hielt er uns den Drecklappen hin. Ich haette fast schon wieder losgelacht ("Mei..." sagte Maria) und nahm den Lappen dankend entgegen.

Wir mussten noch auf den ultraharten Rest warten, welcher den Rundgang komplettieren wollte, und unser Fahrer rangierte den Wagen naeher an den Weg ran. Alter, das muss man ihm wirklich lassen. Ich hatte einen fetten Respekt fuer die Art und Weise, wie der durch den Wald rangieren konnte, mit links und rechts einem halben Zentimeter bis zum naechsten Baum, und noch nicht einmal ein Aestchen ueber den Bus kratzte. Der haute den Riesenbus durch die Gegend, da blieb uns der Atem weg. Wir fuhren ziemlich direkt zum Resort, und als wir ankamen, war ich immer noch durchnaesst und fror ganz, ganz furchtbar, aber die Sonne war wieder draussen. Paddy beschrieb uns den Weg zur Rezeption und meinte, wenn wir mal was vom Festland brauchten, wie z.B. duftendes Klopapier oder ein Kilo M&M's, dann sollten wir ihn aufsuchen. (Die Busfahrertourguidekombimenschen fahren abwechselnd Tages- und Zweitagestouren, das heisst bei den Tagestouren fahren sie nachts aufs Festland, aber bei den Zweitagestouren schlafen sie im Resort. Super Mulis!) Wir schleppten uns zur Rezeption, hinter welcher ganz duerrer Mann uns anstrahlte und uns lieb empfing. Adam hiess er, und Adam war ganz, ganz offensichtlich schwul und ein absolutes Herzchen. Wir luden unseren Kram hinter dem Tresen in einem kleinen Raum ab, von welchem eine weitere Tuer ins verwirrende, labyrinthartige Innere des Hauptgebaeudes fuehrte. Die Tuer ging auf, und ein kleiner, unscheinbarer aelterer Mann mit sandfarbenem, spaerlichem Haar trat heraus. Das war John Wilkins! den hatte ich mir von der Stimme her ganz anders vorgestellt. John holte eine, aehm, sehr beleibte Frau aus dem Buero hinter der Rezeption und stellte sie uns als May vor. May kuemmerte sich um alles Papierne, und May sah ungelogen aus wie eine Kroete. Das, musste ich unwillkuerlich denken, waere die perfekte Darstellerin fuer Umbridge in Harry Potter gewesen. May klatschte uns zwei Haufen Formulare und Regelblaetter hin, bei dessen Anblick uns schlecht wurde. Die Haufen waren zwei Zentimeter dick. Alter Schwede.

Ich fing an, die Dinger auszufuellen, aber ich zitterte so krass dass mir staendig der Stift auskam. Heidenei, dachte ich. Zum Pulliholen haette ich an May vorbeigemusst, und die schuechterte mich irgendwie ein. Adam's Argusaugen sahen das sofort. "Hach, du armes Hascherl!" rief er entsetzt. "Du bist ja voellig nass. Komm mal mit." Er schnappte sich meine Hand und fuehrte mich durch eine Serie von Tueren, und am Ziel angekommen stopfte er mich unter vielen Entschuldigungen ins Maennerklo vor den einzigen Haendetrockner des Resorts, der nach vorne anstelle nach unten blies, wie er mir mitteilte. Hihi, der war so knuffig. Da sollte ich mich trockenpusten lassen, sagte er, und anschliessend wuerden wir erstmal was zu essen kriegen, bevor wir die Formulare ausfuellten.

Ausreichend getrocknet, sprach ich wieder vorne vor. Adam fuehrte uns wieder quer durch's Labyrinth und in den fuer Staff abgetrennten Bereich des grossen Esssaales. Da sassen schon ein paar andere, Alte und Junge, und liessen es sich schmecken. Wir wurden heute zum Hauptbuffet geschickt, das fuer die Gaeste, und stopften uns unheimlich mit suess-saurem Schweinestirfry voll. Daran vorbei unterhielten wir uns mit dem jungen Paerchen, auch Deutsche und in unserem Alter. Die meinten, wir sollten ruhig zuschlagen, heute schmecke das Essen aunahmsweise mal geniessbar und das solle man ausnutzen, solange noch ging. Oha. Kugelrundgefressen flackten wir anschliessend voellig platt in den zwei dicken, sandigen Sesseln in der "Lobby" (das klingt immer so gross... war's nicht ^^) und brauchten eine geschlagene Dreiviertelstunde, um uns durch jedes Formular, Regelset, Merkblatt und Vertragsgeschwafel durchzukaempfen. Himmi. Das erledigt, knallte May darunter resolut und mit geuebtem Griff ihre zwei Dutzend Unterschriften und bimmelte alsdann nach einer gewissen Deslie. Waehrenddessen erfuhren wir, dass einer von uns in der Baeckerei als Baeckerhelferlein arbeiten wuerde und einer im Housekeeping. Nu, sagten wir, dass passt ja! Maria hat schonmal in einer Baeckerei Broetchen verkauft, und ich fand, Housekeeping klang nach Spass. Alas, die Chefriege wollte es andersrum. Ich war in die in die Baeckerei gesteckt worden, und Maria unterstand jener Deslie im Housekeeping. Unsere Roster fuer die naechsten zwei Wochen wurden uns ausgehaendigt. "Waaaaas?!", starrte ich. "Ich fange um vier Uhr morgens an?!" - "Ach du Kacke", meinte Maria und schielte auf meinen Zettel. "Ich um halb neun. Da hab ich ja richtig Schwein gehabt", grinste sie. "Wenigstens", sagte ich schwach und versuchte, aus den Ziffern und Buchstaben auf meinem Blatt irgendetwas Sinnvolles herauszulesen, "wenigstens bin ich um ein Uhr mittags immer fertig. Immerhin." Bevor wir noch weiter vergleichen konnten, ging die Tuer auf und Deslie kam inmitten einer Parfuemwolke hereinmarschiert. Deslie, oder "D", war eine resolute, pummelige Dame in etwas-mehr-als-mittlerem Alter mit langen, burgundrot gefaerbten Haaren und einem freundlichen Grinsen, in dem allerdings mehrere Zaehne fehlten. Sie nannte jeden "darl' " und war sowieso ein absolutes Schätzchen. Sie jedenfalls krallte sich ein paar Schluessel aus Mays Hand, denn wir durften bei den Zimmern sogar aus zwei Optionen waehlen, und marschierte uns voran direkt ueber die Strasse (an deren Ende der Ozean lockte, hach) und zu einem wenig Vertrauen erweckenden Gebaeude hinueber. "Taa-daaah, the White House. Home Sweet Home for you", sagte D trocken. Sie riss die halb aus den Angeln fallende Tuer auf und ohrenbetaeubendes Maschinengewehrknattern und Bruellen drang heraus an unsere armen Trommelfelle. Drinnen war eine Mischung aus Kueche und Wohnzimmer, uralt aussehend, mit einem zerkratzten Tisch in der Mitte und einem droehnendem Coca-Cola-Kuehlschrank-Monstrum in der Ecke, welches ausser einer offenen Packung Kekse nichts enthielt. Gelbliche Vorhangfetzen versuchten ziemlich vergebens, dem Ganzen den Anschein von Heimeligkeit zu verleihen, und auf einer der zwei gammeligen Sofas quetschten sich drei Typen. Diese waren die Ursache des Bruellens und starrten gebannt auf einen Punkt neben der Tuer. Daher kam das Maschinengewehrknattern. Die drei hockten bei strahlendem Sonnnenschein drinnen und spielten irgendwelche Abknallspiele auf der Xbox. Heidenei. Zu allem Ueberfluss hatte der eine auch noch aus einem unersichtlichen Grund irgendein Hiphoplied auf seinem Handy aufgedreht. Die resultierende Kakophonie war ein Traum. "Party's over, boys!" donnerte D gegen das Bruellen, Knattern und Rappen an. "I've got some new ladies for this house."

Die drei wandten ihre Aufmerksamkeit doch tatsaechlich vom Bildschirm ab und uns zu, waehrend wir wenig begeistert unseren Weg ueber zig Kabel bahnten, ohne was runterzureissen oder uns auf die Fresse zu packen. Einer hatte irgendwann sogar die Geistesgegenwart, das Maschinengewehrfeuer runterzudrehen. D ging durch die einzige andere Tuer des Raumes in einen kurzen Korridor, rechts ging ein Bad ab und nach einer Ecke linksrum waren links zwei Einzelzimmer und ein Doppelzimmer rechts. Die Einzelzimmer besassen Doppelbetten mit ultradurchgelegenen Matratzen und mit Fetzen verhangene Fenster ohne Aussicht, aber mit Betonwand dahinter. Aehm, nein. Wir schnappten uns das grosse, helle Doppelzimmer mit den zwei Einzelbetten und den zwei grossen Fenstern Richtung Vorplatz und Nachbarsgarten. Wir luden unsere Rucksaecke ab und liessen uns auf unsere Betten fallen. Maria kreischte auf. Ihr Bett hatte ein Rollbein zuwenig und war ihr flugs unterm Arsch weggerutscht, sodass sie nun in einer eher wuerdelosen Position halb sass, halb hing und sich gerade noch so abstuetzte. Wir lachten uns eine Weile schepp und inspizierten dann weiter. Unsere weissen Waende waren bemalt mit allerlei bunten Kreidezeichnungen, manche schoen, manche weniger. Der gelbe Drachen war unheimlich toll, weniger toll war die fette Aufschrift, "RICK + JESS'S WHORE HOUSE" an der Wand ueber Marias Bett. Nun ja.

Das Bad spottete jeder Beschreibung. "Dies wird definitiv nicht mein Lieblingsaufenthaltsraum des Tages", sagte Maria angeekelt. Die Fliesen, welche Boden und Wand bedeckten waren klein und braungemustert und kamen in den Ecken vom schimmligen Boden hoch. Die Duschwanne war verkrustet in allen Farben des Regenbogens, einen Duschvorhang gab's nicht. Eine Ecke wollten wir uns lieber gar nicht so genau ansehen, da war irgendwas nicht verkleidet worden und ein Loch gaehnte, aus welchem allerlei interessante Rohre und Leitungen herausragten. Und, muss ich es erwaehnen. Die Klobrille war komplett vollgepinkelt. "Sagermal", sagte Maria. "Hast du auch diesen Paragraph gelesen, dass wir fuer die Reinigung unserer Baeder selbst zustaendig sind?" Uaaargh. "Das koennen die mal schoen vergessen. Nicht mit den dicksten Handschuhen der Welt fass' ich dieses Klo an", sagte ich angewidert. Maria dachte aehnlich und wir verliessen diesen grauenvollen Ort.

Wir machten uns auf den kurzen Weg zum Strand, die Strasse hinunter. Fraser Island beheimatet die genetisch reinste Population Dingoes ganz Australiens. Im Jahre 2001 wurde ein fünfjähriger Junge von Frasers Dingoes getötet. Die Eltern hatten nicht aufgepasst und der Junge spielte am Strand mit Stöckchen. Was auch immer passiert ist, der Junge muss den Dingo getriezt haben bis dieser kurz und warnend zubiss, dabei jedoch eine dicke Arterie in dem natürlich ziemlich kleinen Bein aufriss und der Junge innerhalb von Minuten verblutete, noch bevor ein Rettungshubschrauber eintreffen konnte. Als Resultat des ungeheuren Aufschreis der Presse, die den Vorfall ohne Ende dramatisierte und auswalzte, wurde gnadenlos Jagd auf die Dingos gemacht und ihre Population stark dezimiert. Jetzt wurden vor kurzem Dingozäune um das Resort gezogen, welche Kontakte zwischen Touristen und Dingos vermeiden oder zumindest verringern sollen. Pustekuchen. Die Drahtzäune werden unten durch ja doch beweglichen Sand immer wieder freigeweht, sodass ein halber Meter Platz unten ist und die Tiere einfach nur durchmarschieren müssen. Zudem lassen Leute ständig irgendwo ein Tor auf und offenbar ist es den Dingos mittlerweile auch gelungen, die Grids an den Autodurchfahrten zu überqueren - trotz Stromschlag. Das Ganze ist reine Panikmacherei. Dingos sind harmlos!! Wenn man sie natürlich füttert, sie versucht zu streicheln oder gar ärgert, verlieren sie ihre natürliche Scheu vor dem Menschen, werden aggressiver und selbstbewusster und können Menschen beissen. Die Story von den wilden Wölfen, die gezielt Menschen angreifen und bis zum Tode zerfetzen ist absoluter Quark. Wie gesagt, der Dingozaun war unglaublich nutzlos. Ständig sah man ab Einbruch der Dämmerung Dingos über die Strassen laufen und zwischen den Gebäuden herumschnüffeln. Einmal stand einer direkt vor der Tür, als wir unser Abendessen im Saal assen, und guckte interessiert zu uns hinein. Ein anderes Mal ging ich abends nichtsahnend auf unseren offenstehenden Hauseingang zu, als kurz vor Erreichen desselben ein Dingo daraus hervorschoss, mir an den Beinen vorbeistreifte und in der Dunkelheit des Nachbargrundstücks verschwand. Hat mich ordentlich erschreckt! Barmann Bear erzählte immer gerne lachend die Geschichten panischer Touristenanrufe aus dem Hotel - "Ohmygod, there's a dingo right in front of my door! What should I do?!"

Um wieder auf den Strand zurückzukommen - dieser ist Fraser Islands Main Highway. Touristenbusse des Resorts, Self-Drive Safaris für Backpacker in ihren weissen Cruisern und auch ganz einfach Privatautos schossen, wenn die Flut es erlaubte, mit irrsinniger Geschwindigkeit über den harten Sand. Der Strand war an den meisten Stellen auch ziemlich breit, sodass Zusammenstösse vermieden wurden. Einziger Nachteil: Als Fussgänger waren selbst die dröhnenden Ungeheuer von 4WD-Bussen nicht zu hören, bis man ihnen schon too close for comfort war: Wind und Wellen übertönten jedes Geräusch. Deswegen musste man wirklich höllisch aufpassen, nicht plattgefahren zu werden, wenn man den Strand überquerte. An der Wasserlinie war man sicher, da die Autos das Fahren durch eine Welle tunlichst vermeiden wollten. Warum, merkte ich zu einem späteren Zeitpunkt unseres Aufenthalts. Auf jeden Fall zog sich der Strand ueber die gesamte Ostseite der Insel, das waren gut 120 km, all in all.

Der Wind wehte fast immer aus Südost, und stark, so dass ich niemals eine ruhige See gesehen habe. Kurz vor unserem Kommen, im Januar, hatte es einen gigantischen Sturm gegeben und die Insel war evakuiert worden. Große Teile der Insel hatte sich das Meer geholt - ich hörte von vielen Leuten, dass der Strand früher noch um ein Vielfaches breiter gewesen sei. Ich erinnerte mich, damals in Cairns Fernsehberichte darüber gesehen zu haben. Das Schwimmen vor der Insel ist eine ganz, ganz schlechte Idee, da diese Gewässer von Tigerhaien, Great Whites und Grey Nurse Sharks ihr Zuhause genannt werden. Grey Nurse Sharks sind selten geworden und, obwohl für Menschen angeblich ungefährlich, eine unheimlich beeindruckende Erscheinung, bei der es einen selbst an Land fröstelt. Greg der Yardie bemerkte lakonisch, "Also, tiefer als bis zum Knie muss nicht sein." Trotzdem gingen einige Crazies auch bei deser Aussicht schwimmen. Ab Mitte Mai migrieren ausserdem die Buckelwale an der Insel vorbei.

Das Abendessen war spassig. Wir lernten mehr Leute kennen. Da wäre zum Beispiel unsere Deutschenfraktion: Sina und Elisabeth, genannt Liss; Alex und Cynthia, besagtes Pärchen; und wir zwei. Sina war achtundzwanzig und erinnerte mich ein bisschen an meine Schwester, aber nur manchmal. Mit ihr verstanden wir uns klasse. Auch Liss war superlieb, sie war in unserem Alter und mit ihr würde ich in der Bäckerei arbeiten, während Sina mit Maria im housekeeping arbeitete. Alex war ein oder zwei Jahre jünger als wir, Cynthia wiederum in unserem Alter. Die beiden waren klasse. Sie arbeiteten in der Kategorie Restaurant, das heißt sie waren (mit vielen anderen, natürlich) für das Gästebuffet und die Ordentlichhaltung aller Essräume zuständi. Ansonsten gab's noch viele, viele andere Menschen, manche ein bisschen merkwürdig, manche einfach nur unsymphatisch, aber die meisten wirklich wundervoll. Man lernte sich im Verlauf der Zeit richtig gut leiden. Abendessenszeit wurde bei uns Deutschen schnell zur Gesprächs-, Erzähl- und Diskussionsrunde, wobei wir oft sogar stundenlang am Tischende zusammensaßen. Die Leute assen zu unterschiedlichen Zeiten, man hatte für jede Mahlzeit einen Zeitrahmen, sodass man sich auch völlig verpassen konnte.Auf jeden Fall war es schön, gemeinsam über die manchmal wirklich fragwürdige Qualität des Staffessens zu mosern - und da die Köche ja unsere Kollegen waren und mit uns an einem Tisch sassen, konnte man die ausgelassen vorgebrachte Kritik gleich heiter über den Tisch schreien. Manchmal gab es Resteessen - das war besonders grauenvoll, den da wurde einfach alles zusammengeworfen, was in der vergangenen Woche vom Gästebuffet so übriggeblieben war oder vom Verfallsdatum her wegmusste - in Form eines Auflaufs, einer Suppe, eines Omeletts oder Eintopfes - egal, das Ergebnis war immer würgreizerregend. Manchmal erkannte man erschreckenderweise das Essen von vor einer Woche in Bestandteilen der neuen Création. Bei den Gästen gab es vier verschiedene Themenabende, an denen es immer das Gleiche gab: Mexican, Aussie, Barbecue, Asian. Bei Mexican konnten wir nicht widerstehen: Maria und ich schlichen uns in die Küche und holten uns von den trotz Stirnrunzelns nachgiebigen Köchen einen Teller mit Burritos ab. Mmmmmh. Wir Angestellten bekamen, was halt so passte, manchmal war es wirklich yummy, meistens so lala, und ab und an fürchterlich. Dann musste man sich am Nachtisch sattessen. Manchmal hatten wir richtig Glück, und es waren der Gäste so wenige, dass das Buffet auch noch für uns reichte und wir durften dort mitessen. Eigentlich waren wir aber nach jedem Essen, vor allem Abends, so unglaublich vollgefressen... Gut gefüttert wurden wir in der Tat, und ich habe bestimmt gut zugenommen in der Zeit auf Fraser.

Wie dem auch sei, an jenem ersten Abend lagen wir frueh im Bett. Ich schuettelte meine Schuhe aus und wischte mein Bett ab. "Ich hasse Sand", schimpfte ich. "Hasse, hasse, hasse Sand." Maria floppte auf ihr Bett (vorsichtiger, diesmal) und gaehnte. "Tja, meine Liebe", brachte sie noch heraus, "da hast du dir eindeutig die falsche Insel ausgesucht."

Mitten in der Nacht bimmelte mich dann mein Wecker aus dem Schlaf und ich warf mich in Uniform. D hatte uns am Vorabend nach der Zimmerwahl direkt mit Uniformshirts, 3 an der Zahl, ausgestattet; meine waren blau und Marias weiss. Ich torkelte benommen in die Wohnkueche und wartete auf das Maedel, das mich abholen sollte, weil sie ebenfalls in der Baeckerei arbeitete und mir daher den Einstieg erleichtern sollte. Ashley hiess sie und war eine ziemlich mollige Australierin in meinem Alter, welche zwar echt lieb, aber eher schwer ertragbar war. Man gewoehnte sich aber an ihr staendiges Fishing For Compliments und das dauernde Wehklagen, welch ein Alptraum ihr Leben doch sei. Sie schleifte mich mit in die Baeckerei und stellte mich dem Baecker Craig vor. Der war ein gigantischer Mann mit ansehnlichem Bierbauch, rasiertem Schaedel und Bikerbart. Oh, und Todesblick. Craig nahm meine Praesenz mit einem Nicken zur Kenntnis und Ashley zog mich weiter zum Doughnuts-machen. "Don't worry, the first three days he didn't speak with me at all, either", sagte sie leichthin und demonstrierte mir ihre Kuenste. Ich dekorierte anschliessend meisterhaft mit rosa und brauner Glasur und Streuseln. Hach, wie schoen :) Weiter ging's mit Brotschneiden an der Maschine, ohne die Finger zu mitzuscheibseln, Broetchenverpacken und - iuerghs - PIES fuellen. Pies haben die Aussies von den Englaendern uebernommen, das sind kleine gefuellte Blaetterteigkuechlein mit wahlweise Hackfleisch, Steak, Pilzen, Tomaten, etc. Ich habe nie einen probiert, und ich fuerchte das liegt am Geruch des kalten Piefleischgemisches, das einem um halb fuenf Uhr morgens echt gruendlich den Appetit verdirbt. Es galt, diese blecheweise herzustellen. Natuerlich war unsere Baeckerei wunderbar ausgestattet mit allen moeglichen Fertigmischungen, welche selbst ein Depp wie ich nur saeckeweise mit Wasser zusammenschmeissen musste, ab in die Maschine und voila. Von wegen selbstgemacht.

Um sechs Uhr morgens kam Jan, eine Koreanerin, zur Arbeit. Jan war unheimlich nervig. Grrr. Sobald sie da war, wurde ich morgens zum Fruehstueck entlassen. Zu dieser abartigen Zeit waren ausser mir bloss die Yardies am Fruehstuecken, und so sass ich morgens mit meiner Schale Cereal da und schaute jeder Menge haariger alter Maenner beim Einfahren des Triple-Bypass-Menues zu: Schinken, Speck, Eier, Wuerstchen, Baked Beans.... Mhhh! Links und rechts schmatzte es, was das Zeug hielt, und auch mit zotigen Witzen wurde nicht geknausert. Ein Traum. Nachdem ich mich vollgefuttert hatte, brachte ich immer der meistens noch ratzenden Maria ein paar Stuecke Obst vorbei. Manchmal war sie auch schon wach und wir konnten ein paar Minuten plauschen.

Nach meiner Fruehstueckspause wurde die Baeckerei geoeffnet und Stroeme von hungrigen Self-Drive Safari Backpackern fuhren in ihren gemieteten weissen Landcruisern vor. Kaffee und Wuerstchen im Schlafrock gingen weg wie nur was. Danach wurde es normalerweise immer etwas ruhiger, sodass ich mich ans Aufraeumen der Kueche machen konnte. Craig saute alles immer nach Herzenslust ein und verzischte sich dann schnellstmoeglich, weil er nicht wie wir nach Stunden bezahlt wurde. Eine Aufgabe meiner taeglichen Routine war allerdings ziemlich eklig, man musste naemlich die unheimlich schweren eiseren 3er-Brotbackformen neu einfetten. Die Haelfte des Gewichts an diesen schmierigen Dingern ruehrte von der eingebrannten, zentimeterdicken Kruste her. Brr. Mit einem Schwaemmchen klatschte ich also truebes Oel auf die Formen und kein einziger Tag verging, an dem ich mir nicht sehr, sehr schmerzhaft die Fingerlein beim Stapeln der Formen eingeklemmt habe. Abgesehen davon hatte ich bald eine ansehnliche Sammlung von Brandnarben an Haenden und Unterarmen, alle beim Blechrausholen aus dem Ofen zugezogen. Autsch.

Der Rest meines Arbeitstages verging in der Regel immer wie im Flug. Riesige Toepfe und Bleche spuelen, Huehnchen braten, Dinge fritieren, Kunden beschwichtigen, Kakerlaken toeten, Saecke schleppen, Kaffee machen. Ich riss mich immer um den Kitchen und Shop Run, bei dem einer mit einem Waegelchen neue Lebensmittel aus Kueche, Lager und Shop holen musste. Das gab einem ein paar Minuten Frischluft und Interaktion mit Kollegen aus anderen Arbeitsbereichen. Ausserdem konnte man sich Leckerlis von den Koechen schnorren :) Mit Ananas im Munde arbeitete es sich schon viel besser. Gegen elf Uhr kamen die ersten grossen 4WD-Tourbusse vorgefahren und Scharen von Touristen wurden in den Speisesaal geherdet. Alle anderen Menschen holten sich ihr Mittagessen bei uns ab, sodass wir meistens bis zum Ende meiner Schicht um eins nicht zum Atemholen kamen. Wenn die Kueche dann blitzte und die Baeckerei nicht gerade vor Kunden barst, machte ich mich um eins gut gelaunt auf den Weg in den Speisesaal zum Mittagessen. Dort schmatzten die Busfahrer emsig drauflos. Wenn ich Glueck hatte, traf ich dort Maria und Sina, die aus D's Krallen zum Essen entlassen worden waren. Wir tauschten taeglich Geschichten ueber unseren Arbeitstag aus. Housekeeping war selten besonders beschaeftigt, weil um diese Jahreszeit vergleichbar wenige Besucher das Resort bewohnten und die meisten nur mit den Touren vorbeikamen. Die Zweitagestourer wurden ebenfalls auch nur fuer die eine Nacht untergebracht. Daher konnten die Maedels beim Housekeeping sich oft entspannen. Allerdings bekam Maria dadurch leider nicht so viele Stunden wie ich zusammen. Manchmal war's echt extrem und Maria war vor mir fertig, obwohl sie erst um halb neun anfing. Das war jedoch nicht die Regel. Jedenfalls hatte ich nach dem Mittagessen Feierabend und konnte mich entspannen. Der ganze Nachmittag lag vor mir! Whee! :)

Meistens sass ich noch ein wenig mit den Koechen auf den Stuehlen vor dem Speisesaal und plauschte entspannt. Danach machte ich immer Maria ausfindig, wo auch immer sie gerade putzte, und palaverte ein wenig mit ihr. Die Putzmittel, die die Maedels benutzten, waren unheimlich potent (hust, hust). Vor allem der Badreiniger war ein echter Killer - keiner durfte zwei Baeder hintereinander putzen, es musste immer rotiert werden. Anschliessend brauchte ich immer meinen taeglichen Strandspaziergang: den liess ich so gut wie nie ausfallen. Mindestens anderthalb Stunden, wenn nicht zwei, wanderte ich jeden Tag auf dem groesstenteils verlassenen, laaaaaangen Strand entlang, meine Musik in den Ohren, und hing Gedanken aller Art nach. Das entspannte mich so unheimlich, es war toll. Wenn die Sonne dann tief stand, kam ich wieder am Resort an und suchte Maria. Wir machten dann meistens einen Abstecher in die Baeckerei und schnorrten uns dort verbotenerweise von Liss oder Ashley eine kostenfreie Leckerei. Eine schnelle Dusche, und dann war's auch schon wieder Zeit fuer's Abendessen.

Soweit erstmal Teil Uno - den Rest von Fraser schreib ich ein anderes Mal zusammen. Fehlen noch X Details, die ich nicht vergessen will. mal schauen, wie viele Monate der nächste jetzt wieder dauern wird ;) Bis dann!

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