...halb zehn losgehen, um zehn auf Arbeit. Handschuh anziehen, Schürze umlegen, Handtuch bereit und losgeh‘ts. Tassen, Teller, Besteck, kleine, mittlere, große und mega Metallboxen. Schüsseln, Töpfe, Pfannen, Kellen, Spatel, Rührbesen und alles vorstellbare Zubehör. Ich kann es nicht mehr sehen!
Zwischendurch noch die Tische abräumen und abwischen, den Müll rausbringen, Eier pellen und den Leuten sagen wo sich was befindet. „Over there!“
Der Catering Service ist in zwei Bereiche geteilt. Die Front und die Küche (back). Die Front ist der Verkaufsbereich. An einer langen Theke, ähnlich wie beim Bäcker oder bei Subways, liegen alle Zutaten für die Sandwiches und Burger und gleich daneben die heavy meals (Mittagsmahlzeiten), wie Aufläufe, Lasagne, Hühnchen, Curry, Kiesch, Eintöpfe und und und...natürlich immer nach Tagesangebot. Dazwischen aber noch einen ordentlichen Ceasarsalad oder einen italienischen Salat bestehend aus Ruccola, Tomaten, Feta und Mozzarella, dass alles natürlich auf Balsamicospiegel drappiert.
At the back, also in der Küche, werden die Großaufträge erledigt. Essen speziell für kleine Meetings, kleine und große Konferenzen, Hochzeiten, Geburtstage, eigentlich nahezu jeder Anlass bei dem man isst. Es werden Kuchen gebacken, Sandwiches belegt, Wraps gerollt, Pralinen verziert und ab und an riesige Torten gebastelt.
An der Front arbeiten hauptsächlich Jill, Beck und Shanna.
Jill organisiert eigentlich den ganzen vorderen Bereich. Sie ist einen Kopf kleiner als ich, mindestens 30 Jahre älter und spricht leise und schnell. Zwischendurch macht sie mir immer mal n‘guten Kaffee. Wir beiden arbeiten immer am längsten, vorallem weil sie am Ende die ganze Front sauber macht. Währendessen flucht sie immer auf einem missverständlichen Englisch. :)
Beck würde ich so auf 23 Jahre schätzen. Ist unglaublich freundlich und eigentlich nur am Kichern. Wenn sie jedoch nicht am Kichern ist dann gähnt sie. Sie hat nämlich ne Schlafstörung und schläft nachts nicht mehr als vier Stunden.
Shanna geht grad auf die dreißig zu. Sie ist an die zwei Meter groß und trägt auf Arbeit immer ihre Armee Hotpants. Sie arbeitet bei Jennifer in ihrem dritten Job, weil sie bisher zweimal mit einem riesigen Berg Schulden sitzen gelassen worden ist. Vorletzten Freitag ist sie in der Küche ausgerutscht und hat sich ihr Bein gebrochen. Wahrscheinlich ist sie wieder zu schnell und aufgeregt nach hinten gelaufen, um auf dem großen Bild aus der Zeitung, auf dem alle Footballspieler abgebildet sind, zu gucken wer gerade an der Front ein Sandwich bestellt hat.
Der Catering Service befindet sich nämlich direkt neben dem Footballstadion (The Gabba).
In der Küche arbeiten Jennifer, Nicole, Sonny und Alan.
Jennifer ist der Boss und besitzt mit Alan noch zwei andere Läden. Einen in Melbourne und einen in Cairns. Sie hatte fünf Jahre lang Krebs und hat gewonnen, was sie mir ganz stolz erzählt hat, als ich ihr bei einer Lieferung geholfen hab. Und klein Paule sitzt daneben und weiß nicht was er sagen soll. Sie ist auf alle Fälle ne klasse Chefin und weiß wie man einen Laden führt, mit Freundlich- und Großzügigkeit.
Nicole ist hauptsächlich für die Desserts zuständig, macht ab und an aber auch deftige Aufläufe und Hühnchen. Nicoles Großutter kommt aus Deutschland und war in Auschwitz. Als Nicole geboren worden ist, ist ihre Mutter dann sofort nach Australien ausgewandert. Manchmal fragt sie mich etwas über Deutschland aber meistens gehts nur ums Essen.
Sonny ist ungefähr Mitte zwanzig, halb Inder, halb Fidschi und bereitet nur die heavy meals am frühen Morgen zu. Redet nur über Frauen, Autos und Partys. Am ersten Tag wurde er mir als Player beschrieben, was er auch wirklich ist.
Alan ist mehr oder weniger für alles zuständig, packt ab und zu mit an und tut dann immer ganz gestresst. Eigentlich trifft er sich aber den ganzen Tag nur mit Freunden oder hängt mit den Arbeitern ab die rundherum arbeiten. Wenn er dann nicht am Kaffee trinken oder „arbeiten“ ist, ist er am Essen, ununterbrochen.
Mein Bereich: Ich arbeite an zwei großen Spülen die direkt zwischen Front und Küche stehen. An der einen Spüle hab ich eine dicke Sprutze und daneben steht ein Industriegeschirrspüler der immer rumzickt. An der anderen Spüle weichen dann immer die verdammten Backförmchen ein, die wirklich schwierig sauber zu machen sind.
WOW! Das ist also mein Arbeitsplatz. Das eigentlich interessante an meiner Arbeit sind die komplett unterschiedlichen Charaktere, die Gespräche und der richtig gute Kaffee.
Nach der Arbeit komm ich dann im Hostel an, was mehr oder weniger schon mein Haus ist, ich erzähle auch jedem dass ich hier lebe, was ich ja auch wirklich tue. Und dann gehts auch gleich weiter mit dem Englischgebrabbel, obwohl hier im Moment echt viele Deutsche sind. Eva ist meine Hostelmama und Baba mein Bruder. Eva kommt aus Deutschland und lebt hier schon seit dreieinhalb Jahren. Arbeitet hier in Brisbane als Architektin. Baba kommt aus Irland und ist ne coole Rampensau. Der irische Akzent ist sowieso einer der coolsten.
Ich hätte nie gedacht, dass es so viele verschiedene Variationen im Englischen gibt. Karl, der eine Engländer mit dem ich immer mal wieder quatsche, kommt aus Leeds und hört sich komplett anders an als die Leute aus London. Die Kanadier haben auch ein ganz netten Akzent aber ziehen eher alles mehr oder weniger in die Länge. Die Leute aus London versteht man am besten. Und absolut gar nicht geht das Aussie. Selbst Karl versteht die Aussies nicht, wie er mir ganz empört berichtet hat, obwohl er ja Muttersprachler ist.
Mit den Asiaten brauch man garnicht erst anfangen zu reden, zumeist. Die nehmen einfach die englische Sprache und hauen die in ihr Silbengerede rein, meine Fresse, da versteht man garnichts mehr.
Was man hier so den ganzen Tag macht? Mit den Leuten quatschen, Geschichten austauschen, in Brisbane umhereiern, DVDs gucken, Musik hören, Fotos machen und einfach nur rund um die Uhren das Paradies genießen in dem man hier lebt. Je länger ich hier schon bin desto größer wird der Wunsch und desto mehr verfestigt sich die Entscheidung hier zu bleiben, solange wie möglich. Wegen den Menschen, den Geschichten, der Sprache und dem Andersein vom europäischen Kontinent.
cheers! Paul
Hut ab. Feiner Beitrag.
Lieben Gruß an den Spüler
PAUUUUUL!melde dich verdammt nochmal.lebst du überhaupt noch?
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