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Scholles Blog

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Die Wege des Lebens

01.12.2008 | Bilder5 | Kommentare3 | Australien  - Airlie Beach, Queensland
Nach 2 Monaten Roadtripping hatte ich also wieder einen Job gefunden, im wunderschoenen Airlie Beach. Urspruenglich wollte ich gerne auf einem Boot arbeiten, da sich die...

...Lage dafuer anbietet und es eine schoene Abwechslung zu Fischmehl und Bilderaufhaengen waere.

Die meisten Aushaenge an den Pinnwaenden der Hostels sprachen mich leider nicht an. "Crew wanted, we share fuel" oder "Hospitality Job on a boat - just for girls" schienen mir nicht angemessen zu sein. Doch wollte ich ja schon realistisch bleiben und da ich vor allem Geld verdienen wollte, waren zur zeit freiwillige Arbeiten keine Alternative fuer mich.

Doch so geschah es eines Morgens, als ich nach einem erholsamen Schlaf in Frank the Tank wieder einmal im Magnus-Hostel duschen war, das mich das Glueck traf! Auf dem Weg nach draussen sah ich nur, wie mir eine der Mitarbeiterinnen entgegen kam, bei der ich am Tag zuvor nach einem freien Platz auf dem Camping-Ground nachfragte. Also holte ich schnell mein Handy raus und tat beschaeftigt, mich unbemerkt nach rechts schwaenkend. Zur Pinnwand.

Dort sah ich dann einen Aushang: "Casual Job on a private boat for a few days. 2 male workers wanted." Sofort rief ich die Nummer an und bekam eine freundliche weibliche Stimme ans Ohr, die mir die Einzelheiten des Jobs verkuendete. Ich waere der erste, der auf die Anzeige antwortet. Gerade mal vor einer halben Stunde haette sie sie aufgehaengt. Glueck gehabt!

Am Mittwoch ging es dann los. Die Arbeit war zwar nicht auf dem Boot im Wasser, doch war es dennoch eine gute Abwechslung. Die "Nymphaea", ein 10m langes Boot, war wieder reif fuer die alljaehrliche Renovierung. Somit war es Bart und meine Aufgabe die gesamte Aussenseite des Bootes abzuschleifen, damit neue Farbe aufgetragen werden kann. Bei dem humiden Wetter, das hier momentan herrscht, war das anstrengender als erwartet und so kamen die 5 Liter Trinkwasser schnell zusammen.

Gerade als man das Gefuehl hatte zu dehydrieren fragte das freundliche Ehepaar, das uebrigens den gleichen Look hatte (kurze Hose, blaues Hemd, weisse Fischermuetze, Brille), ob wir nicht Kaffee wollten. Also gabs eine angenehme Kaffeepause mit Kuchen.

Kuchen! Wie lange hatte ich den eigentlich schon nicht mehr? Zuhause in Deutschland war es zur Apfelernte-Saison schon Gewohnheit, dass die liebe Mutter am Wochenende immer leckeren Kuchen gebacken hat. Doch merkte ich beim ersten Bissen erstmal wieder, wie lange es eigentlich schon her ist, das ich in den Genuss dieser Koestlichkeit gekommen bin. Zu lange! :)

Nachdem wir uns ueber das Wetter, unsere urspruenlichen Jobs daheim und unsere Reiseplaene unterhalten hatten, ging es wieder ans Schleifen. Einige Stellen waren fuer das Kennerauge noch nicht gut genug geschliffen, doch machte mir das gar nichts aus. Ich wurde ja pro Stunde bezahlt! :)

Dann gab es auch schon Lunch. Von Jill, der Ehefrau, ueberaus gute Sandwiches und erfrischenden O-Saft. Wieder nahm ich glaube ich die Geschmaecker viel intensiver war als vor ein paar Monaten. Ich erzaehlte weiter von meinen Reiseplaenen, dass ich demnaechst in den Westen moechte. Trevor, der Ehemann, sagte, dass der beste Weg in den Westen von Townsville Richtung Tennant Creek und ueber Katherine sei. Unguenstig sei jedoch im Moment, dass die Regensaison anfaengt. Besser waere es also vor Januar Darwin hinter sich gebracht zu haben. Beim Fortsetzen der Arbeit und weiteren Schleifarbeiten lies ich mir den Plan noch einmal durch den Kopf gehen...

\Am Ende des Arbeitstages brachten Trevor und Jill Bart und mich dann zurueck zu unserem Hostel. Ja, richtig gelesen, Hostel - nicht Auto! Hatte mich fuer ein paar Tage im "Backpackers by the Bay" eingebucht. Ich dachte, dass kann ich mal wieder machen, da ich ja wieder ein wenig Einkommen habe. Ein bisschen Luxus und ein Bett. Mir fiel dann auf, dass es seit einigen Wochen die laengste Zeit mit 6 Naechten war, die ich legal in einem Hostel gewohnt habe. Und schnell wurde mir auch bewusst, warum ich im Auto zu schlafen vorziehe: An der Rezeption durfte ich erstmal 160$ abdruecken. Es ist doch nur ein Bett! Wenn es eine eingebaute Massage-Funktion haette, koennte ich es ja noch verstehen. Doch ich will nicht klagen, es ist ein nettes Hostel mit Charakter und jeden Abend werden auf einer Grossleinwand am Pool Spielfilme gezeigt. Es war ein angenehmer Aufenthalt!

Da ich nun wieder Geld verdient habe konnte ich mir endlich lange vorgenommene Investitionen leisten. Das gute ist, wenn man lange ueber eine Investition nachdenkt, weiss man, ob man es wirklich braucht und vor allem wie lange und hart man dafuer arbeiten muss.

Einige Wochen konnte ich nun schon keine Bilder mehr aufnehmen. Es war irgendwie ein tolles Gefuehl, da ich alles anderes gesehen habe und nicht staendig auf gute Motive aus war, doch wuerden mir einige Erinnerungen in ein paar Monaten, Jahren oder sogar Jahrzehnten bestimmt verloren gehen, wenn ich nicht ein paar gute Bilder haette. Bisher wurde ich freundlicherweise immer gut von meinen Mitreisenden mit Bildmaterial versorgt, doch ist es schon was anderes, ob man fremde Bilder sieht oder selbst aufgenommene. Zudem wird es in der naechsten Zeit schwer, Bilder von meinen Mitreisenden zu bekommen, wenn man meine Plaene betrachtet (Erlaeuterung folgt spaeter im Text), jetzt bin ich erstmal wieder stolzer Besitzer einer Kamera. Meine dritte ueberhaupt und meine zweite hoffentlich letzte kaeuflich in Australien erworbene.

Weiterhin habe ich dem guten Frank wieder Leben verschafft und seinen Durst gestillt. Frisches Oel, Wasser und Benzin aufgefuellt. Beim Oelstandkontrollieren ist mir dann leider noch der Messstab entzwei gebrochen. Ein neuer musste her und dann fragte ich auch gleich mal nach einem neuen Ruecklicht nach. Wochenland musste der Arme schon bruechig durch Australien reisen, doch jetzt scheint sein Antlitz von vorne wie von hinten wie neu!

Als ich mit Trevor & Jill ueber meinen bisherigen Australien-Aufenthalt und meine weiteren Reiseplaene sprach, fiel mir auf, dass ich schon 4 Monate hier bin. Im April geht mein Anschlussflieger nach Neuseeland, wenn ich die Flugzeiten so beibehalte. Ein wenig schockiert war ich dann schon. Es ist einfach so viel in diesen Monaten passiert, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass schon fast Halbzeit ist!

Bei meiner Schleifarbeit dachte ich noch einmal ueber meinen allerersten Plan von vor vier Monaten nach.

Start in Sydney und dann einmal gegen den Uhrzeigersinn rum, dabei zwischendurch ins Outback. Jetzt dachte ich mir, dass das doch eigentlich gar kein so schlechter Plan ist. Warum also nicht den alten Plan wieder befolgen? Immerhin habe ich jetzt auch ein Auto, genau das war auch mein Plan. Ploetzlich bemerkte ich, dass ich startklar fuer meine grosse Reise war.

In den naechsten Tagen werde ich mich also nach Townsville begeben und dort Zettel aufhaengen, ob jemand mit nach Darwin moechte. Bart hat leider andere Plaene und moechte runter nach Melbourne fliegen oder eventuell noch ein paar Wochen in Airlie Beach bleiben. In Townsville warte ich wahrscheinlich ein paar Tage und treffe zwei deutsche Maedels wieder, die schon im Westen waren und mir viele Informationen geben koennen. Vielleicht reise ich nach ein paar Tagen mit ein paar mir bis dahin unbekannten Menschen weiter. Vielleicht reise ich auch alleine bis nach Darwin. Doch fest steht, dass ich die Ostkueste verlassen will und in den Westen aufbrechen moechte. Und um dorthin zu gelangen geht es durch das grosse, heisse Outback.

Keep on rockin',

Freddy Scholle

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Kommentare (3)

  • (#1) raendl sagte am 01.12.08 um 17:12 Uhr:

    mensch scholle langsam verlernste schon deutsch zu sprechen ;)
    ich rufte an ^^

  • (#2) Dave sagte am 01.12.08 um 22:04 Uhr:

    Du laesst es dir aber gut gehen. Mensch mensch. Was diese kleine Welt alles zu bieten hat.
    Und ueberarbeite dich nicht. Enjoy life to max!!

    Cheers mate!!

  • (#3) Flink sagte am 27.12.08 um 13:57 Uhr:

    Ja, auch mal schön nicht das Gefühl haben zu müssen, dass man etwas verpasst auf Foto"film" zu haben. Nicht immer dieses Gefühl:"Das muss ich jetzt aber noch fotografieren und/oder: wenn ich das nicht habe... oder: das brauch' ich noch". Man ist freier ;)
    Jetzt bin ich ja mal gespannt, was noch so geschrieben steht. Das ist ja total toll, wenn man ewig keine Blogs liest und dann die Pläne lesen kann und im Anschluss gleich sehen kann, was daraus geworden ist - also der direkte Vergleich ohne den vorhergehenden Blog schon wieder vergessen zu haben! Jetzt bin ich echt gespannt und es wird auch Zeit!


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