In Townsville checkte ich vor Fahrtbeginn noch einmal mein Auto durch. Das Uebliche, also Oel, Luftdruck, Wasser – alles war in Ordnung und ich somit startklar! Also ging es los. Ich hatte kein bestimmtes Ziel fuer den Tag, doch wollte ich schon so weit wie moeglich kommen.
Um nach Broome zu kommen, muss man 3 verschiedene Wege durch das Land nehmen: Den „Overlander’s Way“, der von Townsville 1550 km bis nach Tennant Creek verlaeuft, dann Richtung Norden den „Stuart Highway“, der einen von Port Augusta (South Australia) 2735 km bis nach Darwin ueber fuehrt und schliesslich den „Savannah Way“ von Cairns bis nach Broome (3700 km). Zuerst begab ich mich auf den Overlander’s Way, der an fruehere Zeiten erinnert, da genau dort die Viehhirten einst ihre Rinder von den Kimberleys zur Kueste trieben.
Der erste Tag verlief sehr gut. Ich war von der guten Strassenqualitaet positiv ueberrascht. Fast die gesamte Strecke ist befestigt, einige Teile haben jedoch durch Baustellen bedingte Umleitungen. Ausser einer braunen, duennen Schlange, die ich beinahe ueberfahren hatte, sind keine Vorfaelle passiert und ich kam nach ein paar Tankstops nach 762 km Fahrt in Julias Creek an. Ein Staedtchen, in dem Samstag Abend nicht viel los ist, wie es mir schien. Man hoerte nur einen sympathischen Rock-Sender ueber Lautsprecher in dem gesamten Ort, der Nirvana und Blur spielte. Also machte ich mir nur schnell was zu Essen und ging dann auch schlafen. Am naechsten Tag wollte ich es bis Tennant Creek schaffen.
Am zweiten Tag ging es dann noch tiefer ins Outback und ich traf oefter auf die sogenannten „Roadtrains“. Lastwagen mit bis zu 3 Anhaengern und 55m Laenge. Wenn man gemuetlich auf einer Strasse langfaehrt kann einem solch ein Koloss schon ein wenig einchuechtern und man fuehlt sich ploetzlich sehr klein. Wenn man einen Roadtrain, der vor einem faehrt, ueberholen will, so sollte man mindestens einen Kilometer Ueberholstrecke einplanen, doch ist das meist einfach, wenn man mehrere Kilometer Sicht hat und ein entgegenkommendes Auto schon aus weiter Ferne erblicken kann.
Als ich dann nichtsahnend eine Strasse langdueste hoerte ich ein Klappern und kurze Zeit spaeter ein lautes, unangehnemes Geraeusch. Zum Glueck war gerade ein befestigtes Stueck am Strassenrand, an dem ich halten konnte. Das Schlimmste befuerchtend (dass mein Trip nun zu Ende war), stieg ich aus und sah, dass sich der Stossdaempfer hinten rechts geloest und den Reifen zerstoert hatte. Verdammt, der Reifen war noch vollkommen in Ordnung gewesen! Also was tun? Ich wollte ja weiterfahren. Den Reifen habe ich gewechselt (Zum Glueck hatte ich 2 Ersatzreifen) und das herunterhaengende Stossdaempferteil wollte ich entfernen. Eine Saege hatte ich gerade nicht zur Hand, dann fand ich etwas Aehnliches und saegte mit dem Brotmesser das kaputte Teil ab.
Die ganze Prozedur verwandelte mich in einen laufenden Wasserfall, da ich ja mitten im Outback war und die Sonne noch dazu am hoechsten Stand. Koerperlich und nervlich gestresst ging es dann weiter und ich fand nach einiger Zeit auch wieder meine innere Balance.
Mein geplantes Ziel von Tennant Creek schaffte ich dadurch leider nicht, doch fand ich eine Station davor beim „Three Ways Inn“ einen angemessenen Park-/Schlafplatz und ich fiel um 8.30 pm in einen tiefen Schlaf.
Jetzt war ich im Red Centre. Am Ende meiner ersten Strecke, dem Overlander’s Way. An der Kreuzung der Three Ways Station geht es entweder zurueck in den Osten, den Sueden oder den Norden. Ich beschloss ein paar Kilometer (140) in den Sueden zu fahren, zu den „Devil’s Marbles“. Die Karlu Karlu, wie sie von Aborignines genannt werden, sind Felsformen as Granit, die durch Verwitterung und Erosion ihre runde Gestalt bekommen haben. In der Mytholgie der Aborigines heisst es, dass sie die Eier der Regenbogenschlange sind und in den Hoehlen unter den Felsen noch immer Wesen aus alter Zeit leben.
Es war wirklich faszinierend und schon irgendwie mysterioes durch diese Felsformationen zu gehen und auf den Steinen herumzuklettern. Vor allem war es schoen, dass fast keiner ausser mir da war. Nur ein anderes Auto mit einer erwachsenen Familie. Darueber war ich sehr froh, da sie ein Bild von mir in den Steinen machen konnten. Mein Selbstausloeser war zu schnell fuer mich und die Zeit reichte nicht aus, um hochzuklettern. Aber dadurch, dass der Ort nicht so touristenueberlaufen wie die Ostkueste ist, kann man die Staette viel besser als Naturwunder wahrnehmen.
Guter Laune machte ich mich wieder auf den Weg gen Norden. Auf dem Stuart Highway sollte es fuer mich bis nach Katherine gehen. Nach ein paar Tankstops etwa alle 200 km machte ich Halt in Daly Waters und besichtigte den historischen „Daly Waters Pub“. Wenn man reinkommt stroemt einem eine Flut voller Geschichten entgegen, denn der gesamte Pub beinhaltet persoenliche Gegenstaende, die Besucher dort hinterlassen haben: Ausweise, Visitenkarten, Geldnoten, BHs, Huete, Schals, etc. Man koennte Stunden, nein wahrscheinlich Tage damit verbringen alle Gegenstaende zu betrachten. Im „Beergarden“ ausserhalb befanden sich dann noch eine Wand voller Nummernschilder und ein „Thong Tree“, also ein Baum voller Flip-Flops! Haette ich noch ein extra Paar dabei gehabt, haette ich meine sofort gespendet, da ich nach 4 Monaten bei gefuehlter 1mm Sohle schon fast auf dem Boden laufe, hehe! Doch ich mag sie immer noch - stecken viele Kilometer drinnen!
Nachdem ich den Stuart Tree auch noch gesehen hatte, ein Baum, in dem der Entdecker John McDonnal Stuart auf seiner Reise von Adelaide nach Darwin angeblich ein „S“ eingraviert hat, ging es wieder weiter in den Norden. Allmaehlich spuerte ich schon, dass es humider und tropischer wurde. Als ich auf dem Weg nach Mataranka war, traf es mich dann wie auf einen Schlag: Ploetzlich wurde mir schwindelig, ich begann zu schwitzen und ich dachte, wenn ich jetzt noch 60 km bis nach Mataranka weiterfahren muss, ueberlebe ich das nicht.
Genau in dem Moment sah ich ein Schild, das mich gluecklich machte, wie mich noch nie zuvor ein anderes Schild gluecklich gemacht hat: „Larrimah – 5km“. Die Rettung! Nach nur 5 km kam ich dann in Larrimah an und begab mich sofort Richtung Toiletten und erfrischte mich am Waschbecken. Dann ging ich zur Bar, kaufte mir ein Eis und sagte zu dem Barkeeper, dass es ganz schoen heiss ist. „Hot? It’s not hot!“ ...Haha, Australier!
Nach einer Folge „Hoer mal wer da haemmert!“ , meinem Eis und einer halben Stunde Erholungsphase im „Pink Panthers“ begab ich mich wieder auf den Weg. Ich ging es nun ruhiger an und musste nach 30 km an einer Raststaette wieder eine Pause einlegen. Ich kippte mir Wasser ueber den Kopf und fuehlte ein dringendes Beduerfnis nach Zucker. Ich hatte noch ein Glas Honig im Auto. Also nahm ich einen Schluck und fuehlte Energie durch meinen Koerper stroemte.
Die weiteren 40 km bis Mataranka ueberstand ich dann durch offene Fenster, viel Luft, Wasser und lautem Singen. Das laute Singen bewahrte sich auch in den folgenden Tagen nicht nur als guter Wachhalter, sondern auch als Unterhaltungsspender! Ich hatte naemlich keinen I-Pod dabei, sondern nur meinen Mp3-Player, der kaputt ist und jetzt meint, dass er nur noch fuer 10 Lieder Platz hat. Also hoerte ich die 10 Lieder jeden Tag gefuehlte einhundert mal, dann folgten ein paar ruhige Stunden und zwischendurch hatte ich mal Radio-Empfang und war ueber jedes neue Lied dankbar. Sehr lustig war es, als ich durch die Hitze Australiens fuhr und aus den Boxen Whams „Last Christmas“ ertoente. Das inspirierte mich auf jedenfall fuer meine kommenden Gesangseinlagen und ich schlug die Weihnachtslieder-Sparte ein!
Mataranka fand ich als Schlafplatz nicht sympathisch, deswegen fuhr ich noch ca. 8 km bis zu den „Thermal Spring“, wo ich ein Motel auffand mit grossem Parkplatz. Als ich auf dem Parkplatz meine kommende Route noch einmal durchging, fragte mich ein Roadtrain-Fahrer, der auf dem Platz fuer die Nacht Rast machte, ob ich irgendwie Hilfe braeuchte. Ich sehe so aus, als ob ich ein wenig verloren waere. Da er der erste war, mit dem ich seit einiger Zeit reden konnte, erzaehlte ich ihm erstmal, wo ich bisher alles war. Er kommentierte dann, dass ich ja ganz schoen lange fuer die Strecke gebraucht haette. Darauf zeigte ich auf sein Gefaehrt und sagte: „Yeah, but you have THAT and I have THIS (auf Frank zeigend)!“ Aber wir wussten ja, dass wir beide scherzten.
Am naechsten Tag hab ich mich dann in die Dusche im Motel geschlichen und nach einer Erfrischung wieder ins Auto gesetzt und Gas gegeben. Ab und zu hoppelte dann mal ein Kaenguruh ueber den Weg, davon liess ich mich aber nicht aus der Fassung bringen, sondern liess es gemuetlich passieren und wuenschte gutes Weiterhoppeln. Zwischendurch wollten auch noch ein paar abgemagerte Rinder passieren, auch sie durften durch, denn ich bin ja ein tierfreundlicher Mensch.
Ich naeherte mich ueber den Savannah Way Western Australia und kam schliesslich zum Grenzuebergang, an der eine Quarantine-Massnahme vorgenommen wurde. Es war mir nicht erlaubt Gemuese, Fruechte und aehnliches in den Staat zu ueberfuehren. Also durchsuchte ein freundlicher Angestellter mein Auto mehr oder weniger genau (eher weniger). Ich war aber vorher schon informiert und hatte somit keine verbotenen Dinge dabei, ausser einer Sache. Meinen Emergency-Honig musste ich leider am Grenzuebergang lassen. Bye, bye! Es war eine schoene Zeit mit dir! Vielleicht hast du mir sogar das Leben gerettet!
Kurz vor Warmun (50 km), meinem geplanten Schlafplatz, kam ich dann in den Geschmack der „Wet-Season“ als Regenschauer auf mich und mein Auto niederprasselten, dann wieder vollkommene Regenpause war und es kurz darauf wieder losging. Ein wenig panisch wurde ich kurzzeitig schon, als die Strasse enger wurde, es in Stroemen regnete und mir dann auch noch ein Monster namens Roadtrain entgegenkam.
20 km vor Warmun musste ich dann ein Floodway passieren, also eine Stelle in der sich gerne Regen ansammelt oder ein ueberlaufener Fluss. Nichtsahnend fuhr ich mit ca. 50 km/h durch und merkte, dass meine Geschwindigkeit der 40 cm Wassertiefe nicht angemessen war, als es viel hoeher und lauter als erwartet spritze. Den Rest der Zeit bis Warmun sang ich nicht mehr.
Dort angekommen teilte ich einer Raststaettenangestellten mein erstes „Floddway“-Erlebnis mit. Sie kommentierte das Erlebnis mit „That’s nothing, wait for the real rain showers!“ Haha,...Australier!
Am 5. und letzten Tag meines Roadtrips regnete es erneut, doch war ich ja nun geuebt und konnte sogar meinen zweiten Floodway gut durchqueren. Nach nur 10 Stunden und 917 km Fahrt bin ich schliesslich in Broome angekommen.
Ich habe mich jetzt fuer 3 Naechte im YHA eingebucht, nach dem Trip ist das fuer mich purer Luxus. In den kommenden Tagen werde ich meine Route fuer die Westkueste runter nach Perth planen und mich dann wieder auf den Weg machen.
5 Tage lang bin ich nun durch das Land gereist. Durch milde Tropen. Durch das trocken-heisse Outback. Durch die heissen Tropen. Durch Regen und Fluten.
Es war anstrengend. Es hat Nerven gekostet. Es war lang.
Doch war es eine unbeschreibliche Erfahhrung und es hat sich gelohnt! Ich habe Australien durchquert und ich kann es nur weiterempfehlen!
Keep on rockin‘,
Freddy Scholle
Jetzt bräucht' ich auch erstmal eine Pause, um das ganze geschriebene erlebte zu verarbeiten. Muss ja crass gewesen sein, der Tripp, toll.
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