Mit dem Shuttlebus ging es rasant Richtung Perth City zum Grand Central Backpackers, das wahrscheinlich einzige Hostel, das noch 2 Betten fuer mich und Markus frei hatte. Markus sollte erst 2 Stunden nach mir eintreffen, also nutze ich die Zeit um mich von meinem Jetlag mit einem Power-Nap (Nickerchen) auszuholen und ein bisschen im Internet zu surfen. Dazu ging ich ins Tribal Travel, ein Backpacker Reisebuero und wurde sofort von der Angestellten begruesst. Sie erinnerte sich sogar noch daran, dass ich ins Roadhouse zum Arbeiten gefahren bin und wir unterhielten uns eine Weile darueber.
Dann kam auch schon Markus an und wir trafen uns mit Robert, dem Schweden und weiterem Mitglied unserer kleinen Clancy-Family. Sind dann erst einmal eine Weile durch die Stadt gegangen und haben uns Perth angeschaut, ein bisschen gegessen und uns unterhalten. Bei der Gelegenheit habe ich mir auch gleich eine neue Kamera gekauft. Ich glaube so schnell habe ich noch nie eine Kamera gekauft. Bei meinem hohen Kameraverschleiss die 4. in Australien und nun hoffentlich definitiv die letzte. Obwohl ich nach Sand, Wasser und Klimaanlage eigentlich schon auf die naechste Version der Moeglichkeiten gespannt bin, wie man eine Kamera zerstoeren kann.
Abends wollten wir 3 dann ins Moonlight Cinema im Kings Park gehen, also ein Openair-Kino in dem aeltere Filme wie Herr der Ringe, aber auch neuere, wie Slumdog Millionaire, gezeigt werden. Letzterer Film sollte an dem Abend gezeigt werden und so machten wir uns eine Stunde vor Filmbeginn auf den Weg. Vom Kings Park hat man einen klasse Ausblick auf die Skyline von Perth und dem Swanriver! Total genial!
Nachdem wir uns von der Sicht bezaubert lassen hatten gingen wir ein wenig umher, fanden aber keinerlei Hinweise auf das Kino, also fragten wir im Restaurant einmal nach dem Weg. Der Angestellte meinte dann, dass es von hier noch 4 km waeren. Da hatten wir die Groesse des Parks wohl ein wenig unterschaetzt! So entschieden wir uns spontan einfach mal gegen das Kino und bestellten uns jeder etwas in dem Restaurant, setzten uns an einen Tisch mit gutem Ausblick auf die Stadt, erzaehlten uns noch einmal Geschichten von der Wuestentour, spielten Karten und gingen dann zurueck in die Stadt. Im Belgian Beer Cafe machten wir noch einmal Stop, da ich den beiden ein belgisches Bier (Hoegenden) zeigen wollte. In dem gleichen Cafe war ich im Dezember auch mit Bart, der mir damals das Bier empfohlen hatte.
Der Plan fuer den naechsten Tag war eigentlich nach Rottnest Island zu fahren, doch spielte das Wetter mit Thunderstorms und kuehlen Temperaturen nicht mit. Da macht es wohl keinen Spass mit dem Fahrrad die Insel und mit Schnorchelset das Wasser zu erkunden. Also uberlegten wir kurz und entschieden uns dann einen 4 Tages-Trip in den Suedwesten Australiens zu unternehmen!
Die Campervans waren leider alle schon ausgebucht, doch fanden wir noch einen schoenen kleinen Hyundai Getz, der perfekt fuer kurze Reisen zu zweit ist! Da Robert in Perth auf Jobsuche war, konnte er mit uns leider nicht auf die Tour.
Mittwoch mittags ging es dann fuer uns los. Unser erstes Ziel sollte Albany sein und so fuhren wir auch fast den ganzen Tag, bis wir abends ankamen. Auf dem Weg sahen wir die vielen Weinanbaugebiete, fuer die der Suedwesten beliebt ist. Das Wetter begleitete uns mit einigen Regenschauern, machte dabei die Zwischenstopps aber mit frischer Eukalyptus-Luft sehr angenehm.
Ich konnte es nicht klar definieren, doch der Suedwesten schien mich an irgendeinen Ort zu erinnern. Als wir Abends in Albany ankamen, nach einer Fahrt voller schoener Landschaften, vielen Kaenguruhs , Emus und bunten Voegeln, fiel mir eine gewisse Aehnlichkeit mit Teilen Europas auf. Nicht nur das truebe Wetter veranlasste mich dazu, auch der Baustil und die ganze Atmosphaere war in meinen Augen eine Mischung aus Skandinavien, Ostfriesland und Irland. Wirklich sehr sympathisch!
Das Hostel Albany Backpackers kann ich nur empfehlen! Die Rezeptionistin und Leiterin ist sehr freundlich und menschlich geblieben. Die Wandbemalung und nicht zuletzt die bequemen Betten machen das Hostel richtig gemuetlich.
Nachdem Markus und ich beim Hungry Jacks, dem australischen Pendant zum Burger King, diniert hatten (um es mal fein auszudruecken), schauten wir uns im Hostel auf Grossleinwand den neuen Vin Diesel Film an und nahmen Kontakt mit den anderen Backpackern auf. Im Prinzip ein normaler Backpackerabend. :)
Am naechsten Tag schauten wir uns zunaechst die Umgebung Albanys an und fuhren zur „Natural Bridge“ und „The Gap“, zwei naturgeformte Attraktionen in dem Torndirrup National Park. Australien und die Antarktis waren vor 45 Millionen Jahren die letzten Teile des Superkontinents Gondwana die auseinanderbrachen. Dabei entstanden Stein- und Felsformationen, die noch heute zu erkennen sind.
Durch Wind und Wasser erodierten dann die weicheren Steinschichten, brachen ab und der harte Granit blieb uebrig. So entstanden zum Beispiel der grosse, 24m-tiefe Spalt („Gap) und die Steinbruecke. Irgendwann in der Zukunft wird der Spalt immer groesser und irgendwann verschwinden, die Bruecke wird irgendwann in sich zusammen brechen und einen neuen Spalt bilden.
Von dem Aussichtspunkt ueber dem Spalt war es wirklich spektakulaer die Wellen zu beobachten, wie sie meterhoch an die Felsen preschen und das hochgespritze Wasser vom Wind in den Himmel getrieben wird.
Bevor wir nach Denmark weiterfuhren, ging es zu den Greens Pool, den Elephant Rocks und den Blowholes, die leider nicht so atemberaubend waren wie The Gap und die Natural Bridge, dennoch einen kurzen Besuch wert. Die Blowholes sind zum Beispiel von Wasserkraft geschaffene Spalten im Gestein. Wenn eine grosse Welle kommt und das Wasser auf den Fels schlaegt, wird es durch die Roehren gepowert und es hoert sich so an, als ob ein Wal durch sein Loch Wasser ausstroemt.
Nach Denmark, wo wir einfach durchgefahren sind, besuchten wir die „Valley of the Giants“, in dem die grossen Tingle Tree Eukalyptusbaeume wachsen. Ausserdem kann man dort den Tree Top Walk begehen, eine Bruecke, die bis zu 40 Meter hoch zum Wipfel der Baeume fuehrt. Der Weg wurde an der Seite eines Tals gebaut, so dass man den Anstieg, bzw. die groesser werdende Distanz zum Boden nicht bemerkt und sich ploetzlich weit ueber dem sicheren Waldboden befindet. Fuer Menschen mit Hoehenangst ist der Walk denke ich nicht gemacht, da die Bruecke schon mal ins Wackeln geraten kann. Ausserdem wird davor gewarnt, die einzelnen Brueckenabschnitte mit mehr als 20 Leuten zu betreten.
Nach dem Tree Top Walk gingen wir durch das direkt anliegende „Ancient Empire“, in dem man einem Holzsteg folgt, der durch einen gigantischen Wald voller bis zu 400 Jahre alter Baeume fuehrt. Die Baeume hatten schon etwas mysterioeses an sich. Mit bis zu 16 Meter Umfang und den unterschiedlichsten Formen schien jeder seine eigene Geschichte zu haben. In einigen erkannte man alte Gesichter, andere waren durch Feuer und andere Naturgewalten von innen komplett ausgehoelt worden. Fuer Fotografen und Filmemacher muss dieser Wald ein Paradies sein.
Man denkt eigentlich, dass man sich in Australien nicht sonderlich verfahren kann, wenn man auf dem Highway bleibt. Bisher hatte ich immer die Erfahrung gemacht, dass man einfach dem angenehmen Strassenverlauf folgen muss, ohne scharfe Kurven zu nehmen, um sein Ziel zu erreichen. So kam ich bisher immer durch eine Stadt wieder raus, ohne auf Schilder zu achten. Leider klappte das bei unserer Fahrt nicht. Als wir naemlich ploetzlich in einer kleinen Kommune am Strand landeten, merkten wir, dass wir vor 30 km wahrscheinlich rechts fahren muessen. Also half nichts, und wir fuhren das Stueck bis Northcliffe zurueck und nahmen die scharfe Kurve Richtung Pemberton.
Unser Ziel fuer den Tag war der kleine Surferort Margaret River. Bis dahin waren es noch etwa 150 km, deshalb hielten wir es fuer keine schlechte Idee in Pemberton vorher noch einen Tankstopp einzulegen. Leider hatte die Tankstelle am fruehen Abend gegen 20 Uhr schon geschlossen. Wir dachten kurz darueber nach, was wir jetzt machen wollen. Na gut, die Tanknadel ist doch eigentlich gar nicht so weit am Ende! Komm, wir probierens einfach! 70 Kilometer muessten drin sein!
Motiviert machten wir uns auf den Weg, doch nach 3 Kilometern blinkte das Tanklicht und wir sahen ein, dass wir beide zwar auf Abenteuer stehen, doch wir es doch zu riskant fanden. Markus meinte sogar, wir sollten einfach irgendwen fragen, ob wir bei dem Sprit abzapfen koennen, doch sah er dann auch irgendwann ein, dass unsere heutige Nacht in Pemberton sein sollte.
Unglaublicherweise fanden wir sogar ein YHA-Hostel! Kurz bevor der Rezeptionist Feierabend machen wollte, checkten wir ein und er ueberreichte uns den Schluessel zu unserem eigenen, kleinen Haus. Gleich nebenan betraten wir unser Heim fuer die Nacht und machten mit dem jungen Australier aus Fremantle, Luke, Bekanntschaft. Er sah sehr fertig und geschafft aus. Seine Mission ist es, den Bibbulmun Track von Perth bis an die Suedkueste zu laufen. Seit ungefaehr 2 Monaten laeuft er schon und hat eine bemerkenswerte Strecke von 600 km hinter sich gebracht. Bis er von Muecken attackiert wurde und sein Bein jetzt komplett zerstochen und angeschwollen war. Das zwang ihn nun zu ein paar Tagen Regenerationsphase in Pemberton. Wir drei unterhielten uns eine Weile, schauten noch den merkwuerdigen Film „Donnie Darko“ in unserem kleinen Wohnzimmer zusammen an und verabschiedeten uns dann auch einer nach dem anderen richtung bett.
Waehrend ich am naechsten Morgen duschte, holte Markus Broetchen und wir hatten ein kurzes Fruehstueck gemeinsam, bevor wir uns auch wieder auf den Weg machten (auch bei diesem Roadtrip begann jeder unserer Tage mit dem Lied „On the Road again!“).
Unseren ersten Halt machten wir bei den Beedelup Falls, die uns ehrlich gesagt nicht sonderlich beeindruckten. Markus Worte: „So einen Bach hab ich zuhause hinter meinem Haus, dazu muss ich nicht nach Australien fahren.“ Deswegen drehten wir uns nach ein paar Sekunden der maessigen Bewunderung wieder um und gaben mit unserem kleinen Go-Kart wieder Gas.
Auf dem Weg hielten wir bei dem Karri Valley Resort an, in dem Katrin und Ellen vor ein paar Monaten mal gearbeitet haben. Ich wechselte ein paar Worte mit der Rezeptionistin Tess, fragte sie scherzhaft, ob die beiden denn auch gut gearbeitet haetten und berichtete ihr von den bisherigen und zukuenftigen Reisen. Nach einem kleinen Small-Talk verabschiedete ich mich auch wieder. Irgendwie interessant, mal den Ort zu sehen, wo andere Mitreisende gearbeitet haben. Jetzt kann ich mir bei den Erzaehlungen der Zwei ein gutes Bild von der Umgebung machen!
Nachmittags besuchten wir eine der vielen Tropfsteinhoelen in der Umgebung von Margaret River. Wir hatten ungefaehr 3 in einer Umgebung zur Auswahl und entschieden uns dann fuer die „Mammoth Cave“. Mit MP3-Player bewaffnet gingen wir durch die Hoehle und hoerten uns ueber Kopfhoerer an den verschiedenen Stationen die Entstehung und Unterschiede von Stalagtiten und Stalagniten an, die Schwierigkeiten bei der Installierung von Beleuchtungen und liessen uns einfach von der Umgebung einnehmen. Als wir spaeter aus der Hoehle rauskamen, merkten wir erst, was fuer einen Weg wir hinter uns gelegt haben, da wir einen kleinen Spaziergang zurueck zum Eingang nehmen mussten.
Margaret River war der naechste Stop. Eine wirklich sympathische kleine Ortschaft! Wenn man so durch die Strassen geht, kommt eine sehr angenehme Atmosphaere auf. Markus und ich gingen in ein Cafe, bestellten uns einen Kaffee zum mitnehmen und setzten uns fuer eine Weile auf den Rasen im Park. Nachdem wir in ein paar kleinen Laeden waren fuhren wir entspannt weiter.
In Busselton angekommen sahen wir gleich, was uns am meisten in der Stadt faszinierte: Der fast 2 Kilometer lange Steg am Strand. Mit dieser Laenge ist es der Laengste auf der suedlichen Hemisphaere und zu dieser Tageszeit, gegen Sonnenuntergang, gab es wunderschoene Licht- und Farbkontraste.
„Komm Markus, wir gehen mal bis zum Ende und zurueck!“ Erst war er davon nicht sehr begeistert und wollte nach ein paar Hundert Metern zurueck zum Strand gehen. „Komm, wir machen keine halben Sachen!“ Damit schien ich ihn motiviert zu haben, und so schlenderten wir die 1,8 km vorbei an anderen Spaziergaengern, ein paar verrueckten Kids, die vom Steg ins Wasser sprangen und ein paar Fischern, die in den Abendstunden ihr Glueck versuchten. Am Ende des Steges befindet sich eine Unterwasserstation, in der man das Leben der Fische und Pflanzen durch eine Glasscheibe bewundern kann, doch als wir ankamen, war sie leider geschlossen. Doch wurde davor schon am Anfang des Steges gewarnt, um die Enttaeuschung nach einem langen Fussweg (Fahrrad fahren war verboten) zu vermeiden. Also gingen wir den Weg zurueck und waehrend wir uns immer weiter dem Strand naeherten spiegelte sich die untergehende Sonne im Wasser zu unserer rechten Seite.
Wir hatten eigentlich vor, in Busselton zu uebernachten, doch gab es in dem einzigen Hostel, Phat Sam Backpackers, keine Betten mehr. Also entschieden wir uns heute Abend einfach noch ein paar Kilometer zu fahren, da wir am naechsten Tag schon den Wagen zurueckbringen mussten und somit nicht soviel Stress haetten. Wir machten die Musikanlage an, hoerten unterschiedliche Musiker, unterhielten uns ueber die vergangenen Tage und beschlossen dann in Rockingham am Ufer im Auto zu schlafen.
Der naechste Tag fing gemuetlich mit einem Fruehstueck an der Strandpromenade an und einer kurzen Fahrt durch Fremantle zurueck nach Perth. Dort fuhren wir noch einmal zum Kings Park hoch und machten ein paar Bilder von der Skyline von Perth, bevor wir unseren kleinen, roten Mietwagen zurueck brachten.
In Perth trafen wir Robert und einen weiteren Schweden wieder und gingen abends noch auf einen kurzen Drink in eine Bar. Wir dachten jedenfalls, es waere eine normale Bar, bis der Kellner mich fragte, ob ich ein bisschen Pfeffer auf meinen Salat will und er vornehm die grosse Pfeffermuehle holte. Naja, auch als Backpacker kann man sich ja mal ein bisschen Luxus goennen!
Am naechsten Morgen ging mein Flieger zurueck nach Adelaide und als ich im Flieger sass, freute ich mich, dass ich diese spontane Reise unternommen hatte und doch noch die Chance hatte, den Suedwesten zu sehen, von dem manche Australier sagen, es sei der schoenste Teil des Landes!
Keep on rockin',
Freddy Scholle
Die Landschaft ist wirklich wunderschön! Wohin gehts denn als nächstes?
Blogeintrag gelesen von 212 Besuchern.
Spam?