Mir diente Adelaide gut als Einstieg in die Zivilisation, nachdem ich im Outback ein paar Wochen verbracht habe. Doch nach einer Weile fiel mir dann auch auf, dass Adelaide eben wirklich nur angenehm und ganz nett ist.
In der Stadt traf ich dann nach meinem Suedwesten-Trip Ellen und Katrin wieder. Auch dieses mal war es wieder sehr spannend sich nach 3 Monaten voller Geschehnisse wiederzusehen und die Erfahrungen auszutauschen. Wir verbrachten eine Woche zusammen in Adelaide und unternahmen fast alles, dass man in Adelaide machen kann. Wir nutzen den kostenlosen Fahradverleih der Stadt und fuhren in den Norden der Stadt und am Fluss entlang, gingen nochmals in die Schokoladenfabrik und nutzen den kostenlosen Kaffee und die Schokoladenproben so gut und viel es ging aus und beendeten somit Ellens Australienaufenthalt. Fuer sie ging der Flieger zurueck ins kalte Deutschland, zurueck zu ihrem Freund. Doch mit einer sehr ueberzeugenden Einstellung, denn sie hatte eine gute Reise und freute sich nun auf ein Wiedersehen mit der Heimat.
Als Katrin dann die einmalige Chance auf einen guten Job hatte, in dem sie an der Ostkueste in einer ihr bereits bekannten Familie ein paar Wochen als Au-Pair arbeiten konnte, stand fest, dass sie am Dienstag den Flieger nehmen wuerde. Fuer mich stand damit dann auch fest, dass ich Adelaide verlassen moechte, nachdem ich die Stadt immer als Erholungsort nach meinen Touren benutzt hatte. Also ging ich Sonntag ins Reisebuero und hatte Glueck, dass fuer Dienstag noch genau ein Platz fuer die Grampians- und Great Ocean Road-tour frei war.
Am Montag Abend gingen wir gerade durch eine Strasse, als ein 4-Wheel-Drive vorbeifuhr, in dem ein sehr bekannter Blondschopf sass, der sogar ein paar Meter spaeter anhielt. Krass, ich dachte eigentlich, dass ich ihn nie mehr zu Gesicht bekommen wuerde, doch hatte ich ploetzlich Clancy from Australia wieder vor mir. Wir unterhielten uns eine Weile und er meinte, er kaeme gerade von einer weiteren Outback-Tour, in der ein paar coole Maedels und Typen dabei waren, die auch in meiner Great Ocean Road Tour sein werden. Ich koennte mich auf ein paar lustige Tage freuen!
Spaeter verabschiedeten Katrin und ich uns dann, und es war merkwuerdig, da wir beide wussten, dass wir uns das naechste mal erst in Neuseeland wiedersehen wuerden, um das faszinierende Land gemeinsam mit einem Campervan zu erkunden.
Bis Dienstag Morgens, als ich im Groovy Grapes Bus nach Melbourne sass, hatte ich noch nicht ganz realisiert, dass ich mich schon wieder auf eine Tour begeben wuerde. Jetzt hatte ich nach ein paar Wochen Adelaide verlassen und fuhr mit 20 anderen Reiselustigen durch die Grampians. Und ich wusste sofort, wen Clancy gemeint hatte, da ein paar Menschen noch immer begeistert von ihm schwaermten. Ich verstand mich sofort super mit ihnen. Da war der Hollaender Gerd-Jan, der von allen nur Dutchie genannt wurde, zwei Deutsche (Diana und Lisa), die Italienerin Anna und die Englaenderin Emily, die von allen Em-u genannt wird. Lisa kannte sogar meine Heimatstadt Bad Iburg im Osnabruecker Landkreis, da sie gerade ein paar Jahre Kunst und Englisch in Osnabrueck studiert hatte.
In den Grampians angekommen, wanderten wir zu den Mackenzie Falls, ein schoener Wasserfall, unter dem es aber leider nicht zu schwimmern erlaubt ist. Es waere aber sehr einladend gewesen, da die Sonne einen Regenbogen vor den Wasserfall gezaubert hatte. Wir genossen alle die angnehme Atmosphaere, bevor wir uns wieder in den Tourbus begaben und zu den Balconies fuhren, von dem man eine wunderschoene weite Sicht ueber die Landschaft hatte. Spaetestens hier fiel mir die bevorzugte Poste meiner gleichgesinnten Clancy-Fans auf. Jeder kennt die Standart-Bilder, auf denen falsch gelaechelt wird und immer die gleiche Pose gestellt wird. Es sieht beinahe so aus, als ob man vor einer Fotowand steht. Warum dann also nicht mit der Umgebung spielen? Ich bin da ein Fan von aktiven Posen wie Spruengen und Handstaenden. Anna, Diana und Em-u uebten sich im Sexy Posing, dass sich sehr bald als allgemeine Pose einbuergerte. So entstanden die lustigsten und vor allem eindrucksvollsten Bilder, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Man erkennt auf den Bildern, dass wir Spass beim Trip hatten.
Unser Tourguide Brian stellte sich naemlich sehr schnell als Schlaftablette heraus. Von Entertainment, guten Informationen und Integrierung kann man wirklich nicht sprechen. Und um seiner einschlaefernden Persoenlichkeit entgegenzuwirken, wurden wir Clancy-Menschen eben aktiv. In unseren Reisefuehrern und von bisherig gehoerten Geschichten erzaehlten wir uns gegenseitig die spannenden Details zu den angefahreren Orten, der Flora und Fauna Australiens.
Die Nacht verbrachten wir in der Brambuk Unterkunft in Betten. Wie es sich fuer Groovy Grape Getaways gehoert, half man beim Abendessen mit und spaeter assen wir zusammen Spaghetti Bolognese und Salat. Die Stimmung in der Gruppe war natuerlich nicht mit der Clancy Family von der Outbacktour zu vergleichen, doch verstanden wir uns alle auch gut. Manche mehr, manche weniger. Wie das im Leben eben so ist.
Der naechste Tag begann mit einer Wanderung zum „Wonderland“ in den Grampians. Wir fuhren ein paar Hundert Meter so weit es ging mit dem Bus hoch und stiegen dann den restlichen Teil des Berges selbst empor. Von oben hatte man bei Seitenwind eine atemberaubende Sicht auf die Landschaft und auf die unter uns befindlichen Wolken.
Wir liessen die Grampians und kurz vor der Great Ocean Road platzte uns dann ein Reifen. Nein, explodiert trifft es wohl eher! Also mussten wir am Strassenrand einen Stopp einlegen und mit Hilfe von Dutchie, einem Deutschen und einem Englaender den vorderen linken Reifen wechseln. No Drama!
Wir begaben uns auf die legendaere Great Ocean Road und sahen die ueblichen Bekannten von all den vielen Bildern und Postkarten: The Bay of Martyrs, die London Bridge und die Loch Ard Gorge zeigen wunderschoene Kuestenlandschaften und laden zu vielen Stops und Fotomoeglichkeiten ein!
Am Abend hielten wir in Port Campbell an, wo wir in einem Beachhouse uebernachten sollten. Das Beachhouse war klasse direkt am Strand gelegen, also dachten wir nicht lange nach, zogen unsere Badesachen an und bloedelten eine Stunde im kalten Wasser herum. Dutchi und ich brachten es sogar fertig, Diana und Anna auf unseren Haenden gleichzeitig emporzuheben!
Anschliessend gab es ein Barbeque, wir unterhielten uns, bis wir uns allesamt in den Bus setzten und passend zum Sonnenuntergang zu den 12 Aposteln fuhren, sozusagen der Hauptattraktion der Great Ocean Road. Es war leider sehr wolkig, doch waren die Felsformationen sehr schoen anzusehen. Nur fiel mir wieder auf, dass ich nicht besonders beeindruckt war. Vor 8 Monaten, zu Beginn meiner Reise, waere ich wahrscheinlich vor Bewunderung im Dreieck gesprungen, doch nun hatte ich wieder das Gefuehl, dass ich einfach schon zu viele schoene australische Landschaften gesehen hatte.
Am naechsten Morgen, und zugleich schon letzten Tag der 3-Tages-Tour, fuhren wir nochmals zu den 12 Aposteln, von denen uebrigens nur noch 7 uebrig sind, da sich die restlichen schon im Meer zerbroeckelt und verabschiedet haben. Diesmal betrachteten wir sie im Morgenlicht, bevor uns ein zusaetliches Angebot zu der Tour angeboten wurde, das man eigentlich nicht ablehnen kann. Und so kam es, dass ich mehr oder weniger ploetzlich mit Anna und Em-u in einen Helikopter stieg und wir fuer eine kurze Weile ueber die Kuestenlinie der 12 Apostel flogen! Der Pilot war sehr gut drauf und gab uns spannende Informationen ueber die Kopfhoerer durch. Aus der Vogelperspektive sah man auch erst, wie weit sich die 7 Felsformationen voneinander entfernt befinden. Und das Gefuehl, wenn der Pilot zur Seite gezogen hat war einfach nur genial! Es muss ganz schoen kompliziert sein, die Balance eines Helikopters zu finden!
Voller Begeisterung ueber dieses einmalige Flugerlebnis setzten wir uns wieder zu den anderen in den Bus und machten sie alle mit unseren Erzaehlungen und Luftaufnahmen neidisch. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichten wir den Great Otway National Park, in dem wir einen kurzen Wanderweg von etwa einer halben Stunde durch den Wald begangen. Der Wald war voller grosser Farne und es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Vergleich mit der Welt aus der Trilogie Jurrasic Park aufstellte. Man fuehlte sich wirklich wie in einem Dinosaurier Dschungel! Ploetzlich veraenderte sich dann die Vegetation und man meinte, sich in einem deutschen Wald zu befinden. Ueberall sah man Loewenzahn und Gaensebluemchen. Noch dazu war es etwas kuehler und regnerisch, da wurden schon fast Heimatgefuehle wach!
Mitten in einem Waldstueck hielten wir an, da dieser Ort fuer Koalas beruechtigt sein sollte. Und tatsaechlich sahen wir einige dieser pelzigen Baerchen in den Baeumen haengen, wie sie entweder gemuetlich ihre Eukalytpusblaetter assen, miteinander rangelten oder typisch fuer ihre Art einfach nur Siesta machten, putzig!
Der Rest der Tour war nicht mehr besonders gestaltet. Im Prinzip regten wir uns nur weiter unnoetig ueber unseren Tourguide auf, der nicht lange genug oder gar nicht an den schoenen Orten hielt, dafuer aber einen einstuendige Shoppingaufenthalt in Torquay (Heimatstadt von Ripcurl und Billabong) einlegte, in der eine Gruppe von 3 deutschen Maedchen, die sich sonst immer immer als letzte aus dem Bus schleppten, ausnahmsweise mal die ersten waren, die aus dem Bus stuermten.
Die Tour an sich war also ganz nett, der Tourguide jedoch eine ausgebildete Nudel. Doch da ich ein paar ausgesprochen interessante Persoenlichkeiten in den gleichgesinnten Clancy-Freunden fand, wurde die Tour genial! Mir wurde dadurch wieder bewusst, wie sehr eine Reise durch die Mitreisenden definiert wird. Nicht nur kann eine Reise dadurch eintoenig werden. Eine Reise kann dadurch auch umso mehr Qualitaet bekommen. Genau wie bei den Fotos, in denen man mit der Umgebung spielt, erinnert man sich bei den Orten leichter an die Menschen zurueck, mit denen man an den Orten Spass hatte und die Reise zusammen begangen hat.
Keep on rockin',
Freddy Scholle
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