...uns ueber Australien, ich erzaehlte ihm ein paar Geschichten meiner vergangenen Reise und er konnte mir schon einmal Tipps zu meiner Neuseelandreise geben. Er war nur ein paar Tage in Neuseeland, um seine Familie zu besuchen. Bei den Mietwagen verabschiedeten wir uns kurz und ich ging zu den zahlreichen Shuttlebussen, die in die City fuhren. Nach ein paar Preisvergleichen entschied ich mich doch fuer den ersten, da ich ja fair bin und der nette Neuseelaender mich als erstes angesprochen hatte.
Im Hostel „Charlie B’s Backpackers“ traf ich dann eine Reisepartnerin Katrin wieder und wir gingen zunaechst durch die Stadt. Ich kaufte mir einen neuen MP3-Player, da ich meinen alten in Sydney verloren hatte und war nun mit dem etwa zehnmal groesseren Speicher total ueberfordert, da ich noch nie so viel Platz fuer portable Musik hatte. Jeden Tag eine neue Herausforderung.
Die Stadt Christchurch ist ganz sympatisch. Auf dem Cathedral Square tummeln sich immer ein paar Musiker und die ganze Stadt hat eine gute Atmosphaere. Leider war das Wetter nicht so gut, eher regnerisch und kuehl, doch gefiel mir das nun auch. Ich dachte eigentlich, dass dauerhafter Sommer genial sei, aber freute sich mein Koerper auf ein paar kuehle Wochen.
Nachdem wir uns im Hostel Nudeln gekocht hatten, stellte ich mir selbst und Katrin die Frage, was wohl die richtige Form von Reisen waere. Wir hatten uns zusammen einen Wicked!-Campervan fuer dreieinhalb Wochen gemietet, doch konnte ich mir auch vorstellen, alleine durch das Land zu trampen. Mit dem eigenen Auto konnte man in ein paar Wochen natuerlich sehr viel sehen und man waere sehr unabhaengig. Doch wandern, ab und zu per Anhalter fahren, was in Neuseeland sehr ueblig ist, und frei durch das Land ziehen erschien mir auch sehr reizvoll.
Am Donnerstag holten wir unseren Campervan ab. Die Wicked!-Vans sind alle sehr modern angemalt. Manche sind mit Comicfiguren designt, andere mit Tieren oder Landschaftsbildern. Wir hatten mit „Johnny Cash“ das wahrscheinlich haesslichste Auto des ganzen Unternehmens bekommen, doch dachten wir: „Hauptsache es faehrt!“ Und das tat es sehr gut, also waren wir zufrieden und kauften beim „Pack `n Safe“ ersteinmal einen grossen Vorrat an Nahrungsmitteln ein.
Im Internetcafe schaffte ich es irgendwie, meinen ungewoehnlich grossen MP3-Player-Speicher zu fuellen und wurde von einigen Freunden schon gefragt, wie mir denn Neuseeland gefalle. „Keine Ahnung, die paar Strassen in Christchurch sehen ganz nett aus.“ Da fiel mir auf, dass ich noch nichts von Neuseeland gesehen hatte. Wo war also Neuseeland?
Wir beschlossen einfach mal loszufahren und unseren Trip zu starten. Die naechstgelegene Attraktion war die „Banks Penninsula“, eine Halbinsel nahe Christchurch, die man durch eine ‚Scenic Drive‘ erreichte. Kaum waren wir aus der Stadt raus, fielen uns schon die hohen Berglandschaften und die schoenen weiten Gruenflaechen auf. Unser Ziel fuer den Tag sollte die kleine Hafenstadt Akaroa sein und auf dem Weg bescherte uns die Sonne ein wunderschoenes Lichtspektakel, als wir nahe dem Ufer entlangkurvten. Irgendwann bemerkten wir, dass sich die Tanknadel gefaehrlich tief bewegte und unser Timing sehr unpassend ist, mitten in der Pampa umherzukurven, wo wir keine Tankstelle erblicken konnten. Noch dazu hatten wir uns irgendwo in Port Levy verfahren.
Was also tun? Die naechste Person fragen. Wir erblickten einen Herren, der gerade ueber einen Landweg ging und wir fragten nach dem Weg nach Akaroa und ob es auf dem Weg vielleicht eine Tankstelle geben wuerde. Er ueberlegte und schaute sogar in seinem Lager nach, ob er noch etwas Benzin uebrig hatte (leider nicht) und meinte dann, dass es vielleicht besser waere, wenn wir nach Christchurch zurueckfahren, da der Tank knapp werden koennte. „Hm,..wie weit ist es denn wohl bis Akaroa?“ – „Moment, ich guck mal eben bei Google nach.“
Wenig spaeter befranden wir uns im Wohnzimmer seiner kleinen Huette mit Meerblick und er zeigte uns auf der Google Karte den Weg nach Akaroa. Wir bedankten uns fuer seine Hilfe und waren verdutzt. Google scheint nun ueberall zu sein, selbst im neuseelaendischen Nirgendwo.
Nach einer huegeligen Fahrt erreichten wir schliesslich Akaroa und entschlossen uns kurz davor auf einer Raststaette zu campen. Am naechsten Tag waren wir von dem kleinen, frankophilen Staedchen sehr begeistert. Die Landschaft um die Stadt herumwurde von zwei gigantischen vulkanischen Eruptionen geformt und sah sehr vielfaeltig aus. Nachdem wir eine Weile in den ruhigen Hafen hinausgeschaut hatten, ein Brot und Cappuccino beim Baecker gekauft hatten, gingen wir in das Info-Center, um uns mal einen Plan fuer die kommende Zeit zu machen. Die Frau war sehr hiflsbereit, versorgte uns mit vielen Karten und gab uns Tipps fuer sehenswuerdge Orte.
Unser Plan fuer die Woche war zunaechst inland Richtung Mt. Cook, dem hoechsten Berg Neuseelands, zu fahren. Auf dem Weg gab es einiges zu sehen und wir setzten uns den Lake Tekapo als erstes Ziel. Ueber den State Highway 1 fuhren wir durch Fairlie und bemerkte den Umschwung im Klime: Es wurde kaelter.
Mit guter Musik begleitet waren wir von der wunderschoenen Umgebung angetan: Das Wasser, die Berge, die Farben! Unbeschreiblich. Langsam hatte man das Gefuehl, dass man das Land bereist. Nach einer Weile bemerkten wir noch etwas, dass wir schon mehr als ein Jahr nicht gesehen hatten. Es ist weiss, kalt und macht Menschen gluecklich: Schnee! Dabei mussten wir nicht lange ueberlegen, machten bei der naechsten Raststaette halt und hatten seit langer Zeit wieder unsere erste Schneeballschlacht im Jahr, jipieh!... Doch war es ein sehr merkwuerdiges Gefuehl, ein Stueckchen Schnee wieder in den Haenden halten zu koennen.
Wir fuhren weiter und der Nachmittag wurde spaet, die Sonne begann unterzugehen. Gerade als sich die Farben zwischen Gelb und Lila bewegten, kamen wir am Lake Tekapo an. In mir begann es zu kribbeln, bei dem Anblick dieses riesigen Gletschersees!
Wir schauten uns die Church of the Good Shepherd an, als ob wir ein perfektes Postkartenbild vor uns haetten. Neben der kleinen Kapelle, in der gelegentlich auch Hochzeiten stattfinden, befindet sich das Monument eines Schaeferhundes. Es wurde zu Ehren des Collie Hundes errichtet, der dem Land einen wertvollen Dienst bei der Beweidung geleistet hat. Die Silhouette im Sonnenuntergang vor dem sich spiegelnden See war genial.
Am Ufer des Lake Tekapos fanden wir eine abgelegene Stelle und entschieden uns dort zu uebernachten. Also kochten wir uns ein leckeres Nudelgericht mit guter Gewuerzmischung, unterhielten uns eine Weile und gingen dann schlafen.
Am naechsten Morgen wachte ich auf, ging aus dem Van und sah mich um. Ich sah einen praechtigen grossen See, hohe Berge, die an der Spitze mit Schnee bedeckt waren und ich atmete frische Naturluft ein. Bei der Kulisse muss man nicht lange ueberlegen, man zieht sich schnell die Badehose an und nimmt zur Einleitung in den Tag ein schoenes, erfrischendes Eisbad in dem Gletschersee. Jetzt war ich mir sicher: Ich bin in Neuseeland.
Keep on rockin‘,
Freddy Scholle
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