Registrieren  |  Tour

Scholles Blog

.

Kapitel zwei – Ein Pinguin fliegt gegen den Zaun

11.04.2009 | Bilder6 | Kommentare0 | Neuseeland  - Dunedin
Erfrischt von dem Eisbad zogen wir uns sofort warme Sachen an, machten Musik an und fuhren weiter zum Mt Cook. Nach einer Weile kamen wir am Lake Tekapo an, einem...

...weiteren grandiosen Gletschersee und spaeter zum Lake Pukaki, an dem ein Informationszenter ist. Darin wird die unglaubliche Energiegewinnung aus den Seen erklaert: Mit Hilfe der Hydroelektrik werden enorme Energiemassen gespeichert, in dem das Wasser durch eine Vielzahl von Daemmen in den zahlreichen Seen fliesst und die Turbinen antreibt.

Nahe dem Mt Cook National Park war die Natur schon einmalig und wir blickten waehrend der Fahrt auf weite, platte Felder, die gegen hohes Gebirge konkurierten. Spaetestens jetzt fing der Zeitpunkt an, da man staendig an Szenen der Spielfilm-Trilogie „Lord of the Rings“ erinnert wurde, die von dem Neuseelaender Peter Jackson in seinem Heimatland verfilmt wurde.

Im Park entschieden wir uns unseren ersten Wanderweg zu beschreiten und gingen den Hooker Valley Walk. Es war richtig umwerfend, durch Landschaften zu gehen, die zwischen kantigen und weichen Formen schwebten. Der Weg fuehrte ueber zwei Haengebruecken und nach knapp zwei Stunden erreichten wir den Hooker Lake und blickten auf den Hooker Glacier. Fantastisch. So etwas habe ich noch nie gesehen.

Wir lernten die deutsche Anja kennen, verweilten noch ein bisschen an dem See, genossen die Sicht und gingen dann langsam zurueck, da wir noch ein Stueck fahren wollten. Wir nahmen Anja in unserem Auto mit zum ihrem Hostel, da wir ihr den einstuendigen monotonen Rueckweg ersparen wollten und entschlossen spontan mal wieder duschen zu gehen. Gereinigt ging es weiter und wir fuhren bis nach Twizel, wo wir einen schoenen Rastplatz zum uebernachten fanden.

Womit wir am naechsten Tag nicht gerechnet hatten, war, dass es Ostersonntag war und der Hardwarestore mit den Gaskartuschen fuer unseren Campingkocher geschlossen war. Also gab es am Abend wohl kaltes Essen, bis wir neue Kartuschen kaufen koennten. Nachdem wir unser Geschirr im Waschbecken der oeffentlichen Behindertentoilette gespuelt hatten, trafen wir noch einmal Anja vom Vortrag kurz wieder, die zufaellig gerade in Twizel Halt gemacht hatte und wir hatten die Chance unsere Kontaktdetails auszutauschen, was wir vorher vergessen hatten. Weiterfahren war angesagt, jetzt wieder richtung Ostkueste und nach Oamaru.

Auf dem Weg sahen wir wieder ein paar schoene Seen (Lake Benmore, Lake Aviemore und Lake Waitaki) und machten bei dem Lake Ohau eine laengere Rast, bevor wir weiterfuhren und bei den Clay Cliffs anhielten, von denen wir nicht wussten was sie genau sind, bis wir dort waren. Die Clay Cliffs ist eine durch Erosion geforme Mondlandschaft, die ein beinahe einmaliges Bild liefert. Ich konnte es mir natuerlich nicht nehmen lassen das steile Geroell hochzuklettern, da ich die weite Sicht auf das Tal geniessen wollte. Irgendwann fiel mir auf, dass ich den gleichen Weg, den ich hochgeklettert war, nicht mehr herunterkam. Ein leichtes Gefuehl der Panik und Aergernis ueber meine eigene Dummheit und Leichtsinnigkeit kam in mir auf. Ich atmete ein paar mal tief ein und aus und fand dann eine flachere Stelle, die einen Ausweg liefern konnte. Also kletterte ich ein bisschen seitlich und rutschte erstmal ein paar Meter ab und brachte mir ein paar schoene Schuerfwunden. Aua. Schliesslich schaffte ich es zum flachen Teil und konnte wieder nach unten klettern.

Unten kamen wir auf dem Rueckweg an einem Fluss vorbei, in dem ich mir schnell meine Haende und Arme saubermachte. Etwas weiter vom Wasser entfernt lag etwas grosses, das sich als tote Kuh herausstellte. Muss wohl schon eine Weile dort gelegen haben, wenn ich mein Wissen aus Krimiserien korrekt angewendet habe.

In Oamaru beschlossen wir mal wieder in ein Hostel zu gehen und hatten mit dem „Old Stone Backpackers“ einen wahren Gluecksgriff gehabt. Es ist abgelegen und somit nur mit dem eigenen Auto erreichbar, dann gibt es anstatt einem Fernseher einen Kamin und in dem ganzen Hostel waren vielleicht 10 Gaeste. Man kann es sich wie eine grosse Wohngemeinschaft vorstellen. Beeindruckt waren wir auch, dass das Ehepaar, dass gleich nebenan ihr Haus hatte, sich per Hand vorstellte und dem ganzen eine wunderbare sympatische Atmosphaere gab.

Weiterhin gab es auch einen Computer, bei dem man den ganzen Tag kostenlos ins Internet surfen gehen konnte. Am Abend zuvor hatte ich eine Nachricht auf mein Handy bekommen, dass ich eine MMS erhalten hatte. Mein Handy, dass nur ueber die Standartfunktionen wie SMS und telefonieren verfuegt (was sehr angenehm ist), gab mir eine Internetadresse, ueber die ich meine Multimedia-Mitteilung sehen konnte.

Etwa einen Monat zuvor hatte ich ein grosses Paket voller Austraien-Souvenirs nach Hause geschickt und eine Nachricht hinzugefuegt. Ich hatte ein paedagogisches Experiment mit meinen Freunden gemacht: „Ihr duerft selbst entscheiden, wer von euch wie viele und welche Souvernirs bekommt. Ich bin auf eure Version gespannt!“ Wenn man seine Freunde lange nicht gesehen hat, faengt man an, sich die merkwuerdigsten Fragen zu stellen. Haben sich meine Freunde veraendert? Hat sich unsere Freundschaft veraendert? Schafft man es eigentlich noch, die ganze Bande zusammenzutrommeln? Trifft man sich ueberhaupt noch, wenn sich die Dinge staendig veraendern und die Welt in ihre Lauf der Zeit schwebt?

Man sagt, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Wenn etwas spricht, kann es auch Fragen beantworten. Als ich nichtsahnend die Bilddatei auf dem Computer oeffnete und sah, wie meine geliebten Menschen die albernen Peruecken trugen und mit der aufblasbaren Riesenhand herumbloedelten, wurden mir in drei Sekunden alle Fragen der Freundschaft beantwortet.

Anschliessend ging ich zum nahe gelegenen Strand und versuchte mein Glueck bei der Pinguinbeobachtung. Nahe dem Strand hoerte ich nur, wie die Pinguine sich schon wegbewegten und stellte fest, dass Pinguine anscheinend keine Menschen moegen. Ich setzte mich auf einen kleinen Fels und schaute in das dunkle, rauschende Meer hinaus, bevor ich mich wieder auf den kurzen Rueckweg zum Hostel machte. Dabei ging ich ueber einen anliegenden Fluss und schreckte dabei einen Pinguin auf, der wild schreiend wegflatterte und dabei mit voller Kanone gegen einen Zaun donnerte. Ich sah nur, wie er sich innerlich sammelte, durch den Zaun hindurchkletterte und anschliessend wieder laut schreiend weiterflatterte. Was war das denn?

Ich ueberlegte, was einen Tag perfekt macht. Eine schoene Landschaft? Das fast verlorene Leben wiedergeschenkt bekommen? Ein einziges Foto? Oder ein aufgeschreckter Pinguin? Pick one.

Keep on rockin‘,Freddy Scholle

Bookmark and Share

Kommentar hinzufügen

Falls du ein globalzoo-Mitglied bist, bitte zuerst einloggen!
Name
Emailadresse
(wird nicht angezeigt)
Dein Kommentar
Spam-Schutz Bitte trage das Ergebnis der Rechnung in das Feld ein.
29 + ach- 3 + t =
All links get rel="nofollow". Spam entries will be deleted automatically!
 

Blogeintrag gelesen von 223 Besuchern.

Alle Blogeinträge nach...


Scholle