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Scholles Blog

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Kapitel fuenf - Respekt und Engelsflug

20.04.2009 | Bilder20 | Kommentare1 | Neuseeland  - Te Anau
Wenn Adrenalin eine Droge waere, dann waere Queenstown wahrscheinlich der Dealer. Dies war wahrscheinlich der ausschlaggebende Grund, weshalb wir in diese Stadt wollten....

...Um etwas unlogisches zu machen, das am Ende doch so viel Sinn macht.

Als wir uns der Stadt naeherten, bekamen wir gleich ein schoenes Bild. Queenstown ist am Ufer des Lake Wakatipus gelegen und wird von den maechtigen Gipfeln der Suedalpen ueberragt, was ein praechtiger Anblick ist! Wir merkten sofort, dass diese Stadt nicht nur Adrenalin verkaufen kann, sondern auch mit der wunderschoenen neuseelaendischen Natur prahlen darf.

Zunaechst buchten wir uns ein Hostel, da wir mal wieder Waesche machen mussten und es in der Stadt wohl schwierig werden wuerde, einen Schlafplatz zu finden. Anschliessend gingen wir ins Centre, um uns unsere Aktionen zu buchen. Katrin entschied sich fuers Riversufen, bei dem man mit einem Boogieboard einen stroemenden Fluss hinunterprescht und ich wollte mich beim Fast-Suizid versuchen und den Sprung von der 43 Meter hohen Kawarau Bruecke wagen. Uaaah. Warum? Keine Ahnung, es war einfach eins dieser Dinge, bei denen man einfach ein Gefuehl hat, dass man es nicht nur machen moechte, sondern wirklich will.

Nachdem unsere Plaene fuer den naechsten Tag soweit feststanden, fragte ich die Frau von dem Centre, was man sonst noch so in Queenstown machen koennte, da wir ja noch den ganzen Tag vor uns hatten. Sie schlug uns die Deer Park Heights vor und auf den Bildern im Prospekt sahen wir ein paar ueberzeugende Bilder! Doch zunaechst gingen wir zur Starkung zum Schnellimbiss "Fergburger", den ich schon von einigen Leuten empfohlen bekommen hatte.

Als ich mir gerade die Auswahl an der Wand durchlas sah ich vor mir einen bekannten Blondschopf sitzen und es stellte sich heraus, dass es John, einer der Englaender aus Caboolture in Australien, war. Wie lustig, dass wir uns hier wiedertreffen! Wir tauschten uns kurz ueber unsere Erlebnisse des letzten halben Jahres aus und dann bestellte ich mir einen "Sweet Bambi"-Burger. Ungefaehr 20 Minuten spaeter bekam ich ernsthaft den besten Burger aller Zeiten! Frisches, krosses Brot, saftiges Gemuese (das nach sich selbst schmeckt!) und das ganze verfeinert durch eine Kombination von Aioli und weiteren Sossen. Innerhalb der 2 Tage die wir in Queenstown verbrachten, habe ich 3 Burger gegessen und nun werde ich niemals wieder einen Burger von McDonald's essen koennen, da ich weiss, wie ein richtiger Burger schmecken kann!

Fuer 20 $ pro Auto konnten wir auf den Berg der "Deer Park Heights" fahren und die Bilder im Prospekt waren sogar untertrieben dargestellt! Es bot sich eine unglaubliche Landschaft! Wir fuhren immer weiter nach oben, als wir immer mehr der frei herumlaufenden wilden Tiere wie Lamas, Bisons und andere Geschoepfe bemerkten. Fuer einen Dollar kaufte ich mir Tierfutter und der erste Glueckliche, der meine Hand besabbern durfte war ein mueder, friedlicher Esel. Ich fand es nur fair, dass ich ihm etwas Fluessigkeit zurueckgeben sollte, also glaette ich ihm mit meiner nassen Hand das Haar und verpasste ihm einen schoenen Scheitel. Der coolste Esel im Bezirk!

In einem anderen Bereich wurden wir ploetzlich von unzaehligen Ziegen umzingelt, als sie merkten, dass wir Tierfutter fuer sie hatten! Das gab auf dem Gipfel des Berges schoene, fast schon himmlische Fotos mit den Tieren. Die Thars, ziegenaehnliche Wesen, besuchten wir und fuetterten sie durch den Zaun, als mich ein Junges mit grossen Kulleraugen anblickte, bei dem man unweigerlich "Ooooh" sagen musste und jedes Herz schwach wurde. Weiterhin fuetterte ich ein erwachsenes Tier, dass sich geschmacklich vertan haben musste, denn ploetzlich knabberte es meine Finger an. Autsch! Es war die Sorte Schmerz, die etwa dreissig Sekunden lang sehr brennt, doch dann vergessen ist. Dann merkte ich, was fuer eine perfekte Momentaufnahme ich mit meiner Kamera gemacht hatte und konnte dem Thar verzeihen...naja, trotzdem autsch!

Wie in so vielen schoenen Orten Neuseelands wurden auch in den Deer Park Heights viele Szenen der Herr der Ringe Trilogie gefilmt und viele Hinweisschilder zeigten genau die Plaetze, an denen zum Beispiel Aragorn im zweiten Teil die Klippe herunterfaellt, wenn diese komischen Riesenhamster angreifen. Verrueckte Geschichte. Dort musste ich natuerlich erstmal einen Handstand machen!

Ganz oben befand sich noch ein koreanisches Gefaengnis aus dem Walt Disney Kinderfilm "The Rescue"(1986), das fuer eine Millionen Dollar gebaut wurde. Der Dreh des Filmes hatte ueber 31 Monate gedauert und nur 20 Tage davon wurden im "Korean Prison" gedreht. Leider war der Eintritt des Gefaengnisses verboten. Aber das war auch eher uninteressant, weil sich direkt daneben ein Aussichtspunkt befand, von dem man ein wahnsinniges Bild von Queenstown und Umgebung bekam. Das Gebirge der Remarkables, der Fluss, die Landschaft - traumhaft! Wie in einem Gemaelde mit kraeftigen, intensiven Farben.

Auf dem Weg zurueck sahen wir neben der Strasse eine Herde von Hirschen und Hirschkuehen, die uns sofort als sehr schuechterne, aber unglaublich schoene Tiere auffielen. Diese Tiere haben so eine respektvolle Ausstrahlung, die ungetruebt das Bild "Koenig der Waelder" ausdruecken. Ich versuchte, einen Hirsch zu fuettern, doch traute er sich nicht nah genug an mich heran. Doch kam dann ein Junges, dass ich nach sehr viel Ruhe und Geduld sogar per Hand fuettern und kurz auf den Kopf fassen konnte. Einmalig.

Wir checkten ins Hostel "Base Queenstown" ein, duschten, machten Waesche und fanden es dann vernuenftig, in die Altitude Bar zu gehen. Es war das erste Mal, dass wir auf unseren Trip anstossen konnten. Noch dazu waren wir passend zur Happy Hour dort und wir konnten unseren Pegel relativ schnell und guenstig heben, bevor wir weiter in die Buffalo Bar gingen. Nach einer Weile ging ich auf die hoehere Ebene, dort wo auch die Billardtische stehen, und schaute einem Kerl zu, der auf einen Automaten schoss und in einem Videospiel so viele Hirsche wie moeglich zu erledigen versuchte. Irgendwann hatte er keine Lust mehr und drueckte mir die Plastik-Shotgun in die Hand. Es war schon grotesk: Am Nachmittag hatte ich die Lebewesen noch fasziniert bewundert und nun war Nachladen und Schiessen angesagt. Spaeter in der "World-Bar" wurde es noch grotesker, als etwa 15 Hirschgeweihe an der Wand ueber der Bar hingen.

Nach ganzen 4 Stunden Schlaf duschte ich kurz und checkte dann wie immer puenktlich zur Checkoutzeit um punkt/etwa 10 Uhr aus und traf Katrin wieder. Zusammen kauften wir ein, doch war ich nur mit wenig Aufmerksamkeit dabei, da meine Nevositaet anstieg und in meinem Kopf nur folgendes umherschwirrte: "Bungy...wuaahhh!"

Wenig spaeter stieg ich mit 20 anderen Nervenbuendeln in den Shuttle-Bus und wir machten uns auf zum "Bestattungsort". Im Bus haette totale Stille geherrscht, wenn die begeisterte, motivierte Busfahrerin und die passende Musik nicht gewesen waeren. Die Klaenge fingen mit beruhigender Reggaemusik an und steigerten sich im Rythmus schliesslich bis hin zu "Prodigy", als wir nach einer 30-minuetigen Busfahrt ueber ein Privatgrundstueck einen steilen Huegel fuhren und schliesslich das Bungy-Centre erreichten.

Ich bekam meinen Harnisch angezogen, wurde nochmals gewogen und bekam mein Ticket in die Hand gedrueckt. Meine Nervositaet teilte ich mit den anderen, waehrend wir von weitem sahen, wie andere Leute genau das machten, was uns noch bevor stand.

Mit einer kleinen, offenen Gondel ging es zur Absprungkabine, die an sich schon ein Abenteuer war. Der Absprung folgte naemlich nicht von einem festen Standpunkt mit festen Untergrund, sondern von einer grossen Gondel, die mit Drahtseilen zwischen zwei Bergen gespannt war und sich schoen im Wind mitwiegte.

Einer nach dem anderen stellte sich seiner Angst/seinem Schicksal/seiner bereits bezahlten, verrueckten Aktion ohne Rueckerstattungsrecht, bis ich schliesslich an der Reihe war. Durch die lauten Boxen ertoente "Everybody dance now."...Ja genau, tanzt ruhig waehrend ich innerlich kollabiere!

"O.k., also du hast diese rote Leine! Daran ziehst du, damit deine Fuesse unten frei werden und du aufrecht sitzt." - "Ok. Moment, ICH muss die ziehen ??" - "Also ich werd ganz bestimmt nicht da sein um sie fuer dich zu ziehen." Alles klar, es lag also wirklich alles an mir.

Der Weg bis zur Schwelle war weniger als zwei Meter land, doch kam er mir unendlich lang vor. In kleinen Schritten begab ich mich nach vorne und lugt nun in schwindelerregende Tiefen herunter. Seitlich sah man die hohen Berge und unten plaetscherte ein Fluss, der mir wie ein ein Bach vorkam. Man sah die Steine, also konnte er nicht sonderlich tief sein. Jetzt haette ich mir doch gewuenscht, den 43 Meter Kawarau Bridge Jump zu machen. Im letzten Moment hatte ich mich umentschieden und blickte nun in mein mehr als 3mal so tiefes Schicksal...134 Meter.

Dann half mir der verstaendnisvolle Mitarbeiter meine Engelsfluegel auszubreiten und richtete meinen Blick geradeaus. Er zaehlte im schnellen Tempe herunter: 5,4,3,2,1... Wenn jemand zaehlt, ist es ein Reflex, dass man etwas tut. Ich wusste nicht, was ich tat, doch ging ich ein paar Zentimeter in die Knie und stiess mich mit voller Kraft so hoch und weit wir moeglich von der Kante ab.

Es folgte ein sehr kurzer, doch bedeutender Moment, wo man zwischen Auf- und Abstieg schwebt. Dann liess ich einen Urschrei aus voller Seele los und raste mit unglaublicher Schnelligkeit dem plaetschernden Bach entgegen. Es war so schnell, dass ich meine Umgebung nicht mehr wahrnehmen konnte. Jedenfalls fehlen mir alle Bilder im Kopf, bis zu dem tiefsten Punkt, in dem das Bungy-Seil wieder hochzog und der Punkt kam, in dem gefuehlte eintausend Liter Blut in meinen Kopf schossen. Wow, was war das denn gerade?

Nach ein paar mal Jojo in Lebensgroesse spielen zog ich die rote Schlaufe, bekam erst mein rechtes, und dann mein linkes Bein frei. Dann genoss ich die weite Sicht auf das schoene Gebirge und den Fluss, waehrend ich langsam wieder hochgezogen wurde. Als ich oben ankam, wurde ich mit Handschlag und Schulterklopfen meiner frueheren Leidensgenossen begruesst und dachte nur noch: Wicked.

Meine Haende, mein Unterkiefer und der Rest meines Koerpers zitterten noch etwa zehn Minuten nach dem Sprung.

Abends telefonierte ich mit der Mutter und erzaehlte ich von meinem Erlebnis. Ich hielt es fuer besser, mich erst nach dem Sprung zu melden. Ich traf Katrin wieder und sie erzaehlte mir, dass sie bei ihrem Riversrufing in einen Wasserstrudel geraten sei und beinahe ertrunken waere - doch hatte sie ihren Spass dabei!

Wenn Adrenalin also eine Droge ist, bekenne ich mich hiermit als suechtig. Ich hatte einen unglaublichen Emotionsschub, bestehend aus einer Mischung aus Lebensgefuehl, Wachheit und vollkommener Unerklaehrlichkeit.

Keep on rockin',

FS

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Kommentare (1)

  • (#1) Katrin-goes-OZ sagte am 19.05.09 um 11:25 Uhr:

    Queenstown war schon seeeeehr geil:-) Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Neuseeland ist jetzt schon 2 Wochen her, ich kanns nicht fassen. Bin gerade in Darwin, seeeeehr schoen HEISS und SONNIG hier. Ein Traum nach dem kalten Wetter in NZ;-) Der Kakadu und Litchfield NP waren der Hammer, mann, du waerst hin und weg gewesen sag ich dir. Rockpools so weit das Auge reicht, waren jeden Tag mindestens 2mal schwimmen!! Die Jim Jim Falls - einzigartig. Wir waren dann heute an einem Rockpool, der spaeter in einen Wasserfall ueberging, den wir hinunterrutschen konnten! Ich dacht ich werd nich mehr^^ Echt sooo geil. Der Rest des Trips war auch einfach nur hammer, suuuperlustige Leute kennengerlent, mit denen ich gleich feiern gehe. Morgen fahr ich nach Howard Springs zum WWOOFEN. Hab n Platz auf ner Flowerfarm gefunden, die ganzen Outbackfarmen waren weit weit weit ausgebucht! Aber ich denke, das wird da auch ganz gut. Und in 11 Tagen flieg ich nach Hause... aaahhh:) Wie siehts denn bei dir aus? WO bist du??????? Wie ist California?? Vermiss es schon mit dir zu labern^^ War schon ganz lustig in unserem potthaesslichen Van....;-)
    Liebe Gruesse!


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