...besonderen kleinen Boot namens "Freedom" gemacht, das mich in ein kleines Paradies in den Marlborough Sounds bringen sollte. Der Name ist definitiv berechtigt, denn es ging auf Arapawa Island, eine relativ grosse Insel in den Sounds mit etwa 40 staendigen Einwohnern, von denen man aber nicht viel sieht. Und wo hat man mehr Freiheit als auf einer Insel?
Aber die erste Herausforderung kam gleich auf mich zu, als ich Antonia, meine neue Hostmum, getroffen hab', die haufenweise Einkaeufe hatte, die alle auf's Boot und danach wieder runter mussten. Man ist als Inselbewohner eben nicht oft in der Stadt, besonders nicht, wenn es dienstags und donnerstags das Mailboot kommt und Einkaeufe bringt, wenn noetig, sowie Post und Schulmaterial. Die Kinder werden dort Zuhause unterrichtet und alles laeuft ueber die Post, das Internet und das Telefon ab.
Nach einer Stunde ziemlich hoppliger (keine Ahnung, ob das Wort existiert, was ich meine ist "bumpy") Fahrt durch die Sounds, "gejagt" von der Faehre direkt hinter uns, die ziemlich langsam ist, und von dem aufziehenden Sturm, der die ganze Zeit hinter uns war, irgendwie aber nie im Whekenui Bay, unser Reiseziel, ankam.
Meine neue Familie, naja, wenigstens fuer 2 Wochen, bestand aus Antonia & Mike, die schon seit 16 Jahren dort leben und seit etwa 7 Jahren eine Pauafarm betreiben, den Kids (die 10-jaehrigen Zwillinge Sarah&Jacob und der 6-jaehrige (ok, fast 7) James), die dafuer sorgten, dass mir nie langweilig wurde bzw. ich nie Zeit zum verschnaufen hatte, was nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Ach ja, der Rest der Farm: 2 weitere Wwoofer (aus Wales und Frankreich), 2, spaeter 3 Hunde, Vincent, die Katze, Kuehe, Huehner und Schafe, ein durchgeknallter Bulle und Pigpig, dem hauseigenen Wildschwein.
Zur Erklaerung: Paua ist eine sehr verbreitete Muschelart in Neuseeland, eine der schoensten, die ich je gesehen hab'. Deswegen wird daraus auch haufenweise Schmuck hergestellt und es ist eine ziemlich teure Delikatesse. Ich kam gleich am ersten Abend in den Genuss die eigenen gezuechteten Paua zu kosten...superlecker. Fuer den Rest der Familie war es auch das erste Mal, dass sie ihre eigenen Paua essen. Gewoehnlich werden sie dort nicht getoetet, aber sie fangen gerade an auch mit Perlen ihr Geld zu machen. Um etwas ueber die Qualitaet der ersten Perlen zu erfahren, mussten dann also ein paar Muscheln getoetet werden. Um vollkommen ausgewachsen zu sein braucht eine Muschel ca. 7 Jahre, eine ausgewachsene Pauamuschel kann bis zu 6 Millionen Eier legen, was ziemlich beeidruckend ist, nach 3 bis 4 Jahren sind sie fortpflanzungsfaehig, sie brauchen staendig frisches Salzwasser und sie muessen in der Farm taeglich gefuettert werden.
Ein Tag nachdem ich angekommen bin, hat sich Mike dann also mit seinen Perlen in den Muschelschalen auf den Weg nach Christchurch gemacht und als er 3 Tage spaeter wiederkam, hatte er nicht nur wieder haufenweise Einkaeufe, sondern auch einen kleinen suessen 10-Wochen-alten Jack Russell-Welpen bei sich.
Meine Aufgaben bestanden zum groessten Teil aus kochen (wenn ich's vorher nicht konnte, jetzt bin ich Meister), Unkraut auf den Huegeln (ich moechte an dieser Stelle betonen, dass sie seeeeeeeehhhhhhhhrrrrrrr steil sind) zupfen, Schulaufgaben mit den Kindern machen, Gartenarbeit und ab und zu Arbeit in der Pauafarm.
Der Ort, an dem ich dort gelandet bin, war schon absolut grossartig, aber das Essen war noch viel besser, wenn man Instant Noodles, Pasta und Cracker gewohnt ist. Fast alles an Gemuese kommt aus dem eigenen Garten und wenn nicht aus dem eigenen, dann aus dem der Nachbarn. Tomaten, Paprika und Zucchini nehmen hier gigantische Dimensionen an. Alles ist frisch und Fisch wird geangelt, aber nicht gewoehnlich geangelt mit Leine und Haken, hier durfte ich dem Spearfishing beiwohnen. Es wird mit Speer bewaffnet geschnorchelt und getaucht, natuerlich ohne zusaetziche Sauerstoffzufuhr. Wenn es nicht gerade geregnet hat, ist das Wasser unglaublich klar und interessant zu erkunden. Die Kids haben mir fast alles ueber Seaslugs, Seaworms, Crabs, Starfishes und Crayfish beigebracht. An meinem letzten Abend kam ich in den Genuss zum ersten Mal in meinem Leben Crayfish zu essen....yummy.
Wenn wir nicht in der Kueche oder im Garten waren, wurde also fast jeden Tag geschwommen und geschnorchelt.
Ach ja, und spuken tut es dort auch. Etwa 10 Minuten entfernt steht das Haus von Pattie Perano, 1968 gestorben, Frau eines Walfaengers. 2 Leute haben sie schon gesehen, unabhaengig voneinander, sie kannten sich nicht mal, und viele fuehlen ihre Anwesenheit und ab und zu verrueckt sie Gegenstaende oder Vorhaenge. Sie ist aber nicht wirklich angsteinfloessend. Die Peranos hatten ihre Whalingstation etwa 20 Minuten von dem Ort, an dem ich war. Die Reste davon stehen immernoch. Sie waren die erfolgreichsten Walfaenger in Neuseeland bis es 1964 verboten wurde. Eine Wwooferin hat an ihrem letzten Tag sogar einen Zahn eines Sperm Whale dort gefunden. Ich hab' ihn gesehen und wir haben es online nachgeschlagen...es war wirklich einer.
So vergingen meine Tage ziemlich schnell und ploetzlich waren schon wieder 2 Wochen vorbei. Schade eigentlich....aber man sieht sich ja immer 2 Mal im Leben!
Am 24.03.09 hab' ich Arapawa mit dem Mailboat verlassen, das eine tolle Rundfahrt durch den Queen Charlotte Sound gemacht hat. Am Ende der Rundfahrt hab' ich sogar noch Delfine gesehen...die sind ja soooooooo suess. Wow, was fuer ein Tag. Hop hop, ab auf die Faehre und rueber nach Wellington, wo ein Freund, bei dem ich das erste mal in Welly couchsurfen war, schon auf mich gewartet hat. Ja, und hier bin ich nun immernoch und erfreue mich des kostenlosen Internets in der Bibliothek....und es hoert sich natuerlich sehr gebildet an, wenn man sagt: "Ich geh' heute in die Bibliothek." Muss ja keiner wissen, dass ich eigentlich nur das Internet benutze.
Morgen ist Freitag, der 27.03.09, und fuer mich geht's nach Taupo...wow, die Zeit rast nur so an mir vorbei.
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