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andreasburs Blog

Wesentliches

13.03.2008 | Bilder0 | Kommentare6 | Neuseeland  - Christchurch
Im Folgenden moechte ich Euch den vorlaeufig letzten Infoletter eines mehrwoechigen Weggefaehrten praesentieren, welcher mir wirklich aus der Seele spricht. Liebe Gruesse Andy

Ich beginne diese Mail nicht zum ersten Mal. Ich war auch schon am ueberlegen, ob ich meinen doch recht regelmaessigen Infoletter einstampfe. Einige Empfaenger bekunden keinerlei, einige ein legeres und andere wiederum ein aufrichtiges und lebendiges Interesse an meinem derzeitigen Leben fernab der Heimat. Danke an alle, die sich angesprochen fuehlen. Der andere Grund, weshalb dies vielleicht vorlaeufig mein letzter Infoletter ist: Das wirklich Bedeutende meiner Reise laesst sich kaum in Worte fassen - und ist selbst als Wort und Schrift fuer einige nicht nachvollziehbar.

Es ist nicht das Anschauen der Sehenswuerdigkeiten, die sich in ganz NZ haufenweise des Touristen bieten, es ist nicht die stetige Veraenderung, die das Bereisen eines Landes mit sich bringt, es sind nicht die vielen deutschen Reisenden oder die kulturelle Aehnlichkeit zu Europa, die mich zu einem 'happy traveler' machen. Auf die uebliche Frage, was ich hier in NZ mache, antworte ich mittlerweile - ein Stueck bewusster -, dass ich das Land erkunde. Doch ich erkunde nicht nur das Land, sondern ich entdecke dabei immer wieder etwas, das in mich passt, das ich in mein Leben integrieren kann, was mich gluecklich macht. Und so gehe ich beispielsweise zunaechst am ortlichen Cafe vorbei zum takeaway und erfahre in einer nicht einmal halbstuendigen Unterhaltung mit kiwis nicht nur, dass es dort die besten fish'n'ships NZs gibt, sondern lerne sie kennen, ihre Namen, Teile ihrer Lebensgeschichten, ihre (teils sogar politischen) Ansichten, bekomme ihre Kontaktdaten, um auf meiner spaeteren Reise das Gespraech fortzusetzen... Das ist mittendrin, leibhaftig dabei sein, erleben, reisen - erkunden!

So oder aehnlich war es auch, als ich - extra zurueck getrampt nach Punakaiki - mit einer 2-Liter-Plastikflasche West Coast Dark (weltbestes Bier :-) und im Supermarkt nur so erhaeltlich) bei Trevers Van-warming-party auf seinem kleinen Buschgrundstueck auftauchte und auf dem (einzigen) Sofa in seiner Lounge auf dem Huegel im Wald Platz nahm. Eines Tages wird dort ein Wohnzimmer sein, seine Dusche wird auch warmes Wasser liefern, unter seinem Edelstahlwaschbecken wird statt einem Holzstamm ein Schrank sein und von seiner Veranda wird Trever sehen koennen,wie gut sich die Brandung zum surfen eignet. Bis es soweit ist, bringt jeder Gast Getraenk und Glas selbst mit, ausserdem Fantasie, um in eine Gemeinschaft einzutauchen, die sich nicht ueber die fehlenden Toiletten beklagt oder sich ueber das (noch) fehlende Haus mockiert oder persoenliche Leidensgeschichten versucht an den 'Mann zu bringen'. Nein, diese Menschen, ob blind oder sehend, ob Jaeger oder Lehrerin, ob einheimisch oder reisend, alle waermen sich um das selbe Feuer herum, schauen durch die Palmen hindurch in den selben Sternenhimmel und - haben Spass!

Ja, die kiwis haben Spass, Spass am Leben an sich. Sie geniessen es! Ich habe bisher keine Nation kennen gelernt, die gluecklicher zu sein scheint als die kiwis. Und sie leben auf Inseln (wenngleich sie nicht ganz klein sind)! Sie sind in Downunder, weit weg von so vielen Laendern der Erde, die sich wichtig nehmen. Kiwis koennen alles verlieren und fangen ganz von vorne an. Sie gruenden Familie, bauen ein Haus, gruenden ein Geschaeft - sie lassen sich scheiden, verlassen ihre Familie, verkaufen ihr Geschaeft, verschenken ihr Grundstueck - fangen wieder von vorne an. Sie geben nicht auf, sie jammern nicht, sie sind bescheiden, streben nicht nach finanziellem Reichtum. Sie halten alles fuer moeglich, sie probieren und probieren. Woher sie all die Kraft dazu nehmen!? Sie sind gluecklich! Sie lieben ihr Leben! Und so wird aus dem europaeischen "Erfolg macht gluecklich", "Glueck macht erfolgreich"!

Ich weiss nicht, ob ihr mir folgen koennt. Manche moegen denken, ich sei abgehoben. Doch ich fuehle mich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Ich habe hier in Hector einen Platz gefunden, der mich eine Weile beheimaten wird, bevor ich mich ueber einen 82 km langen Wandertrack in die Golden Bay weiter bewege.

Enjoy yourself

Chris

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Kommentare (6)

  • (#1) AndreasJ sagte am 13.03.08 um 11:00 Uhr:

    Hallo Chris,

    ich muß hier mal anmerken das das ein wunderschöner, für mich sehr verständlicher, Blog von Dir ist.
    Die Suche nach sich Selbst, nach neuem und nach dem Leben suchen heutzutage so viele. Die meisten werden es nie finden, weil Sie nie in die richtige Richtung suchen.

    Denn die Reise beginnt bei einem selbst. Um sie herum finden so viele Sachen ab, die nur als Ablenkung existieren und dadurch sich selber vergessen kennenzulernen.

    Ich würde mich sehr freuen mehr von diesen Berichten des Lebens zu hören...zu lesen!

    Wie auch immer, ich wünsche Dir das jede Sekunde von Deiner Zeit Stunden dauert. So lernt man die wirkliche einzige Frage im Leben zu beantworten.

    Wozu bin ich da?

    Liebe Grüße noch aus Deutschland.

    P.S: Egal was passiert, egal was man erlebt, es ist eins immer sicher... Irgendwann fängt alles irgendwie immer wieder von vorne an...

  • (#2) andreasbur sagte am 13.03.08 um 14:31 Uhr:

    Hallo AndreasJ.

    danke fuer deinen Kommentar. Ich musste zunaechst einmal etwas schmunzeln. Weil ich nicht Chris, sondern Andy heisse. Ich habe nur den Infoletter vom Chris in meinem Blog veroeffentlicht. ;-)

    Meinen eigenen Reiseblog habe ich schon im Blogeintrag zuvor eingestellt. Eben aus dem Grund, dass man das was man hier erlebt nicht beschreiben oder mit Bildern erklaeren kann.

    Speziell die letzten 3 1/2 Wochen in einem luxurioesen Umfeld in unberuehrter Natur waren fuer mich sehr praegend. Zumal ich ueber den langen Zeitraum etwas ueber's Leben erfahren durfte was sich normalerweise nur gut Betuchte fuer ein paar Tage leisten koennen. ("Positive Energy", "Energy and Sourcen", "Law of Attraction", was will man wirklich und wodrauf kommt's im Leben an, was macht einen gluecklich, etc.) Ich hatte in diesem Zeitraum auch sehr viel Zeit, um mich mit mir selbst zu beschaeftigen.

    Ich bin jetzt drei Tage von diesem "magischen" Ort weg und stelle fest, dass ich viel anderster durch's Leben gehe. Es hoert sich vielleicht komisch an, aber ich habe es gelernt auf das Schoene im Leben zu verzichten und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was mich wirklich gluecklich macht. Man will soviel im Leben, dass man das, was man wirklich will, einfach vernachlaessigt. Und wenn man sich darauf konzentriert, was man wirklich will, lebt man viel gluecklicher. Wie Chris schon in seinem Infoletter bemerkt hat: Erfolg macht nicht gluecklich, aber Glueck macht erfolgreich.

    Viele Menschen in unserer Gesellschaft wissen nicht, was sie wirklich wollen. Geld macht nicht gluecklich. Mir ist es egal, ob ich in einer luxurioesen Lodge oder in einem Mehrbettzimmer in einem drittklassigen Hostel naechtige. Sicherlich ist es schoener, wenn man mehr Annehmlichkeiten des Lebens hat. Aber letztlich kommt es darauf an, was man mit seiner (Lebens)zeit anstellt.

    Wenn man was wirklich will, dann erreicht man das auch. Man muss "nur" sein ganzes Leben darauf abstimmen. Und man wird auch automatisch die richtigen Leute treffen, die einem helfen dieses Ziel zu erreichen.

    Wer denkt, dass er dies oder jenes nicht bekommen kann, der wird das auch nicht bekommen. (Kraft der Gedanken) Dabei ist nichts unmoeglich. (2/3 der Milliardaere haben ihr Vermoegen selbst erarbeitet und NICHT geerbt!!)

    Ich kann's schon kaum erwarten nach Deutschland zurueck zu kommen.. Aber macht euch keine Hoffnung, so schnell komme ich nicht zurueck. Ich bin hier noch nicht fertig. ;-)

    Viele Gruesse an die Daheimgebliebenen,

    Andy

  • (#3) Thomas Grahl sagte am 21.03.08 um 19:14 Uhr:

    Hi Andy,
    viele Grüße und ein frohes Osterfest aus einem Schneesturm aus der alten Heimat.
    Die Firma steht noch und für Dich ist anscheinend noch ein Platz frei :-))
    Bis bald mal wieder
    Thomas

  • (#4) andreasbur sagte am 22.03.08 um 00:13 Uhr:

    Hi Thomas,

    vielen Dank und schoene Ostergruesse zurueck (auch an die Anderen). Habt ihr wirklich einen Schneesturm zu Ostern?! :-)

    LG Andy

  • (#5) Hoppers sagte am 26.03.08 um 11:47 Uhr:

    Hallo Andreas,
    heute ist unser letzter Abend in Australien und wir sind ein wenig traurig.
    Deinen Blogeintrag habe ich gerade mit grosser Freude gelesen und darf sagen, dass einige Gedanken und Gefuehle auch bei mir aufkamen.
    Ich wuensche Dir noch eine schoene Zeit und viele tolle Eindruecke.
    Wir sehen uns dann bald auf der Arbeit wieder!
    Noch sonnige Gruesse aus Sydney!
    Tanja

  • (#6) andreasbur sagte am 28.03.08 um 00:18 Uhr:

    Hallo Tanja,

    dass ist schade, dass es bei euch wieder nach Hause geht. Aber Hauptsache ihr hattet eine schoene Zeit. Daheim kann's auch ganz schoen sein.. ;-)

    Es freut mich, dass du grosse Freude an meinen Blogeintraegen hattest und du auch einige Gedanken und Gefuehle von mir nachvollziehen konntest. Aber vieles muss man auch selbst erst erleben, um es verstehen zu koennen. Ich bin auch noch lange nicht fertig mit dem Sammeln von Eindruecken und Erfahrungen. Meine Reise geht "weiter". (auch wenn's langsam wieder in Richtung Deutschland geht)

    Ja, ich bin sicher, dass wir uns wiedersehen werden. Vergess nicht ein Stueckchen von der Sonne in Australien einzupacken, in Deutschland liegt Schnee. *bipper*

    Andy


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