...werde einen Orangensaft nehmen. Ein männlicher Steward bedient, ein anderer Fluggast bestellt Rotwein. Jetzt will ich auch Wein.
Die Stimme aus dem Cockpit verspricht 29 Grad in New York; außerdem werden wir trotz verspätetem Start pünktlich ankommen. (Obwohl das mehr Kerosin verbrauchen wird, aber Scheiß auf die Umwelt, wir haben’s eilig!) Der Wein schmeckt ganz okay.
Vor einigen Stunden, als ich in der S-Bahn saß, fiel ein wirrer Trinker einfach um. Einige Frauen kümmerten sich fast schon hingebungs- und liebevoll um das menschliche Wrack, das auf dem dreckigen Boden lag und fast verstarb. Die Bahn hielt, eine Durchsage folgte – ob vielleicht ein Arzt anwesend sei. Irgendwann tauchten der Notarzt und seine Helfer auf und sie nahmen den Trinker mit, es ging weiter.
Es ist eng und langweilig, die leeren Becher werden abgeholt, es riecht nach warmem Essen – es gibt Nudeln oder Hühnchen. Ich beschließe, zum Nachtisch das Gratis-Bonbon zu lutschen. Als ich mein Essen kriege, gibt es nur noch Nudeln, das Hühnchen ist aus. Wie gemein, das ist nicht fair! Dazu immerhin Zitronenkuchen, Obstsalat, Waldorfsalat – alles in kleinen Portionen.
Draußen ist es unfassbar hell, grelle weiße Wolken, die grelle Tragfläche. Rechts über dem linken Triebwerk (laut Magazin «Travel & Lifestyle» ein Pratt & Whitney PW4168A) sitze ich.
Boardfernsehen: langweilig. Irgeind eine weiche Liebesschmonzette. Zeigt doch mal einen krachenden Actionfilm! Explosionen, Blut, Feuer und brennende Triebwerke (von Pratt & Whitney).
Sie verteile Gratis-Wasserpullen, zumindest an die Herrschaften hinter mir, die Pferdezeitschriftenleser. Auch das zarte Bübchen mit den spitzen Herrenschühchen und der femininen Umhängetasche (womöglich gar nicht seine) bekommt eine Flasche. Als ich endlich eine erhalte, muss ich feststellen, dass es sich um merkwürdiges O2-Wasser handelt. Ich verfolge den Film, lese Zeitung und starre aus dem Fenster in die unendliche weite. Wolken, blauer Himmel, das Weltall, andere Flugzeuge, die neben uns fliegen, uns kreuzen.
Nach der Landung ging das alles überraschend schnell. Keine großen Kontrollen, die Koffer geschnappt und raus. Allerdings hat sich am Taxistand eine arg lange Menschenschlange gebildet.