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fotomiss' Blog

Kathmandu und vieles mehr

23.11.2011 | Bilder18 | Kommentare0 | Nepal 
Heute nun unser vorletzter Tag in Nepal. Und ab geht es nach Kathmandu. Nach 14 Tagen sehr klarer Luft und meist wunderbarer Stille im Solo Khumbu trifft mich diese...

...absolut dreckige, stinkende, smogverseuchte und wahnsinnig laute Stadt wie ein Hammer. Und dennoch mag ich es irgendwie.
Ich bewundere auch hier wieder die Menschen, die unter diesen unglaublich krassen Umständen doch scheinbar glücklich und zufrieden leben.

Die allermeisten Gebäude sind uralt und abrissreif. Müll und Dreck liegt an jeder Ecke. Die heiligen Flüsse erinnern eher an Müllgruben. Kanalisation und fließend
Wasser ? Gibt es nicht. Die Menschen treffen sich im Hof an Wasserstellen, machen dort die Wäsche, waschen sich selbst oder auch ihre Haare.
Die Straßen sind für mich steinige und staubige Feldwege. das Verkehrsaufkommen ist unvorstellbar. Fußgänger, Autos, Mopeds, Rikschas, Busse. Alles in sehr großer
Anzahl und auf für uns einspurigen Wegen, aber in beiden Richtungen. Die Hupen sind hier auf Dauerton gestellt. Eine Straße zu überqueren , ist Glückssache.

Und zwischen all diesen Chaos, immer wieder stille Höfe mit Hindu Pagoden oder buddhistischen Stupas und Tempeln. Räucherstäbchen brennen dort,
Blüten und Früchte liegen als Opfergabe an den Heiligtümern. Hier kann ich immer wieder sehen, wie die Menschen an diesen Stellen Kraft tanken. Sie berühren die
Gebetsmühlen , beten vor einem Buddha und gehen anschließend zufrieden und stark zurück in diese laute Umwelt.

Wir besichtigen eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus, den Pashupatinah Tempel. Hier verbrennen die Hindus ihre Leichen am heiligen Fluß Bagmati.

Wir sehen bereits einige brennende Scheiterhaufen und die trauernden Söhne daneben. Und können auch sehen , wie eine Leiche in gelbe Tüchern gehüllt an den Fluß getragen und für die Verbrennung vorbereitet wird. Da die Hindus diese Beerdigung öffentlich zelebrieren, empfinde ich es nicht als Störung sie dabei zu beobachten und zu fotografieren.

Direkt nach dem Hindutempel besichtigen wir dann eines der bedeutensten Ziele der buddhistischen Pilger in Nepal . Die große Stupa in Bodnath.
Und wieder muss ich feststellen, dass die buddhistischen Menschen und Anlagen eine schönere Atmosphäre auf mich ausstrahlen. Hier ist es meist sauber und diese Orte
vermitteln mir eine innere Ruhe. Um die riesige Stupa stehen viele kleine alte Häuser im Kreis. Mit kleinen Geschäften mit Kunsthandwerk, Kleidung, Musik und Gemälden.
In den oberen Geschossen befinden sich oft Dachterassen mit kleinen Restaurants und Hotels.
Die Gläubigen gehen mehrmals links um die Stupa herum. Drehen die Gebetsmühlen und entzünden Butterlampen. Aus allen Musikläden erklingt die selbe Melodie: Om mani padme hum.
(das so oft gesprochene buddhistische Mantra).

Wir treffen uns für eine kurze Pause auf einer Dachterasse zum Essen und fahren dann noch in das touristische Viertel von Kathmandu nach Thamel.
Hier gibt es viele Hotels, Shops und Cafes für Trekker und Expeditionen. Dort hätte ich mich gerne länger aufgehalten, denn auch über dieses Viertel habe ich schon so viel
gelesen, Aber leider halten wir nur kurz an einer Straße und laufen dann von dort direkt in die Altstadt von Kathmandu zum Durbar Square einem Weltkulturerbe laut Unesco.

Hier finden sich zahlreiche Tempel und Statuen sowohl aus der buddhistischen wie auch aus der hinduistischen Kultur. Die Gebäude wurden zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert gebaut.
Hier sieht man den Maju Dega Tempel mit dem grossen 9 Stufen-Sockel wo sich 1970 die Hippies ziemlich stoned niedergelassen haben und das Leben an sich vorbei rauschen ließen.
Gegenüber dem alten Königspalast (Nauman Dhoka Palace) findet man auch den berühmten Jagannath Tempel, der mit etlichen erotischen Schnitzereien geschmueckt ist. Wer das Kamasutra lernen will, braucht hier nur nach Oben zu schauen.

Zurück im Hotel kann ich nach 8 Stunden in dieser Stadt kaum mehr atmen. Der Smog ist wirklich unbeschreiblich. Ich komme mir vor, als ob ich den ganzen Tag in einer Raucherlounge verbracht habe :-)

Unser Hotel liegt in Patan. Das grenzt direkt an Kathmandu und ist auch eine alte Königstadt. Am nächsten Morgen mache ich mich schon um 7 Uhr zu Fuß auf den Weg, um auch hier noch einmal den Durbar Square zu erkunden. Um 13 Uhr werden wir zum Flughafen abgeholt. Also habe ich noch genug Zeit um zu bummeln und zu schauen. Ich hatte mir gestern einen Stadtplan gekauft. Straßenschilder kann ich nirgends entdecken, aber ich zähle die Anzahl der Straßen und komme auch so an mein Ziel :-)

Es ist Samstag und in Nepal der freie Tag, wie bei uns Sonntag. So habe ich Glück und um diese Uhrzeit sind die Straßen noch einigermaßen leer und ich komme ziemlich stress- und smogfrei an mein Ziel. Die Tempel und Pagoden, die ich hier sehe, unterscheiden sich für mein Auge jetzt nicht sehr, von denen, die ich gestern in Kathmandu gesehen habe. Aber diese sonntägliche Atmosphäre , die ich hier an den Häusern und in den Höfen mitbekomme ist schon nocheinmal anders, als das hektische Treiben von gestern. Zufällig laufe ich über einen kleinen Markt und dafür braucht es schon einen robusten Magen, den ich ja zum Glück habe :-) Schafsköpfe starren mich an, die Unterteile dieser Tiere mit prallem Hodensack werden auch angepriesen, riesige Fische werden frisch geschuppt und der Geruch aus einer Fleischerei raubt mir kurz den Atem.
Ich habe genug und mache mich auf den Rückweh.

Als ich im Hotel ankomme, scheint doch tatsächlich die Sonne. Der verhangene Smoghimmel ist nun blau und ich setzte mich noch für die letzten zwei Stunden
an den Pool in die Sonne. Und lasse mir nocheinmal die vielen nepalesischen Besonderheiten durch den Kopf gehen.

Das mochte ich :

die vielen Gebetsmühlen und Manisteine - und immer links daran vorbei gehen, auch wenn der Weg noch so beschwerlich ist.

Die leckeren Nudel- und Gemüsesuppen.

Die Abgabe des Zimmerschlüssels nach dem Abendessen, damit eine Wärmflasche ins Bett gebracht werden konnte.

die ungeheure Höflichkeit der Sherpas und ihre gute Laune

die vielen schönen Terassenfelder

die grandiose Landschaft des \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Daches der Welt \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"

das Kazi Sagarmatha Nationalpark Buch

die Bulleröfen

Kazi\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\'s Spruch : der Berg ist steil, aber geil !

das Musizieren und Tanzen der Sherpas, und ihre große Freude dabei

scrambled eggs

lesen mit Stirnlampe

die vielen Yaks und das Bimmel ihrer Glocken

das mochte ich nicht:

das nächtliche Rascheln der Mäuse in den Wandzwischenräumen

Die Dunkelheit in den Lodges und den einfachen Hütten der Sherpas

die Stromausfälle

Nepali Powder

die unglaublich dreckigen Geldscheine

der allgemeine Dreck

das ständige Rotzen der Nepali

Schlamm und Scheiße auf den Wegen

alles ist feucht und klamm und kalt

die unglaublich schweren Lasten auf den Schultern der Sherpas

die unendlich vielen steilen Steinstufen

das tägliche drei Gänge Frühstück (die Warterei auf Toast nervt)

die dunklen Buden (mit der Aufschrift: toilet) mit einem mehr oder weniger großem Loch in der Erde ...

Diese Reise war für mich ein Erlebnis für alle Sinne. Eine große körperliche Herausforderung. Und eine Zeit mir sehr vielen Glücksmomenten. Ich bin 9.550 Höhenmeter aufgestiegen und habe 145 km Weg zurückgelegt.

Danke dafür an alle, die dazu beigetragen haben !!

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