Registrieren  |  Tour

globe-tos Blog

Pauken & Trompeten: Titicaca

09.02.2012 | Bilder28 | Kommentare0 | Bolivien  - Copacabana, La Paz
Nach einer weiteren Nachtbusfahrt - meine Nebensitzerin war natürlich eine Freiburgerin - traf ich Mischa, Bea und Marie in La Paz zum Desayuno...

...(Frühstück). Freudiges Wiedersehn! Palaver, Palaver.
Nach weiteren 4h Bus inkl. Fährfahrt waren wir endlich am (nächsten) Ziel:
Copacabana* an den Ufern des famosen Titicaca-Sees.

...und landeten mitten in einem Humpa-Humpa-Spektakel! Bläser, Tänzer, Jolitas (ehrwürdige Damen) in ihren traditionellen Kostümen, irrwitzige Verkleidungen in derart vielen Farben und Formen, dass mein Gehirn aus Sicherheitsgründen auf Schwarz-Weiß-Sehen umschaltete - und überall Menschenmassen.
Was ein Empfang!
Es dauerte ca. 3 Stunden, bis wir uns zu unserem Hostal mit Dachterrasse inkl. Seeblick durchgekämpft hatten.

Tja,und das ging dann 3 Tage so. Wir brauchten nichts weiter zu tun, als vor die Haustür zu fallen und zu gucken.
Denn es war das ´Festival De La Virgen De La Candelaria´ (Pardi zu Ehren der Jungfrau mit der Kerze), dem mit bedeutendsten Huldigungsobjekt in gaaaanz Südamerika. Das wiederum macht Copacabana zum wichtigsten Wallfahrtsort in gaaanz... *Und DESHALB wurde dieser poplige Strand in Brasilien nach der bolivianischen Stadt benannt. Nicht umgekehrt. Ne? Nur um das klarzustellen. Ich schau mir doch keine KOPIE an. Hallo?

...Wo bin ich?

Ja. Also 3 Tage Festivalstimmung. In den Straßen schwebte ein angenehmer Bierdunst, es wurde gefeiert, getanzt, gelacht. Und getrunken. Die Prozessionisten fingen bereits mittags damit an. WÄHREND der Prozession. Und das haben die bis in die Nacht so gemacht....ein Stück Oktoberfest am anderen Ende der Welt.
Torkelnde Locals mit den Augen auf Halb-Linker-Großzeh, sabbernde Typen in der Horizontalen auf irgendeinem Rasenstück, Sturzbäche aus Urin...und dazwischen johlende und kreischende Kinder, die das ganz normal finden.

Abends gab´s auf 2-3 Bühnen folkloristische Live-Bands zu bestaunen. Man hatte soz. eine Art Dolby-Surround-Effekt, nur dass die ´Boxen´ aber auch rein gar nicht aufeinander abgestimmt waren. Holla die Waldfee im Innenohr.
Und immer noch tranken die kleinen Bolivianer.
Stellt Euch das vor: eine tanztorkelnde Jolita in traditionellen Klamotten mit einem Bier in der Hand zu modernem bolivianischen Pop. Grandios!

Am 2. Tag wurden Mischa und ich von einer Musikkappelle abgefüllt.
Wir Pfosten mussten ihnen natürlich unser Bier anbieten. Die Revanche folgte schnell und grausam. Das Ganze sah folgendermaßen aus:
Der Käufer hat stets Becher und Bier in Händen und schenkt einem Kartengeber gleich aus. Der Erhaltende leert zu Beginn sowie am Ende des Trinkens ein Kubikmikrometerchen auf den Boden zu Ehren von Pachamama, der Mutter Erde. Dazwischen leert er den Rest in einem Zug (zugegebenermassen waren es kleine Becher). So ging es reihum...

Aus Minuten wurden Stunden, aus Stunden wurden Tage, aus Tagen wurden benebelte, schaumig-güldene Ewigkeiten.
Abzulehnen wäre einem Todesurteil gleich gekommen, dennoch schafften wir nach ca. 1 Stunde ichweissnichwie den wackligen Absprung. Noch eine Weile länger, und wir hätten uns zu den Rasenleichen gesellen und über das subatomare Verhalten von Malz-Quasaren diskutieren können.
Und die Leute hier ziehen das 3 Tage am Stück durch. Respekt.

Abends feierten wir Viere (Bea und Marie mussten sich leider krankheitsbedingt immer wieder ausklinken; ein fettes DANKE und Daumen hoch, dass Ihr zu meinem zwwwww...dreiundzwanzigsten am Start wart!!) in meinen Purzeltag rein. Schön gesittet bei Monopoly und Rum-Cola...
So kam ich an jenem Tage zu 2 Räuschen. Besser kann man das alte Lebensjahr nicht ausklingen lassen.

A propos Monopoly. Das ist ja wirklich ein widerwärtiges Spiel. (Ich verwende nicht das Wort ´kapitalistisch´, das wäre zu plakativ.) SOLLTE ich jemals Kinder in diese verruchte Welt setzen, dann dürfen sie sich liebend gerne Splatterfilme und Gewaltspiele reinziehen, aber MONOPOLY kommt mir sicher nicht ins Haus!

Die Menschen hier lassen ihre Autos segnen.
Da geht ein Mönch mit einem Plastikeimer voll katholischen Weihwassers und einer Blume durch die geschmückten Blechreihen, tunkt die Blume ins heilige Nass und bespritzt erst den Motor, dann Fahrersitz und zuletzt die hinteren Sitze mit der Pisse Gottes. Dann Segnung der potentiellen Insassen und Gruppenfoto mit der zugehörigen Familie, bevor er vom nächsten Anwärter am Schlawittel zu seiner Karre gezerrt wird.

...So ähnlich müssen sich die Stones auf einem zugekoksten Junggesellinnen-Abschied fühlen.
Dann tauft der Papa seinen Kübel mit Spül-Champagner, während Mama und Kiddies hinterdrein Blütenblätter drüber schmeißen.
Kurios. Glaube versetzt Verkehrsregeln.
´Scheißegal, mir passiert nix, weil mein Auto ist geweiht! Mwahahaha!!´ schrie er heiser und trat das Gaspedal in den Erdkern.

Sonst? Nee, sonst war nicht viel los.

Chillen halt. Man musste rasch die kurzen Regenpausen ausnutzen, um sich die Gegend a bissl anzuschaun.
Zwei schöne Aussichtshügel gab´s sowie ein paar Inka-Ruinen.
Z.B. den ´Horca Del Inca´, eine Art Sonnentor, wo Meuchel-Priesterastronomen früher anhand des Sonneneinfalls Berechnungen angestellt haben. Das war ganz nett.
Hier gibt es eine Kirche mit maurischen Stilelementen, welche von AUGUSTINER-Mönchen erbaut wurde, irgendwann im Pleistozän.
...Ich hab den diensthabenden Pfarrer gefragt, sie hatten leider keins da.

Es waren auch viele Franzosen in unserem Hostel. Aber kennengelernt haben wir 2 Deutsche. Da geht es hin, mein Spanisch. Es gab auch eine Küche für Gäste. Allerdings mussten wir in die Staff-Küche, wenn wir Wasser, Töpfe oder Geschirr brauchten. Manchmal bekamen wir das Zeug sogar, je nachdem wer grade die Aufsicht führte.
Die Forellen hier sind fantastique.

Der Ort selbst mutierte nach den Feierlichkeiten wieder in ein typisches Touristen-Kaff mit Souvenirläden und Myriaden kleiner Stände. Die Menschen zogen nach ihrem letzten Rausch wieder ihre Alltags-Grimassen auf. Ein böses Erwachen.

Und wieder mal bewahrheitete sich das Reise-Naturgesetz:
Sobald man sich vorsichtig 5m aus seiner Touri-Enklave rauswagt, begegnen die Menschen einem wieder mit ihrem besten Sonntagslächeln.
Das ist um Maria´s Willen kein Vorwurf an die Locals in Copacabana, s´ist einfach der Lauf der Dinge. Viele Reisende vermiesen den Vibe. Und da reichen getrost ein paar wenige Trottel, die sich aufführen wie Cheech und Chong in der Sakristei, um die Suppe für alle anderen zu versalzen. Naja.

Nach ner Woche hat mir aber der Arsch gebrannt. Marie und ich machten rüber zur Isla Del Sol (und ließen das traute Pärchen zurück, welches noch auf eine Freundin warten musste. Life is no sugar-licking). Es gibt auch ne Isla De La Luna, aber da waren wir nicht.
Ihr müsst nämlich wissen, dass just an diesen Orten der grosse Schöpfergott Viracocha Sonne und Mond sowie das erste lüsterne Inka-Pärchen geschaffen hat.

Die Insel ist wunderwunderschön mit unzähligen bezaubernden Strandbuchten vor dem ruhigen Tiefblau des Sees, die zum Schwimmen einladen, verfallenen Inka-Ruinen, uralten Terrassen zum Anbau von wasweissich, welche bereits von ebensolchigen ausgeklügelt wurden, idyllischen Hainen aus...Moment.
Ich hör hier auf, weil sonst artet das aus wie in den anderen Threads.
Also, es war affentittenkackengeil.

AllerDINGS hat mir die Atmosphäre da irgendwie nich so getaugt. Ähnlich wie oben: es gab zwei Hauptorte mit Ameisenkolonien voller Gringos, dazwischen Ruhe und Anmut. Eine ganze Zeltstadt voller Argentinier besiedelte den Hauptstrand von Challapampa. Es stank nach Panflötenbastlern und Wickeltucharrangierern. Ein paar Leute HABEN dort Tai Chi gemacht.
Das stimmt wirklich.

(Es tut mir so leid, aber bei Hippies bin ich einfach am kreativsten, keine Ahnung, warum. Das Thema eignet sich so. Bitte sagt Bescheid, wenn´s Euch irgendwann zuviel wird. - grins -)

Ich weiß auch nich, warum ich so allergisch auf andere Touris reagier, v.a. wenn sie in Herden auftreten. ... Vielleicht, weil ich im GRUNDE, prinziPIELL, letztENDlich, auf den PUNKT gebracht - doch einer von ihnen bin. Der Blick in einen abgrundtiefen Zerrspiegel der eigenen Seele.

... Vielleicht hab ich auch nur verzweifelt nach einem Grund gesucht, hier nicht zu versacken.

So ging´s nach 2 Tagen schnurstracks zurück nach Copa und weiter nach La Paz.
Abschied von Marie -schnief-, Abschied auf Zeit von den anderen.

Und wohin dann?
Eh´ die Zeit verrann?

Ist´s nicht einerlei,
Von allen Rätseln frei,
Ob ich´s nicht weiß
Oder Euch schlicht Nichts preis-
gebe.
Spinnwebe.

Bis bald!

Dieser Eintrag wurde in der Kategorie Bolivien erstellt.

Bookmark and Share

Weitere Fotos



Kommentar hinzufügen

Falls du ein globalzoo-Mitglied bist, bitte zuerst einloggen!
Name
Emailadresse
(wird nicht angezeigt)
Dein Kommentar
Spam-Schutz Bitte trage das Ergebnis der Rechnung in das Feld ein.
27 + fünf =
All links get rel="nofollow". Spam entries will be deleted automatically!
 

Blogeintrag gelesen von 136 Besuchern.

Alle Blogeinträge nach...


globe-to