...Circuit zurück ins National Park Village nur ein Katzensprung, denn obwohl wir uns auf der Wanderung nicht wirklich gestresst haben, war die Vorstellung einer ausgiebigen Dusche und eines gemachten Betts doch sehr verlockend. Beides gab es im Skihaus im National Park Village. Wie in den meisten Ortschaften hier in der Gegend, ist auch National Park nicht unbedingt der Nabel der Welt (angeblich soll sich das in den Wintermonaten ändern) doch einen gewaltigen Vorteil hat National Park, es liegt gleichermaßen nahe beim Tongariro und dem Whanganui Park, in welchem es einen weiteren der neuseeländischen Great Walks gibt. OK, Great WALK ist wahrscheinlich der falsche Ausdruck, denn eigentlich isses eher ne Kanufahrt, 150 km den Fluss runter, aber soweit sind wir ja noch nicht.
Jedenfalls haben Anne und ich uns erstmal in einem fensterlosen (dafür dem günstigsten) Dorm eingemietet, mit dem Plan uns erstmal einen Tag zu erholen und auf Carina zu warten, einem weiteren Mädel, das wir in Taupo kennen gelernt haben, die aber während wir noch im Tongariro Park unterwegs waren noch das Eastcape, Napier und Rotorua erkundet hat und eben frühestens Freitagabend oder Samstagmorgen in Nationalpark sein konnte, so dass wir dann eben zu 3 im Laufe des Samstags mit der Kanutour durchstarten konnten,……..soweit zumindest mal der Plan.
Im Hostel wars soweit echt nett, war eben nicht wirklich viel los, so dass wir eigentlich das ganze Hostel für uns alleine hatten, Es war noch ne andere kleine Gruppe von Backpackern da, ein etwas aufgedrehter, aber echt netter Australier und noch ne Japanerin. Wir sind dann mal alle zusammen groß einkaufen gefahren, gerade um noch mal Vorräte für den Whanganui Journey anzulegen und gelegentlich will man ja auch nicht nur Spaghetti mit Pastasoße zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Blöd war halt, die nächste Einkaufsmöglichkeit ist von National Park so etwa 35 Minuten Autofahrt entfernt, umso besser, wenn sich der Einkauf dann auch lohnt.
Im Lauf des ersten Abends hat sich dann herausgestellt, dass diese der Australier und die Japanerin auch noch vorhatten, noch zusammen mit einer Kanadierin auf den Whanganui Journey zu gehen, allerdings hatten sie den Starttermin schon fest für den nächsten morgen gebucht, also mindestens einen Tag früher, als wir geplant hatten, was also tun, einerseits wärs schon cool gewesen, mit den Leuten unterwegs zu sein, andererseits war Carina (plus noch eine Person, was wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wussten) schon so halber unterwegs nach Nationalpark und würde quasi voll ins Messer laufen, wenn wir verfrüht abgehauen wären und aufgrund ständig entladener Handys und einiger Probleme mit der Handynationalität und der Tatsache, dass man in Neuseeland sowieso nur direkt in den Städten vernünftigen Handyempfang hat, war eine Kontaktaufnahme nicht ganz einfach zu bewerkstelligen.
Blöderweise hat sich Anne recht schnell dafür entschieden, die Reisegruppe zu wechseln. Und war somit am morgen des 16. weg, jetzt hatte ich wirklich das ganze Hostel für mich allein, war auch mal ne Erfahrung und hat mir zumindest die Möglichkeit gegeben, mich ohne jede Ablenkung etwas mit der weiteren Reise und den diversen Berichten welche ich noch schreiben muss zu beschäftigen. Carina plus Begleitung (ein weiteres deutsches Mädel aus der Bamberger Gegend(die beiden haben sich in, ich glaub es war Rotorua, kennen gelernt)) kamen dann irgendwann Samstagmittag mit dem Intercity Bus in National Park an. Wunderbar, dann haben wir jetzt noch nen ganzen Nachmittag zur Vorbereitung und dann können wir Sonntagmorgen los. Pfeifendeckel, bei dem Kanuverleih angerufen: Wegen widriger Wetterverhältnisse (recht starker Regen) wird ein Begin des Whanganui Journey nicht empfohlen. Na gut, dann eben noch einen Tag in National Park. An dem haben wir dann noch Bea kennen gelernt. Eine Schweizerin, es hat so etwa 15 Minuten gedauert, bis auch sie ein Teil der Crew war. So kanns eben laufen, wir waren jetzt eine Gruppe von 4 Leuten, Carina, Bea, Claudi und ich, da hat sichs dann auch gelohnt, am letzten Abend in der Zivilisation noch mal mächtig Einzukaufen und zu Kochen, es gab überbackenen Gemüseauflauf, Apfelkuchen, Christmaspudding und außerdem hab ich nen Hefezopf gemacht und ganz ehrlich erst am letzten Abend in Wellington (dazu dann in nem folgenden Eintrag) hab ich wieder so gut gegessen.
Am nächsten morgen wurden wir dann von der Kanuorganisation am Hostel abgeholt und zum Beginn des Whanganui River gebracht, wo wir, nachdem wir unsere gesamte Ausrüstung in wasserdichten Tonnen verstaut hatten, etwa gegen 10.00 dann unsere Kanutour starteten. Im wesentlichen unterteilt sich die Tour in 2 Teile, der erste Teil läuft noch entlang der Whanganui River Road, man sieht die Straße vom Fluss zwar nicht, aber man hört wenn mal ein Auto vorbei kommt. Der zweite Teil verläuft durch den eigentlichen Whanganui Nationalpark und damit wirklich durch den Dschungel, es lässt sich fast nicht vermeiden, dass man irgendwann an einen Halbtagsuniversitätsprofessor mit Schlapphut und Peitsche denken muss.
Der Fluss an ist an und für sich die meiste Zeit wenig anspruchsvoll, die meiste Zeit fliest er ruhig vor sich hin und man kommt beim Paddeln nicht wirklich in Stress auch die meisten Stromschnellen ließen sich gut meistern, wenns die ganze Zeit so wär, wärs ja aber langweilig. Normalerweise ist so ein Kanu schwer aus der Ruhe zubringen, solange man Hindernisse oder Wellen frontal erwischt wird man schlimmstenfalls vielleicht etwas durchgeschüttelt und wird etwas nass, aber sonst passiert nix. Blöd isses wenn man irgendwas seitlich trifft, nunja Carina und ich haben ne ganze Reihe von Steinen seitlich erwischt, Resultat war ein schief eingeklemmtes zu ¾ mit Wasser volles Kanu und wir zwei im hüfttiefen Wasser stehend und überlegend, wie wir das Kanu jetzt wieder an Land bekommen. Das ganze hört sich jetzt wirklich dramatischer an, als es im Nachhinein dann wirklich war, aber in dem Moment geht einem da schon einiges durch den Kopf. Letztendlich haben wir das Kanu halt irgendwie an Land gezogen, ausgeleert, die Tonnen neu verzurrt und sind weitergepaddelt. Und das alles am ersten Tag, na super.
Insgesamt galt es vier Nächte an den Ufern des Whanganui River zu verbringen, an den letzten 3 Stopps gab es DOC Hütten, nur am ersten Stopp gab es lediglich einen Unterstand zum Kochen. OK, Zelt hatte ich zwar dabei, allerdings war unsere Gruppe ja inzwischen auf 4 Personen angewachsen, ein Umstand, den ich wohl etwas zu lange ignoriert hab. Aber gut, mein Zelt ist ja recht geräumig, also die Mädels im Innenzelt untergebracht und ich mit guter Isomatte und Schlafsack im Vorzelt, da isses auch nicht kälter. Hätte ichs doch bloß nicht gemacht, am nächsten morgen hatte ich im Gesicht schätzungsweise 20 Moskitostiche plus noch mal etwa 10 pro Hand, diese Mistviecher stechen echt jeden Millimeter Haut den sie finden können, so schnell werd ich mich ich Deutschland wohl nicht mehr über ein oder zwei Stiche aufregen, aber hey, ich hatte ja zum Glück nie Probleme mit so richtig vielen Pickeln, jetzt weis ich wie ich ausgesehen hätte, wenn ich welche gehabt hätte.
Ach Ja, so langsam hab ich für alle meine Wanderungen, Touren und Ähnlichem so ne Befürchtung, ich werd wohl immer am ersten Tag Regen haben, auch der erste Tag auf dem Whanganui war verregnet, zwar nicht durchgehend (wir hatten wohl so 5 oder 6 Mal den Wechsel von Sonnenschein zu Regenwetter) aber nur von einer Seite nass zu werden hätte schon was gehabt.
Die folgenden Tage verliefen zum Glück allesamt ruhiger (also keine umgekippten Boote, übermäßige Moskitoattacken oder hinter einem herrollende Felsbrocken) Besonders erwähnenswert ist wie ich finde noch unser zweites Nachtquartier, Whakahoro, dabei handelt es sich um die letzte Stelle mit Straßenzugang, bevor der Fluss dann in den Nationalpark führt, hier begegneten wir einer riesigen Reisegruppe von fast 30 Personen, die von hier den Fluss in riesigen 5 Personen Kanus weiter befahren würden. Außerdem hat die Organisation, von welcher wir die Kanus ausgeliehen haben hier noch eine Art Niederlassung, die wir Nutzen konnten, also noch mal warm duschen, ordentlich Frühstücken, vernünftige Toiletten,….bevor es dann endgültig in die Wildnis geht, mit wilden Ziegen, jede Menge Possums, und immer wieder Abends diese Unmengen von Moskitos, zum Glück war es nie wieder so schlimm wie in der ersten Nacht.
Ein weiteres Highlite war die letzte Nacht auf dem Fluss, diese verbrachten wir auf dem Gelände eines Marae (ein Maori Versammlungshaus) welches von einheimischen Maori und dem DOC gemeinsam verwaltet wird und den Reisenden auf dem Fluss als UNterkunft zur Verfügung gestellt wird, ist schon irgendwie eine besondere Atmosphäre, es wirkt zwar durch die doch recht vielen Gäste und die Begrüßungszeremonien irgendwie touristisch, aber man hat in keiner Weise das Gefühl, dass die Lebensweise, Gastfreundschaft und Werte hier gespielt sind, oder dass die Gastgeber hier Statisten sind. Es war in jedem Fall eine tolle ergänzende Erfahrung zu dem Besuch im Mitai Village in Rotorua.
Der folgende Tag war dann auch schon der letzte auf dem Fluss, gegen 15.00 mussten wir am Pick up Point sein, von wo wir dann wieder zurück nach National Park gebracht werden würden. Doch zwischen uns und dem Pick Up Point lagen noch die schwersten Stromschnellen des ganzen Trips und jetzt ratet mal wen es noch mal umgedreht hat, etwa eine halbe Stunde vor dem Ende. Das Verrückte war, es war das andere Kanu, aber wieder ich und Carina, wie am ersten Tag (Wir haben Kanus und Paddelpartner ständig gewechselt) Wir haben eine extrem große Stromschnelle seitlich erwischt, da kann man nix machen, das Kanu hats gedreht und wir wieder ab ins Wasser, zum Glück hat sich das Kanu nur ein paar Meter weiter wieder richtig herum gedreht, also wieder ans Land ziehen, ausleeren, Tonnen neu verzurren, weiterrudern, aber vorher noch die großen weißen Kanus der Reisegruppe beobachten, die hats nämlich teilweise auch umgeschmissen. Man glaubt gar nicht wie lange so ein Kanu noch schwimmt, einige der Großen weißen Kanus waren nach der Stromschnelle zu ¾ mit Wasser voll, die Bootskante noch 10 cm über der Wasseroberfläche aber die Leute sitzen noch drinnen und Paddeln munter weiter zum Ufer, ganz ehrlich, das sieht so saugeil aus.
Bis zum Pick Up Point gab es dann zum Glück keine Zwischenfälle mehr, die Kanus mussten nur noch angelandet, entladen und auf einen Anhänger geladen werden, und dann gings gute 1,5 Stunden mit einem Bus eher zweifelhafter Zuverlässigkeit zurück nach National Park, wo eine Email auf mich wartete, die mich so schnell wie möglich Richtung Wellington rief, alles was es also in National Park noch zu tun gab, war der Austausch von Bildern, das Auffüllen des Tanks und die Eindeckung mit Keksen für die erste 2 Stunden Etappe nach Wanganui. Etwa 4 Stunden nachdem ich aus dem Kanu gestiegen bin, war ich wieder auf der Straße.