...Tante meines Gastvaters gestorben sei und die Beerdigung morgen frueh ist. Fuer mich hiess das ganz klar teilnehmen, auch wenn ich eigentlich fuer heute ganz andere Plaene im Waisenhaus hatte. Um 5.30 h bin ich schon aufgestanden, weil man mir erzaehlte es ginge zwischen 6 und 7 h los in das Dorf wo die Tante her kam. Nach ewigem hin- und her ging es aber dann doch erst kurz vor 7 los, ich hatte das glueck mit dem Auto mitgenommen zu werden, weil mein Rad seit gestern abend einen Platten hat. Als wir das Dorf bzw. Haus der toten Tante offensichtlich erreichten hoerte man schon ein paar merkwuerdige Stimmen meine Gastmutter warf mir ihre Taschen zu und stuermte in das Haus, dort spielten sich erstmal ein Paar Szenen ab, also ich kann es garnicht beschrieben. Die Maenner waren alle draussen und die Frauen waren alle drinnen. Alle haben geschrieen, gebruellt, geheult, ich glaub irgendwas zu Allah gerufen und sich auf dem Boden gewaelzt oder mit den Koepfen weinend gegen Mauern gelegt. Ich kam mir ziemlich bloed vor, man brachte mir einen Stuhl und ich guckte dem ganzen ca. 30 minuten zu. Die Frauen rannten immer in den Raum wo der Leichnam lag und dann schreiend, heulend usw. wieder hinaus. Als das rum war, herrschte 1 std. Stille. Alle sassen nur herum. Ich denke es waren so ca. 150 Frauen da und draussen nochmal die gleiche Anzahl an Maennern. Dann begannen ein paar Maenner in dem Hof ein Loch zu graben, wo dann der Leichnam begraben werden sollte, das ganze dauerte insgesamt bestimmt 3 Std. bis die Maenner das Loch fertig hatten, der Boden hier ist auch nicht gerade mit unserem zu vergleichen. Waehrend die Maenner gruben, haben die Frauen gekocht, eine Ziege getoetet, ralaxt und ein grosser TEil hat angengen richtig zu feiern und zu Tanzen. Es waren ca. 20 Maenner da die getrommelt haben und gesungen usw. Das ist also ein Beerdigung in Ghana, es war Waaaaahnsinn. Ich habe auch ein Video gemacht und viele Bilder, haette mich das niemals getraut wenn man es nicht regelrecht von mir verlangt haette. Ich durfte sogar die Leiche fotografieren. Irgendwann war ich muede und habe mich einfach zu den ganzen alten Frauen gelegt und geschlafen bis man mich geweckt hat zur Beerdigung,also als die Frau ins Loch geworfen wurde, oder wie soll ich sagen. Vorher hat man sie noch gewaschen und einparfuemiert. Dann war erstmal alles rum fuer heute, morgen geht es weiter. Man feiert hier Beerdigungen so um die 3 Tage bis eine Woche, es ist ein positives Ereignis wenn jemand stirbt. Wie auch immer es war der absolute Hammer das gesehen zu haben und gehoert vorallem, wie getrommelt und gesungen wurde. Heute Abend bin ich dann zu einer ABschiedsfeier eingeladen, das wird dann sicher im Vergleich dazu ein trauriges Ereignis :-)
Gestern war auch ein schoener Tag, wie Weihnachten, Ostern und mein Geburtstag zusammen. Ich war bei einem englischen Ehepaar zum Abendessen eingeladen, den Mann Mike habe ich letzte Woche durch Zufall auf meinem Radweg zum Waisenhaus kennengelernt. An dem gleichen Abend traf ich dann seine Frau Charlotte und die Freundin Janet um Fussball zu gucken. Ja und gestern war ich dann bei Ihnen zuHause, ein schoener Bungalow mit richtigen Raeumen und Licht und es gab einen Tisch und Stuehle, der Tisch war gedeckt wie man es in Europa kennt mit Tellern und Glaesern, Messer, Gabel usw. Es gab alles zu Trinken was man sich vorstellen kann. Fuer mich Rotwein.... Das Essen war ein Traum, als Nachtisch gab es Eis und Cappuccino. Was fuer eine Bereicherung diese Leute zu kennen :-) Sie sind auch ehrenamtlich hier, die 2 Frauen sind Lehrerinnen und trainieren hier Lehrer nicht Schueler und der Mann begleitet seine Frau einfach netterweise. Sie leben hier nicht so ein Leben wie ich, sondern haben wie gesagt viele Annehmlichkeiten und auch ein Hausmaedchen das kocht und deren Waesche macht. Heute nehmen sie mich auf diese besagte Abschiedsfeier von einem amerikanischen Maedchen mit. Bin schon gespannt. Mein Rad habe ich eben auch flicken lassen, sogar umsonst, habe gesagt ich habe es schliesslich erst vor 3 Wochen fuer viel Geld gekauft und da kann man das sicher auch mal so fuer mich reparieren. Hat sogar geklappt. Natuerlich wollten wieder alle mit nach Deutschland kommen, aber mittlerweile sage ich immer, dass das Flugzeug schon voll ist, und es keine Tickets mehr gibt, weil eben halb Ghana mit mir nach Deutschland moechte.
Jetzt komme ich zum letzten Wochenende ein Wochenende welches das bisher schoenste hier war, aber eigentlich waren alle WE bisher schoen, abgesehen von dem Malaria-WE. Freitags bin ich hier los um mich ca. 300 km weiter suedlich mit Kerstin zu treffen und dann diverse Ausfluege zu machen. Es waere ja nicht Ghana wenn nicht schon direkt zu Beginn der Reise wieder was ganz aussergewoehnliches passiert waere. Ich habe mich ein wenig gewundert warum das Tro Tro von der Strasse abgebogen ist und in einen Feldweg fuhr, aber da man sich hier nicht allzuviel fragen und wundern sollte, habe ich einfach den Kopf wieder auf den Rucksack gelegt und gedoest. Ca. 15 minuten spaeter hoerte ich so komische Stimmen und als ich mich umdrehte sah ich einen doch sehr ungewoehnlichen Passagier im TroTro... ein Rind... mit riessen Hoernen, es gibt doch echt nichts was es nicht gibt, da haben die das Rind durch den Kofferraum in die letzte Reihe des TroTros gedrueckt wie Knete gebogen das es gepasst hat und nun lag es neben mir. Auch spaeter zusteigende Einheimische fanden das aber etwas merkwuerdig wie ich ihren Blicken ansehen konnte. In Tamale angekommen (Zwischenstopp) bin ich erstmal zu meiner Fruehstuecksfrau und habe Eibrot und Tee getrunken. Hier kam ein Ghanaischer Junge zu mir und fragte, ob er mal stoeren koennte, er habe eben gehoert ich haette meinen Tee ohne Zucker bestellt, wie das den sein kann, das man Tee ohne Zucker trinkt. Spannend oder? Es dauert nie lange bis man hier das naechste Anhaengsel hat, so brachte mich wieder ein anderen Ghanaer zum naechsten Bus der mich nach Kintampo bringen sollte. Im Bus war es ganz schoen eng und die Fahrtzeit doch so ca. 3 std. Als ich endlich in Kintampo angekommen bin und das TroTro mich netterweise auch direkt an Ort und Stelle rauslies, wo ich hinwollte kam mir schon Kerstin entgegengelaufen. Die Kintampowasserfaelle waren sehr schoen, aber leider fand dort eine Massenveranstaltung statt, und es waren hunderte von Stunden um die Wasserfaelle herum, sodass wir es ncith wirklich geniessen konnten dort zu sein. Spaeter fingen die Jungs an drumherum Buesche und Baueme anzuzuenden. Alles hat gestunken und die Augen fingen an zu traenen. Es ist eine Schande das die Menschen es nicht zu schaetzen wissen, was fuer eine schoene Natur sie doch haben koennten, wenn sie nicht alles nieder brennen wuerden. Als ist spaeter einen fragte, warum sie das den taeten kam als Antwort, das Ihnen kalt geworden sein und man die Feuer deshalb gelegt habe. Nun ja, so ist das hier. Genau so wie man alle Felder niederbrennt. Geruechten zu Folge, damit die Riessenratten und anderen Tiere rauslaufen und man sie fangen kann um spaeter zu Essen.
In Kintampo hatten wir ein nettes Guesthouse und ich schlief mal wieder in einem Bett mit Matraze und es gab fliessend Wasser und sogar die Haare konnte ich mir mal wieder waschen. Die Gegend 300 km suedlicher unterschied sich schon erheblich von der Gegend die ich im Norden bewohne. Es gibt viele Palmen, viel gruen, das Klima ist angenehmer und auch essenstechnisch hat man es viel einfacher.
Sonntags waren wir dann bei den Fuller Waterfalls, ein bezaubernder Ort und wir waren auch ganz alleine dort. Dann ging die Reise weiter nach Ngoranza besser gesagt Boabeng Fiema zu den Affendoerfern. Dort hatten wir nach dem Verlassen des TroTros noch einen 6 km langen weg zu Fuss zu bewaeltigen. Als wir uns mal kurz im Busch erleichtern wollten, zog uns eine Frau hinaus und fragte wo wir hinwollen, nachdem wir sagten "Toilett" schleifte sie uns zu einem Haus, wo wir dann auf s WC durften und sie ganz aufgeregt wartete, das wir fertig wurden, um uns durch einige Zimmer zu schleppen wo wir etlichen aelteren Damen die Haende geschuettelt haben, die sich unglaublich gefreut haben uns zu sehen. Manchmal kommt man sich vor als waere man ein Alien oder ein Wesen das andere noch nie zurvor gesehen haben. Kommt immer drauf an wo man gerade ist :-))) Als wir mit den Affen fertig waren, mussten wir uns sputen um schnell in die naechste Stadt zu gelangen, das Ghana ja im Finale des Afrikan Cups war und wir das Spiel sehen wollten und die Party falls Ghana gewonnen haette. Was sie ja nicht haben leider. Nach dem Spiel also wieder weiter 30 minuten mit dem Taxi nach Techiman, eine Stadt in die ich mich total verliebt habe. Die groesste Handelstadt hier in Ghana, hier gab es an Obst und Gemuese alles was man sich vorstellen kann und ich habe eine std. lang nur auf der Strasse gesessen und den grossen LKws zugeschaut wie sie vollbeladen mit allem moeglichen an mir vorbeifuhren. Natuerlich haben wir uns auch durch alles durchgefuttert, man goennt sich ja sonst nix. Als wir auf der Suche nach eine Bleibe waren, haben wir sogar ein Snickers essen koennen in einem Hotel. Das war eines der Highlights des Wochenendes. Das Snickers. Als ich es sah, wusste ich das es gleich in meinem Bauch sein Ende haben wuerde.
Montags dann eine lange lange Heimreise, bin um 11 h in den Bus gestiegen und war erst um 20.30 h daheim. Aber es hat sich gelohnt. Das WE war wundervoll.
Am Dienstag hatte ich meinen ersten Stromausfall hier in Ghana erlebt. Das war horrormaessig. Man hat wirklich nichts mehr gesehen und ich war gerade unterwegs mit dem Bike und hatte noch 2 km bis zu unserem Haus. Aber alles ging gut und ich hoffe es kommen nicht mehr soviele weitere Stromausfaelle.
So ich muss mal aufhoeren. Werde sicher die naechsten TAge nochmal was schreiben, bevor ich dann ab ca. 10.2 auf grosse Reise gehe mit paar leuten.
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