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Eiskalt erwischt...

07.02.2012 | Bilder30 | Kommentare2 | Argentinien  - El Chaltén, Santa Cruz
… hatte es mich als ich erfuhr, dass die Damen und Herren im Internetcafe El Calafates Siesta machen wollten, als ich mein Vorstellungsgespräch mit der...

...Munich Business School hatte. Ein paar Anrufe und ein paar Pesos „Schmiergeld“ später, hatte ich mir trotzdem die Exklusivrechte für den Mittag sichern können und so mein Interview ungestört durchführen können.

Was letztlich draus geworden ist, erfahr ich erst nächste Woche.

Jedenfalls ist es jetzt rum und das ist erstmal das wichtigste, denn die Tage davor waren eine endlose dumme Warterei – von Nervosität geprägt – hierzu nochmal, danke Stefan für deine Geduld. Hasse jut jemacht!

Ganz still stand die Reise trotzdem nicht. El Calafate ist der Ausgangspunkt für Exkursionen zum Perito Moreno Gletscher im Süden des Nationalparks Los Glaciares. Mit Regenklamotten und aufgeladenen Kameras gings zu diesem spektakulären Eisfeld. Zwei Meter pro Tag schiebt sich die Zunge des ca. 75km² großen Gletschers in den Lago Argentino, das führt zu regelmäßigen, hausgroß abbrechenden Eisblöcken. Aufgrund einer speziellen Topografie, den kalten Andenwinden und häufigem Niederschlag, wird der Gletscher kontinuierlich mit Neuschnee versorgt und so halten sich Neueisbildung und abbrechende Eisberge die Wage.

3 Stunden begafften wir das Schauspiel von der gegenüberliegenden Halbinsel aus und waren fasziniert von der bis zu 60 Meter hohen Eiswand, die sich dort in den See schob. Kam es dann zum Kalben, war der Lärm und der folgende Tsunami genial! Ein toller Anblick waren auch die plötzlich aus der Tiefe schießenden Eisberge, die sich aus 150 Metern Tiefe ihren Weg nach oben bahnen, wenn die Reibung zu stark wird.

(Wenn ich mal ne gute Internetverbindung hab werde ich demnächst ein paar Videos auf meinen YoutubeChannel laden: Einfach bei Youtube in die Suche meinen Nutzernamen (manolo0488) eingeben und mal durchklicken. Bis jetzt ist da allerdings noch nichts drin)

Am 30. Januar – mittlerweile sind wir einen Monat unterwegs – direkt nach dem Vorstellungsgespräch sattelten wir die Pferde. WEITER! Endlich weiter nach Norden! Ziel: El Chaltén, Fitz Roy, Cerro Torre, Trekking und Eisklettern. Aber der Reihe nach.

Wetterumschwung, 5 Wochen gab es in der Region Sonne satt, wenig Wind und geniale Postkartenmotive. Manuel und Stefan bringen aber gerne ihr ganz eigenes Wetter mit und so kam es, dass unser anstehendes Trekking von orkanartigen Böen und kontinuierlichem Nieselregen bei strahlend blauem Himmel, begleitet wurden. Klingt komisch, is aber so! Eine Wanderkarte ist diesmal nicht nötig, da wir selber bis zum Schluss nicht so genau wussten, wo wir eigentlich herliefen, aber ich denke die Fotos zeigen recht eindrucksvoll, wo wir uns befanden. Der Monte Fitz Roy mit seinen 3405 Metern und sein etwas kleinerer, dünnerer Bruder Cerro Torre umgebend von einem Gebirgsmassiv aus Granit waren geniale Motive. Auch wenn wir sie eigentlich nie ganz zu Gesicht bekamen weil sich die Wolkenkonstellationen um die Gipfel fast im Minutentakt änderten.

Morgens versuchten wir wieder unser Glück beim Sonnenaufgang-Shooting, was uns um 5 Uhr zu einer einstündigen Frühsporteinheit über 2 km und 450 Höhenmetern zwang. Naja, also WIR waren pünktlich, die Sonne hatte aber irgendwie kein Bock und ließ sich durch die aufziehenden Wolken wohl ganz die Laune verderben. Wir hofften noch eine Stunde, bevor es uns aber wirklich viel zu kalt wurde und wir runter in unser Basislager schlenderten. Nach dem Frühstück legten wir uns nochmal bis 12 ins Bett. Mit der beste Schlaf, den ich in der letzten Zeit hatte.

-12 Grad in Heubach? „Komm Stefan, lass uns ein wenig mitfühlen“. Aber vorstellen ist schwierig und so entschieden wir uns, zum Eisklettern auf den Gletscher Viedma zu gehen. Endlich mal eine sportliche Aktivität, die ich schon seit langer Zeit auf der Liste hatte und abhaken kann. GENIAL! Am Anfang sind wir noch hochgekraxelt wie Besoffene, wenn sie nach einem feuchten Abend auf allen Vieren nach Hause kriechen. Bei uns fand dies allerdings in der Vertikalen statt. Nach sieben weiteren Aufstiegen inklusive Überhang konnten wir uns dann aber vom Tourguide das Prädikat „Professionell“ auf den Helm schreiben lassen :-D. Ein kräftezehrendes Ganzkörperworkout, was Muskelkraft, Ausdauer, Technik und Koordination vereint. Nach dieser Klettererfahrung wurde mein anfängliches Hirngespinnst, mit dem Felsenklettern anzufangen, von einer schlichten Idee, die auf Unterhaltungen mit Duncan (dem Australier aus Torres del Paine) basiert, zu einem festen Plan. Schnelle Fortschritte machen einfach immer Lust auf mehr. Ich werds auf jeden Fall ins Auge fassen.

Tja das waren so im Groben und Ganzen die letzten 4 Tage. Morgen fahren wir mit dem Bus nach Los Antiguos. Dort überqueren wir dann wiedermal die Grenze nach Chile und fahren die letzten 600 km bis Puerto Montt auf der Carretera Austral, ein angebliches Tramperparadies. Mitten in den Anden wollen wir ein paar aktive Vulkane besteigen und im Rio Futaféul raften.

Schlussplädoyer:

Patagonien bleibt uns noch ein paar Tage erhalten, Argentinien werden wir voraussichtlich für den Rest der Reise verlassen. Ein unglaublicher Monat mit wunderbaren Menschen und wunderschönen Landschaften geht zu Ende und ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch bei den „Gauchos“. Nächstes mal werde ich bei einem Triumph unserer Nationalmannschaft weniger Schadenfreude versprühen und dafür mehr Mitleid haben. Das bin ich diesem gastfreundlichen, Schaf grillenden, Kuh verschlingenden und Kinder produzierenden Volk einfach schuldig :-D

Im Ernst jetzt mal und ohne melancholisch werden zu wollen: besucht dieses Land, es hat soviel zu bieten und ist Heimat so vieler unterschiedlicher Menschen, die sich ihres Lebens freuen und auch Fremde an selbigem Teil haben lassen wollen. Wenn ihr es besucht, respektiert es aber auch so wie ihr es vorfindet:

Die Natur sollte nicht noch mehr beansprucht werden, d.h. die Parks sollten so bleiben wie sie sind um einer weiteren Kommerzialisierung aus dem Weg zu gehen. Wenngleich eigentlich schon vorher die Grenze zum Massentourismus überschritten worden ist und eine heikle Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und Naturschutz begonnen hat, kann dieses Ziel erreicht werden. Es bedarf aber einem dementsprechenden Bewusstsein der Besucher und natürlich auch der Regierung. Wird dieses erzeugt, kann die Einzigartigkeit Patagoniens auch weiterhin bestehen.

VIVA ARGENTINA! LAS MALVINAS SON ARGENTINAS!

Dieser Eintrag wurde in der Kategorie Südamerika erstellt.

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Kommentare (2)

  • (#1) Gabsi sagte am 08.02. um 18:02 Uhr:

    Gratulation auf der ganzen Linie: zu den atemberaubenden Erlebnissen der letzten Tage ( wieder irre Fotos!) und zum Studienplatz ab August an der Munich Business School. Wow!! Du bist ja total auf dem \'Das Leben ist schön\'-Trip!
    Die Orte, die Du mir in der E-Mail angegeben hast, habe ich übrigens alle im Atlas gefunden, außer O\'Higgins del Sur. Bin somit gut orientiert!

  • (#2) Marlene sagte am 25.02. um 09:18 Uhr:

    So, seit gestern wieder aus Südafrika zurück, möchte ich diesen tollen Bericht samt super Fotos
    doch noch kommentieren. War im Urlaub schon begeistert, aber wegen des spärlichen Internets konnten wir deine Berichte nur kurz lesen aber nicht genießen.
    Trotz unserer heißen Afrikasonne haben wir nun das kühlere Argentinen für nächstes Jahr ins Auge gefasst. REISEN IST EINFACH SCHÖN !!!!
    Weiterhin viel, viel Spaß !


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