...http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&q=&ie=UTF8&cd=1&split=0&vps=1&jsv=194b&sll=51.151786,10.415039&sspn=7.307413,14.941406&geocode=FYmEjv0dLFxcCg) wollte ich gestern nochmal ein letztes Bierchen in der "Zivilisation" (Ich hatte ja keine Ahnung.... mehr dazu später) unter Leuten zu mir nehmen. Also beschloss ich an einem Donnerstag Abend gegen 21:00 Uhr einen Pub in Picton aufzusuchen und selbiges zu tun - Mission Impossible. Als ich dann den einzigen Pub (soweit ich das überblicken konnte) gefunden hatte saßen darin 2 Männer an der Theke die sich offensichtlich schon länger an ihrem Bier fest hielten. Ich wollte nicht der Dritte sein! Das hatte ich mich irgendwie anders vorgestellt. Also wurde das Bierchen auf unbestimmte Zeit verschoben.
Heute früh ging es dann los Richtung Cairnhill Farm. Ich nahm die Queen Charlotte Road entlang des Sound Richtung Havelock/Nelson.
Die Straße war teilweise sehr kurvig, da sie sich quasi am Berg entlang winden musste. Auf Höhe von Rai Valley ging es dann in Richtung French Pass. Die Straße wurde noch kurviger und es ging rauf und runter (Für die Eichsfelder unter den Lesern: ungefähr so wie der Holzweg HIG hoch zum Forsthaus, nur ohne Leitplanken ;-) und das auf einer Länger von ca. 55-60 km). Die letzten ca. 25 km waren dann Schotterpiste, die teilweise zu eng für zwei Fahrzeuge gleichzeitig war. Das Spannende war, dass es natürlich auch keine Leitpfosten oder Leitplanken gab und die Straße teilweise direkt mit dem
Steilhang abschloss, wo es 60,70..., 100 m hinab ging, um dann im Meer zu enden. Die Strecke hätte jeden Rally-Enthusiasten Freude bereitet. Daisy und
ich bahnten uns also so unseren Weg und kamen dann gegen mittag an der Cairnhill Farm an.
Das Begrüßungskomitee bestehend aus Syth (gebürtige Schottin, seid 15 Jahren in NZ), 9 Highland Cattles, 9 schwarzen Schafen, 11 Lamas/Alpakas, 20 Hühner, einer Katze namens Nova und einem Hund names Duke.
Duke war der Erste der mich freundlich begrüßte und ich freute mich sehr endlich mal wieder intensiver mit einem Hund zu tun zu haben. Dann schlich ich übers
Gelände und suchte die menschlichen Bewohner der Farm. Mein erste Eindruck von der Farm war ehrlich gesagt nicht so berauschend - alles wirkte irgendwie
unordentlich/chaotisch (ein bisschen wie eine Sperrmüllsammlung - überall lag irgendetwas herum: alte Gartenmöbel, Zaundraht, Pfosten, etc... ) für mein "deutsches" Ordnungsempfinden und das soll schon was heißen, da ich selbst nicht die Ordnung in Person bin.
Schließlich fand ich Syth im Gemüsegarten, welcher mit Wellblech umzäunt war, um die Hennen abzuhalten (Es ist nämlich so, dass auf der Farm die Hennen frei
herum laufen können und das Alles was sie nicht auffressen und/oder beschmutzen sollen, zum Schutz abgegrenzt wird). Syth und ich hatten einen guten Start, da ich sie gleich erstmal als Clarrie ansprach (ich hatte Clarrie als Claire oder so etwas interpretiert und deshalb gedacht der Mann wäre Syth) - nun ja sie nahm es mir nicht übel und zeigte mir erstmal alles was ich wissen müsste für meinen Aufenhalt auf der Farm.
Zuerst das Haus. Dabei handelte es sich mehr oder weniger um eine Doppelgarage/Werzeugschuppen mit angegliederter Wohnküche und einem winzigen Bad (1m x 2,5m). Mein Zimmer war ein Nebenraum der Garage mit einer komfortablen Doppelmatraze. Clarrie und Syth selbst schlafen in einem Wohnwagen unweit des Hauses. Das gesamte Haus machte auf mich eher den Eindruck eines Gartenhauses.
Die primäre Energiequelle der Farm ist ein Solarpanel von ca 1,2m x 0,8m, dieser liefert Energie um die Akkus von Computer, Handy, Telefon aufzuladen und das Internet zu betreiben. Ein Generator liefert den Strom für die Waschmaschine (leider gab der während der Woche den Geist auf und so war Handwäsche angesagt). Dem zu Folge gibt es im gesamten Haus kein elektrisches Licht - gut das ich meine Kopflampe dabei hatte ;-)). Alles andere wie z.B. Kühlschrank, Herd, warmes Wasser, ggf. Heizung und so weiter wird mittels Gas betrieben. Trink- und Nutzwasser kommt aus der eigenen Quelle, die auch die Siedlung in der Bucht (Cissy Bay) mit Wasser versorgt. Die nächsten Nachbarn sind zwar in
Sichtweite, aber man braucht schon gute Schuhe und ca. 20 Minuten (Hin und Zurück) um mal eben die Hügel rauf und runter zu wandern, wenn man sich mal Zucker borgen möchte.
Ich weiß nicht wirklich, was ich erwartet habe, aber ich war ehrlich gesagt etwas "irritiert". Ich meine das Leben hier ist weit entfernt von primitiv, aber alles ist doch etwas einfacher gehalten, als ich es gewöhnt war. Nun ja ich sagte mir "Gib dem ganzen eine Chance!".
Als erste Amtshandlung wollte ich das Chilli für die French Pass Christmas Party kochen. Also bat ich Syth, um einen Topf. Denn gab sie mir auch und
eröffnete mir dann, dass ich draußen auf dem Gasgrill kochen müsste, da Sie und Clarrie Vegetarier seien und im Haus kein Fleisch zubereitet werden soll - So langsam wurde es seltsam und beschloss schon innerlich hier nach dem Wochenende zu verschwinden...
Ich kochte also das Chilli im Freien und musste es auch dort in ausrangierten Kühlschränken lagern, da es ja nicht mit ins Haus dürfte. In der Zwischenzeit
war Clarrie eingetroffen. Er hat eine Firma die Webhosting, ein Online-Buchungssystem und Visitenkarten (Entwurf und Druck) anbietet. Die Firma
befindet sich in Richmond (1,5h entfernt von der Farm), weshalb er Montag, Dienstag und Donnerstag, Freitag in Richmond ist.
Sowohl Clarrie als auch Syth schätze ich mal mindestens 63 Jahre. Clarrie ist ein Kiwi und er hat Syth kennengelernt nachdem sie nach NZ immigriert ist. Die beiden haben lange Zeit in Nelson gewohnt und dann irgendwann beschlossen, dieses Stück Land (insgesamt 9 Hektar - für hiesige Verhältnisse also eher ein Kleingarten ;-)) tief in den Sounds zu kaufen. Das war vor ca. 7 oder 8 Jahren. Ein sehr mutiger Schritt wie ich finde, angesichts ihres Alters und der Tatsache, dass hier wirklich nichts war außer Hügel mit Grass und Wald darauf. Alles Andere (Die Zäune, das Haus, die Wasserversorgung, etc...) wurde nach und nach von den beiden (mit Hilfe der Leute aus Cissy Bay und einiger WWOOFer) aufgebaut. Zu Beginn kamen die beiden nur übers Wochenende, aber seid 4 oder 5 Jahren sind sie (zumindest Syth) permanent hier auf der Farm. Die Cairnhill Farm ist also eine Lifestyle-Farm, was auch erklärt warum die beiden Vegetarier all diese Tier haben, ohne sie wirklich zu nutzen (bis auf die Eier der Hühner und das Fell der Highlander, welches Clarrie als Dämmstoff verwenden will).
Ich würde mich also eine Woche auf diese anderen Lebensstil einlassen und sehen was passiert.
Denjenigen unter euch, den meine anfängliche Skepsis gegenüber der Farm und meinem Aufenthalt dort nicht entgangen ist, möchte ich wärmstens empfehlen die nächsten beiden Blogeinträge ebenfalls zu lesen, um nicht einen falschen Eindruck von der Cairnhill Farm und meiner Zeit dort zu bekommen!
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