..."Transmongolischen Eisenbahn" steht an - die Fahrt nach Peking! Wir steigen in den Minivan, der uns zum Bahnhof bringt, wo Naki uns noch zu unserem Waggon begleitet. Wir überreichen ihm ein kleines Trinkgeld, doch dann scheint er plötzlich weg zu sein. Wir richten uns in unseren Abteilen im Waggon Nummer 7 ein und stellen fest, dass sich sowohl Karen und Dave, als auch Mandy und Nicci wieder ein Abteil teilen. Für mich wird es diesmal spannend, denn die beiden Holländer sind diesmal definitiv nicht dabei. Mein Blick ins Abteil stellt mich zufrieden: Ben, ein Amerikaner, sowie zwei mongolische Jungs, alle Anfang zwanzig, werden meine Mitbewohner auf dieser Fahrt sein. Der Zug setzt sich in Bewegung, als wir Naki auf dem Bahnsteig erblicken! Er ist mal wieder am Telefonieren, hat aber tatsächlich noch auf unsere Abfahrt gewartet und winkt uns jetzt hinterher.
Grenzkontrolle und Fahrgestellwechsel
Bis zum Abend passiert nicht viel, also besser gesagt: das Übliche,- mit den Zugnachbarn quatschen, sich gegenseitig besuchen, Fotos von Familie und Freunden zeigen, Essen teilen. Die beiden mongolischen Jungs erstaunen mich. Ich hätte beim besten Willen nicht gedacht, dass die Mongolen so "modern" sind. Nicht nur, dass das Englisch der beiden nahezu perfekt ist, bei einem Blick quer durch die Zeitschrift stellt sich heraus, dass die beiden bestens informiert sind, was Technik, Stars und etliche andere Dinge betrifft. Dazu nennen sie mir noch die Namen deutscher Bands, u.a. Tic Tac Toe.... Ich bin beeindruckt! Schliesslich treffen wir an der Grenze ein, die mongolische "Exit"-Kontrolle ist harmlos und freundlich, die Chinesen sind da um einiges strikter. Nicht nur werden die Pässe und das Abteil kontrolliert, sondern auch in unseren Backpacks nachgeforscht, Bücher müssen vorgelegt werden und werden genauestens untersucht, ein CIA-Mann kommt vorbei und stellt schnelle Fragen wie "Why do you come to China?", "Where do you come from?" und "Why is the train delayed?" und macht dazu einen auf unverfängliches Plaudern. Während interessanterweise in einer großangelegten Hebeaktion die Fahrgestelle unseres Zuges ausgetauscht werden (die chinesischen Schienen sind schmaler als die mongolischen) kommt auch noch der Schaffner in unserem Abeil vorbei, und händigt uns Frühstücks- sowie Lunchgutscheine für den nächsten Tag aus. Nach der staubigen und heißen Nacht im Zug, in dem es aber diesmal zum Glück einen Ventilator in jedem Abteil gibt, bin ich froh, dass die Temperaturen nun herunterkühlen und verbringe eine angenehme letzte Nacht im Zug.
Orientierungsschwierigkeiten in Peking
Nach Frühstück und Mittagessen im Speisewagen kommen wir gegen 14 Uhr in Peking an und werden dort auch schon erwartet. Der Pick-Up Service bringt uns zum "Sicily" Hotel. Dort werden wir abgesetzt und sind von nun an mehr oder weniger auf uns alleine gestellt. Das niemand an der Rezeption englisch spricht macht die Orientierung nicht leicht, aber schliesslich treffen wir uns um 16 Uhr geduscht alle fünf an der Rezeption wieder, und haben einen Plan. Der lautet: Wir wollen zum Touristenbüro fahren, um die Hikingtour auf der Chinesischen Mauer für morgen zu buchen. Wir setzen uns also in zwei Taxis und lassen uns zu diesem besagten Touristenbüro fahren... An genannter Adresse leider jedoch keine Spur und auch kein Anhaltspunkt, wo wir hin müssen. Schliesslich kommen wir an einem "Friendship Store" vorbei, dort wird zumindest englisch gesprochen. Uns wird der Weg in Richtung Innenstadt gewiesen, die Zeit vergeht und wir sind immer noch ohne Erfolg. An für sich macht der Bummel durch Pekings Straßen Spaß, aber wir haben es mittlerweile eilig, denn wir wollen unbedingt noch den Ausflug für morgen buchen. Nur wo? Da der Bahnhof nun nicht mehr weit entfernt ist, beschließen wir, erst einmal beim Hostel vorbeizugucken, in das die drei englischen Mädels morgen umziehen wollen. Das Hostel befindet sich direkt am Bahnhof, zentrale Lage, günstig, und.. siehe da.. ein kleines angeschlossenes Reisebüro, in dem sich nicht nur beliebte Ausflüge, sondern auch Flug- und Zugtickets buchen lassen. Wie einfach! Wir kaufen also unsere Tickets für den nächsten Tag, es sind 220 Y für den Ausflug inklusive Lunch + 95 Y Eintrittsgebühr. Der Ausflug wird früh losgehen, das Treffen ist für 6 Uhr morgens am Hostel angesetzt. Nachdem die Mädels sich auch noch ihre Zimmer für die nächsten Nächte reserviert haben geht es weiter zu den Night Markets, - die wir natürlich auch nicht auf Anhieb finden. Dave ist zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig genervt von der anspruchsvollen Navigation durch Pekings Straßen. Nach einer extra-halben-Stunde Fußmarsch werden wir jedoch fündig, und belohnt! Die Atmosphäre ist einmalig, es gibt die obligatorischen Skorpionspieße zu bewundern, und wir finden einen gemütlichen Tisch im Freien, wo wir Essen und ein Bierchen trinken können - ein schöner Ausklang des Abends. Zudem finde ich hier endlich den langerhofften Akku-Recharger, den ich vergeblich in Irkutsk sowie Ulan-Bator gesucht hatte. Meinen hatte ich zuhause gelassen, in der Annahme, dass es auf diesem Trip sowieso schwierig mit dem Aufladen sei. Keine Spur! - sowohl Hotels, als auch Zug, als auch Homestay und Jurtencamp hatten Steckdosen, zudem - mit Ausnahme von China - die ganz "normalen" kontinental-europäischen. Wir schaffen an diesem Abend gerade noch feinen kurzen Abstecher zum "Platz des Himmlischen Friedens", bevor wir uns für 20 Y ein Taxi nehmen und zum Hotel zurückfahren.
Tourende heisst nicht gleich Reiseende
Nach einer weiteren Nacht in Peking klingt unsere Shoestring Tour offiziell am nächsten Tag aus, aber dennoch erleben wir an diesem Tag ein Highlight:
den 10 km Hike auf der Chinesischen Mauer!
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