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pedda_s' Blog

Napier - Von Entführern, Tölpeln und Apfeldieben

08.06.2010 | Bilder20 | Kommentare0 | Neuseeland  - Napier
29.04.2010 – 07.05.2010: Carterton - der Ort, in dem wir die letzte Nacht auf einem Campingplatz verbracht hatten – war, wie wir erst dort feststellten,...

...anscheinend bekannt für seine Paua-Muschel-Verarbeitung. Paua-Muscheln sind sowas wie ein Kulturgut Neuseelands. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die Innenseiten der Schalen nach dem Polieren bunt schimmern und glänzen. Von den Maoris wurden sie für die Augen ihrer holzgeschnitzten Tikis verwendet, um diesen sozusagen Leben einzuhauchen und ungebetene Gäste sowie böse Geister von ihren Häusern, an denen sie angebracht waren, zu vertreiben. Heute werden die polierten Teile der Muschel für alle möglichen Kunst- und Schmuckstücke verwendet.

Genau hier in Carterton steht nun die größte Paua-verarbeitende Fabrik Neuseelands (soweit ich das richtig verstanden habe), natürlich mit großem Souvenirladen, wo man allen möglichen Schnickschnack mit und ohne Paua (oder Power) erwerben konnte. Eine Kleinigkeit musste ich dann doch kaufen, schließlich habe ich ja noch nicht für jeden daheim ein Andenken, was es genau war, wird aber nicht verraten.

Nach Carterton machten wir noch einen Abstecher zu Stonehenge. Zum Original nach England wäre es natürlich etwas weit gewesen. Das dachten sich wohl auch ein paar neuseeländische Hobbyastrologen und bauten sich deshalb vor ein paar Jahren selbst ein kleines Stonehenge aus Beton. Damit man es dann auch nicht mit dem großen Bruder verwechselt heißt es nun Stonehenge Aotearoa. Vor Ort war das Ganze dann doch nicht so beeindruckend, ein Blick über die Umzäunung reichte und sparte uns außerdem die $10 Eintritt pro Person.

Unser nächster Stopp war Masterton. Hier gab es für jeden einen Burger (ja, ich weiß, sehr ungesund, ich hatte auch nur nen kleinen Chickenburger, Fredi hingegen bestellte sich natürlich den größten, den es auf der Karte gab…) und wir besorgten uns eine neue Straßenkarte, als Ersatz für unsere Alte, die wir fälschlicherweise für verschollen hielten (die Diebe waren’s!). Wir sollten sie erst später wieder finden.

Seit langem wollte Fredi mal wieder Auto fahren, also ließ ich sie. So konnte ich mal etwas ausschlafen. Kurz vor Napier übernahm ich dann aber wieder das Steuer. Unser erster Anlaufpunkt war ein Backpackers, dessen Besitzer im Internet nach Arbeitskräften für ihr Weingut gesucht hatten. Schon in Wellington hatten wir sie per E-Mail angeschrieben, bekamen jedoch eine etwas missverständliche Antwort. Also wollten wir dort direkt noch einmal nachfragen.

Dort angekommen, schien aber nicht wirklich jemand da zu sein. Das ganze Hostel wirkte lehr und die Rezeption war nicht besetzt. Wir schauten uns ein bisschen um, konnten jedoch niemanden entdecken, auch das Betätigen der Klingel an der Rezeption bewirkte nichts. Also fuhren wir wieder los. Wir checkten schließlich in der Stables Lodge ein (hier war Fredi schon einmal). Als nächstes musste eingekauft werden. An der Kasse des Supermarktes streikte dann aber meine Kreditkarte, sodass wir unseren Einkauf zurücklegen lassen und am nächsten Geldautomaten mit unserer deutschen Bankkarte Geld zapfen mussten.

Zurück im Hostel wurden wir dann auch gleich von der französischen Managerin darauf angesprochen, dass meine Kreditkarte, mit der wir auch hier bezahlt hatten, nicht gedeckt war. Wir beglichen unsere Schuld dann aber am nächsten Morgen mit Fredis Kreditkarte, die im Gegensatz zu meiner eigenen keine Prepaid-Karte ist (das Geld also einmal im Monat von ihrem Konto abgezogen wird).
Den Vormittag verbrachten wir damit Lebensläufe zu vervielfältigen und an Cafés und Restaurants zu verteilen. Aber hier schien niemand wirklich neues Personal zu brauchen. In einem Schaufenster fanden wir dann noch eine Anzeige von jemandem, der Arbeiter für seine Plantage brauchte. Wir riefen auch gleich dort an, erfuhren, dass es sich um Apfelpflücken handelte und wir uns am Montagmorgen um 8 Uhr noch einmal bei ihm melden sollten. So schnell geht das also mit dem Arbeit finden.

Heute kam auch zum ersten Mal das von mir im Te Papa Shop in Wellington erstandene Buch mit Tageswanderungen in ganz Neuseeland zum Einsatz. Eine Wanderung befand sich nämlich direkt am Stadtrand von Napier. Es war mehr ein historischer Lehrpfad, wobei Lehrpfad hier schon etwas übertrieben ist. Es handelte sich um eine ehemalige Siedlung der Maori, ein sogenanntes „Pa“. Typisch für ein Pa ist, dass es sich auf einem Hügel befindet, von dem man die umliegende Landschaft gut im Blick hat. Umgeben war die Siedlung von einem bewehrten Erdwall oder massiven Holzzaun zur Abwehr von Feinden. Der einzige Zugang zur Siedlung führte dann meist noch einen ziemlich steilen Weg hinauf (um ankommende Feinde abzubremsen und so besser bekämpfen zu können). Auf der höchsten Stelle des Hügels, umgeben von einem weiteren Zaun, befand sich das Versammlungshaus (das eigentliche Pa), rundherum waren Wohn- und Lagerhäuser sowie Felder.

Von hier oben hatten wir einen wirklich guten Ausblick über Napier, Hastings und die vielen Weingüter, die überall in der Ebene unter uns verteilt lagen. Meist waren sie von hohen, geschnittenen Koniferenhecken umgeben oder einfach durch Pappelreihen voneinander getrennt. Im Hintergrund erhoben sich ein paar Berge, der Himmel war natürlich mal wieder atemberaubend mit dunklen, vom Wind verzerrten Regenwolken auf der einen und einer goldenen, langsam untergehenden Sonne auf der anderen Seite.

Am Sonntag fuhren wir, trotz aufziehender dunkler Wolken, zum Cape Kidnappers. Nun, eigentlich parkten wir ca. 7 km davon entfernt um dann zu bester Ebbezeit den Strand unterhalb der Steilküste entlang zu wandern. Hier am Cape gibt es zwei große Tölpelkolonien. Da die Brutsaison aber schon fast vorbei war, konnte man nicht mehr viele dieser Meeresvögel erspähen. Wir beschränkten uns daher aufs Muschelsammeln und vorankommen auf dem teilweise ziemlich nassen Strand. Auf dem Rückweg mussten wir uns dann etwas beeilen um nicht von oben (es fing an leicht zu nieseln) und unten (die Flut kam) nass zu werden. An manchen Stellen musste man schon durch knietiefes kaltes Wasser waten, aber wir schafften es wohlbehalten zu unserem Bert zurück.

Am Montag riefen wir pünktlich um acht nochmal beim Apfelplantagenbesitzer an. Zu unserem Erstaunen fragte er uns, ob wir jetzt gleich anfangen könnten. Wir verabredeten uns für um neun an einer Tankstelle auf halbem Weg zum Cape Kidnappers. Wir trafen dort etwas zu früh ein und mussten deshalb noch kurz warten bis ein Van auf der anderen Straßenseite hielt und der Fahrer und per Handzeichen mitteilte uns zu folgen. Bis zur Plantage war es dann auch nicht mehr weit. Alle waren natürlich schon am Arbeiten.

Wir bekamen zuerst eine Einführung darin, wie man Äpfel richtig vom Baum pflückt und welche Äpfel wir bitteschön am Baum lassen bzw. gleich wegschmeißen können. Außerdem wurde uns noch gezeigt, wie man die Äpfel dann in den riesigen Holzkisten ablädt. Jeder von uns bekam noch einen Korb mit einer Art Stoffschlauch unten dran. Man schnallt sich das Ding vor den Bauch und klemmt zwei Kordeln, die an dem Schlauch angebracht sind, oben an den Korb. Somit ist der Korb unten verschlossen und kann von oben mit Äpfeln befüllt werden. Zum ausladen löst man die Kordeln wieder und lässt die Äpfel durch den Stoffschlauch ganz behutsam in die Holzkiste gleiten.

Wir bekamen zusammen eine Apfelbaumreihe zugeteilt (normalerweise bearbeitet jeder Pflücker eine Reihe alleine), das heißt man erntet von den Bäumen links und rechts von einem. Wenn die Kiste voll ist, bekommt sie einen Zettel angeheftet, auf dem die Apfelsorte steht und wer sie wann geerntet hat. Der Pflücker bekommt davon einen kleinen Abriss, auf dem nochmal die gleichen Daten sowie die Kistennummer stehen. Unsere nette Supervisorin (englisch für Aufseher) Tamara, sie ist halb irisch halb Maori, kam immer mal wieder vorbei, gab uns ein paar Tipps zum Pflücken und begutachtete unsere Apfelkiste, bzw. deren Inhalt.

Ab dem nächsten Tag fingen wir dann um 8.00 Uhr an zu arbeiten. Am Nachmittag wurden wir zum Pflücken einer anderen Apfelsorte eingesetzt, bei welcher die Stiele mit einer speziellen Zange eingekürzt werden mussten, da die Äpfel exportiert werden sollten und sich auf dem Transportweg so nicht gegenseitig Druckstellen oder andere wertmindernde Verletzungen zufügen konnten.

Irgendwann bei dem ganzen hin- und hergefahre zwischen Napier und der Apfelplantage muss unser Van einen kleinen Stein gegen die Windschutzscheibe bekommen haben, zumindest entdeckten wir dort an eine Nachmittag einen Riss der von einem Steinschlag ausging. Ein gleich konsultierter Herr vom Glasreparaturdienst riet uns, damit noch so lange wie möglich rumzufahren, da man die Scheibe komplett erneuern müsste. Der Mann muss ja wissen wovon er spricht, also fuhren wir unserem Riss in der Scheibe weiter herum.

Am Mittwoch teilte uns unsere Supervisorin Tamara mit, dass sie am nächsten Tag nicht mehr da sei, da sie bei der beginnenden Kiwiernte in und um Tauranga und Te Puke gebraucht würde, sie aber durch einen neuen Aufseher ersetzt wird. Vorsorglich suchten am Abend schon einmal nach neuen Jobs für uns. Der Neue war natürlich leider genau das Gegenteil von Tamara. Anscheinend dachte er wir könnten kein Englisch, da er uns immer nur einzelne Worte zuwarf, wenn er gerade unsere gepflückten Äpfel kontrollierte und etwas zu bemängeln hatte. Wir teilten unserem Chef und Plantagenbesitzer dann zum Feierabend mit, dass wir heute den letzten Tag hier gearbeitet haben. Er war zwar etwas enttäuscht, hatte aber Verständnis, da wir ja ohnehin nur bis zum Freitag hier arbeiten wollten. Wir schnappten uns noch einen besonders großen roten Apfel und machten uns davon.

Einen neuen Arbeitsplatz fanden wir dann auch. In Coromandel wurden noch Reinigungskräfte für ein Motel gesucht. Hier sollte man zwei Stunden für seine Unterkunft arbeiten, alles was darüber ging würde bezahlt werden. Das klang doch gut! Wir verabredeten, dass wir am folgenden Montag anfangen würden, da wir noch Taupo und Rotorua auf dem Weg dorthin besuchen wollten. Am Freitagmorgen brachen wir dann also nach einer ereignis- und erfahrungsreichen Woche in Napier gen Taupo auf.

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