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Japans Nordosten (Tohoku Region)

Japan 

Wer einmal die Gelgenheit hat, in Japans wunderschönen und noch (im Vergleich zu Tokyo oder Osaka) recht authentischen Nordosten zu kommen, dem empfehle ich, in Sendai Quartier zu beziehen. Mal abgesehen von dem recht manierlichen Nightlife und guten Shoppingmöglichkeiten in Tohokus größter Stadt, kann man von dort auch sehr interessante Tagesausflüge zu einigen wirklich sehenswerten Orten machen:

Mit dem Zug nach Matsushima (ca. 30 min):
Eine der schönsten Küstenlandschaften des Landes mit einer alten - leider mittlerweile etwas "touristischen" Stadt, in der man lecker Fisch essen und einen alten (von Date Masamune in Bau gegebenen) Tempel besichtigen kann. Die ganze Region dort ist wunderbar wild-romatisch. Wer will, kann noch eine Bootsfahrt durch die Bucht mit den unzähligen Kieferninseln machen, ist aber eigentlich nicht notwenig, da man die auch gut von Land aus bewundern kann... Auch spannend dort ist das Meerwasser-Aquarium. Das hat zwar schon etwas "Patina" angesetzt, aber die Tiere dort sind zum Teil recht beeindruckend (von riesige Mondfischen bis zu winzigen "Kurione" -> ca. 3-5mm kleine, amöbenartige Wesen, die aussehen wie Engelchen/Teufelchen: weiss, mit zwei Hörnchen auf dem "Kopf", statt Arme zwei "Flügel" mit denen sie sich etwas ungelenk fortbewegen können... das ganze in einem Aquarium mit Lupenglas - suuuper-kawaii!)

Mit dem Zug nach Yamadera (ca. 30 min):
Ein einsamer Tempel an den Hängen eines Berges "in the middle of nowhere"... unten im Tal ist ein kleines Dorf, ansonsten kommt man sich aber vor wie in einem alten Japanischen Film oder so... Gott sei Dank gibt's in dem Dorf eine Haltestelle von JapanRail, so dass man den beeindruckenden Tempel ganz bequem erreichen kann. Von der Haltestelle "Yamadera" (auf der Strecke nach Yamagata-shi) ein paar (Hundert) Stufen hochgekraxelt und schon steht man in Mitten einer ausgedehnten Tempelanlage, wie sie romantischer und "verwunschener" nicht sein könnte. Besonders im Winter, wenn alles mit Schnee bedeckt ist, und man wahrscheinlich der einzige Besucher ist (da es den Japanern dort dann zu kalt ist), echt empfehlenswert!

Mit dem Zug/Bus nach Zao Onsen (ca. 80 min):
Ein Onsen(Thermalbad)-Ort im Japanischen Gebirge mit angeschlossenem Skigebiet. Beeindruckende Landschaft und nach einem harten Skitag im Rotenburo (Open Air Thermalbad) unter dem Sternenhimmel mit Blick ins schneebedeckte Tal im heißen Wasser relaxen... besser geht's nit! Natürlich ganz besonders im Winter zu empfehlen! Das Skigebiet geht zwar nicht sehr hoch, aber im Winter schneit's dort wie die Hölle, daher sehr schneesicher. Außerdem ist das Skigebiet für japanische Verhältnisse recht gross und schön "verwinkelt", daher sehr abwechslungsreich. Eine Besonderheit stellen die "Snowmonster" dar: Im Winter völlig eingeschneite Bäume an den Hängen, die derart dick eingeschneit sind, dass sie (mit ein wenig Fantasie) tatsächlich aussehen wie Schneemonster... Einfach mit dem Zug nach Yamagata-shi, von dort aus dann mit dem Bus nach "Zao-onsen".

Mit dem Zug/Bus nach Ginzan Onsen (ca. 90 min):
Ebenfalls ein Onsen-Ort, aber dieser ist noch orginal aus der Edo-Zeit, also über 200 Jahre alt. Die Gebäude sind zwar renoviert, aber eben mit ihrer ursprünglichen Optik. Der Ort ist super-klein (ein Bach in der Mitte - auf beiden Seiten ein Fußweg, um in die Onsenhotels zu gelangen - das war's. Insgesamt vielleicht 150 Meter lang, der Ort...) aber dafür auch extrem idyllisch. Im Winter schneit's dort wie Hölle, was aber auch schön romantisch ist. Ansonsten außer zwischen Juni und September (zu heiß) jederzeit zu empfehlen. Die Hotels kosten ca. ab 12.000 Yen pro Nacht inkl. Abendessen vom Feinsten und Frühstück). Den Weg dorthin am besten an der Sendaier Touri-Info erfragen (der Ort liegt allerdings in der Nachbarpräfektur "Yamagata") oder bei der telefonischen Reservierung beim Hotel klären. Die meisten Hotels schicken dann zu der entsprechenden Bahn-Haltestelle (ich glaube, die Haltestelle hieß "Oishida", bin mir aber nicht mehr 100%ig sicher...) einen Fahrer, der einen dort abholt. Ansonsten gibt's auch eine Bus-Linie von Oishida nach Ginzan-Onsen.

Mit dem Auto nach Ôshika-Hantô (Rundreise ca. halber Tag):
Wildromantische, kiefernbewachsene, zerklüftete Küstenlandschaften abseits von den ansonsten in Japan üblichen Menschen-Massen - östlich von Sendai hinter Matsushima. Muss man allerdings mit dem (Miet-)Auto machen. Am südwestlichen Ende dieser Küstenregion (also auf dem Rückweg nach Sendai) liegt Ishinomaki, ein Ort, der für seinen Walfang bekannt ist. Wer also Walfanggegner ist, kann dort sein Feindbild mal aus der Nähe betrachten, wer sich nicht so sehr darüber echauffiert, dem empfehle ich, dort tatsächlich mal Walfleisch zu probieren - ist zwar politically höchst incorrect, dafür aber (leider) sehr sehr lecker...

Mit dem Auto nach Kessennuma (ca. 3 Std.):
Im Prinzip ähnlich wie Ôshika-Hantô, nur nicht ganz so viele kleine Inseln vor der Küste und kein Walfangort in der Nähe, dafür aber am Meer einige Orte (besonders eben Kessennuma selbst), in denen man Sushi und Sashimi von Allerfeinsten essen kann - und das auch noch zu recht reellen Preisen, weil's eben mitten auf dem Land ist... liegt nordöstlich von Sendai.

Mit dem Zug nach Aizuwakamatsu (ca. 80 min):
Hier noch ein Tip für Freunde der japanischen Geschichte. In dieser Stadt verübten im Laufe der Belagerung der Burg gegen Ende der Edo-Zeit 20 junge Samurai Selbstmord, nachdem sie von einem Hügel in der Nähe aus sahen, dass aus ihrer Burg Rauch aufstieg. Sie dachten irrtümlicherweise, dass der Feind ihre Burg eingenommen habe und hielten sich an ihren Ehrenkodex, der ihnen keine Wahl als eben den Selbstmord durch "Seppuku" ließ. Diese Geschichte ist in ganz Japan relativ bekannt, weil sie die pflichtversessene Opferbereitschaft der klassischen japanischen Gesellschaft (und damit nach Meinung der Japaner auch den Hauptgrund für ihren wirtschaftlichen Erfolg) symbolisiert. Die Burg ist heute ein Museum. Da auch die Stadt sehr schön und immer noch relativ "klassisch" aussieht, ist ein Ausflug besonders in den wärmeren Monaten (zwischen April und Oktober) immer eine nette Sache. In einer ortsansässigen Sake-Brennerei (Brauerei?) kann man sehr interessante Führungen mitmachen und feinen Reiswein kosten (und u.a. auch einige gegrillte Heuschrecken dazu knabbern...). Auch das ist wirklich eine lohnende Sache. Den Namen der Sake-Firma weiss ich nicht mehr, aber in der Touri-Info von Aizuwakamatsu können die einem diesbezüglich helfen... "Aizu" liegt südlich von Sendai in der Nachbarpräfektur "Fukushima".

Abschließend noch einige Tipps für Sendai selbst:

- unbedingt Gyû-Tan essen (gegrillte Rinderzunge): superlecker!
- und: Yakiniku (Grillfleisch koreanischer Art) bei Gyû-Kaku - ebenfalls superfein!
- Zuihôden und Ôsaki-Hachiman-Jingu besuchen: zwei sehr schöne Schreine
- Abends: in der Kokubunchô auf die Piste gehen - hoher Flirtfaktor!
- oder: in die "Bar Isn't It" - quasi Sendais "Meat Market": noch höherer Flirtfaktor!
- Sendai-Hakubutsukan: interessantes Kulturgeschichtliches Museum
- für Architektur-Freunde: die Miyagi-Toshokan (Bibliothek) - schickes Gebäude
- und: die Sendai-Mediathek - ebenfalls preisgekröntes Gebäude in der Innenstadt
- und: das WM-Stadion in Rifu (ca. 30 min mit der Bahn) - imposante Architektur
- für Cocktail-Freunde: einmal einen Yukiguni bestellen (leckerer Drink auf Wodka-Basis)
- zum Kaffeetrinken ins "Café Mozart": der Besitzer kann sogar ein wenig deutsch und macht einen Hammer-Milchkaffee! Sehr gemütlich dort und schöne klassische Musik...
- übernachten kann man gut im Chitose-Ryokan: freundlicher Familienbetrieb in City-Nähe, der explizit auch sehr gerne Gaijin (= Ausländer) aufnimmt und nicht teuer ist (ca. 5000 Yen, also 30 EUR pro Nacht glaube ich - kann sich aber mittlerweile geändert haben...)

All die Zugverbindungen -preise, Fahrpläne etc. kann man in Sendai in der Touri-Info im Hauptbahnhof abklären. Die Leute dort können sogar ein wenig Englisch und sind sehr sehr hilfsbereit. Damit sollte eigentlich interessanten Ausflügen nichts mehr im Wege stehen...

Übrigens - Sendai ist ganz bequem per Shinkansen zu erreichen (ca. 2,5 - 3 Std). Wer keinen JR-Rail-Pass hat (mit dem man für eine oder zwei Wochen in ganz Japan kostenlos die Bahnen der JR nutzen kann), der muss mit ca. 20.000 Yen (ungefähr 130 EUR) für ein One-Way-Ticket rechnen. Abfahrt ab Tokyo-Hauptbahnhof. Züge gehen von ca. 6 Uhr morgens bis ca. 21:30 Uhr abends alle 5 bis 15 Minuten - Reservierung ist also eigentlich nicht erforderlich (zumal die ja auch nochmal Geld kostet)..

So, Freunde, dann mal viel Spaß in der schönsten Region Japans...!

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Zuletzt bearbeitet am 31.01.2008

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Nobu
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