...was einen wirklich dort halten könnte. Letztlich ging es nur darum in El Calafate eine geeignete Internetverbindung zu finden, damit Manuel sein Interview am 30. Januar mit der Munich Business School via Skype abhalten kann, weil es sonst wirklich nichts in erreichbarer Nähe an internetfähigen Städten gab.
Ach ja, fast vergaß ich´s, da war doch noch was, das es zwar nicht in El Calafate gab, aber zumindest in der sogenannten Nähe, was in Argentinien dieses Mal nur 80km entsprach, nämlich den Perito Moreno Gletscher. Der Perito Moreno ist der einzige Gletscher in Argentinien der noch wächst, oder sich zumindest noch nicht zurückzieht, denn er schiebt sich täglichca. 2m nach vorne, kalbt aber dieselbe Menge an Eis (soll heißen er bricht ab). Genau deswegen waren wir ja auch dort :-)
Wir bewegten uns trotz des stärker aufkommenden Regens und wegen deshalb auch schwindenden Touristenmassen sofort an die vorderste Front des Gletschers, zur sogenannten \\\"Breaking-Zone\\\", wo man in einer gewissen Regelmäßigkeit sehen soll, wie der Gletscher kalbt. Wir warteten also ein kleines Weilchen, doch es tat sich zunächst nichts :-( Doch dann ganz plötzlich hörte man ein Krachen! Und nochmal! Da, schon wieder! Bis wir feststellten, dass nur der aufkommende Wellengang gegen die unterspülten Überhänge des Gletschers prallten und dabei ein vergleichsweise lautes Geräusch in unsere Richtung schleuderten, was uns erwartungsvoll hoffen ließ, bis wir es eben kapiert hatten.
Doch das nächste Krachen täuschte uns nicht, enttäuschte uns aber. Warum? Es war zwar scheinbar ein recht großes Stück Eis vom Glaetscher abgebrochen zu sein, jedoch auf der anderen Seite des Gletschers, die sich leider nicht in unserem Blickfeld befand. Fast schon etwas gefrustet (und das schon nach ca. 40 Minuten ^^) verließen wir die Breaking Zone und begaben uns weiter zur rechten Seite des Gletschers, der eine Höhe von bis zu 60m erreicht und das auf einer Länge von mehr als 2-3 km! Das heißt, wenn sich der Gletscher täglich ca. 2m nach vorne verschiebt und entsprechend auch abbricht fallen hier täglich mehr als 300.000 m³ (= 300.000.000l) ins Wasser, was mehr als 7,5 Milliarden durchschnittlichen Eiskugeln á 40ml entspricht (diese Zahl wird interessanter, wenn man sich unser Video anschaut, http://www.youtube.com/watch?v=-oSI8fyY5do&feature=youtu.be). Da muss doch auch was für uns dabei sein, oder?
Auf der rechten Seite angekommen hörten wir wieder ein Knirschen und lautes Krachen, prüfend und gespannt, ob es nicht doch wieder nur die Wellen sind, die uns täuschen, musterten wir die breite Gletscherfront und machten kleinere Bruchstücke aus, die sich an einer Stelle lösten. Die Kamera war schon auf das Motiv ausgerichtet, der Zoom aufs Äußerste und die Serienbildfunktion eingestellt, um auch nicht das Geringste zu verpassen. So standen wir nun da und starrten, wie die Ölgötzen auf die immer gleiche Stelle, bis unsere Geduld endlich belohnt wurde. Zunächst sah man wieder nur einige kleinere Brocken herunterfallen, doch dieses Mal in ganz kurzen Abständen, gleich musste mehr passieren und so kam es auch, als ein Eisblock in der Größe eines kleinen Einfamilienhauses von der Nordwand des Gletschers in das eisblaue Wasser abglitt und eine Welle mit der Gewalt eines Tsunamis auslöste, von der Gewalt des mit 3 Sekunden Verspätung ankommenden Bruchgeräusches ganz zu schweigen. Es gab zwar noch einige kleinere \\\"Kälber\\\" zu betrachten, aber dieses war definitiv das größte und somit auch beste des gesamten Tages.
Nachdem Manu sein Interview mit Bravour bestanden hatte (Antwort noch ausstehend), gingen wir weiter nach El Chaltén, einer Stadt, die an sich noch weniger als El Calafate zu bieten hat und die erst 1985 gegründet wurde, nur um den Chilenen ein Stück des noch nationenlosen Landstrichs abzutrotzen. Trekking war wieder angesagt, Ziel: der Berg Fitz Roy, der den Torres del Paine in nichts nachsteht und zu unserer Überraschung für uns noch schöner, als die Torres war. Was die beiden Massive jedoch gemein hatten war, dass sie uns den morgendlichen Sonnenaufgang verwehrten, was unsere Begeisterung am Ende des frühen, rekordverdächtigen Spurts zum Aussichtspunkt, Startzeit 5:10 Uhr, Ankunft gegen 6:05 Uhr wieder kaum schmälerte.
Nach der Rückkehr ins Städtchen, bereiteten wir uns auf unser Highlight von El Chaltén vor. Am folgenden Tag sollten wir nämlich Eisklettern gehen :D Und zum Glück spielten Wind und Wetter dieses Mal mit und erlaubten es uns den nahe gelegenen Gletscher Viedma gemütlich mit dem Boot zu erreichen, um nach einer kurzen Wanderung übers Eis vor einem gewaltigen Spalt Halt machten. Da sollen wir hoch? Das war der erste Gedanke, als sich die ca. 8-10m hohe Eiswand vor uns in die Höhe reckte. Und die Antwort war: \\\"Verdammt, Jaaaaaaaaa!!!\\\"
Manu ließ sich nicht lumpen und wollte gleich als Erster den Schritt in die senkrechte Steilwand wagen. Handschuhe übergestreift, Steigeisen überprüft, mit dem Karabiner eingehakt und schon gings los, die ersten Schritte waren noch etwas unsicher, doch nach kurzer Zeit war die erste Scheu vor Materie und Steile überwunden und es gab nur eine Richtung, Aufwärts! Direkt danach war ich als Zweiter an der Reihe, mit dem Vorteil die ein oder andere Beobachtung machen zu können, bevor man selbst ans Werk geht. Sogleich wurde daraus ein zwar noch zaghafter, aber sicherer Aufstieg. Doch nach dem Abstieg kam bei uns das dumpfe Gefühl auf, dass der erste Aufstieg auch gleichzeitig der Letzte war, denn die Hände schienen nicht einmal dazu in der Lage zu sein, den wohl trainierten Daumen in die Höhe zu strecken, als Zeichen des Triumphes über die Naturgewalt. Wenig nach dem Kennenlernen der Grundkenntnisse ging es schon zu einer schnelleren und anspruchsvolleren Technik über. Dieses Mal war es an mir, das Unbekannte zu bezwingen, um den Nachfolgenden als Versuchsobjekt zu dienen. Das Unbekannte verwandelte sich im Nu fast schon in einen alten Bekannten, der einem auf dem Weg nach oben half und selbst der Überhang war in all der Euphorie in kürzester Zeit überwunden, um die Eisaxt am Höhepunkt, nicht nur der Steilwand, sondern auch der Gefühle in die Luft strecken zu können.
Nach den anfänglichen Ängsten, die Kraft könnte uns schon nach allzu kurzer Zeit den Dienst versagen, verhalfen uns das in die Blutbahnen schießende Adrenalin, das wirklich fast für uns zwei reservierte Lob der Crew und der Spaß an der Sache zu insgesamt 8 Klettergängen an der mit der Zeit immer schwieriger zu bezwingenden Kletterwand. Die euphorische Erfahrung mit dem Eisklettern lässt mich zu der Aussage verleiten, dass ich im Klettersport ein neues und spannendes Hobby gefunden habe.
So kamen wir beiden Jungs schließlich zu mehr, als nur einem Eis!
Fazit: Mit dem Eis verlassen wir mit aller Wahrscheinlichkeit die kälteren Gefilde des südlichen Teil des Kontinents und womöglich auch das inzwischen so lieb gewonnene Argentinien. Argentinien ist für uns mehr als Buenos Aires, Feuerland, Patagonien, unzähligen Asados und Mate geworden. Argentinien ist all das und noch viel mehr, nämlich Nationalstolz, gepaart mit einer gewissen Sturheit, Traditionsbewusstsein und einer Gastfreundschaft, die selbst die engsten Zugehörigkeitsbekundungen einer deutschen Familie überschreiten. Das ist es, was wir nebst Souvenirs, Mate und Asado aus Argentien mit nach Hause nehmen und auch teilen werden.
Hört sich mal wieder super an dein Bericht.
Eisklettern... voll geil...
Hallo Stefan,
Klasse Bericht, fantastische Bilder,wahnsinns Gletscher, nur ein bisschen kalt beim Klettern?Bei uns ist es aber bestimmt kälter als bei euch. die tiefste Temperatur lag bei uns bei ca. -18 C, und das schon seit 2 Wochen.Ist bei euch sonst alles ok. Melde dich wider mal über Skype. Liebe Grüße von Mama und Papa. Liebe Grüße auch an Manu.
hey steve
ich kann mich den beiden nur anschließen...vor allem die bilder sind echt toll...
heute hät es dir bei uns bestimmt auch gefallen, seit gestern abend schneit und schneit und schneit es...kaum geschippt ist danach wieder alles voll...
freu mich auf den neuen bericht...
lg HDL
Hallo Stefan, Du hast ja riesen Abwechslung auf deinem kleinen Trip. Deine Berichte sind Gesprächsstoff für die ganze Familie. (halb Tennebronn) Wir sind schon auf Deinen nächsten Bericht gespannt. Wir wünschen Dir eine glückseelige Fasnet und mach weiter so. gruß Birgit u. Hubi
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