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Neuseeland – wo sind nur die vielen Schafe?

27.09.2010 | Bilder22 | Kommentare0 | Neuseeland 
Wir waren gespannt auf Neuseeland, gibt es doch viele Leute die das Land hoch loben und es als ihr Lieblingsland bezeichnen. Uns zog es auf die Nordinsel – mal sehen was sie zu bieten hat...

Unser Flug führte uns zunächst nach Auckland. Nicht die Hauptstadt, dafür die grösste und bekannteste Stadt. Ein Hotel zu finden, erwies sich als gar nicht so einfach, wenn man wie wir auf 2 Nebenpunkte Acht gibt: Kostenfreies Parken und freies Internet. Beides ist in den Stadthotels schweineteuer, weshalb wir lange hin und her überlegten. Am Ende haben wir uns für Skycity entschieden, weil es eine gute Lage hat (direkt am Sky Tower), relativ neu ist, gut bewertet und Internet zumindest nicht teurer ist als bei anderen.

Auf Grund der Parkgebühren nahmen wir erstmal kein Auto, braucht man hier aber in der Stadt auch nicht. Es gibt im Stadtkern einen freien Shuttle-Bus, der die wichtigsten Punkte anfährt. Alles andere ist mit Buslinien erreichbar, das Netz ist gut ausgebaut. Die ersten Tage machten wir das Standard-Pflichtprogramm: Free ShuttleBus fahren, Hafen anschauen und Harbour Cruise machen (zur Insel Rangitoto usw), und natürlich einmal hoch auf den Sky Tower. Der höchste Turm der Südhalbkugel, wie sie behaupten, ist 328 Meter hoch. Die Helden haben in der unteren Beobachtungsplattform und im Fahrstuhl (!!) Glasböden eingebaut. Besonders toll für Höhenfreunde wie Nicki ;-)

Von der unteren Plattform konnte man auch einen Blick auf die Wagemutigen werfen, die einen Skyjump wagten – seilgeführt von ganz oben 192m nach unten sausend. Ich beneidete die Leute nicht wirklich...

Das Hotel erwies sich als sehr gut. Viel zu gut. Das Frühstücksbuffet, sowie Abendbuffet war unbeschreiblich. Wir haben uns nicht nur einmal bis zur Unbeweglichkeit vollgefuttert. Man kann sich sonst wie oft noch sagen: Heute ess ich nicht so viel, wenn das Auge die Leckereien erstmal erfasst hatte, wurde der Verstand ausgeschaltet.

In den 3 Tagen Stadtleben haben wir auch einmal in das wahre Leben der Neuseeländer reingeschnuppert. Wir haben einen Augenarzt aufgesucht, da Nicki seit 2 Wochen Probleme mit dem rechten Auge hatte (irgendwas rein bekommen, rot und tat weh). Das war sehr interessant. Wir hatten zuerst ein Krankenhaus ausgesucht, das mit einer “emergency eye clinic” aufwartete. Dort sagte man uns, das dies ein Öffentliches Krankemhaus sei und wir als Touris / Ausländer nur mit einer Zahlung von 600 NZ Dollars (ca. 330 Euro) dort behandelt werden dürfen. Krasse Regelung. Auf der einen Seite gut, erklärte sie uns, das sie so die Behandlungen für die Einheimischen vorhalten wollen. Nützte uns in dem Moment aber reichlich wenig. Ob hier so viele Auswärtige aufschlagen zur Behandlung? Medizintourismus nach Neuseeland? Davon hatten wir noch nie gehört. Wenigstens nannte sie uns dann eine private Klinik zu der wir gehen konnten. Dort waren sie sehr nett und zuvorkommend. Alles war modern eingerichtet – dagegen wirkte manche deutsche Praxis sehr veraltet (zumindest ein paar uns bekannte Beispiele). Die Augengeschichte stellte sich als noch schwelender Entzündungsherd der erst vor kurzem ausgetragenen Erkältung heraus, der Doc verschrieb Linderungstropfen und damit wurde es auch besser. Wir waren zwar 100 Euro ärmer, aber Hauptsache wir wissen nun was es ist.

Schon alleine das wir den rülpsenden Busfahrer der Linie 312 kennenlernen durften, war das Geld wert und sorgte für den running gag der nächsten Wochen.

Am 4.Tag in Auckland haben wir unseren Mietwagen abgeholt (Warum muss die Vermietung ausgerechnet an der steilsten Strasse der Stadt, natürlich fast ganz oben liegen??) und sind los gedüst.

In das Auto, ein Ford Falcon XR6, haben wir uns ein wenig verliebt - schönes Auto. Und das obwohl wir sonst nicht so der Fan von Ford waren... Ford fahren, heim laufen..., wie man so schön sagt. Das Auto war in rassigen Ferrari-Rot! Aber nicht nur deswegen. Er war nagelneu und liess sich wunderbar fahren.

Der erste Ausflug führte uns zum Mt. Eden, einem alten Vulkankrater inmitten von Auckland. Von oben hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt. Hier oben fing es dann mächtig an zu stürmen und damit kündigte sich “endlich” der Mega-Sturm aus Tasmanien an, den sie seit 3 Tagen für Auckland ansagten und bisher auf sich warten ließ.

Also fuhren wir weiter raus aus der Stadt nach Piha, einem kleinen Surfer Ort westlich von Auckland. Eine Empfehlung des Augenarztes. Bei ruhigem Wetter bestimmt wunderschön und erinnerte uns sehr an Irland. Aber bei dem Wellengang mit 6-7m hohen Wellen und dem Sturm an dem Tag war verständlicherweise keiner zu sehen.

Zurück im Hotel (ja, wir haben ein Tag die Parkgebühren von 20 Euro bezahlt) sah noch alles recht friedlich aus. Wir sind noch in einem Food Court 3 Straßen weiter gelaufen und als wir wieder raus kamen, konnten schon Weltuntergangsgedanken aufkommen. Der Weg zurück ins Hotel war eine Mischung aus Rennen und gegen den stürmenden Wind lehnen, was allerdings nur zu einem sehr langsamen Fortkommen führte, aber dank der fast durchgängig überdachten Geschäftspassagen kam man fast trockenen Fusses im Hotel an. Echt sehr praktische Erfindung (ein Schirm wäre aussichtslos gewesen).

Da der Abend noch jung war und das Personal des hoteleigenen Casinos so einladend lächelte gingen wir eine Runde ins Casino. Dort findet Freitag und Samstag eine Spezialverlosung statt. Jeder Gast bekommt ein Bändchen mit einer Nummer um dem Arm und zu späterer Stunde wird eine nicht zu verachtende Summe an eine dieser Nummern verlost. Gewonnen hat am Ende ein abgebrühtes Pokerface an die 40, der sich augenscheinlich nicht wirklich darüber freute. Wahrscheinlich keiner der das Geld braucht, sondern genug davon hat. Wie immer halt. Auch sonst war uns das Glück diesmal nicht so hold wie damals in Las Vegas.

Die nächsten Tage brachten uns zuerst auf die Coromandel Halbinsel und anschliessend nach Rotorua. Dem Zentrum der geothermalen Aktivitäten der Insel. Die gesamte Fahrt über hielt ich nach den angeblich abertausenden Schafen der Insel Ausschau. Aber ich sah beim besten Willen immer nur Kühe. Überall standen nur Kühe. Wir zählten die vereinzelten Schafe. Wir kamen auf ganze 10. Wo sind die nur alle?

Auf der Coromandel Halbinsel befinden sich die Hot Water Pools. Besonders der Hot Water Beach war interessant. Unter dem Strand verlaufen geothermale Ströme, so dass man am Strand nur ein wenig buddeln braucht, um sich seinen eigenen kleinen Pool mit Badewannen-warmen Wasser zu bauen und das bei einer Aussentemperatur von 16 Grad. Den nötigen Spaten konnte man sich ausleihen. Absolut cool!
Rotorua ist sowas wie das Zentrum der geothermalen Aktivitäten der Insel. Hier gibt es jede Menge Parks mit Geysiren, blubbernden Schlammtümpeln und giftigen heissen Seen zu entdecken.

Am Hells Gate konnten wir des Teufels zu Hause bewundern (Devils Home, Devils Bath ...) und jede Menge gesunde Schwefelluft atmen. Der Schlamm aus den Tümpeln und der Schwefel wird hier auch für Behandlungen und Gesundheitsbäder benutzt.

Die schwefligen Rauchschwaden liegen über dem gesamten Ort und man kann sich diesem ziemlich unangenehmen Geruch nirgends entziehen. Dafür gibt es hier einfach zu viele geothermale Löcher. Ich weiss nicht wie die Leute hier Leben können. Die Aktivitäten könnten sich jederzeit eine neue Stelle zum Dampf ablassen suchen und dabei könnte schon auch mal ein Haus im Wege stehen.

Der Dampf vom Hells Gate wurde im Wai-o-tapu Thermalpark noch übertroffen. Der Park ist bekannt für seinen Champagnerpool. Ein “Teich”, der in allen möglichen Farben schimmert (von tief grün bis hell orange) aber hochgradig aus den giftigsten Stoffen besteht.

Im Park TePuia wurde die Geschichte der Maori erklärt und deren Leben und Traditionen gezeigt. Die Symbolik der Maori mit ihren Figuren hat schon was für sich.

Über Neuseeland lag in diesen Tagen durch das riesige Sturmgebiet eine absolute Kältewelle und der nahende Frühling liess noch ziemlich auf sich warten. Normalerweise ist es hier nicht so kalt, wurde uns allerorts entschuldigend vorgebracht, half uns aber auch nicht gegen das Frieren – die meisten Unterkünfte sind gar nicht auf solche Temperaturen ausgelegt.
Das Highlight der B&Bs folgte nach Rotorua in einem kleinen Motel in Tokaanu, Wie aus tiefster DDR Zeit entrissen und hierher verpflanzt. Es trumpfte mit Hotpools und einem Spabereich auf, in die ich nicht mal im Angesicht des Todes gegangen wäre. Ein Alptraum...

Wir machten noch einen Abstecher zum Vulkangebiet des Mt. Ruapeho in den Ski-Ort Whakapapa. Die Strasse ins höher liegende Skigebiet war leider aufgrund der aktuellen Wetterlage gesperrt (heftige Schneestürme oberhalb von 1000m). Im Besucherzentrum wurde anschaulich die vulkanische Aktivität der Gegend näher erklärt und wir staunten nicht schlecht, als wir gelesen haben, dass der letzte Ausbruch noch gar nicht so lange her ist (2006).

Es wurde genau erklärt, wie man sich im Falle eines Ausbruchs zu verhalten habe. Ich weiss nicht ob ich hier unbedingt Ski fahren müsste. Nun fing es aber auch hier bei 1 Grad Außentemperatur an zu schneien und wir machten uns schnellstmöglich wieder auf den Weg nach unten, da wir keine Winterreifen hatten. Auf dem Weg zurück warfen wir nochmal einen Blick auf die friedlich schlummernden, schneebedeckten und bis zu 2700m hohen 3 Vulkane (Mt. Ruapeho, Mt. Tongariro, Mt. Ngauruhoe).

Weiter südlich haben wir in Stratford Halt gemacht und sind über den Forgotten World Highway zurück Richtung Taupo/Rotorua gefahren. Und da waren sie endlich: die vielen Schafe. Und die waren nun nicht mehr zählbar. Am Forgotten World Highway war wirklich die Zeit stehen geblieben. Wir durchkreuzten die ausgerufene freie Republik mitten im Land: Whangamomona.

Ansonsten war die Gegend wirklich vergessen: Uns kamen auf 160km ganze 5 Autos entgegen und die Strasse war nicht mal durchgängig asphaltiert, obwohl sie sich Highway nennt. Dafür führte sie durch eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend, grüne hügelige Wiesen und Bergpässe mit jeder Menge weissen Tupfern (meine Schafe).

Einen letzten Stop machten wir in Matamata, wo wir eine Schaffarm besuchten. Wir wurden in die Geheimnisse des Schafe scheren eingeweiht und durften/mussten Kälbchen füttern (die Frauen machen das, wie der Farmer sagte).

Zurück in Auckland haben wir noch einen Tag auf Waiheke, einer bei Aucklandern sehr beliebte Naherholungsinsel, verbracht. Dort haben wir uns mit unseren neuen Bekannten wieder getroffen, die wir in Fiji kennen gelernt haben. Sie besitzen wie viele Aucklander einen Zweitwohnsitz (Ferienhaus) auf der Insel.

Die Insel ist klein, hat aber fast alles zu bieten. Wir waren sehr erstaunt und uns gefiel es sehr gut dort. Sie hatte leicht menorcanischen Charme und wir durften an unserem letzten Tag auch endlich einen ersten Hauch vom neuseeländischem Frühling genießen. Warum nur nicht eher? Trotzdem, die Insel hat was für sich, das können wir definitiv bestätigen und nachdem wir nun erste Konakte geknüpft haben – man sieht sich bestimmt wieder. Aber dann im Sommer (Februar soll der beste Reisemonat sein) und mindestens 4 Wochen, soviel steht fest. 2 Wochen waren selbst nur für die Nordinsel nicht ausreichend.

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