Da meine Freundin seit ein paar Wochen in Schweden studiert, wurde es jetzt mal Zeit, sie dort zu besuchen. Sie ist an der Universität in Lund. Lund ist eine kleinere südschwedische Stadt direkt in der Nähe von Malmö. Dieses wiederum liegt seit dem Bau der Öresundbrücke nur einen Katzensprung vom dänischen Kopenhagen entfernt.
Um nach Lund zu gelangen, habe ich mich für diesen ersten Versuch dazu entschieden, komplett auf den Zug zu setzen. Die Bahn hat mir auch ein zumindest preislich attraktives Angebot gemacht; Hätte ich meinen Suchradius für Billigflieger erweitert, wäre ich aber vielleicht drauf gekommen dass Germanwings eine Verbindung von Köln/Bonn nach Kopenhagen anbietet, die genau so viel kostet aber nicht 18 Stunden dauert...
Nunja, auf der Hinfahrt war das auch nicht weiter schlimm. Zwar halte ich es für eine geschickte Illusion, dass man im Schlafwagen wirklich schlafen könne, aber es ist besser als nichts. Nach einem Trip quer durch Deutschland (Köln, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Flensburg) bis schließlich nach Kopenhagen kamen wir auch mit nur 1,5 Stunden Verspätung an. Hätte ich geahnt, wie gut die Verbindungen mit dem Öresundståg nach Malmö und Lund sind, hätte mir das auch nicht den Schweiß auf die Stirn getrieben.
Die Öresundbrücke und die nach Kopenhagen führende Storebælt-Brücke sind natürlich ziemlich sehenswerte Bauwerke und die Überquerung beim ersten Mal ein Erlebnis. Aber auch vom Rest der dänischen und südschwedischen Landschaft bekommt man einiges mit, was man im Flugzeug sicherlich verpasst hätte.
Lund war mir von Anfang an sympatisch. Es ist nicht nur eine besonders junge Stadt (ein Großteil der Bewohner sind Studenten) und hat viele Geocaches (da sind uns die Schweden voraus), es gibt auch relativ wenige Autos in der Innenstadt (wie in einigen skandinavischen Städten). Es wird das eigene Fahrrad benutzt, wenn es irgendwie möglich ist. Die kurzen Wege in der Stadt und der gut ausgebaute Nahverkehr tragen dazu bei.
Am ersten Abend konnten wir bei einem Essen mit Kommilitoninnen aus China und Japan diesen die deutsche Küche näherbringen - anhand der von mir importierten Bratwurst, die wir teilweise zu Currywurst weiterverarbeiteten.
Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg gemacht, Malmö zu erkunden. Von Lund aus kommt man mit den sehr guten Zugverbindungen in ca. 10 Minuten dorthin. Nach einem kurzen Bummel durch die Innenstadt und einem Mittagessen haben wir das neu eröffnete Café der Mitbewohnerin meiner Freundin besucht, wo es dann Kanelbullar und Cappucino für uns gab.
Wie erwartet gibts in Schweden nicht klischeehaft an jeder Ecke Köttbullar. Dass wir aber gar kein Restaurant (außer dem IKEA in Malmö) gefunden haben, das damit wirbt, erschien uns suspekt.
Später haben wir uns dann auf den Weg zum Turning Torso gemacht, dem mit 190 Meter immerhin höchsten Wolkenkratzer Skandinaviens. Er steht fast direkt am Meer und in Sichtweite zur Öresundbrücke. Dass wir dort gerade bei Sonnenuntergang ankamen, hat uns viele schöne Fotos beschert.
Da wir in Malmö ziemlich viel zu Fuß unterwegs waren, haben wir an den darauffolgenden Tagen ein bisschen langsamer gemacht und Lund mit seinen Geocaches weiter erkundet. Dabei wurden mir auch die schönen Gebäude der Universität gezeigt, die teilweise bunt mit Wein bewachsen sind und zusammen mit vielen anderen älteren Gebäuden das Stadtbild entscheidend prägen.
Schließlich sind wir noch nach Kopenhagen gefahren, was mit dem Öresundståg (der von Lund durchfährt bis nach Kopenhagen) genau eine Stunde dauert. Dort wurden wir zunächst von ziemlich vielen Baustellen begrüßt, was sich auch durch unseren ganzen Aufenthalt ziehen sollte. Natürlich haben wir uns neben der Innenstadt auch die Sehenswürdigkeiten angeschaut. Und was könnte da bekannter sein als die kleinste Sehenswürdigkeit der Welt, die Meerjungfrau an der Hafeneinfahrt?
Leider -- aber das wussten wir schon vorher -- ist die gerade im Urlaub. Stattdessen solle, so meinten wir gehört zu haben, eine Replik aus dem Tivoli, Kopenhagens berühmtem Freizeitpark, zu sehen sein. Aber das war nicht ganz richtig: Statt der Meerjungfrau gab es nur eine Videoleinwand an gleicher Stelle, die die Meerjungfrau live an ihrem Urlaubsort, einem Museum in Hongkong, zeigt. Wieso man für diese Installation, über deren Grundidee wir nichtsahnend vorher noch Witze gemacht haben, allerdings einen Künstler bemühen muss, bleibt uns rätselhaft.
Auch den Königspalast haben wir besucht und gleich mal Lemminge gespielt: Einige Kamerateams und jede Menge Passanten warteten vor dem Balkon auf -- ja was eigentlich? Da es interessant zu werden versprach, gesellten wir uns dazu, nur um fünfzehn Minuten lang mitzuerleben wie sich nichts tut. Aber auch rein garnichts.
Per Zufall entdeckten wir auch noch die Yacht Skat von Microsoft-Kopf Charles Simonyi im Hafen von Kopenhagen. Das Ding sieht nicht nur aus wie ein Militärschiff, es ist auch ähnlich groß.
Am nächsten Tag trat ich dann meine Rückreise an, auf der ich auch diesen Text schreibe. Um meinen EuroCity-Zug von Kopenhagen nach Hamburg auf keinen Fall zu verpassen, wollte ich in Lund zwanzig Minuten früher losfahren. Wie es der Zufall so wollte, gab es ausgerechnet dann technische Probleme, die die ganze Strecke Richtung Malmö lahmlegten. In Kopenhagen landete ich daher sieben Minuten zu spät. Mein EuroCity war weg und meine Rückreise wurde nervenaufreibender und länger als ursprünglich geplant. Jetzt bin ich aber auf der allerletzten Etappe nach Trier und hoffe, dass alles klappt...
Natürlich fühlt sich bei der Rückreise jede Minute Verspätung an wie eine Stunde auf der Hinfahrt: Man hat nicht mehr das Ziel vor Augen, auf das man sich freuen kann... Man will einfach nur nach Hause. Ein Grund mehr, nächstes mal das Flugzeug zu nehmen (oder den Privatjet, wenn ich zwischendurch noch ein paar mal im Lotto gewinne).
Insgesamt bleibt ein sehr positiver Eindruck der Region zurück; und dabei habe ich noch nicht mal viel von der Natur gesehen. Auf jeden Fall werde ich die nächste Gelegenheit nutzen, um wieder den Öresund zu queren!
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